Dienstag, 30. November 2021

Der Weg der Highlanderin von Eva Fellner

 


Enja – Das Schicksal der Schotten liegt in ihrer Hand.

Schottland, 1314: In den Highlands tobt ein erbitterter Krieg zwischen den Engländern und den Clans um die schottische Unabhängigkeit. Als die Lage sich zuspitzt, beschließt die mutige Kriegerin Enja, die zur Assassinin ausgebildet wurde, für die Schotten zu kämpfen – an der Seite des Clanführers James Douglas. Am Tag der großen Schlacht fällt der König der Schotten eine schwerwiegende Entscheidung: Enja soll sich als Frau vom Kampfgeschehen fernhalten. Doch als sie in den Reihen ihrer Feinde jemanden erkennt, dem sie vor Jahren Rache geschworen hat, weiß sie: Dies ist ihre einzige Chance.  

Im zweiten Teil der Highlanderin-Saga verfolgen wir Enjas Leben weiter. Die Autorin beginnt im Jahr 1306 mit ihrer Erzählung um dann von früheren Ereignissen zu erzählen, sodass Informationen, die vielleicht im ersten Band * Die Highlanderin* vermisst worden sind, endlich zutage kommen. Keine Angst, das klingt jetzt komplizierter als es ist, beim Lesen fügt sich alles mit einer Selbstverständlichkeit zu einer runden Geschichte, die durchaus bemerkenswert ist.

 Unaufhaltsam steuern Schottland und England auf die entscheidende Schlacht um die Unabhängigkeit der Schotten zu, doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Robert de Bruce, der König der Schotten, sichert sich Enjas Gefolgschaft und bestimmt im selben Atemzug James Douglas zu ihrem Ehemann, wohl wissend, dass sie nach dem Treueschwur, nicht ablehnen kann. Doch natürlich hat er die Rechnung ohne die stolze Enja gemacht.

Wie schon beim ersten Teil mochte ich die Mischung aus Fiktion und historischen Fakten, man könnte fast glauben, die Geschichtsschreiber hätten die Rolle Enjas, die zum Sieg der Schotten in der Schlacht um Bannockburn in der Nähe von Stirling, gespielt hat, einfach aus den Geschichtsbüchern gestrichen. Robert de Bruce wurde dank dieser Schlacht, aus der er mit einem verhältnismäßig kleinen Heer gegen die Übermacht der Engländer siegreich hervorging.

Ich mag es sehr, wenn Romane mich dazu bringen, nachzuforschen, wie es wirklich war und besonders mag ich es, wenn Fiktion und Wirklichkeit nicht allzu sehr voneinander abweichen. Da der Autorin dies neben der spannenden Geschichte um Enja, soweit ich das beurteilen kann, sehr wohl gelungen ist, vergebe ich, wie schon für den 1. Teil, eine absolute Leseempfehlung.

Zur Autorin:


 Eva Fellner, mit vollem Namen Eva Fellner von Feldegg, wurde 1968 im oberbayerischen Murnau geboren und arbeitete zunächst als Chefredakteurin einer Fachhandelszeitschrift. Sie gründete eine Agentur für digitales Marketing und unternahm zahlreiche Reisen. China und Südafrika wurden ihr dabei zu einer zweiten Heimat. Neben asiatischer Kampfkunst interessiert sie sich schon immer für Geschichte, für starke Frauen und die Welt des Mittelalters. Sie ist davon überzeugt, dass die schönsten Geschichten das Leben selbst erzählt.




  • Herausgeber ‏ : ‎ Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (11. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 501 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746638305
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746638300



Samstag, 27. November 2021

Auf Tod komm raus von Anna Karolina

 


Einer von uns wird heute Nacht sterben.« Noch lacht Nicolas Moretti über die Prophezeiung seiner Zwillingsschwester, mit der er den Weihnachtsabend im Drogenrausch feiert. Doch als der kalte Morgen in Stockholm anbricht, ist einer von ihnen tot.

Alles deutet darauf hin, dass Nicolas, der einstige Sportstar, seine Schwester im Drogenrausch getötet hat. Für die Polizei ist er der Täter und so kann er nur hoffen, dass die Strafverteidigerin Angela Köhler, die zum Zeitpunkt seiner Festnahme zufällig auf dem Revier war, Beweise für seine Unschuld und im besten Fall den wahren Täter findet.

Köhler beauftragt die ehemalige Polizistin Ebba Tapper, sie bei den Ermittlungen zu unterstützen.Ebbas ausscheiden aus dem Polizeidienst war nicht ganz freiwillig und bei ihren ehemaligen Kollegen hat sie keinen guten Ruf, ihr teils exzessiver Alkoholkonsum machte sie auch für mich als Leser nicht wirklich sympathisch. Aber Ebba ist auch clever und erkennt Zusammenhänge, die den offiziellen Ermittlern verborgen bleiben.

Ich kannte die Autorin bis heute nicht, da ich aber ein großer Freund skandinavischer Krimis bin und immer gern neue Autorinnen und Autoren kennenlerne, habe ich gern zugegriffen als mir *Auf Tod komm raus*, in die Hände fiel. Und ich habe es nicht bereut, der Schreibstil Karolinas ist flüssig, sie spielt mit den verschiedenen Wendungen, die sie dem Fall gibt und überrascht mit einem erschreckenden Ende. Sie lässt ihre Leser in die Abgründe der menschlichen Seele blicken und wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, eröffnet sie eine weitere düstere Ebene.

