Montag, 29. Mai 2017

Interview mit Leif Tewes auf der LBM 2017






Ja, man könnte es ein Interview nennen, obwohl es sich dann doch eher zu einem wirklich tollen und informativen Gespräch entwickelte.
Da bin ich ja wieder in etwas reingerutscht. Als Tanja Rörsch von der Mainwunder Agentur fragte, wer denn Lust auf ein Interview mit Leif Tewes hat, konnte ich nicht schnell genug *Ich, bitte* rufen. Schließlich hatte ich sein Buch ,,Tag Null“ gelesen und fand es einfach nur Klasse, vor allem anders als Andere.
Die Interviews, die ich bisher geführt hatte,  waren einfach:
Ich habe mir Fragen ausgedacht und diese an meine Interviewpartner geschickt, die sie dann ganz in Ruhe beantworten konnten.
Diesmal sollte es aber anders laufen, ein persönliches Interview auf der Leipziger Buchmesse.
Dementsprechend aufgeregt war ich, völlig derangiert kam ich gerade noch pünktlich zum vereinbarten Treffpunkt und wurde von Tanja Rörsch in Empfang genommen und auch Leif Tewes war schon vor Ort. Er war mir von Anfang an sympathisch, seine freundliche und offene Art hat mir gleich sehr viel von meiner Nervosität genommen


Jetzt aber zu meinen Fragen, die Antworten sind nicht wortgetreu, ich brauche entweder ein Diktiergerät oder muss meine Steno Kenntnisse auffrischen.

1. Für die Leser die dich noch nicht kennen, beschreibe dich doch bitte in 5 Worten.

Leif Tewes:
Interessiert, weltoffen, mutig ,sammele immer und überall Erfahrungen
Zitat: Ich bereue nicht was ich getan habe, nur das was ich nicht getan habe.

2. Wie kommen dir die Ideen zu deinen Büchern?

Leif Tewes:
Ich brauche lange, bis ich zu einem Thema komme. Es muss etwas sein, das mich richtig interessiert und bewegt, etwas, das mich wütend macht, wovon ich überzeugt bin, was irgendwo ein Teil von mir ist. Es muss eine Frage sein, die mir die Energie für den Marathon gibt, den so ein Buch darstellt. Die Manipulation der Konsumenten durch Lebensmittelkonzerne ist so ein Thema, über das ich mich sehr aufregen kann. Und so kam ich zu diesem Thema.

3. Leif, gerade ist Dein neuer Thriller „Blutzucker“ im Größenwahn Verlag erschienen. Darin geht es wieder richtig zur Sache, aber erzähl selbst..worum geht es?
Erzählt wird auf verschiedenen Ebenen: Ich glaube, dass Menschen Visionen brauchen, um ihr Leben gestalten zu können. Eine Vision, an die sie glauben, für die sie kämpfen. Dafür habe ich zwei Protagonisten, der Lebensmittelchemiker Paul und sein Chef Meininger, sie arbeiten in einem globalen Lebensmittelkonzern. Der eine, Paul, hatte mal eine Vision, ein Ziel, für das er lebte, und es wurde ihm genommen. Nach zwanzig Jahren verliebt er sich erneut in eine Journalistin, eine echt starke Persönlichkeit. Doch sie ermittelt gegen die Firma, für die er arbeitet. Dann kommt Meininger, der an seinen Platz im Vorstand glaubt, und alles dafür macht. Auch über Leichen zu gehen. Die andere Ebene ist die Bühne, auf der das spielt: Es geht um Zucker in Lebensmitteln, und warum er für diesen Konzern so wichtig ist. Die haben gerade einen Pharmakonzern gekauft, nicht unüblich in der realen Welt, und dieser Pharmakonzern lebt von Diabetes Therapien. Warum sollte also der Lebensmittelhersteller Interesse haben, weniger Zucker in seine Produkte zu mischen? Doch der öffentliche Druck und aufgeklärte Verbraucher stehen Zucker mittlerweile kritisch gegenüber. So entwickelt der Manager Meininger eine Idee, die Paul umsetzen soll. In diesem Setting geraten die beiden unterschiedlichen Figuren aneinander und kämpfen jeweils für ihre Vision.


