Mittwoch, 2. April 2025

Zu Gast im Buecherhaus: Tristan Rosenkranz



Hallo Tristan, herzlich willkommen im Bücherhaus, ich freue mich sehr, dass du heute bei mir zu Gast bist und dir so kurz vor der LBM Zeit für mich nimmst. Als Gründer und Verleger der Edition Outbird hast du sicherlich viel zu erzählen. Kaffee, Tee und Kekse stehen bereit, bitte bedien dich.

Bevor wir mit den Fragen beginnen, beschreibe dich doch bitte in 3 Worten.





Kreativer Geist, Netzwerker und Liebhaber alternativer Kultur und Literatur.




Was hat dich dazu inspiriert, die Edition Outbird zu gründen und wie kamst du auf den Namen, die Frage stelle ich mir ehrlich gesagt schon lange?



Wenn ich in der Grundschule gefragt wurde, was ich mal werden wolle, antwortete ich mit „Schriftsteller“. Zwischen 2008 und 2018 verfasste ich Kolumnen und Interviews u. a. für Geraer Stadtmagazine und veröffentlichte auch einige Bücher, merkte aber im zunehmenden Maß, dass ich nur schreiben oder verlegen kann, nicht beides parallel. Und da der 2016 gegründete Verlag so allmählich an Fahrt aufgenommen hatte, blieb es dabei. „Outbird“ setzt sich aus „Outsider“ und „Freebird“ zusammen.



Wie würdest du die literarische Ausrichtung deines Verlags beschreiben?


Der Verlagsname ist schon ein grundsätzlicher Verweis auf die literarische Ausrichtung. Die Selbstbeschreibung sieht so aus: „Die „Edition Outbird“, 2016 gegründet, richtet ihren Fokus auf alternative (Er)Lebenswelten, auf Stoffe mit Charakter und Kante, auf Geschichten vom Rande des Mainstreams wie auch das Fesselnde, Sensible, Atemlose und Mitreißende erzählerischer Sounds. Wir lieben elektrisierende Plots, faszinierende Erzählkunst, tiefe, dunkle Anderswelten.“



Welchen Herausforderungen begegnest du als unabhängiger Verleger in der heutigen Buchbranche?



Seit Jahren schließen unabhängige, inhabergeführte Buchhandlungen und Verlage, währenddessen die Großen am Markt, Thalia sei als Beispiel genannt, immer mehr zukaufen und wachsen. Große Verlage erkaufen sich Bestsellerplatzierungen und Regalmeter in Buchhandlungen, während kleine Verlage eine viel größere Hürde sehen, in Buchhandlungen geführt zu werden. Darüber hinaus geht die Leserschaft zurück, weil Streamingdienste und soziale oberflächliche Medien Zeitfresser sind. Als letztes Beispiel sei noch erwähnt, dass Barsortimenter (Großhändler) wie Zeitfracht oder Libri teils aktuelle Titel als „nicht lieferbar“ führen, weil gerade kleinere Auflagen unwirtschaftlich für deren Lagerhaltung sind.



Gibt es ein Buch in deinem Verlagsprogramm, auf das du besonders stolz bist, und wenn ja, warum?



Das ist eine schwierige Frage, weil ich keine Wertigkeiten zwischen einzelnen Büchern herstellen will. Aber „Wölfe vor der Stadt“ von Ulrike Serowy fesselte mich zum Beispiel auf ganz eigene Weise, weil Ulrike darin durch sprachlichen Minimalismus eine starke, bildhafte Kraft entfaltet.

Ich liebe das Buch, das bleibt für immer bei mir. 


Wie entdeckst du neue Autoren und Manuskripte für deinen Verlag?


Durch das einzigartige Image des Verlages und die Wurzeln zahlreicher AutorInnen in der Gothic- und Punkszene ist das mittlerweile ein Selbstläufer geworden. Was auch bedeutet, dass ich gar keine neuen Stoffe oder AutorInnen mehr aufnehmen kann, wenn da nicht schon Gespräche laufen oder seit Jahren persönliche Beziehungen bestehen.


Welche Rolle spielt die Region, in der du lebst, in deiner Verlagsarbeit, und wie beeinflusst sie deine Auswahl an Autoren und Themen?


