Dienstag, 3. Mai 2016

Die Wahrheit sagen: Brutaler Roman über die Liebe zum Leben von Josef Formanek

Klappentext:
Was für ein Leben! Geboren in einer Straßenbahn, fast nach Südamerika ausgewandert, beseelt von dem Drang, etwas Großes zu werden, und dann auf dem Weg durch die Niederungen des 20. Jahrhunderts.
Wer ist jener Bernhard Mares, dessen (wahre) Geschichte dieser Roman erzählt? Einer, der immer die Wahrheit sagt. Er zieht als SS-Mann in den Krieg, gerät in Gefangenschaft, wird Parteisekretär in der tschechischen KP und landet erneut in Haft, wo ungeheuerliche Dinge geschehen. Er findet und verliert die unmögliche Liebe seines Lebens, die ihn nie loslässt. Endlich frei, betreibt er eine kleine Bar im Hamburger Hafen, forscht in Venezuela nach seinen Wurzeln, tanzt mit Simon Bolívar, bringt fremde Augen zum Leuchten. Zum Zurückschauen verleitet wird der zornige alte Mann von seinem gegenüber, dem jungen Schriftsteller, der fragt und insistiert und genau hinhört – und schließlich erzählt von diesem Leben, das nur überstehen konnte, wer das Leben liebt. Drastisch erzählt er, verspielt, burlesk, zart und gnadenlos, und zugleich wird das Erzählen für ihn zur Achterbahnfahrt durch die Abgründe des eigenen Lebens.


Meine Meinung:
Formanek bemerkt auf seinem Weg von der Kneipe nach Hause, ein Haus auf einer Müllkippe, neugierig geworden drängt sich der Schriftsteller dem alten Mann der dort lebt und die Müllhalde aufzuräumen beginnt auf. Nach und nach begeben sich die beiden Männer auf eine gemeinsame Reise in Mares Vergangenheit, in eine Vergangenheit die Mares alles andere als verklärt und entschuldigend erzählt, sondern offen, ehrlich und brutal. 

Ich habe mir das Buch anhand des Klappentextes ausgesucht und weil ich noch nie etwas von einem tschechischen Autor gelesen habe. 
Ich weiß nicht genau was ich mir von dem Buch, von Mares Geschichte erwartet habe, vielleicht eher unterhaltsame, unbeschwerte Lesestunden, vielleicht habe ich heitere Begebenheiten aus Mares Leben erwartet, denn meist wird über die Vergangenheit gelogen, niemand mit dem ich persönlich gesprochen hat, hat zugegeben jemals etwas moralisch oder menschlich Falsches getan zu haben,wenn es sich um die Zeit während des 2. Weltkrieges handelt.
Bekommen habe ich, ein schonungslos, offenes und glaubhaft ehrliches Buch, die Lebensgeschichte eines Mannes, der von Geburt an, kaum eine Chance hatte und der doch immer wieder auf die Füße fiel, der Nazideutschland, den Kommunismus und Gefängnisaufenthalte überlebte und immer nach seiner großen Liebe suchte.

Mares war mir zu tiefst unsympathisch, nicht wegen seiner Taten, die kann man in Teilen nachvollziehen, wenn es ums Überleben geht ist der Mensch zu vielem fähig, ich mochte seine Art nicht, die Überheblichkeit die er Formanek gegenüber an den Tag legte, aber das ist mein subjektives Empfinden.

In eindringlichen Worten brachte der Autor mir die Vergangenheit wieder nah und ließ ein lebendiges Bild der damaligen Schrecken auferstehen.

In Einschüben berichtet Formanek von seinem eigenen Leben, davon das er nur einen Schritt vom hoffnungslosen Alkoholiker entfernt war und mehrere Male in der Psychiatrie war aber auch von seiner Arbeit als Entwicklungshelfer auf der
indonesischen Insel Siberut, im Laufe des Buches bekam ich mehr und mehr den Eindruck das die Geschichte Mares zur Heilung Formaneks beitrug.

Mein Fazit:
Ein beeindruckendes Buch, keine leichte Kost, kein unbeschwertes Lesevergnügen sondern viel mehr ein Buch das zum Nachdenken anregt.


  • Gebundene Ausgabe: 477 Seiten
  • Verlag: Gekko World; Auflage: 1., Erste auflage (4. April 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 8090635407
  • ISBN-13: 978-8090635401
  • Originaltitel: Mluviti pravdu

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