4. Glaubst du das Blutzucker etwas bei deinen Lesern bewirkt?

Leif Tewes:
Bei mir persönlich hat es etwas bewirkt, ich vermeide seit 2 Jahren Zucker, keine Limonaden, keine Schokolade, keine Bonbons, keine Fertigprodukte (wobei die bei uns sowieso so gut wie nie verwendet werden). Ich verwende auch keine Lightprodukte oder Süßstoffe, außer einer Tablette Süßstoff im Kaffee, denn es geht darum, von dieser Konditionierung auf „Süß“ weg zu kommen.
Ich fühle mich seitdem Leistungsfähiger, mein Glückshormonlevel ist konstanter und nicht kurzfristig hochgeputscht durch Zucker, was zur Folge hat, das ich noch mehr Spaß am Leben habe. Dazu kommt noch ein Gewichtsverlust von 10kg.

5. Wenn du gefragt wirst *Warum sollte ich deine Bücher lesen?* Was antwortest du?
Leif Tewes:
Weil sie spannend sind, politisch unkorrekt und weil sich der Leser in ihnen wiederfinden kann.

5: Auf dem Cover steht nicht „Krimi“ oder „Thriller“, sondern „Roman noir“. Was ist da der Unterschied?
Leif Tewes:
Unter „Krimi“ erwartet der Leser in der Regel die Suche nach einem Mörder oder anders gearteten Verbrecher. Heutzutage oftmals noch regional eingegrenzt, der „Regionalkrimi“, damit die Leser ihre so vertraute Umgebung auch in der Geschichte wiederfinden Die Einschränkung auf eine Region liegt mir auch nicht, deshalb spielt „Blutzucker“ in Kolumbien, Zürich und Frankfurt. Ich kann auch keinen „Whodunit“ schreiben, also eine Mördersuche, weil die mich nicht interessiert. Deshalb war in „Tag Null“ der Mörder auch nicht auf der letzten Seite, sondern auf der ersten Seite Ein „Thriller“ ist zumeist der Kampf „Gut gegen Böse“, wobei das Böse dann richtig Böse ist, ermittelnde Polizisten spielen meist keine Rolle. Ich habe jedoch ein Ermittlerteam, das zwar die Fälle nie so richtig lösen kann sondern den Geschehnissen eher hinterher hechelt, aber ich mag das Team. In „noir“ Geschichten ist es, auch wenn „noir“ ja „schwarz“ heißt, eben nicht „schwarz-weiß“, sondern sehr viel grau. Die Figuren sind oftmals wichtiger als die Handlung, es sind meist irgendwie gebrochene Menschen, die verzweifelt nach Geld, Gold, Gerechtigkeit oder Liebe suchen, etwas, das sie aus ihrer Trostlosigkeit erlöst. Obwohl sie wissen, dass Erlösung eine Illusion ist. Meine Figuren Paul und Meininger, aber auch Pauls Freunding Nicole und selbst Kommissar Berg und auch seine Kollegin Landers passen irgendwie da rein. Bei „noir“ ist die Grenze von Gut und Böse schwammig und widersprüchlich, das Gesetz und die persönlichen Moral nicht deckungsgleich. So interessiert sich der Kommissar nicht nur für das Verbrechen, sondern eher für die Krise, den Auslöser, und bewertet Verbrechen nach wechselnden Maßstäben und seiner eigenen Moral.

6.Welches war dein meist gehasstes Schulfach?
Chemie, trotzdem hatte ich gute Noten, weil mein Chemielehrer mich für ein Genie hielt, ich konnte in Rekordzeit den Zauberwürfel knacken und wer das kann muss hochbegabt sein. ;o)

7.Seit wann schreibst du und überlegst du dir vorher genau wie sich dein Buch entwickeln soll?
Leif Tewes:
Ich habe schon als Kind geschrieben, aber nur für mich. Ich habe Informatik studiert und Fachbücher geschrieben. Irgendwann habe ich dann eine neue Herausforderung gesucht, so entstand 2013 „Tag Null“. Ich wollte eine Geschichte schreiben über die ich mich selber nicht ärgern wollte, weil sie nach Schema F geschrieben ist.
Da ich ein „Thesenschreiber“ bin und kein Plotter, weiß ich anfangs nicht, wie die Geschichte endet. Ich entwickelte Figuren zu meiner These, suche dann eine „Bühne“ und lasse sie loslaufen. So entwickelt sich dann der Plot. Das kann zwar auch schon mal in eine Sackgasse geraten, aber mit dem Lektorat komme ich dann da auch wieder raus.

8.Hast du Lieblingsautoren? Was liest du um abzuschalten?
Leif Tewes:
Ich lese tatsächlich recht wenig und breche Bücher die mich nicht nach 20 Seiten überzeugt haben, gnadenlos ab.
Im letzten Jahr haben mich aber einige Bücher begeistert, unter anderem  Melanie Raabe: Die Falle,
Unterwerfung von Michel Houellebecq und besonders empfehlenswert Driver von James Sallis.

