Es war einmal … … so beginnen viele Märchen, die wir als Kinder vorgelesen oder erzählt bekamen. Und – Hand aufs Herz – wer von uns denkt nicht mit einem leisen Schauder an die abendlichen Vorlesestunden zurück? Denn leichte Lektüre waren Märchen noch nie. Da wurden Menschen verflucht, hingerichtet, mit Pech übergossen oder sind verhungert. Die böse Hexe wurde verbrannt und ihre lügnerische Tochter in den Wald geführt, um von wilden Tieren zerrissen zu werden. Und sogar das zierliche, tapfere Schneiderlein hatte es faustdick hinter den Ohren. Es hetzte die Riesen aufeinander, bis sie sich gegenseitig erschlugen – eindeutig Anstiftung zum Mord. Die beteiligten Krimiautor*innen setzen noch einen drauf, sezieren genüsslich die alten Märchen und holen die mitunter nur versteckt angedeuteten Verbrechen ans Tageslicht.
Zu Märchen hatte ich schon immer ein gespaltenes Verhältnis, was vielleicht daran lag, dass die Versionen, die ich zuerst hörte, nicht immer die kindgerechten waren, die man heute in den Märchenbüchern liest und später gefiel mir der Gedanke nicht meinen Kindern Geschichten zu erzählen, in denen Mädchen demütig und schwach sind. Vielleicht lese ich so gern moderne Märchenadaptionen, um etwas anderes in den Geschichten zu finden. Ich weiß es nicht.
König & Drosselbart von Christiane Bogenstahl
Rosi König ist zickig und leichtlebig, ihre Zeit verbringt sie statt zu studieren lieber mit Partys und Feiern, als ihre vermögende Tante stirbt, erbt sie Millionen, doch dieses Erbe ist an eine Bedingung geknüpft:
Sie muss innerhalb einer Frist einen festen Job nachweisen und eine Liebesheirat eingegangen sein.
Ob sie es schafft beide Bedingungen zu erfüllen und das Erbe antreten kann?
Rosi wird ihren Weg machen, da bin ich mir sicher.
Bambi muss sterben von Sylke Tannhäuser
Die Geschwister Angelina und Brad sind nach dem Mord an ihrem Vater auf der Flucht, beide scheinen sie geistig nicht ganz gesund zu sein, wobei Brad sich seinen Verstand versoffen hat und seine Impulskontrolle knapp unter der eines Flummis liegt, oder ist das alles nur gespielt?
Geliebte Tochter von Gisela Witte
Kinder brauchen Schutz, das wissen wir alle, manchmal allerdings sind sie dem Bösen schutzlos ausgeliefert und das Böse lauert schon mal im engsten Umfeld. Geliebte Tochter von Gisela Witte ist eine dieser Geschichten, die mich mit einem beklemmenden Gefühl zurücklassen.
Das Verhör Andreas M. Sturm
Frau Holles Tochter ist tot, aus dem Fenster gefallen und Marie, eine gute Freundin Frau Holles und Mieterin in deren Haus, wird verdächtigt nachgeholfen zu haben und die ebenfalls auf den Namen Marie getaufte Tochter des Hauses ermordet zu haben. Andreas M. Sturm hat eine komplette Geschichte inklusive der nicht direkt erzählten Elemente geschaffen. So stelle ich mir gute Geschichten vor.
Friss-Stirb-Hilf von Uschi Gassler
Nach dem Tod seines Vaters zieht sich Jannis in die Einöde zurück, er will nichts mit den Geschäften des Verstorbenen zu tun haben, der Spielcasinos betrieb. Er trifft auf einen mysteriösen Mann, der ihm im Tausch gegen sein Wohnmobil drei Hunde übergibt. Friss, Hilf und Stirb, die ihm noch gute Dienste leisten.
Hier kannte ich das zugrunde liegende Märchen nicht mal vom Namen her, ich konnte mir also so gar nicht zusammen reimen, wohin die Reise am Ende ging.
Buttje,Buttje inne Dose von Laszlo I. Kisch
Eine meiner Lieblingsgeschichten.
Der Fischfabrikant Jonathan Fischer nimmt den sibirischen Bettelmönch Rasmussen in sein Haus auf, der als Wunderheiler durch die Lande zieht, der sich auf die Behandlung von Hysterie bei Frauen spezialisiert hat. Diese Begegnung verändert nicht nur Johanns Leben und das seiner Frau Amalie, sondern rettet auch die Firma. Wie das passiert müsst ihr natürlich selber lesen.
Franziska Steinhauer von Träumen sie auch manchmal von Mord?
Die Autorin erzählt eine der blutigsten Geschichten dieser Anthologie, das liegt sicherlich daran das auch das Vorbild von vielen Toten erzählt, wenn auch nicht ganz so blutig und mit einem anderen Ausgang.
