Donnerstag, 31. Juli 2025

Der brennende Obstgarten von Shena Mackay (Autorin), Barbara Rojahn-Deyk (Übersetzerin)

April kehrt als Erwachsene in ihren früheren Wohnort Stonebridge zurück – ein Ort, mit dem sie widersprüchliche Erinnerungen verbindet. Besonders präsent bleibt ihr die Freundschaft zu Ruby, der Tochter der Betreiber des „Rising Sun“.


April wächst als Tochter liebevoller, vielleicht etwas naiver Eltern auf, die das heruntergewirtschaftete Café Copper Kettle übernommen haben, nachdem sie ein Pub in London wegen Differenzen mit der Brauerei aufgeben mussten. Gleich bei ihrer Ankunft in Stonebridge lernt sie Ruby kennen, die aus einem kalten, gewalttätigen Elternhaus stammt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft.

Auf ihren Streifzügen durch die Umgebung entdecken sie in einem verwilderten Obstgarten einen alten Eisenbahnwagen, den sie zu ihrem Zufluchtsort machen – einer Zuflucht vor dem übergriffigen Mr. Greenridge, der dem achtjährigen Mädchen April nachstellt, und vor der Gewalt in Rubys Elternhaus. Während Rubys Verletzungen unübersehbar sind, sind Aprils Nöte unsichtbar, sie vertraut sich niemandem an, nicht einmal Ruby, geschweige denn ihren Eltern.

Doch Mackay verwebt Kindheitsidylle mit dunklen Unterströmungen: Die Bedrohung durch Mr. Greenridge, den unheimlichen Nachbarn, wächst. Ich habe die Anspannung deutlich gespürt, als April entdeckt, dass Mr. Greenridge ihrem Zufluchtsort auf die Spur gekommen ist. Plötzlich verliert ihr geheimer Rückzugsort an Bedeutung, und ihre Unschuld wird endgültig erschüttert. Das ging mir sehr nahe.

Erschütternd fand ich außerdem, wie wenig Aprils Eltern vom Schmerz ihrer Tochter ahnen – obwohl sie Rubys schwierige Lage durchaus erkennen. Mackay schildert das Unbemerkte, das Übersehene, ohne je zu urteilen oder zu dramatisieren. Alles bleibt auf Augenhöhe der kindlichen Erzählerin und wird dadurch umso stärker spürbar.

Als Rubys Eltern in einer Nacht-und-Nebel-Aktion das Dorf verlassen und ohne ein Abschiedswort ihre Tochter mitnehmen, wusste ich beim Lesen, dass April diese Freundschaft für immer als schmerzliche Lücke mit sich tragen wird. Ich habe mit ihr getrauert und mich gefragt, wie frühe Traumata und Verluste einen Menschen prägen.

Mackays Sprache ist schlicht, klar und voller Einfühlung. Ich habe die Sorgen und Ängste der Mädchen mitgefühlt und immer gehofft, dass nichts Schlimmeres geschieht.

Mein Fazit:
Der brennende Obstgarten erzählt eindringlich und mit viel Feingefühl von Kindheit, Freundschaft und den leisen Brüchen des Erwachsenwerdens. Das Buch wirft einen genauen Blick auf die Verletzlichkeit und Stärke der beiden Mädchen und bleibt in Erinnerung, ohne große Gesten oder Pathos zu brauchen. Für alle, die literarisch anspruchsvolle, unaufgeregte Geschichten schätzen, eine klare Empfehlung.



  • Herausgeber ‏ : ‎ C.H.Beck
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 10. Juli 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 291 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3406838669
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3406838668
  • Originaltitel ‏ : ‎ Orchard on Fire The

Kollateralschaden von Willi Vögeli


Kollateralschaden
ist der zweite Band um den Ermittler Wilhelm Beck und hat mich vor allem durch das stimmige Setting in den 1980er-Jahren überzeugt. Die deutsch-deutsche Teilung, das Fehlen moderner Technik und die allgegenwärtige Überwachung durch Staatssicherheit und Verfassungsschutz machen das Buch glaubwürdig und atmosphärisch dicht. Gerade diese Verankerung in der Zeit macht den Roman für mich besonders interessant.