Mein Verlagssitz ist in Gera, viele Aktivitäten finden aber in Leipzig bzw. mit LeipzigerInnen statt. Die Region spielt im Grunde keine Rolle für die Stoffauswahl. Und inwiefern ich typischer Thüringer bin und mit dieser Mentalität verlege, kann ich nicht beurteilen.


Wenn du die Möglichkeit hättest, ein Buch aus der Geschichte neu zu veröffentlichen, welches wäre es und warum?


„Unterwegs“ von Jack Kerouac war eines der wegweisendsten Bücher für mich, weil es sein Vagabundentum, seinen Hang zu Rausch und Jazz und seine Unabhängigkeit widerspiegelte und unzählige Menschen beeinflusste. Und weil es als Manifest der Beatniks und der Beat Literatur gilt.


Wie siehst du die Verbindung zwischen Literatur und Musik? Gibt es Künstler oder Bands, die dich inspirieren oder die du mit deinem Verlag in Verbindung bringen möchtest?


Zahlreiche meiner AutorInnen sind auch MusikerInnen: Luci van Org, Benjamin Schmidt, Feline Lang, Holger Much, Myk Jung, Michael J. J. Kogler, Dominique M. Täger. Andere wiederum, Dirk Bernemann oder Ulrike Serowy, arbeiteten immer wieder mit Musikern zusammen, Dirk zum Beispiel mit Phillip Boa. Mich selbst inspirieren immer wieder Bands wie The Cure, Fever Ray, Joy Division, Savages, Whispering Sons oder Friends of Gas. Ohne Musik wäre das Leben grau und sinnlos.



Ich liebe ja die Covergestaltung deiner Bücher. Wie wichtig ist es dir, dass die Bücher deines Verlags nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch ansprechend sind? Wie gestaltest du die Buchausstattung?


Die Cover“politik“ der Edition Outbird spiegelt schon stark mein eigenes ästhetisches Empfinden wider. Dem kommt es dann schon sehr entgegen, dass die AutorInnen und Benjamin Schmidt, der ja sehr viele der Bücher gestaltet und setzt, einen ganz ähnlichen Geschmack haben.


Welche Rolle spielt die Community oder das Netzwerk für dich und deinen Verlag? Gibt es Kooperationen oder Veranstaltungen, die du besonders schätzt oder in Zukunft planst?



Ich sehe das Verlagskollektiv ein Stück weit als Familie an, als Wahlfamilie, wenn man so will. Netzwerkarbeit ist alles, und Partnerschaften und Kooperationen tragen den Verlag gerade in der Veranstaltungsarbeit stark mit. Wir arbeiten mit ausgewählten BuchhändlerInnen, Bibliotheken, Vereinen, KünstlerInnen oder BloggerInnen zusammen, die Edition Outbird ist beispielsweise Mitglied im Schöne-Bücher-Netzwerk, im Lese-Zeichen e. V., im Thüringer Literaturrat e. V. oder im Phantastik-Autoren-Netzwerk e. V..

Eine Veranstaltung, auf die ich mich sehr freue und die mir thematisch sehr wichtig ist, wird ein familiäres Festival mit zahlreichen KünstlerInnen am kommenden Totensonntag in Leipzig zur Endlichkeitskultur sein. Aber das ist noch nicht ganz spruchreif…


Ich bedanke mich für das spannende Gespräch über die Edition Outbird! Es war spannend, mehr über deinen u Verlag zu erfahren und deine Leidenschaft für alternative Literatur zu erleben. Dein Engagement für nonkonformistische Stoffe und die Förderung von Autoren aus der alternativen Szene ist wirklich beeindruckend.

Ich wünsche dir und der Edition Outbird weiterhin viel Erfolg bei euren zukünftigen Projekten und Veröffentlichungen. Möget ihr auch in den kommenden Jahren viele spannende Geschichten an die Leser bringen.

Mach’s gut und bis zum nächsten Mal!


Bildrechte:Lichtinspektor info@lichtinspektor.de ©Martin Janzik




3 Kommentare:

  1. Das war wirklich ein tolles sehr spannendes Interview ! Vielen Dank dafür!

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  2. Ups das ging schnell, ich wollte natürlich nicht anonym kommentieren. Also, Liebe Grüße, Sabrina

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