Die Bochumer Stadtmusikanten von Robert Junge
Hier verrät ja schon der Titel, von welchem Märchen sich der Autor inspirieren ließ, nur sind hier die Musikanten keine heimatlosen Tiere, sondern Menschen, die ausgegrenzt, betrogen und belogen am Rande der Gesellschaft leben. Ein gemeinsamer Traum bringt sie dazu Musik zu machen und auf Missstände aufmerksam zu machen. Der Weg zum Happy End?
Pisum Sativum von Björn Götze
Ein Geschichtenerzähler berichtet von der Suche nach der perfekten Prinzessin für den Prinzen, aber der hat so gar keine Lust zu heiraten. Dann geschieht auch noch ein Mord und der Barde betätigt sich als Detektiv und nur durch ihn erfahren wir hier die wahre Geschichte um die Prinzessin auf der Erbse.
Das goldene Glanz von Angela Temming
Die Geschichte an sich hat mir gut gefallen, einem Jungen fällt das sehr teure Handy, ein goldenes Glanz, eines Mannes in die Hände der sich in den Wäldern um seinen Heimatort herumtreibt, und dieser schreckt auch vor Mord nicht zurück, um es zurückzubekommen, denn die Informationen darauf sind brisant.
Die zertanzten Dedektive von Connie Röter
Zwei aufeinanderfolgende Morde in einer Villa stellen die ermittelnde Kommissarin vor ein Rätsel, wer hatte ein Interesse daran die Privatdetektive zu töten?
Das Motiv ist so simpel wie nachvollziehbar, zumindest meiner Meinung nach. ;o)
Der Meisterdieb von Uwe Wittenfeld
Was tun, wenn man in einem kriminellen Clan aufwächst, der komplett aus Pappnasen besteht? Hans geht nach Berlin, um dort Karriere zu machen. Nach 5 Jahren allerdings kehrt er zurück in den Ruhrpott, denn in der Heimat wartet noch seine große Liebe Annika, um deren Hand er bei ihrem Vater, dem Chef eines nicht ganz so dämlichen Clans, er anhalten will. Doch bevor er dessen Segen erhält, muss er den Beweis erbringen ein Meisterdieb zu sein.
Aldi nimmt kein Gold von Martina Arnold
Tischlein deck dich, eines der wenigen Märchen, die ich als Kind schon mochte, wahrscheinlich weil ich gern einen Tisch gehabt hätte, der immer die feinsten Speisen liefert und natürlich einen Esel der als nie versiegende Goldquelle dient. Welche Probleme das aber mit sich bringen kann, erzählt uns Martina Arnold und die bestehen nicht nur aus der auf Dauer eintönigen Speisefolge, sondern auch aus der Frage: wohin mit all dem Gold?
Silvesterfeuer von Matthias Ramtke
Die verbrannten Leichen dreier Männer stellen die Kommissare Nickel und Hartmann vor ein Rätsel, doch der erfahrene Ermittler Nickel kann anhand der Spurenlage schnell ein Täterprofil erstellen, dass sie auf die Spur des Täters führt und zu einem Verbrechen, das viel grausamer ist, als es die Morde je sein könnten.
Eine absolut schlüssige und in sich runde Story.
Kurzgeschichten, ich wiederhole mich, gehören zu meinem liebsten Lesestoff und wieder wiederhole ich mich, wenn ich sage, dass die Autorinnen und Autoren mit ihnen ihr Können unter Beweis stellen.
Im besten Fall erzählen sie eine ganze Welt, ohne sie akribisch zu beschreiben, denn für ausführliche Erklärungen ist kein Platz. Manchmal wünscht man sich als Leserin oder Leser, allerdings sie wären länger. Wenn die Geschichte nicht ganz rund zu sein scheint, wenn doch ein bisschen mehr Erklärung nötig gewesen wäre aber das ist immer mein ganz persönliches Empfinden.
Ich bewerte bei Anthologien immer das gesamte Buch. Hat das Lesen Spaß gemacht, wollte ich gleich die nächste Story, weil mir die gerade gelesene Spaß gemacht hat?
Für die meisten Geschichten kann ich diese Fragen mit einem klaren Ja beantworten. Die Storys sind abwechslungsreich und unterhaltsam, ich konnte nicht alle Märchen direkt zuordnen, auch nicht, wenn ich den Originaltitel kannte, manchmal sind die Hinweise darauf ziemlich versteckt, dann konnte ich auch darüber rätseln.
- Herausgeber : Ruhrkrimi-Verlag; 1. Edition (29. September 2021)
- Sprache : Deutsch
- Taschenbuch : 250 Seiten
- ISBN-10 : 3947848226
- ISBN-13 : 978-3947848225