Beck hat sich nach einem Einschnitt aus dem Polizeidienst zurückgezogen und betreibt inzwischen eine Buch- und Weinhandlung – ein glaubwürdiger Neustart, der gut zu seiner Figur passt. Der neue Fall beginnt, als seine frühere Kollegin Senta Fischer ihn bittet, mit der Mutter der verschwundenen Studentin Anna Lorenz zu sprechen. Anna ist in Heidelberg spurlos verschwunden, die Polizei sieht zunächst keinen Grund zur Sorge. Doch Beck beginnt zu ermitteln und stößt bald auf Hinweise, dass hinter Annas Verschwinden mehr steckt – und dass weitere ähnliche Fälle nicht zufällig sind.

Die Spur führt Beck und Senta von Heidelberg über das Mannheimer Drogenmilieu bis nach Halle in der DDR. Beide geraten zunehmend unter Druck, als sich auch der Verfassungsschutz einmischt und weitere Nachforschungen unterbinden will. Dass Beck sich davon nicht abschrecken lässt, passt zu seiner beharrlichen, aber auch verletzlichen Figur.

Der Fall entwickelt sich langsam, wird dann aber immer spannender und komplexer. Besonders gelungen finde ich, dass die Geschichte immer wieder neue Wendungen nimmt, ohne dabei überladen zu wirken. Die Ermittlungen führen in unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche – etwa zu einer Heidelberger Burschenschaft und zu oppositionellen Gruppen in der DDR. Diese Vielseitigkeit macht den Roman abwechslungsreich und fesselnd.

Wilhelm Beck ist eine überzeugende Hauptfigur, dessen persönliche Entwicklung gut eingebunden ist. Unterstützt wird er von einer kleinen Gruppe enger Vertrauter, was dem Roman eine menschliche und glaubwürdige Seite verleiht. Auch die Nebenfiguren sind gut gezeichnet und wirken nicht bloß als Hintergrund.

Die Atmosphäre der 1980er-Jahre ist durch viele Details sehr gut eingefangen – sowohl im Westen als auch im Osten, soweit ich das beurteilen kann, damals war ich gerade mal 15. Dass die Ermittlungen ohne Handys und Internet auskommen, macht sie glaubwürdig und sorgt für ein ruhigeres, aber durchaus spannendes Erzähltempo.

Fazit
Kollateralschaden ist ein spannender Kriminalroman mit einem starken Zeitbezug. Die Geschichte ist gut erzählt, die Figuren wirken lebendig, und das historische Umfeld ist überzeugend dargestellt. Wer Krimis mit etwas Tiefgang und einem Blick auf die gesellschaftlichen Umstände der Zeit mag, wird hier fündig.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Bookmundo
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 12. Mai 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 352 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 9403804548
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-9403804545

Mittwoch, 30. Juli 2025

Akte Vakzin von Walther Stonet ( Ein Graf von Brühlsdorf Krimi)

 


Mit „Akte Vakzin“ hat mich Walther Stonet erneut voll überzeugt. Die Handlung spielt in einer Phase des langsamen Abklingens der Corona-Pandemie und verleiht der Geschichte dadurch nicht nur Aktualität, sondern auch eine beeindruckende gesellschaftliche Tiefe. Besonders spannend ist der Einstieg: Der Mord an Jacko Malchow, dem IT-Leiter eines innovativen Biotech-Start-ups in Tübingen, zieht eine internationale Ermittlung nach sich. Im Mittelpunkt steht ein komplexer Datendiebstahl um ein neu entwickeltes mRNA-Vakzin, der neben technologischen Aspekten auch politische und 

wirtschaftliche Machtspiele aufzeigt.

Während TJ, der ehemalige Kriminalhauptkommissar Tankred-Jürg Graf Brühlsdorf, sich in der Reha befindet, um sich von seinen Verletzungen weiter zu erholen, plant er, endlich seinen Doktor zu machen. Im Anschluss daran möchte er sich mit einer eigenen Praxis für psychiatrische Forensik und PTBs (posttraumatische Belastungsstörung) – Beratung in Tübingen selbstständig machen. In der Zwischenzeit übernimmt sein Technikexperte Frederico Schmidt die Ermittlungen, die sich weit über Tübingen hinaus erstrecken, bis in die USA, und sich sowohl im digitalen als auch im realen Raum abspielen. Dabei sorgen zahlreiche Wendungen und internationale Verstrickungen für durchgehend hohe Spannung.