Über die Autorin:
In ihrer Heimat Schweden ist Anna Karolina eine gefeierte Bestsellerautorin. Fans lieben ihre Krimis, auch weil die Autorin wirklich weiß, wovon sie erzählt: Anna Karolina war Jahre lang selbst Polizistin in Stockholm, bevor sie sich dem Schreiben widmete. Es heißt, dass die Bücher der Autorin sogar zu den meistgelesenen Büchern in schwedischen Gefängnissen zählen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Edition M (9. November 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 429 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 2496709315
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-2496709315
  • Originaltitel ‏ : ‎ Försvararen







Freitag, 26. November 2021

Teufelsnetz von Max Seeck

 


Helsinki 2020: Zwei erfolgreiche Blogger sind spurlos verschwunden. Kurz darauf wird deren Tod in den sozialen Medien gemeldet. Ein geschmackloser PR-Gag? Als eine junge Frau, gekleidet wie ein Manga-Mädchen, am Strand tot angespült wird, vermutet die Kriminalpolizei einen Zusammenhang. Jessica Niemi übernimmt die Ermittlungen, und sie kommt schon bald einem skrupellosen Netzwerk auf die Spur, das offenbar Mädchen an Manga-Fetischisten vermittelt. Zum Sex - und zum Töten 

Ich hatte mich gefreut als ich hörte, dass es einen zweiten Fall für Jessica Niemi geben wird und noch mehr als ich das Buch endlich in den Händen hielt. Ich freute mich darauf, das Team wiederzutreffen und ihre Entwicklung weiter zu beobachten, werden sie von Kollegen zu wahren Freunden, sodass Jessica ihre Geheimnisse, von denen sie einige hat, preisgeben kann. Hier muss ich anmerken, dass es zwingend notwendig ist den ersten Band gelesen zu haben um die Dynamik im Team, im besonderen aber Jessicas Eigenarten zu verstehen. Mit diesen Eigenarten hat besonders die neue Chefin, des Teams so ihre Schwierigkeiten, Hellu hat die Stelle des verstorbenen Erne und aus einem unerfindlichen Grund lehnt sie Jessica nicht nur auf persönlicher Ebene ab, auch beruflich wirft sie ihr Steine in den Weg. Yusuf muss die Trennung von seiner Freundin verarbeiten, Nina kann Jessica verständlicherweise nicht vergeben das diese mit ihrem damaligen Freund geschlafen hat und Rasmus lebt immer noch in seinem  Kinderzimmer.

Das sind nur einige der Protagonisten, dazu kommen noch die beiden verschwunden Blogger, die Tote vom Leuchtturm und jede Menge Verdächtiger. 

Ich kann nicht genau sagen warum, aber ich hatte die ersten 200 Seiten so meine Probleme mich von der Geschichte mitnehmen zu lassen, vielleicht lag es daran das die Ermittlungen irgendwie nicht vom Team gemeinsam geführt wurden, ich hatte immer das Gefühl jeder arbeitet für sich, es fehlte mir irgendwie der Zusammenhalt. Aber es hat sich gelohnt, dem Buch immer wieder eine Chance zu geben und weiter zu lesen, denn es nimmt irgendwann Fahrt auf und nicht nur die Ermittlungen gehen voran, auch wenn Max Seeck die Ermittler und damit auch uns immer wieder auf falsche Fährten führt, am Ende klärt sich alles und die überraschenden Wendungen machen den letzten Teil des Buches doch noch zu einem Vergnügen.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Lübbe; 1. Aufl. 2021 Edition (29. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 512 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3785727542
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3785727546
  • Lesealter ‏ : ‎ 16 Jahre und älter
  • Originaltitel ‏ : ‎ Pahan verkko



Donnerstag, 25. November 2021

In ewiger Freundschaft von Nele Neuhaus BAND 10



 Eine Frau wird vermisst. Im Obergeschoss ihres Hauses in Bad Soden findet die Polizei den dementen Vater, verwirrt und dehydriert. Und in der Küche Spuren eines Blutbads. Die Ermittlungen führen Pia Sander und Oliver von Bodenstein zum renommierten Frankfurter Literaturverlag Winterscheid, wo die Vermisste Programmleiterin war. Ihr wurde nach über dreißig Jahren gekündigt, woraufhin sie einen ihrer Autoren wegen Plagiats ans Messer lieferte – ein Skandal und vielleicht ein Mordmotiv? Als die Leiche der Frau gefunden wird und ein weiterer Mord geschieht, stoßen Pia und Bodenstein auf ein gut gehütetes Geheimnis. Beide Opfer kannten es. Das war ihr Todesurteil. Wer muss als Nächstes sterben?  Pia und Bodenstein jagen einen Täter, der ihnen immer einen Schritt voraus zu sein scheint.


Der 10. Band um die Ermittler Pia Sander und Oliver von Bodenstein führt die Leser in die harte Welt der Buchverlage. Die Programmleiterin Heike Wersch, des renommierten Literaturverlags Winterscheid wird von ihrer Freundin, der Agentin Maria Hauschild als vermisst gemeldet, im Haus der Vermissten trifft Pia auf den dementen Vater der Vermissten und es gibt jede Menge Hinweise auf ein Verbrechen. Um die Vermisste zu finden, müssen Sander und Bodenstein zunächst einmal herausfinden, wer ein Motiv haben könnte, ihr etwas anzutun. Schon bald gibt es mehr Verdächtige als den Ermittlern lieb ist, denn Heike Wersch ist kein netter Mensch, knallhart setzt sie ihre Interessen durch und lässt was Literatur angeht nur ihre Meinung gelten, sie ist die selbsternannte Koryphäe am Literaturhimmel und alles, was nicht ihrem Geschmack entspricht, wird gnadenlos niedergemacht und in der TV-Sendung *Paula liest, die sie gemeinsam mit der Kulturjournalistin Paula Domski bestreitet, buchstäblich in die Tonne geworfen. Außerdem will sie einen eigenen Literaturverlag gründen, nachdem der neue Geschäftsführer des Winterscheid Verlags, Carl Winterscheid, auch Unterhaltungsliteratur ins Programm aufnahm, um das Überleben des Verlags zu sichern und macht sich damit keine Freunde.

