Samstag, 5. April 2025

Was einmal war Zombie Zone Germany Anthologie (Hrsg. Carolin Gmyrek) Rezension Teil 2

Und hier ist der zweite Teil meiner Rezension zur Zombie Zone Germany Anthologie: Was einmal war.

 Ein Fitzelchen Leben von Marko Richter-Höfer 

Lina, Jonas und Noah finden Zuflucht im Keller von Jonas' Elternhaus – ein Ort, der einst von Jonas' Vater als Schutzraum für den Ernstfall vorbereitet wurde. Der Keller wird zum sicheren Hafen für die drei Jugendlichen, ausgestattet mit Vorräten, die für Monate reichen, und Schutz, für Jahre. Was als Zweckgemeinschaft beginnt, entwickelt sich zu einer tiefen Verbindung zwischen den jungen Menschen. Während die Vorräte langsam schwinden, wagen sie sich immer häufiger auf Streifzüge in die Umgebung, um das Überleben zu sichern. Inmitten dieser Herausforderungen wachsen sie gemeinsam heran, teilen Ängste und Hoffnungen, werden füreinander Familie und Liebende. Doch die scheinbare Sicherheit des Kellers kann die Realität nicht ewig fernhalten. Als sie einen von ihnen verlieren, bricht ihre Welt zusammen – ein tragischer Wendepunkt, der die Zerbrechlichkeit ihres kleinen Universums offenbart.

Marko Richter-Höfer erzählt eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und den Verlust in einer Welt voller Unsicherheit.


Madige Ernte von Melanie Kissel


Pia und ihre Kinder leben in einer Dorfgemeinschaft, die auf Zusammenhalt, Respekt und Vertrauen gründet. Dank des Wissens ihrer Großmutter versteht sie es, die Gaben der Natur zu nutzen, und wird so zu einer unverzichtbaren Stütze der Gemeinschaft. Doch auch Menschen wie Waltraud, die alte Frau, bei der Pia wohnt, haben ihren festen Platz – niemand wird zurückgelassen, solange er zum Miteinander beiträgt.

Doch die scheinbare Idylle wird gestört, als die Gruppe bei einem Ernteeinsatz auf Zombies mit rätselhaften Farbmarkierungen stößt. Zunächst bleibt dies eine Randnotiz im Kampf ums Überleben – bis ein fahrender Händler einen ebenso markierten Untoten ins Dorf bringt. Was Pia daraufhin entdeckt, ist von einer erschreckenden Perfidität.

Melanie Kissel erzählt nicht nur vom Überlebenskampf einer Dorfgemeinschaft in der Apokalypse, sondern entlarvt auch die dunklen Seiten der Menschheit: Gier, Sensationslust und die Frage, wie weit Menschen gehen, wenn die alten Regeln nicht mehr gelten. Madige Ernte ist eine düstere, packende Geschichte, die unter die Haut geht.


Halt mein Bier von Antonia Dorah


Die Geschichte spannt einen Bogen über acht Jahre – beginnend in der Dorfdisco Krawalla, wo Martin sich endlich traut, Sara anzusprechen. Halt mein Bier – mit diesem Satz nimmt sein Leben eine entscheidende Wendung. Jahre später sind die beiden glücklich verheiratet und Eltern des kleinen Niki, als die Zombie-Apokalypse ausbricht.

Zunächst scheint Martin die Bedrohung nicht ernst zu nehmen, doch das ändert sich schlagartig, als Sara nach einer Gemeinderatssitzung, in der es um die Auswirkungen der Bedrohung geht, nur knapp einem Zombie-Biss entgeht. Gemeinsam schaffen sie es, den Untoten zu überwältigen und seine Überreste zu beseitigen. Um Niki vor dem unappetitlichen Anblick der zurückgebliebenen Flüssigkeiten zu schützen spülen sie diese in die angrenzende Wiese.  Am nächsten Tag packen sie ihre wichtigsten Habseligkeiten und fliehen. Beim Abschied von Martins bestem Freund Hagen spielt Niki ein letztes Mal mit dem Nachbarshund – eine friedliche Szene, die umso schmerzhafter wirkt, weil sie ahnen lässt, dass nichts mehr so sein wird wie zuvor. Ich mochte die Art, wie die Geschichte Martins Familie über die Jahre begleitet – vom unbedarften Flirt in der Dorfdisco bis zum Überlebenskampf in der Zombie-Apokalypse.