Besonders beeindruckt hat mich, dass „Akte Vakzin“ weit mehr als eine reine Täterfrage behandelt. Stonet zeichnet ein differenziertes Bild von gesellschaftlicher Unsicherheit, wirtschaftlichen Interessen und ethischen Fragestellungen im Umgang mit medizinischen Innovationen. So entsteht ein spannungsreicher Konflikt zwischen der Suche nach Wahrheit und den Versuchen mächtiger Akteure, den Status quo zu sichern.

Die Figuren wirken auf mich sehr glaubwürdig und entwickeln sich im Verlauf der Handlung weiter. Die Ermittlungen zeichnen sich durch sorgfältige, authentische Details aus. Vor allem die Einbettung relevanter gesellschaftlicher Themen – insbesondere in Bezug auf die Pandemie-Nachsorge – hat mir außerordentlich gut gefallen. Diese Dimension macht den Krimi für mich zu etwas Besonderem, das weit über reine Unterhaltung hinausgeht. Besonders Henriette Walcher, seine Hausdame und die gute Seele des Haushalts, mochte ich sehr. Henriette kann nur den Kopf schütteln über das Gefühlschaos, in dem ihr Chef gerade steckt, kann er sich doch zwischen zwei Frauen, Jana und Rieke, nicht entscheiden. Die Lösung für T.J.s Beziehungsprobleme wird sich noch als schwierig erweisen.😀

Mein Fazit: „Akte Vakzin“ ist ein facettenreicher, temporeicher Kriminalroman mit einem klugen gesellschaftlichen Bezug, einem spannenden, internationalen Plot und einer Ermittlerfigur, die mir immer sympathischer wird. Für alle, die anspruchsvolle Spannungsliteratur mit aktuellem Bezug schätzen, eine klare Leseempfehlung.  Und ich freue mich schon auf den nächsten Band: 


Nichts ist, wie es scheint


    • Herausgeber ‏ : ‎ Oertel + Spörer
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 7. August 2023
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 406 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3965551531
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3965551534

Mittwoch, 23. Juli 2025

Der Kämpfer von Semael: Mitrys Trilogie - Band 2 von Cologne Storytellers (Herausgeber), Pawel Kopijer (Autor)


Was für eine Rückkehr nach Amadal! Schon nach wenigen Seiten war ich wieder vollkommen eingetaucht in diesen Strudel aus Magie, Intrigen und alten Versprechen, die über allem schweben. Der Autor bleibt seinem klaren Erzählstil treu: kein Vorgeplänkel, keine Überfrachtung, sondern eine zielgerichtete, dichte Fortsetzung, die genau dort ansetzt, wo Band 1 aufgehört hat – eine der großen Stärken dieser Reihe.

Vinea betritt durch das Mitrys-Portal erneut Neuland. Magische Rätsel, uralte Machtspiele und bröckelnde Loyalitäten werfen viele Fragen auf – und stellen ihre ursprüngliche Mission radikal infrage. Besonders spannend fand ich den politischen Aspekt: Die Scharim denken offen darüber nach, Magie wieder zuzulassen – ein Schritt, der nicht nur gefährliche Folgen haben könnte, sondern auch das uralte Gelübde der Darzaner auf Elise herausfordert, das einst allen Gebrauch von Magie auf dem Kontinent verbot. Diese Entwicklung verleiht der Geschichte zusätzliche Tiefe, weil sie Vergangenheit, Macht und Moral eng miteinander verknüpft.

Auch Norans Weg nimmt weiter an Intensität zu. Die Reise durch die Zwei Welten ist nicht nur äußerlich gefährlich – sie wird zunehmend zu einem inneren Konflikt, besonders durch den wachsend spürbaren Einfluss des Drakonions. Seine Begleiter – Silvan, Gromir und der Druide – stehen ihm zur Seite, doch gerade zwischen den Zeilen merkt man: Die Loyalität der Gruppe darf nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Hier menschelt es, im besten Sinne.

Besonders gelungen ist auch die Figur der Herrin des Schneeasyls. Undurchsichtig, klug und voller Geheimnisse kommt sie genau im richtigen Moment ins Spiel – als jemand, der Antworten kennt, aber nicht alles preisgibt. Ihre Szenen verleihen der Handlung zusätzliche Spannung und ziehen neue Linien für das Finale.

Was mir wieder sehr gut gefallen hat: Trotz komplexer Handlung bleibt alles gut nachvollziehbar. Die Welt Amadal wirkt mit jeder Seite dichter, glaubwürdiger. Historische Zusammenhänge, Brüche und Allianzen greifen spürbar ineinander – ohne je den Fokus auf die Figuren zu verlieren. Ein Kunststück, das nicht jeder Fantasyroman schafft.