So viele Charaktere es gibt, so viele Motive tun sich im Laufe des Buches auf, teils liegen sie weit in der Vergangenheit, teils in der Gegenwart und es macht einen Mordspaß gemeinsam mit Pia und Oliver den verschieden Spuren zu folgen, denn trotz aller Ernsthaftigkeit musste ich bei der Lektüre so manches Mal schmunzeln, Hinweise auf real existierende Autoren und auch auf ihr eigenes Werk zeugten nicht selten auf einen besonderen Humor der Autorin, dabei ist sie im Gegensatz zu Heike Wersch niemals boshaft, das macht Nele Neuhaus sehr sympathisch.

Um all den privaten Verwicklungen der Ermittler folgen zu können sollte man die Vorgängerbände gelesen haben, denn diese ziehen sich wie ein roter Faden durch all ihre Bücher, ich habe leider feststellen müssen das ich zwischendurch nicht alle gelesen habe und werde das nun schleunigst nachholen, trotzdem reichte mein Wissen gepaart mit den Informationen aus diesem Buch um mir ein gutes Bild machen zu können.

Ein positiver Punkt ist allerdings, dass das Privatleben keinen störenden Einfluss auf die Ermittlungen hat. Pia, Oliver und der Rest des Teams sind immer fokussiert und in der Lage Zusammenhänge zu sehen, die mir als Leser nicht auf den ersten Blick auffielen. So geht Spannung.

Ein Roman über Freundschaft, falsche Freunde, Neid und Missgunst, mit einem gewissen Augenzwinkern, der für viele vergnügliche Lesestunden sorgt.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Hardcover; 2. Edition (18. November 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 528 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3550081049
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3550081040

Der Verfall der Ordnung von Dominik A. Vockner

 


"!ch zwinge niemanden mitzureisen, die Umkehr steht den Schwachen offen.“ Dass dieses Erdbeben bloß der Auftakt war, konnte niemand erahnen. Der Erzdämon Azazel hat die Kontrolle übernommen und nun steht die Flüchtlingsgruppe rund um die abtrünnige Gardistin Shjen vor vielen Fragen. Wie soll es weiter gehen? Wem können sie noch trauen?

Der Dämon Azazel stärkt seine Macht durch die Entseelung der Menschen in der Perle des Reiches, in Steringholme, währenddessen ist die abtrünnige Gardistin Shjen mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe um alles zu tun die Macht des Erzdämons zu brechen.

Wir mussten lange auf den 2. Teil der Erben des Wandels Reihe warten und dann brauchte ich eine Weile um mich wieder in dieser Welt zurechtzufinden. Dominik A. Vockners Welt hat sich im Vergleich zum 1. Band natürlich nicht verändert, sie wird bevölkert von Zwergen, Elfen und Menschen und beherrscht von Magie. Ich hätte den 1. Band vielleicht noch einmal lesen müssen, so dauerte es etwas bis ich wieder in die Geschichte eintauchen konnte, aber es hat sich doch gelohnt, die Story ist insgesamt spannend und kurzweilig, sie bietet alles was man von einer guten Fantasygeschichte erwartet.

 Allerdings kam ich mit der Wortwahl des Autors nicht immer zurecht, das ist jetzt schwierig zu erklären, es war nicht nur das er versucht hat seine Sprache an die großen Werke der Fantasywelt anzupassen, was das Lesen manchmal etwas schwierig machte, der Autor hat Worte in einem Zusammenhang verwendet in den sie meiner Meinung nach nicht unbedingt hinpassten.

*Gedrungen hörte man den fallenden Menschen noch kreischen...*  
*Zurückhaltend erhob sich wieder der vorgegaukelte Gesang von Nixen..... *

Ich bin häufiger über Begriffe gestolpert, von denen ich zwar wusste, was gemeint war, die mich aber trotzdem irgendwie piekten. 

Der Verfall der Ordnung kann nicht allein gelesen werden, es ist meiner Meinung nach zwingend erforderlich Band 1 davor zu lesen und sich zwischen den beiden Büchern nicht allzu viel Zeit zu lassen.



  • Herausgeber ‏ : ‎ A. Fritz Verlag; 1. Edition (29. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 262 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3944771362
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3944771366
























Montag, 22. November 2021

Das Buch der Nacht von Bernd Brunner

 


Klappentext: Mit dem Einbruch der Dunkelheit beginnt eine Zeit, in der sich die gewohnten Koordinaten unserer Wahrnehmung verschieben. Bernd Brunner streift durch die wundersamen Stunden zwischen Dämmerung und Morgengrauen und beleuchtet unser Verhältnis zur Nacht auf dem Grenzgebiet zwischen Geschichte, Mythologie, Biologie und Literatur.
Jahrtausendelang gab die Natur einen festen Rhythmus vor. Am Tag herrschte rege Geschäftigkeit – doch nach Sonnenuntergang sank alles in die Welt des Schlafs und der Träume. Nur nachtaktive Geschöpfe und leidenschaftliche Noctivaganten wie Goethe, der bei Mondschein schwimmen ging, genossen die Dunkelheit.
Aktivitäten der Nacht haftete stets etwas Subversives, Verbotenes, Aufregendes an. Doch mit der Erfindung künstlicher Beleuchtung kam der Nacht immer mehr ihr Mythos abhanden. Straßenlaternen machten die Nacht zum Tag. »Töten wir das Mondlicht« war der Schlachtruf der Futuristen, deren Bewegung mit dem Aufkommen von legendenumwobenen Nachtclubs, Tanzpalästen und dem Berliner »Cabaret« einherging.
Echte Finsternis finden wir heutzutage nur an entlegenen Orten oder paradoxerweise in künstlich geschaffenen Umgebungen, die den Tag zur Nacht machen: Nachttierhäuser oder Dunkelrestaurants, die sich großer Beliebtheit erfreuen.
In Bernd Brunners »Buch der Nacht« begegnen wir mystischen Nachtgestalten, Aberglaube und Bräuchen und begeben uns auf eine Entdeckungsreise, die uns darüber staunen lässt, welche Geheimnisse die Nacht bis heute birgt.

