Sonntag, 19. Februar 2017

Alma von Dagmar Fohl

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Kappentext: Der Hamburger Musikalienhändler und Cellist Aaron Stern muss 1939 Deutschland ohne seine Tochter verlassen. Eine verhängnisvolle Odyssee beginnt. Er findet in keinem Land sichere Aufnahme und gerät in die Fänge der Nationalsozialisten. Nach leidvollen Erfahrungen als Schiffsflüchtling und Lagermusiker kehrt er schließlich nach Hamburg zurück. Eine berührende und abenteuerliche Suche nach seiner Tochter beginnt.

Normalerweise schreibe ich hier eine kleine Zusammenfassung des Inhalts. Bei diesem Buch allerdings, geht das nicht, es umfasst gerade mal 200 Seiten, alles was ich außer dem Klappentext erzähle wäre gespoilert, jedes Wort wäre zuviel.

Meine Meinung:
*Das haben wir nicht gewusst*
Jedes Mal wenn ich als Jugendliche diese Worte hörte, hätte ich mein Gegenüber am Liebsten geschüttelt, wie konnten die Grausamkeiten der Nazis so unbemerkt von den Menschen geschehen? Wie konnten die Menschen ihre Augen so fest vor dem was geschah verschließen? Sie konnten, weil sie es wollten.Sie wollten nicht konfrontiert werden mit dem Leid anderer, sie wollten ein Leben in Wohlstand, ohne Sorgen und ohne sich darüber Gedanken machen zu müssen wie es am nächsten Tag weiter geht. All dies versprach ihnen Hitler, und er lieferte ihnen gleich einen Sündenbock für alles was nicht gut war im Land: Juden,Zigeuner,Kommunisten....
Aber nicht nur die Deutschen verschlossen ihre Augen, kaum eine Nation war bereit die Flüchtlinge aufzunehmen.
Das kommt vielleicht dem Einen oder Anderen bekannt vor, wir stehen wieder an der Schwelle zu der Behauptung.
*Das haben wir nicht gewusst*
Die Ausgangssituation ist eine andere, das Ergebnis ähnlich.


Dagmar Fohls Buch, hat mich emotional nicht so aufgewühlt wie ich es eigentlich erwartet hatte, wahrscheinlich weil ich wusste was mich mit der Lebensgeschichte Aarons erwartet, vielleicht auch weil das Buch eben sehr kurz ist, so das ich keine richtige Beziehung zu den Protagonisten aufbauen konnte. Einzig von Aaron konnte ich mir ein klares Bild machen, von seinem verzweifelten Versuch zu überleben und die zu schützen die er liebt, alle anderen blieben doch etwas blass.

Ich muss überall, außer hier Sterne, vergeben um anderen Lesern schnell zu vermitteln wie mir das Buch gefallen hat. Das fällt mir immer schwer. Das Thema ist aktuell wie schon lange nicht mehr und es ist wichtig und zwingend notwendig die Blicke der Menschen auch einmal wieder in die Vergangenheit zu lenken um sie für die Gegenwart sensibler zu machen. Dafür würde ich volle 5 Punkte geben. Andererseits ist das Buch definitiv zu kurz, die Suche nach Alma wird im letzten Drittel abgehandelt, ihr Schicksal nur kurz erzählt, nach dem Klappentext hatte ich mir auf jeden Fall mehr erwartet. Das gäbe eigentlich nur 3 Sterne.
Der Schreib- und Erzählstil der Autorin hat mir gut gefallen, sie lässt ihre Leser zwar teilhaben an dem was passierte, geht ins Detail wo es nötig ist, spart aber an allzu grausamen Szenen. Trotzdem hat mir ein bisschen etwas gefehlt, etwas das ich gar nicht benennen kann, das wären 4 Sterne.
Alles in Allem gebe ich dem Buch eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Wenn die Lektüre auch nur einen Menschen erreicht, der jetzt danach ruft die Grenzen dicht zu machen und dessen Meinung zu ändern ist schon viel gewonnen.

Das Buch kann direkt beim Verlag bestellt werden.

  • Gebundene Ausgabe: 219 Seiten
  • Verlag: Gmeiner-Verlag; Auflage: 1., 2017 (8. Februar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3839220726
  • ISBN-13: 978-3839220726



Kommentare:

  1. Das Buch klingt wirklich interessant vom Thema her. Ich finde es auch wichtig, ab und an in die Vergangenheit zu blicken. Gerade wenn diese Themen wieder so aktuell werden wie heute...
    Schade, dass die suche nach Alma und ihre Geschichte nur so wenig Raum einnimmt. Den Titel werde ich mir aber trotzdem mal merken...

    LG
    Julia

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    1. Es ist auf jeden Fall lesenswert, gerade in unserer Zeit.

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  2. Hallo,
    Mit Sicherheit ein interessantes Buch, aber trotzdem leider nichts für mich. Ich teile deine Rezension aber gerne, vielleicht findet sich ein passender Leser unter meinen Freunden.
    LG Sonja

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  3. Hey,
    eine sehr interessante Rezension die mich neugierig auf das Buch macht.
    Danke fürs vorstellen!
    Liebe Grüße
    Ela

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  4. Ich finde es so schrecklich, dass diese Bücher und Themen wieder so aktuell geworden sind! Diese Zeit sollte mittlerweile wirklich vorbei sein. Es macht mich so traurig.
    Danke für die Erinnerung an so eine Geschichte!
    GlG vom monerl

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  5. Ja, so geht es mir auch, als Teenie hatte ich tatsächlich den festen Glauben das so etwas nie wieder passieren kann, heute sehe ich das leider anders.

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