 Band 2 der Mitrys-Trilogie setzt die Geschichte von Vinea und Noran konsequent fort. Das Erzähltempo bleibt hoch, die Kapitel sind übersichtlich gestaltet und bringen die Handlung zielstrebig voran – ganz ohne unnötige Abschweifungen. Gerade diese Gradlinigkeit hat mich schon im ersten Band überzeugt und hier erneut begeistert. Der Kämpfer von Semael ist ein überzeugender Mittelband: erzählerisch kraftvoll, inhaltlich auf den Punkt und voller Wendungen, die neugierig auf das machen, was noch kommt. Wer Teil 1 mochte, wird hier nicht enttäuscht, ich freue mich sehr auf das Finale und bin gespannt, wie sich die verschlungenen Fäden am Ende zusammenfügen.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Cologne Storytellers
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 2. Juni 2025
  • Auflage ‏ : ‎ überarbeitete
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 284 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3911363028
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3911363020
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 15 Jahren
  • Originaltitel ‏ : ‎ Mrok we Krwi

Sonntag, 20. Juli 2025

Sorge Dich nicht, Beame!: Besser leben mit Star Wars und Star Trek von Andi Bottlinger (Autor), Christian Humberg (Autor)


Wir schreiben das Jahr 1974 – oder so. Das Bücherhaus sitzt samstagabends auf der Couch und guckt „Enterprise“. Damals war das Bücherhaus allerdings noch nicht einmal ein Gedanke – ich  war ja noch  ein Kind und absolut fasziniert von der Enterprise und ihrer Besatzung Regelmäßig bin ich mit ihr in ferne Galaxien gereist, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Auch heute liebe ich Science-Fiction-Serien und Fantasy Serien. Warum also nicht mal einen Ratgeber lesen, der Tipps fürs Leben auf Basis von Charakteren aus dieser vielfältigen Serienwelt gibt?

Mein Einstieg in die Welt des Warp-Antriebs und der Lichtschwerter begann, wie schon gesagt, mit der klassischen Enterprise-Serie. William Shatner als Kirk, Spock und „Pille“ waren für mich ikonische Begleiter vieler Fernsehabende. Umso spannender war es, ihren Lebensweisheiten und Haltungen in diesem Buch aus einer neuen Perspektive zu begegnen.

Das Autorenduo Andi Bottlinger und Christian Humberg verwebt gekonnt Alltagssituationen mit Motiven, Zitaten und Denkweisen aus zwei der wichtigsten Sci-Fi-Serien überhaupt: Star Trek und Star Wars. Herausgekommen ist keine Parodie, sondern ein Ratgeber mit einem Augenzwinkern – unterhaltsam, aber gleichzeitig tiefgründig und mit vielen Denkanstößen.

Besonders gelungen fand ich die Verbindung zwischen Alltagsproblemen und galaktischen Vorbildern: Wie würde ein Jedi einen Konflikt lösen? Und was täte Captain Picard, wenn das Leben mal wieder roten Alarm ausruft?

Der Schreibstil ist angenehm locker, klug und voller Anspielungen auf die Science-Fiction-Welt Das Buch ist gespickt mit liebevollen Details für Fans, bleibt aber auch für Neulinge gut verständlich und vielleicht gewinnen die Serien ja auch neue Fans. Ich empfehle übrigens Firefly – Der Aufbruch der Serenity. Die im Buch viel zu kurz kam, aber das nur am Rande und das passt schon😏 Der  Spagat ihre Leser zum Schmunzeln und zum Nachdenken zu bringen, ist den Autoren wirklich gut gelungen.

 Und wie es sich für einen gelungenen Ratgeber gehört, bieten die Autoren neben Geschichten und Beispielen auch klare Leitlinien – immer wieder untermalt mit einem Zitat oder einer Szene aus der fernen Galaxis oder dem Weltall des 23. Jahrhunderts. 

Für Fans wie mich, die ihre ersten „Sternstunden“ mit der Original-Enterprise erlebt haben, ist dieses Buch eine nostalgische, gleichzeitig frische und überraschend alltagstaugliche Lektüre. Sorge dich nicht, Beame! ist weit mehr als ein humorvoller Lebensratgeber. Es ist eine Liebeserklärung an große Science Fiction Universen – und ein Appell, sich ihre klugen, gelassenen und manchmal rebellischen Helden zum Vorbild zu nehmen.