Wenn man mich fragt, was ich lese, antworte ich meist: alles außer Sachbücher. Aber wie es so ist, es gibt immer Ausnahmen und ich bin immer dafür auch mal etwas außerhalb meiner bevorzugten Genre zu lesen.


Das Buch der Nacht von Bernd Brunner 


ist eine dieser Ausnahmen.


*Was gibt es nicht alles zu sehen, wenn aller Augen geschlossen sind* Rétif de la Bretonne


Brunner zeigt es uns in seinem Buch auf, er beginnt auch gleich mit der Beschreibung des Sonnenuntergangs und das tut er auf so anschauliche Art und Weise, dass ich den Sonnenuntergang quasi vor mir sehe, dieser Einstieg  in das Buch ist hervorragend gewählt, er erzeugt eine Stimmung die mich durch alle Kapitel begleitete.


Die einzelnen Kapitel sind mit den Themen übertitelt, die sie behandeln.


Die Muße nächtlicher Lesestunde


Allem, was der Autor in diesem beschreibt, kann ich nur zustimmt, was kann es schöneres geben als sich gemütlich im Schein einer Leselampe, die nur einen begrenzten Raum erhellt, einer Geschichte hinzugeben, sich zu gruseln oder gedanklich in ferne Länder zu reisen, ungestört vom Leben, das am Tage unweigerlich stört?


Nächtliche Verwandlungen


Brunner beschreibt wie sich unsere Wahrnehmungen in der Nacht verändern, bekanntes wird zu unbekanntem. Wie kann das sein, das ist doch Unsinn, so denkt man vielleicht im ersten Moment, doch wenn wir darüber nachdenken kennen wir das doch alle

Die Äste, die nachts am Fenster kratzen, sind in der Nacht furchteinflößend, während wir sie tagsüber nicht einmal beachten. Und wer schon einmal mitten in der Nacht auf die Ankunft eines Zuges gewartet hat, der 2 Stunden Verspätung hatte weiß, dass diese 2 Stunden ohne Ablenkung, viel, viel länger dauern als die gleiche Zeitspanne im Tagestrubel.


Kapitel für Kapitel führt Brunner uns durch die Nacht und er endet mit dem Aufgang der Sonne, kurz zuvor beginnen die ersten Vögel mit ihrem Lied, während die meisten Menschen noch schlafen, oder zumindest allmählich müde werden.


Brunner untermalt seine mal sachlichen, mal fast poetisch anmutenden Texte mit Zitaten und Auszügen aus den Schriften berühmter Menschen. Thomas Hardy, Martin Luther King, Selma Lagerlöf, Laurie Anderson um nur einige zu nennen, kommen zu Wort.

Das wohl berühmteste:


Nur im Dunkeln sieht man die Sterne von Martin Luther King


zeugt von der Hoffnung, die selbst in den schwersten Stunden niemals stirbt.


Das Buch lässt mich mit einem guten Gefühl zurück, es mag sich seltsam anhören, aber nach dem Lesen der einzelnen Kapitel fühlte ich mich ausgeglichener als vorher.

Das erlebe ich eigentlich selten, ein Buch, das mich zufrieden zurücklässt und das, obwohl es *nur* die Nacht beschreibt. 


Die Aufmachung sollte ich noch erwähnen, der tiefblaue Einband wird verziert von unendlich vielen funkelnden Sternen, die Schrift und der abgebildete Halbmond leuchten je nach Lichteinfall mehr oder weniger intensiv. Je nach meiner aktuellen Stimmung empfinde ich das als wunderschön oder kitschig. Im Gegensatz zum funkelnden Einband ist das Innere des Buches eher schlicht gehalten, die Texte werden in einem schlichten grauen Rahmen in Szene gesetzt, der mit dem Fortschreiten der Nacht immer dunkler wird und ab ihrem Höhepunkt wieder verblasst.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Galiani-Berlin; 1. Auflage, Ungekürzte (7. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 192 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3869712309
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3869712307

Sonntag, 21. November 2021

Sarg niemals nie von Paul Lüdicke (Betty Papst ermittelt)

 


»Bestattungen Pabst - nur das Beste für die letzte Ruhe« lautet das Motto des Familienunternehmens in Bielefeld-Jöllenbeck. Leider laufen die Geschäfte immer schlechter, seit im Ort ein Beerdigungs-Discounter eröffnet hat.

Da kommt ihnen eine aufwendige Yoga-Bestattung inklusive fliegender Tauben gerade recht. Die Leiterin des benachbarten Esoterik-Instituts ist trotz Schamanismus und Reiki plötzlich verstorben. Betty Pabst, Assistenzärztin an der Charité und auf Heimaturlaub, ist sich mit einem Blick auf die Leiche sicher: Das war kein natürlicher Tod! 
Doch warum will keiner auf sie hören? Betty hat bald einen furchtbaren Verdacht: Ist vielleicht ihre ganze Familie in den Mord verwickelt?

Eigentlich wollte Betty nur für ein paar Tage raus aus dem hektischen Berlin, raus aus der Charité wo sie als Assistenzärztin arbeitet und sie will sich über die Beziehung zu ihrem Freund klar werden. Doch zu Hause in Bielefeld erwartet  erwarten sie nicht Ruhe und Harmonie, die Stimmung im Elternhaus ist gedrückt und die Tote im Keller ihrer Eltern ist entgegen aller Versicherungen ihres Vaters und des Hausarztes nicht an einer natürlichen Todesursache verstorben, da ist sich Betty sicher und statt sich zu erholen, macht sich Betty auf die Suche nach den Hintergründen zum Tod der Yogalehrerin. Nach und nach deckt sie alle Geheimnisse der Familie auf und kommt dem Mörder auf die Spur.

