April kehrt als Erwachsene in ihren früheren Wohnort Stonebridge zurück – ein Ort, mit dem sie widersprüchliche Erinnerungen verbindet. Besonders präsent bleibt ihr die Freundschaft zu Ruby, der Tochter der Betreiber des „Rising Sun“.
April wächst als Tochter liebevoller, vielleicht etwas naiver Eltern auf, die das heruntergewirtschaftete Café Copper Kettle übernommen haben, nachdem sie ein Pub in London wegen Differenzen mit der Brauerei aufgeben mussten. Gleich bei ihrer Ankunft in Stonebridge lernt sie Ruby kennen, die aus einem kalten, gewalttätigen Elternhaus stammt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft.
Auf ihren Streifzügen durch die Umgebung entdecken sie in einem verwilderten Obstgarten einen alten Eisenbahnwagen, den sie zu ihrem Zufluchtsort machen – einer Zuflucht vor dem übergriffigen Mr. Greenridge, der dem achtjährigen Mädchen April nachstellt, und vor der Gewalt in Rubys Elternhaus. Während Rubys Verletzungen unübersehbar sind, sind Aprils Nöte unsichtbar, sie vertraut sich niemandem an, nicht einmal Ruby, geschweige denn ihren Eltern.
Doch Mackay verwebt Kindheitsidylle mit dunklen Unterströmungen: Die Bedrohung durch Mr. Greenridge, den unheimlichen Nachbarn, wächst. Ich habe die Anspannung deutlich gespürt, als April entdeckt, dass Mr. Greenridge ihrem Zufluchtsort auf die Spur gekommen ist. Plötzlich verliert ihr geheimer Rückzugsort an Bedeutung, und ihre Unschuld wird endgültig erschüttert. Das ging mir sehr nahe.
Erschütternd fand ich außerdem, wie wenig Aprils Eltern vom Schmerz ihrer Tochter ahnen – obwohl sie Rubys schwierige Lage durchaus erkennen. Mackay schildert das Unbemerkte, das Übersehene, ohne je zu urteilen oder zu dramatisieren. Alles bleibt auf Augenhöhe der kindlichen Erzählerin und wird dadurch umso stärker spürbar.
Als Rubys Eltern in einer Nacht-und-Nebel-Aktion das Dorf verlassen und ohne ein Abschiedswort ihre Tochter mitnehmen, wusste ich beim Lesen, dass April diese Freundschaft für immer als schmerzliche Lücke mit sich tragen wird. Ich habe mit ihr getrauert und mich gefragt, wie frühe Traumata und Verluste einen Menschen prägen.
Mackays Sprache ist schlicht, klar und voller Einfühlung. Ich habe die Sorgen und Ängste der Mädchen mitgefühlt und immer gehofft, dass nichts Schlimmeres geschieht.
Mein Fazit:
Der brennende Obstgarten erzählt eindringlich und mit viel Feingefühl von Kindheit, Freundschaft und den leisen Brüchen des Erwachsenwerdens. Das Buch wirft einen genauen Blick auf die Verletzlichkeit und Stärke der beiden Mädchen und bleibt in Erinnerung, ohne große Gesten oder Pathos zu brauchen. Für alle, die literarisch anspruchsvolle, unaufgeregte Geschichten schätzen, eine klare Empfehlung.
- Herausgeber : C.H.Beck
- Erscheinungstermin : 10. Juli 2025
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 291 Seiten
- ISBN-10 : 3406838669
- ISBN-13 : 978-3406838668
- Originaltitel : Orchard on Fire The


.jpg)