Ich empfehle das Buch allen, die sich gerne von fremden Welten inspirieren lassen – und die Freude daran haben, mit einem Augenzwinkern neue Perspektiven auf den Alltag zu gewinnen.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Calderan
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 26. Mai 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 332 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3986000127
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3986000127

Lindis und der verschwundene Honigtopf : (Die merkwürdigen Fälle von Lindis, dem Keltenjungen 1) von Viola Eigenbrodt


Bendix, der Häuptling des Keltendorfs Taigh, ist außer sich: Jemand hat seinen Honigtopf gestohlen! War der Dieb hinter der wertvollen Amphore her oder hinter deren speziellem Inhalt? Für Lindis, den Ziehsohn der Dorfdruidin Kundra und dessen Freunde Finn und Veda ist klar: Der Dieb kann nur einer der fahrenden Händler gewesen sein, die vor kurzem im Haus des Häuptlings waren. Da müssen sie den Honigtopf mitgenommen haben. Sind sie am Ende auch für das rätselhafte Verschwinden einer jungen Dorfbewohnerin verantwortlich? Unter dem Vorwand, fischen gehen zu wollen, machen sich die drei Jugendlichen heimlich auf die Suche nach den Händlern und kommen dabei einem großen Geheimnis auf die Spur.


Ein Kinderbuch im Bücherhaus – das ist eher selten. Doch dieses hier spielt im Hecken- und Strohgäu, einer Gegend, die nicht allzu weit von meinem Wohnort entfernt liegt, zur Zeit der Kelten, etwa 30–40 Jahre vor Christus. Und es ist ein Krimi. Das sind gleich drei Gründe, die für das Buch sprechen. Ein weiterer: Ich kenne die Krimis der Autorin und war neugierig, ob sie auch für Kinder schreiben kann.

Eins vorweg: Sie kann.

Wir lernen die Kinder Lindis, Finn und Veda kennen. Sie leben im Dorf Taigh, nahe eines römischen Militärlagers. Veda ist die Tochter des Keltenhäuptlings Bendix, Finn der Sohn des Dorfschmieds, und Lindis, unsere Hauptfigur, ist der Ziehsohn der Druidin Kundra. Die drei sind unzertrennlich. Als der größte Schatz von Bendix, ein besonderer Honigtopf, gestohlen wird, beschließen sie, den Dieb zu finden.

Viola Eigenbrodt schildert das Leben in der keltischen Siedlung detailreich, aber dennoch gut verständlich. Junge Leser:innen können nicht nur miträtseln, sondern erfahren ganz nebenbei viel über das Alltagsleben, die Bräuche und die sozialen Strukturen der damaligen Zeit. Die unterschiedlichen Hintergründe der drei Kinder machen das Ermittlerteam abwechslungsreich und glaubwürdig – jede Figur bringt eigene Stärken und Perspektiven mit ein.

Die Spannung wird altersgerecht aufgebaut, der Kriminalfall wird konsequent aus Kindersicht erzählt, genau richtig für die Zielgruppe. Es gelingt der Autorin, historische Fakten flüssig und fast spielerisch in die Handlung einbringen, etwa, wenn Werkzeuge, Rituale oder die Rolle der Druiden zur Sprache kommen, ohne dabei belehrend zu wirken.
Der Schreibstil hat mir besonders gut gefallen. Meiner Meinung nach ist er genau richtig für die Zielgruppe: klar und gut verständlich, aber keineswegs schlicht oder oberflächlich. Viola Eigenbrodt schreibt so, dass man gut folgen kann, ohne dass es langweilig wird. Ihre Sprache ist lebendig, mit feinen Beobachtungen und stimmigen Dialogen. Ich hatte den Eindruck, dass sie ihre jungen Leser:innen ernst nimmt – und das merkt man jeder Seite an.

Ein historischer Kinderkrimi, der sowohl unterhält, als auch Wissen vermittelt, ein echter Glücksfall für junge Krimifans und alle, die ein originelles Kinderbuch suchen.



  • ASIN ‏ : ‎ B0FGDMS543
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 1. Juli 2025
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 130 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8290451268
  • Lesealter ‏ : ‎ 10–14 Jahre

Dienstag, 15. Juli 2025

Das Beste sind die Augen von Monika Kim


Manchmal beginnt eine Geschichte ,wie so viele andere. Eine Familie, ein Vater, der geht, zwei Töchter, die zurückbleiben. Und eine Mutter, die sich in ihre eigene Welt aus Hoffnung, Aberglauben und Verzweiflung flüchtet. Das Beste sind die Augen von Monika Kim ist eine dieser Geschichten, die sich langsam entfalten, aber mit jeder Seite eindringlicher werden. Eine kleine Warnung vorweg, manche Szenen sind wirklich eklig.