Betty ist eine sehr kluge junge Frau, mit einer sehr schnellen Auffassungsgabe nur leider ist sie sehr unsicher, sie hadert mit ihren Fähigkeiten als Ärztin, schafft es nicht ihrem Freund klarzumachen das sie in der Beziehung unglücklich ist, so wie sie es als Teenie schon nicht schaffte ihrem Jugendfreund zu vermitteln, dass sie mehr als nur Freundschaft will. Betty hat noch viel Potenzial um sich zu entwickeln, ein bisschen mehr Selbstbewusstsein täte ihr gut. Auf der anderen Seite ist sie sehr hartnäckig und kann so die zuständigen Stellen davon überzeugen eine Obduktion der Leiche zu veranlassen. 

Ich mag Krimis, ich mag auch sogenannte Cosy Crime und es kann nicht makaber genug sein für meinen Geschmack und dass die Handlung in Bielefeld angesiedelt ist und nicht an den sonst so beliebten Orten für *Heimatkrimis* machte mich neben dem Klappentext noch neugieriger. 
Die Auflösung des Falls ist perfekt, alles fügt sich ineinander und ist in sich schlüssig, sowohl Motiv als auch die Ausführung des Mordes sind für mich absolut nachvollziehbar. Allerdings fehlte  der trockene Humor, Ostwestfalen sind nicht nur wortkarg, sie haben eine spezielle Art von Humor und der kommt hier leider nicht so ganz zum Tragen. 

  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Paperback; 1. Edition (18. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 304 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3864931916
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3864931918


Samstag, 20. November 2021

Das Geheimnis von Ellen Sandberg

 




Klappentext: München, 2020. Ulla ist eine starke Frau, obwohl sie es nie leicht hatte. Ihre Mutter Helga verließ sie als Neunjährige. Warum? Das weiß sie bis heute nicht. Helga ist der dunkle Fleck auf Ullas innerer Landkarte. Erst als das Leben sie auf den Moarhof am Chiemsee zurückführt, entdeckt sie, dass dort Antworten auf sie warten – auf Fragen, die sie jahrelang verdrängt hat.

Moosleitn am Chiemsee, 1975. Helga lebt in einer Kommune auf einem idyllisch gelegenen Bauernhof. Als Künstlerin ist sie für ihre düsteren Werke bekannt, deren wahre Bedeutung sich niemandem erschließen. Denn nur sie weiß, welche Erinnerungen sie quälen. Und dass sie als junge Frau eine Entscheidung treffen musste, die sie sich bis heute nicht vergeben kann.


Im Rahmen unser Aktion 2Blogs1Buch haben Heike von Frau Goethe liest und ich dieses Mal

Das Geheimnis von Ellen Sandberg

gelesen.

Dieses Buch fällt etwas aus dem Rahmen der bisher von uns gelesenen Bücher, da es sich nicht um einen klassischen historischen Krimi handelt, sondern um die Geschichte dreier Frauen, deren Schicksal nicht nur durch Familienbande miteinander verknüpft ist.


Im Sommer 2020 fährt Ulla in das Haus ihrer Mutter Helga an den Chiemsee, eigentlich spielt sie mit dem Gedanken es an den Hotelbetrieb zu verkaufen auf dessen Gelände es steht und damit die letzte Erinnerung an ihre Mutter Helga zu kappen.

 Helga, die von ihrem Mann getrennt, als Künstlerin in einer Kommune lebte, hat den Kontakt zu ihrer Tochter für die neunjährige vollkommen überraschend abgebrochen. Zurück ließ sie ein vollkommen verstörtes Kind, das verständlicherweise nicht nachvollziehen konnte, warum ihre geliebte Mutter sie bis zu ihrem Selbstmord nicht mehr sehen wollte. 

Auf den ersten Blick scheint es als hätte Ulla dieses Trauma ihrer Kindheit gut verarbeitet, sie ist beruflich erfolgreich, glückliche Mutter einer Tochter und sogar mit ihrem Ex-Mann versteht sie sich gut, einzig das ihre Tochter sich von ihr zurückzieht und ihr ihren positiven Blick auf alles im Leben zum Vorwurf macht, kann sie nicht verstehen. 

Im Haus findet Ulla Kassetten und diese offenbaren ihr Stück für Stück das Geheimnis um ihre Mutter. 


In einem weiteren Erzählstrang, der 1975 spielt, lernen wir Helga besser kennen, deren Stimmungsschwankungen in ihrer Kunst zum Ausdruck kommen, in Kunstinstallationen, die an Selbstmordaktionen erinnern und den tiefen Schmerz in Helga offenlegen. 

 Beide Handlungsstränge erzählen parallel die Geschichte Helgas, wobei Ulla die Kassetten in einer willkürlichen Reihenfolge hört und doch verbinden sich alle Informationen zu einer durchaus runden Geschichte.



Aber ist sie auch spannend?


Ich mag Romane, die auf verschiedenen Zeitebenen spielen und Ellen Sandberg erzählt nicht nur von 1975 und 2020, sie führt ihre Leser auch in die Zeit des 2. Weltkriegs, von ihrer Kindheit in gutbürgerlichen Verhältnissen, von ihrer dramatischen Flucht mit der kleinen Martha und ihrer Tante, die beide die Flucht nicht überlebten, damit verrate ich nicht zu viel, denn genau wie Helga schweige ich nun über die genauen Umstände.

Mit jeder Seite, mit jedem Wort, wollte ich mehr erfahren, ich wollte wissen, was genau in Helgas Leben vorgefallen war und ob die Beantwortung dieser Fragen auch Ullas Frage beantwortet, warum ihre Mutter sie verließ. 

Dann gibt es noch Louise, die 80-Jährige scheint zunächst nur die Verbindung zu sein, zwischen Helgas Leben 1975 und Ulla im Jahr 2020, da sie ebenfalls in der Kommune lebte und Moosleitn nie den Rücken gekehrt hat, doch auch Louise hat ihre Geheimnisse und das, was sie zu erzählen hat, füllt so manche Lücke in dem Puzzle und lässt Helgas Geschichte in einem ganz anderen Licht erscheinen.