Grosse Freiheit von Emily Tara Todd


Gillian ist die Kandidatin einer Quizshow, sie hat es bis ins Finale geschafft, was niemand weiß, Gillian ist eine Betrügerin, gemeinsam mit Komplizen bricht sie die Regeln. Der Kopf der Bande ist allerdings jemand anders und DIESE ist äußerst brutal und skrupellos. Gillian ist IHR hörig, sie wehrt sich nicht als sie von IHR geschlagen und misshandelt wird. Nach der knapp gewonnenen Show gehen sie nach Hamburg, die Komplizen lassen sie zurück, denn mit Versagern teilt SIE nicht. Beim Ausbruch der Apokalypse plant SIE, die allgemeine Panik für Raubzüge zu nutzen. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass es für SIE nicht gut ausgeht, denn die Geschichte dreht sich ja um Gillian, die trotz aller Gefahren erkennt, was Freiheit wirklich bedeutet. Die Katastrophe wird für Gillian zum Wendepunkt. Der Schluss bleibt offen genug, um keine einfachen Lösungen vorzugeben, aber klar genug, um zu zeigen: Manchmal braucht es den Weltuntergang, um zu erkennen, was wirklich zählt.



Dickes Blut & Klares Wasser von Oliver Bayer


Die Zwillinge Chiara und Niklas begleiten ihre Mutter, eine Bundestagsabgeordnete, auf einer riskanten Reise nach Berlin – mitten in der Zombie-Apokalypse, doch die Abstimmung, zu der sie reisen, ist wichtig, sie soll die Demokratie retten. Was ihre Eltern nicht wissen: Die beiden sind aktive Tierschützer,  Niklas  engagiert sich aktiv bei  ALF  der Animal Liberation Front   während ihre Mutter glaubt, er trainiere Parkour, ist er für die Tierschutzorganisation unterwegs, seine Fähigkeiten, die er dabei erlernte und die von Chiara sind eine unverzichtbare Hilfe im Kampf gegen die Untoten.

 Gleich zu Beginn der Story stoßen sie auf einen verlassenen Schweinemastbetrieb, in dem die Tiere qualvoll verendet sind – ein Symbol dafür, wie Lebewesen in der Krise vergessen werden.  Doch weder die Zombies noch die Tiere sind das Hauptproblem der Teenager, das ist ihre Halbschwester Lisa, die sich nach ihrem Studium wegen einer Praktikantenstelle an ihre gemeinsame Mutter wandte, sich an sie ranwanzt, wie es Chiara und Niklas empfinden. Ob die Geschwister zueinander finden?

Ein ungewöhnlicher Mix aus Dystopie, Tierrechts-Thematik und Familienpsychologie, der mir sehr gut gefallen hat.


Was einmal war von Thomas Williams


Die titelgebende Geschichte von Thomas Williams führt uns in den Keller von Michaels Haus, der Anton bewusstlos gefunden und dort hingeschafft hat. Michael hat es sich gemütlich gemacht, schöne Möbel, Weihnachtsdekoration, hier kann man es aushalten. Aber Anton will weiter, er muss nach seiner Schwester Jella suchen, die ihm sicherlich folgt. Doch Michael rät ihm davon ab, in der Dunkelheit den Keller zu verlassen und die Geräusche, die von oben aus den Wohnräumen dringen, sind, auch nicht einladend. Zombies drängen sich auf der Suche nach Nahrung in der Küche und sie scheinen fündig geworden zu sein, den Schreien nach zu urteilen. Michael erzählt, warum er sein Haus nicht verlässt und Schutz im nahegelegenen Stadion sucht, er wartet auf seine Frau, die er bei einem Zombieangriff zurückließ aus Feigheit oder um die Untoten von ihr fortzulocken? Das weiß er selber nicht. Im Gegenzug erzählt Anton, dass er auf seiner Wache einschlief und Jella ihn seitdem sucht. 

Die Frage Was wäre wenn und die aus ihrem Verhaltenen resultierenden Schuldgefühle scheinen für die Protagonisten schlimmer zu sein als die Apokalypse selbst. Ich mag diesen doch eher subtilen Horror.



Leider bin ich nun schon durch mit der Anthologie – der Ausflug in die Zombie Zone Germany hat mich wieder sehr gut unterhalten. Die Geschichten bieten eine beeindruckende Vielfalt sozialkritischer Themen, die der Apokalypse eine ungewohnt realistische Note verleihen. Was mich beeindruckt hat, ist, dass jede einzelne Geschichte auf ihre Weise überzeugen konnte – sei es durch die authentischen Charaktere, die packenden Handlungen oder die subtilen sozialen Kommentare.  Ich freue mich schon jetzt auf weitere Geschichten.


Eine Anthologie, die mit den Klischees des Genre bricht. Zombies for ever.

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