9. Du bist der neue Star beim Größenwahn Verlag, einem Frankfurter Verlag, der sich Themen entgegen des Mainstreams widmet. Bist Du auch etwas größenwahnsinnig oder was begeistert Dich an genau diesem Verlag?
Leif Tewes:
Natürlich ist der Name Programm. Nicht alle wissen, dass der Grössenwahn-Verlag die Idee einer der Betreiber des zumindest in Frankfurt ruhmreichen „Grössenwahn Café“ ist. In dieser Kneipe habe ich schon vor 25 Jahren als Student gesessen. Den Name dieser Kneipe haben sich die Betreiber ausgedacht, weil es in den 20/30-er Jahren in den deutschsprachigen Boomtowns in Europa (Berlin, Wien etc.) Kneipen gab, in denen sich die Künstler, Weltverbesserer, Spinner getroffen haben. Man sagte damals „gehen wir dahin, wo die Größenwahnsinnigen hingehen“. Ich hab mich damals in der Kneipe wohl gefühlt, und fühle mich jetzt im Verlag wohl. Und ja, der Verlag ist gegen den Mainstream gebürstet, meine „noir“-Geschichten und deren Aufbau passt nicht ganz in die aktuell erfolgreiche Strömung der Regionalkrimis, Whodunits und Ermittlerkrimis. Von daher passt der Name, das Programm, und die regionale Nähe macht es einfacher, sich mit dem äußerst engagierten Verleger zwischendurch mal zu treffen und Neues auszuhecken.

Und als letzte Frage

10. Was bringt dich zum Lachen?

 Leif Tewes:
Monthy Pyton finde ich genial und die Heute Show, weniger Lachen kann ich über Comedians deren Humor zu flach ist.

Lieber Leif, ich danke dir wirklich für dieses Gespräch, mir hat es sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich wirklich auf dein nächstes Buch.

Und wenn ihr neugierig geworden seid. Mit einem Klick aufs Bild landet ihr direkt auf der Autorenseite.
Und zum  Verlag kommt ihr Hier.






Kommentare:

  1. Liebe Manuela,

    dieses Interview hast ich mir gespeichert und erst heute habe ich meine gespeicherten Beitrag mal alle gelesen. Sorry, dass es o lange gedauert hat.

    Das Interview gefällt mir richtig gut, denn es ist nicht nach Schema F ausgerichtet und erfrischend anders. So erfährt man sehr interessante Dinge über Life Tewes und mir fällt ein, da schlummert doch noch sein Buch auf meinem SuB.

    Liebe Grüße

    Anja

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  2. Ich danke dir Anja, das Interview hat mir auch sehr viel Spaß gemacht. Halt dich ran mit den Büchern, im August kommt sein nächstes auf den Markt.

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  3. Huhu!

    Ich glaube, ohne Diktiergerät wäre ich total aufgeschmissen, mein Gedächtnis ist total schlecht... X-D

    Sehr interessant, was der Autor zum Zuckerkonsum sagt! Ich versuche auch, Produkte mit Zucker stark zu reduzieren. Lange war ich stattdessen richtig süchtig nach Cola Light, aber da bin ich inzwischen auch von weg. Ich süße inzwischen mehr mit Honig, aber eben auch sparsam. Auf den Gewichtsverlust warte ich aber noch! ;-)

    Bei "Roman Noir" spitze ich direkt die Ohren, denn das ist ein sehr interessantes Genre! (Wobei ich auch Krimis und Thriller gerne lese.)

    Chemie war auch men meist gehasstes Schulfach, was zum Teil aber sicher auch daran lag, dass mein erster Chemielehrer mich von Tag 1 anscheinend gehasst hat, warum auch immer! Ich kann mich erinnern, dass ich ihn einmal falsch verstanden habe und als Hausaufgabe aus Versehen statt der Aufgabe ZWEI b) die Aufgabe DREI b) gemacht habe, und dafür hat er mir direkt eine 6 eingetragen. Da hätte ein Zauberwürfel wohl auch nicht geholfen...

    "Die Falle" ist ein grandioses BUch, da kann ich Leif Tewes nur zustimmen! Dann sollte ich mir die anderen Bücher, die er empfiehlt, wohl auch mal angucken. :-)

    Monthy Pyton sind einfach Kult, und die Heute Show liebe ich auch sehr. :-)

    Und jetzt gehe ich mir erstmal die Autorenseite anschauen!


    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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  4. Ich kann dir die Bücher wirklich empfehlen und im August kommt schon ein neues-

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