Also Ja: Es ist spannend, es braucht nicht immer klassische Krimis oder gar Thriller um Spannung zu erzeugen, das Leben schreibt Geschichten, die sich niemand ausdenken kann. Wenn dann eine Autorin wie Ellen Sandberg, viele von euch kennen sie als Krimiautorin Inge Löhning, sich dieser Geschichten annimmt und sie zu einer zusammenfügt, bekommt man als Leser mehr als nur eine simple Familiengeschichte, sie regt zum Nachdenken an, darüber wie die Vergangenheit das Leben in der Gegenwart beeinflussen kann und wie wir damit umgehen sollten.

Ellen Sandberg lässt Geschichte lebendig werden.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Penguin Verlag; Originalausgabe Edition (25. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 432 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3328601961
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3328601968





Spiel des Schneemörders von Klaus Heimann


Selten hat es im Ruhrgebiet so viel Schnee gegeben wie im Winter 2010/2011. Einsam räumt ein Schneepflug frühmorgens die Straße nach Essen Kettwig. Plötzlich sieht der Fahrer etwas Auffälliges am Straßenrand liegen. Er hält an und steigt aus. Auf dem Gehweg findet er eine Frauenleiche. Möhrchen trifft als erste Kriminalbeamtin am Tatort ein. Ihre Kollegen, Hauptkommissar Sigi Siebert und Erich, stoßen später hinzu. Schnell wird klar, dass es wegen des anhaltenden Schneefalls kaum verwertbare Spuren geben kann. Jedoch mit dem Fortschreiten der Ermittlungen werden die Polizeibeamten immer frustrierter. Es gelingt ihnen nicht, eine Beziehung zwischen Opfer und Täter zu entdecken. Müssen sie von einem professionellen Killer ausgehen? Das Leben der Ermordeten liefert keinerlei Hinweise in dieser Richtung. Das Tatmotiv bleibt unklar. In der Nacht zum ersten Weihnachtstag wird Sigi aus dem Bett geholt. Eine neue Frauenleiche, etwa im selben Alter wie das erste Opfer, auf dieselbe Weise erdrosselt. Sigi denkt, dass sie ab jetzt von einem Serienmörder ausgehen sollten.

Wieder einmal schwelgt Sigi in Guidos Kneipe in Erinnerungen an vergangene Mordermittlungen, der viele Schnee, der sich in den Straßen Essens sammelt, erinnert ihn an einen ähnlichen Winter zehn Jahre zuvor, in dem der Schneemörder sein Unwesen trieb. Scheinbar wahllos werden kurz vor Weihnachten mehrere ältere Frauen ermordet. 
Sigi, Möhrchen und Erich müssen mit sehr wenigen Hinweisen auskommen, um den Schneemörder zu stoppen.
Ich mag Sigi, der brummelige Ex-Kommissar, lässt seine Zuhörer nicht nur an seinen alten Fällen teilhaben, auch sein Privatleben bleibt ihnen nicht verborgen und so ist in so manchen seiner Erzählungen seine Frau Lotte der heimliche Star, für ihre Fans sei dieses Mal aber gesagt: Lotte mischt nicht mit, sie hat ihre eigene Probleme, bzw. sie muss sich um die Probleme ihrer Freundin Nicki kümmern und da sie das im heimischen Wohnzimmer macht, ist Sigi nicht ganz unglücklich darüber auch zu eigentlichen ungünstigen Zeiten an die Arbeit gerufen zu werden, um Nickis Problemen zu entgehen.

Während Sigi sich mit Erich und Ecki über den Fall unterhält, erhalten die Leser immer wieder Einblicke in die Beweggründe  Mörders und fast will so etwas wie Mitleid mit ihm aufkommen, aber nur fast denn natürlich sind die einzigen die Mitleid verdienen die Opfer und deren Angehörigen. Und doch lässt dieser Fall mich darüber nachdenken, was das Leben mit manchen Menschen macht, wie wichtig das Umfeld des einzelnen ist. Jetzt kann ich euch nicht mehr darüber erzählen, welche Gedanken ich mir beim Lesen gemacht habe, denn dann wüsstet ihr  viel zu viel über das Motiv und das, was den Schneemörder angetrieben hat.

  • Herausgeber ‏ : ‎ edition oberkassel; Originalausgabe 2021 Edition (18. November 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 250 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3958132499
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958132498



Montag, 15. November 2021

Gwendys Zauberfeder von Richard Chizmar

 


Mit dem Winter hält das Böse wieder Einzug in der kleinen Stadt Castle Rock in Maine. Sheriff Norris Ridgewick und sein Team suchen verzweifelt nach vermissten Mädchen. Die Zeit läuft ihnen davon, sie lebend zu finden. Die 37-jährige Gwendy Peterson ist nun Politikerin in Washington. Vor 25 Jahren wurde sie hier in Castle Rock von einem mysteriösen Mann mit einem seltsamen Wunschkasten betraut – oder verflucht? Damals konnte sie ihn wieder loswerden und hat ihn längst vergessen. Das mysteriöse Wiederauftauchen des Kastens führt Gwendy nun nach Hause ... wo sie vielleicht helfen kann, die vermissten Mädchen zu retten und einen Verrückten zu stoppen, bevor Grässliches passiert.


Ich habe mich so sehr über ein Wiedersehen mit Gwendy gefreut, ich hatte die Kleine wirklich ins Herz geschlossen, die trotz ihres jungen Alters oder vielleicht deswegen so stark war den Versuchungen des Wunschkastens zu widerstehen, weil sie früh begriff, dass nicht nur sie Macht, über den Kasten hat, sondern dass der Kasten vor allem Macht über sie hat. Nun sind einige Jahre ins Land gegangen und Gwendy ist erwachsen geworden, sie ist glücklich verheiratet und ihre Karriere als Kongressabgeordnete, die sie nach einer erfolgreichen Schiffstellerlaufbahn begann, läuft hervorragend. 

