Das erste was mir bei diesem Buch auffiel war das Cover, erinnert es mich doch an einen Roman, die goldene Schrift des Titels und die Zeichnungen von Artefakten sind schon ein echter Hingucker. Nur handelt es sich bei "Im Schein von Gold und Feuer" um ein Sachbuch. Die lese ich ja eher selten, doch hier hat mich der Klappentext neugierig gemacht. Wir haben ja alle ein Bild im Kopf wenn wir an Wikinger denken, geprägt von alten Geschichten sehen wir eine blutrünstige, räuberische Horde Männer mit Hörnerhelmen vor uns Eleanor Barraclough erzählt uns nun aber von den Menschen, hinter den Klischees.
Im Schein von Gold und Feuer“ von Eleanor Barraclough ist eines dieser seltenen Sachbücher, das bekannte Geschichte vollkommen neu erzählt. Statt sich erneut auf plündernde Krieger, Schlachten und die üblichen Wikingerklischees zu konzentrieren, öffnet Barraclough den Blick auf den Alltag und die Menschen hinter den Legenden. Genau das macht dieses Buch so außergewöhnlich.
Bereits nach den ersten Seiten war mir klar, dass hier nicht die bekannten Mythen wiederholt werden. Vielmehr entsteht ein lebendiges Bild der Wikingerzeit, das nahbar, detailreich und überraschend modern wirkt. Barraclough erzählt von Kindern, Versklavten, Handwerkern, Seherinnen und Reisenden. Sie zeigt eine Welt, die weit mehr war als Kampf und Eroberung. Kleine archäologische Funde wie verzierte Kämme, eingeritzte Botschaften auf Holz oder Kinderkritzeleien verleihen der Vergangenheit eine fast intime Nähe. Da ist z.B. der Kamm auf dessen Hülle Runen eingeritzt sind, die sagen das Thorfast einen guten Kamm angefertigt hat, solche Beispiele des normalen Lebens finden sich im Buch immer wieder.
Besonders beeindruckt hat mich Art, wie die Autorin archäologische Erkenntnisse in spannende Erzählungen verwandelt. Münzen, Gräber, Figuren und Inschriften dienen hier nicht bloß als wissenschaftliche Belege, sondern werden zu Ausgangspunkten echter Geschichten. Das Buch wirkt dadurch nie trocken oder akademisch. Stattdessen liest es sich atmosphärisch und menschlich, ohne dabei an historischer Tiefe zu verlieren.
Auch der geografische Blickwinkel macht das Buch sehr spannend die Autorin erzählt , wie weitreichend die Verbindungen der nordischen Welt tatsächlich waren. Die Reisen führten nicht nur nach Grönland, sondern ebenso bis ins byzantinische Reich und in das islamische Kalifat. Diese internationale Vernetzung wird verständlich, anschaulich und faszinierend dargestellt.
Der Schreibstil trägt wesentlich zum Leseerlebnis bei. Barraclough schreibt lebendig und klug. Ihre Erfahrung als Dozentin und Rundfunksprecherin ist spürbar, denn selbst komplexe Zusammenhänge kann sie sehr verständlich erklären, ohne jemals oberflächlich zu werden.
„Im Schein von Gold und Feuer“ eignet sich besonders für Leserinnen und Leser, die Geschichte nicht nur über Schlachten und Herrscher kennenlernen möchten. Wer sich für archäologische Funde interessiert, die geschickt in erzählerische Zusammenhänge eingebunden werden, wird hier ebenso fündig wie alle, die die Wikingerwelt jenseits von Hollywoodbildern entdecken möchten.
Mit seinen 464 Seiten ist das Buch recht umfangreich und fordert an manchen Stellen Aufmerksamkeit und etwas Geduld. Die vielen Namen, Orte und Details machen es stellenweise etwas anspruchsvoll, aber genau darin liegt auch sein Reiz. Die Vergangenheit läuft schließlich nicht weg, und die spannenden Erkenntnisse der Autorin schon gar nicht. Allerdings hätte ich mir Farbfotos gewünscht, die wenigen s/w Aufnahmen werden dem modernen, lebendig erzählten Text nicht gerecht.
- Herausgeber : Penguin Verlag
- Erscheinungstermin : 13. Mai 2026
- Auflage : Deutsche Erstausgabe
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 496 Seiten
- ISBN-10 : 3328113738
- ISBN-13 : 978-3328113737
- Originaltitel : Embers of the Hands









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