Im Mittelpunkt steht Ji-won, eine junge Frau, die gemeinsam mit ihrer Schwester 

Ji-hyun versucht, den Verlust des Vaters zu verarbeiten. Die Mutter ist den beiden keine Hilfe sie ist wie gelähmt und wartet voller Verzweiflung, Tag für Tag, auf seine Rückkehr. „In ihrer Verzweiflung klammert sie sich an etwas, das sie von früher kennt: Fischaugen zu essen bringe Glück, hieß es von ihren Eltern. Auch wenn diese sie eigentlich nur dazu bringen wollten, alles zu essen, was essbar ist, denn die Familie lebte in bitterer Armut. Und so beginnt sie, sich an diesem seltsamen Ritual festzuhalten. Als Ji-won eines Abends aus Liebe zu ihrer Mutter ebenfalls ein Fischauge isst, scheint sich tatsächlich etwas zu verändern. Die Mutter wird lebendiger, beginnt wieder zu lächeln – und bringt bald einen neuen Mann in ihr Leben: George. 

George ist Amerikaner, weiß, selbstbewusst, laut – und von Anfang an eine Figur, die mir zutiefst unsympathisch ist. Er spricht ein paar Brocken Koreanisch, auch wenn diese kaum verständlich sind, gibt sich interessiert und charmant, doch hinter seiner Fassade lauert etwas anderes. Ji-won und Ji-hyun spüren es sofort: Dieser Mann bringt nichts Gutes. Seine Kommentare sind herablassend, seine Gesten übergriffig, sein Lächeln falsch, schon beim ersten Treffen in einem Restaurant wird klar: George hält sich für ein Gottesgeschenk an die Menschen, er gibt sich nicht einmal ansatzweise Mühe, die Namen der jungen Frau richtig auszusprechen und nennt sie JW und JH, spätestens dann wäre ich als Mutter aufgestanden und gegangen. Für die Mutter aber ist er ein Hoffnungsschimmer – oder vielleicht nur ein letzter Strohhalm in ihrer Einsamkeit.

Was Monika Kim in diesem Roman so eindrucksvoll gelingt, ist die Darstellung subtiler Gewalt. George ist kein klassischer Bösewicht – und gerade das macht ihn so erschreckend real. Er ist der Typ Mann, der sich überlegen fühlt, der andere kleinmacht, ohne laut zu werden. Der mit Geld, Sprache und kultureller Arroganz Macht ausübt – und dabei stets den Anschein von Freundlichkeit wahrt. Ji-wons Ohnmacht, ihre stille Wut, ihr wachsendes Misstrauen – all das ist spürbar und erschütternd authentisch erzählt.

Ein zentrales Motiv des Romans sind die Augen. Ji-won träumt von ihnen, sie beobachtet, wird beobachtet. Sie stehen meiner Meinung nach für Kontrolle, für Macht, für das Gesehenwerden und

 Ji-won entwickelt einen Heißhunger auf Augen. 

Ji-won beginnt zu handeln, sie will kein Opfer sein und so haben wir hier nicht nur einen Roman über Feminismus, Rassismus sondern auch einen Thriller, der zeigt wozu Menschen fähig sein können, um ihre Familien zu schützen und sei es mit brutaler Gewalt. 

Das Beste sind die Augen ist  trotz allem für mich ein stilles, aber kraftvolles Buch. Es erzählt von Rassismus, nicht nur von dem offenen Rassismus, von dem wir uns wohl alle aus tiefstem Herzen distanzieren, es erzählt auch von Alltagsrassismus, den kleinen unbedachten Worten, mit denen wir unbeabsichtigt andere verletzen. Die Geschichte erzählt von kulturellen Brüchen, aber auch von Mut, Widerstand und der Suche nach dem eigenen Platz in einer Welt, die oft ungerecht ist. Mich hat die Geschichte tief bewegt und lange beschäftigt. Sie ist unbequem, ehrlich und wichtig.




  • Herausgeber ‏ : ‎ kiwi sphere
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 3. Juli 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 352 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462009982
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462009989
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Eyes Are The Best Part