Gwendys Leben ist wie eine Geschichte aus dem Lehrbuch für Happy Ends. Bis zu dem Tag an dem der Wunschkasten wieder auftaucht, aus heiterem Himmel taucht er in ihrem Büro auf. Sie nimmt den Kasten mit nach Castle Rock, dort will sie auf die Rückkehr ihres Mannes warten, der in einem Krisengebiet als Fotoreporter unterwegs ist, um gemeinsam mit ihm und ihren Eltern Weihnachten zu feiern. Die Angst um ihn ist ihr ständiger Begleiter und eigentlich hatte ich die Erwartung, dass ich beim Lesen, Gwendys inneren Kampf miterleben würde, der Versuchung zu widerstehen, den Kasten zu nutzen, um alle wirklich schwerwiegenden Probleme in ihrem Leben zu lösen. Das sind ja gerade einige, nicht nur, dass ihr Mann in einem Krisengebiet ist, ihre Mutter ist an Krebs erkrankt, die verschwunden Mädchen müssen ja auch noch gefunden werden. Aber der Funke sprang dieses Mal nicht über, nicht wie beim ersten Teil der Geschichte.

 Als dann die Zauberfeder aus Gwendys Kindheit wieder auftaucht, keimte in mir die Hoffnung auf, dass die Geschichte sich von nett und unterhaltsam zu spannend und tiefgründig entwickelt, nur leider hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. 

Vielleicht fehlt dieser Story einfach nur der letzte Schliff durch Stephen King, der letzte Hauch Magie durch die Hand des Meisters. Vielleicht liegt es an der Übersetzung, die so manches Mal ziemlich holprig daher kommt, konsequenterweise hat der Übersetzer z. B. jedes *where* mit *wo* übersetzt. Ich maße mir nicht an die deutsche Rechtschreibung oder Grammatik,  auch nur annähernd zu beherrschen, aber manche Formulierungen hemmen den Lesefluss und damit das Lesevergnügen. 

Gäbe es Sternchen auf dem Blog wären es 3,5 von 5, für mehr reicht *Nett und unterhaltsam* nicht, wenn ich Spannung erwarte.

Meine Hoffnung ruht nun auf dem dritten Band, bei dem Stephen King wohl wieder aktiv mitgeschrieben hat.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (13. September 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 272 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453272951
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453272958
  • Originaltitel ‏ : ‎ Gwendy's Magic Feather

Sonntag, 14. November 2021

Mordsmärchen eine Anthologie Andreas M. Sturm (Hrsg)


 Es war einmal … … so beginnen viele Märchen, die wir als Kinder vorgelesen oder erzählt bekamen. Und – Hand aufs Herz – wer von uns denkt nicht mit einem leisen Schauder an die abendlichen Vorlesestunden zurück? Denn leichte Lektüre waren Märchen noch nie. Da wurden Menschen verflucht, hingerichtet, mit Pech übergossen oder sind verhungert. Die böse Hexe wurde verbrannt und ihre lügnerische Tochter in den Wald geführt, um von wilden Tieren zerrissen zu werden. Und sogar das zierliche, tapfere Schneiderlein hatte es faustdick hinter den Ohren. Es hetzte die Riesen aufeinander, bis sie sich gegenseitig erschlugen – eindeutig Anstiftung zum Mord. Die beteiligten Krimiautor*innen setzen noch einen drauf, sezieren genüsslich die alten Märchen und holen die mitunter nur versteckt angedeuteten Verbrechen ans Tageslicht.


Zu Märchen hatte ich schon immer ein gespaltenes Verhältnis, was vielleicht daran lag, dass die Versionen, die ich zuerst hörte, nicht immer die kindgerechten waren, die man heute in den Märchenbüchern liest und später gefiel mir der Gedanke nicht meinen Kindern Geschichten zu erzählen, in denen Mädchen demütig und schwach sind. Vielleicht lese ich so gern moderne Märchenadaptionen, um etwas anderes in den Geschichten zu finden. Ich weiß es nicht.

König & Drosselbart von Christiane Bogenstahl

Rosi König ist zickig und leichtlebig, ihre Zeit verbringt sie statt zu studieren lieber mit Partys und Feiern, als ihre vermögende Tante stirbt, erbt sie Millionen, doch dieses Erbe ist an eine Bedingung geknüpft:
Sie muss innerhalb einer Frist einen festen Job nachweisen und eine Liebesheirat eingegangen sein.
Ob sie es schafft beide Bedingungen zu erfüllen und das Erbe antreten kann? 
Rosi wird ihren Weg machen, da bin ich mir sicher.

Bambi muss sterben von Sylke Tannhäuser

Die Geschwister Angelina und Brad sind nach dem Mord an ihrem Vater auf der Flucht, beide scheinen sie geistig nicht ganz gesund zu sein, wobei Brad sich seinen Verstand versoffen hat und seine Impulskontrolle knapp unter der eines Flummis liegt, oder ist das alles nur gespielt?

Geliebte Tochter von Gisela Witte

Kinder brauchen Schutz, das wissen wir alle, manchmal allerdings sind sie dem Bösen schutzlos ausgeliefert und das Böse lauert schon mal im engsten Umfeld. Geliebte Tochter von Gisela Witte ist eine dieser Geschichten, die mich mit einem beklemmenden Gefühl zurücklassen.

Das Verhör Andreas M. Sturm

Frau Holles Tochter ist tot, aus dem Fenster gefallen und  Marie, eine gute Freundin Frau Holles und Mieterin in deren Haus, wird verdächtigt nachgeholfen zu haben und die ebenfalls auf den Namen Marie getaufte Tochter des Hauses ermordet zu haben. Andreas M. Sturm hat  eine komplette Geschichte inklusive der nicht direkt erzählten Elemente geschaffen. So stelle ich mir gute Geschichten vor.


