Freitag, 5. November 2021

Katzbach von Regina Nössler

Isabel Keppler schlägt sich mit mehreren ungeliebten Jobs durch. Sie ist schroff und menschenfeindlich, andere Leute sind ihr herzlich egal. Ihre Liebesbeziehungen sind nie von langer Dauer. Der starke Autoverkehr in der Kreuzberger Katzbachstraße macht sie wahnsinnig. Und auch die wirren Geschichten, die ihr eine verrückte alte Schachtel aufdrängt; ihr Gesellschaft zu leisten ist einer ihrer Jobs. Eines Tages bittet ein Bekannter Isabel um einen Gefallen. Sie kann ihm seine Bitte nicht abschlagen, da er ihr Vermieter und sie von ihm abhängig ist. Das, was zunächst langweilig und vor allem lästig erscheint – sie soll den Kursleiter eines Workshops bespitzeln –, wird unmerklich immer bedrohlicher und entwickelt sich schließlich zu einer echten Gefahr.

Die Geschichte beginnt damit, dass Isabel kurz vor Weihnachten in ihrer Wohnung vor der Leiche eines noch namenlosen Mannes steht und darüber nachdenkt, wie sie diesen loswerden könnte und macht dann einen Sprung zurück in den Oktober und von diesem Zeitpunkt bewegt sich die Handlung unaufhaltsam auf Weihnachten zu und damit zu den Ereignissen, die zum Tod des Mannes führten.

Isabel Keppler lebt zur Untermiete, allein in einer kleinen Souterrainwohnung in der Katzbachstr. mitten in Berlin, ihre einzige Gesellschaft ist ein ungeliebter Hamster, der sich irgendwie allein durchs Leben schlagen muss, da sich Isabel nur sporadisch um das Tierchen kümmert, so ist es auch mit all ihren anderen Beziehungen in ihrem Leben. Freundschaften pflegt sie nicht, ihre Arbeitskollegen mag sie nicht, besonders die betagte Elfriede Baumann der sie ab und zu Gesellschaft leistet, kann sie nicht leiden, sie geht ihr mit ihren wirren Geschichten und ihrem Standesdünkel auf die Nerven . Nicht einmal zu ihren Eltern hat sie noch Kontakt. Wären da nicht Babs, die sich nicht abschütteln lässt und ihr eine Art Freundschaft aufzwingt oder Stefanie eine ehemalige Schulfreundin, Isabel hätte niemanden, an den sie sich wenden könnte.

Ich rätselte natürlich die ganze Zeit wer der Tote in ihrer Wohnung sein könnte. Kandidaten dafür gibt es reichlich. Da ist ihr Vermieter, der aufdringliche Ferdi, der sie jederzeit vor die Tür setzen kann und der mit einer seltsamen Bitte an sie herantritt, oder der Fremde, den sie auf einer Vernissage kennenlernt  und der ihr danach immer wieder über den Weg läuft. Matthias Baumann, der immer so beschäftigte Sohn Elfriedes, im wahrsten Sinne ein Kotzbrocken, das beschreibt ihn eigentlich ganz gut, oder auch ihr EX-Freund, der die Trennung noch nicht überwunden hat und ihr das mit Hass Mails immer wieder vor Augen führt.

Isabel agiert die meiste Zeit wie ein bockiger spätpubertärer Teenager, in ihren Gedankengängen und Taten ist sie, eine junge, eine sehr junge Frau geblieben. Doch sie wird schon bald 50,und tatsächlich denkt sie das eine oder andere Mal an ihre Rente, ohne festen Job wird ihr Leben sicher nicht leichter. Doch diese Gedanken schiebt sie immer wieder erfolgreich beiseite. Ihre spröde und manchmal sehr unfreundliche Art ist nicht einmal unsympathisch, sie verstellt sich nicht, sie heuchelt keine Zuneigung, wenn sie keine empfindet und wundert sich über sich selbst, wenn ihr dennoch mal so etwas wie das Gefühl von Mitleid oder Wärme für andere widerfährt.

Regina Nössler hat eine ungewöhnliche Art gewählt, die Geschichte zu erzählen und ich war von der ersten Seite an gefesselt, endlich wieder ein Thriller, den ich innerhalb von wenigen Nächten durchgelesen habe.


  • Herausgeber ‏ : ‎ konkursbuch (18. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 352 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3887695933
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3887695934

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