Friss-Stirb-Hilf von Uschi Gassler

Nach dem Tod seines Vaters zieht sich Jannis in die Einöde zurück, er will nichts mit den Geschäften des Verstorbenen zu tun haben, der Spielcasinos betrieb. Er trifft auf einen mysteriösen Mann, der ihm im Tausch gegen sein Wohnmobil drei Hunde übergibt. Friss, Hilf und Stirb, die ihm noch gute Dienste leisten. 
Hier kannte ich das zugrunde liegende Märchen nicht mal vom Namen her, ich konnte mir also so gar nicht zusammen reimen, wohin die Reise am Ende ging. 

Buttje,Buttje inne Dose von Laszlo I. Kisch

Eine meiner Lieblingsgeschichten. 
Der Fischfabrikant Jonathan Fischer nimmt den sibirischen Bettelmönch Rasmussen in sein Haus auf, der als Wunderheiler durch die Lande zieht, der sich auf die Behandlung von Hysterie bei Frauen spezialisiert hat. Diese Begegnung verändert nicht nur Johanns Leben und das seiner Frau Amalie, sondern rettet auch die Firma. Wie das passiert müsst ihr natürlich selber lesen.

Franziska Steinhauer von Träumen sie auch manchmal von Mord?

Die Autorin erzählt eine der blutigsten Geschichten dieser Anthologie, das liegt sicherlich daran das auch das Vorbild von vielen Toten erzählt, wenn auch nicht ganz so blutig und mit einem anderen Ausgang.

Die Bochumer Stadtmusikanten von Robert Junge

Hier verrät ja schon der Titel, von welchem Märchen sich der Autor inspirieren ließ, nur sind hier die Musikanten keine heimatlosen Tiere, sondern Menschen, die ausgegrenzt, betrogen und belogen am Rande der Gesellschaft leben. Ein gemeinsamer Traum bringt sie dazu  Musik zu machen und auf Missstände aufmerksam zu machen. Der Weg zum Happy End?

Pisum Sativum von Björn Götze

Ein Geschichtenerzähler berichtet von der Suche nach der perfekten Prinzessin für den Prinzen, aber der hat so gar keine Lust zu heiraten. Dann geschieht auch noch ein Mord und der Barde betätigt sich als Detektiv und nur durch ihn erfahren wir hier die wahre Geschichte um die Prinzessin auf der Erbse.

Das goldene Glanz von Angela Temming

Die Geschichte an sich hat mir gut gefallen, einem Jungen fällt das sehr teure Handy, ein goldenes Glanz, eines Mannes in die Hände der sich in den Wäldern um seinen Heimatort herumtreibt, und dieser schreckt auch vor Mord nicht zurück, um es zurückzubekommen, denn die Informationen darauf sind brisant. 

Die zertanzten Dedektive von Connie Röter

Zwei aufeinanderfolgende Morde in einer Villa stellen die ermittelnde Kommissarin vor ein Rätsel, wer hatte ein Interesse daran die Privatdetektive zu töten? 
Das Motiv ist so simpel wie nachvollziehbar, zumindest meiner Meinung nach. ;o)

Der Meisterdieb von Uwe Wittenfeld

Was tun, wenn man in einem kriminellen Clan aufwächst, der komplett aus Pappnasen besteht?  Hans geht nach Berlin, um dort Karriere zu machen. Nach 5 Jahren allerdings kehrt er zurück in den Ruhrpott, denn in der Heimat wartet noch seine große Liebe Annika, um deren Hand er bei ihrem Vater, dem Chef eines nicht ganz so dämlichen Clans, er anhalten will. Doch bevor er dessen Segen erhält, muss er den Beweis erbringen ein Meisterdieb zu sein.

Aldi nimmt kein Gold von Martina Arnold

Tischlein deck dich, eines der wenigen Märchen, die ich als Kind schon mochte, wahrscheinlich weil ich gern einen Tisch gehabt hätte, der immer die feinsten Speisen liefert und natürlich einen Esel der als nie versiegende Goldquelle dient. Welche Probleme das aber mit sich bringen kann, erzählt uns Martina Arnold und die bestehen nicht nur aus der auf Dauer eintönigen Speisefolge, sondern auch aus der Frage: wohin mit all dem Gold? 

Silvesterfeuer von Matthias Ramtke

 Die verbrannten Leichen dreier Männer stellen die Kommissare Nickel und Hartmann vor ein  Rätsel, doch der erfahrene Ermittler Nickel kann anhand der Spurenlage schnell ein Täterprofil erstellen, dass sie auf die Spur des Täters führt und zu einem Verbrechen, das viel grausamer ist, als es die Morde je sein könnten.
Eine absolut schlüssige und in sich runde Story.


Kurzgeschichten, ich wiederhole mich, gehören zu meinem liebsten Lesestoff und wieder wiederhole ich mich, wenn ich sage, dass die Autorinnen und Autoren mit ihnen ihr Können unter Beweis stellen. 

Im besten Fall erzählen sie eine ganze Welt, ohne sie akribisch zu beschreiben, denn für ausführliche Erklärungen ist kein Platz. Manchmal wünscht man sich als Leserin oder Leser, allerdings sie wären länger. Wenn die Geschichte nicht ganz rund zu sein scheint, wenn doch ein bisschen mehr Erklärung nötig gewesen wäre  aber das ist immer mein ganz persönliches Empfinden.

Ich bewerte bei Anthologien immer das gesamte Buch. Hat das Lesen Spaß gemacht, wollte ich gleich die nächste Story, weil mir die gerade gelesene Spaß gemacht hat? 
Für die meisten Geschichten kann ich diese Fragen mit einem klaren Ja beantworten. Die Storys sind abwechslungsreich und unterhaltsam, ich konnte nicht alle Märchen direkt zuordnen, auch nicht, wenn ich den Originaltitel kannte, manchmal sind die Hinweise darauf ziemlich versteckt, dann konnte ich auch darüber rätseln.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Ruhrkrimi-Verlag; 1. Edition (29. September 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 250 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3947848226
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3947848225