Donnerstag, 11. Juni 2026

Schatten Eis: Thriller (Privatermittlerin Marit Rauch Iversen 3) von Anne Nordby


Klappentext:»Der Anngiaq ist ein böser Geist. Er riecht Geheimnisse, fühlt sich magisch davon angezogen. Er schleicht sich in dein Leben und vergiftet es langsam. Wie der Kadaver eines verwesenden Tieres, der oben in einem Bachlauf liegt und das Wasser vergiftet, das man unten schöpft und durstig trinkt.«
Ein altes Geheimnis, tief verborgen in Grönlands Geschichte. Wer es ans Licht bringt, muss sterben. So besagt es ein alter Fluch. Marit Rauch Iversen war noch ein Kind, als der Anngiaq ihre Familie in Grönland tötete. Heute arbeitet sie als Super-Recognizerin für die Polizei in Kopenhagen. Den Fluch von damals hat sie längst vergessen. Bis eine Reihe grausamer Morde die dänische Hauptstadt erschüttert.




„Schatten Eis“ ist der dritte Band um die Ermittlerin Marit Rauch Iversen, eine Figur, die ich als besonders gelungen wahrnahm. Schon allein die Tatsache, dass sie als „Super-Recognizerin“ arbeitet, finde ich sehr interessant. Als jemand, der sich selbst keine Gesichter merken kann, finde ich diese Fähigkeit sehr faszinierend. Dass Marit bereits als Kind mit dem Anngiaq und dem Tod ihrer Familie konfrontiert wurde, verleiht der Handlung zusätzliche Tiefe und macht ihre Ermittlungen sehr persönlich. Auch ihr Beruf als Super-Recognizerin passt hervorragend zur kriminalistischen Handlung und gibt ihr ein eigenständiges Profil, das sie von vielen anderen Ermittlerfiguren im Genre unterscheidet.

Als eine Mordserie Kopenhagen erschüttert, deren einzelne Taten durch das Symbol des Tupilak, eines mythischen Rachewesens aus der traditionellen Inuit-Mythologie Grönlands, angekündigt werden, beginnen Marit, Kirsten Vinther und Jesper Jørn Bæk mit ihren Ermittlungen. Schnell wird deutlich, dass hinter den Verbrechen mehr steckt als ein gewöhnlicher Serienmörder, und die Spuren führen immer tiefer in die Geschichte Grönlands und die Vergangenheit der Beteiligten.

Was das Buch für mich besonders reizvoll machte, ist die Verbindung aus klassischer Ermittlungsarbeit und grönländischer Mythologie. Der Anngiaq ist dabei weit mehr als nur ein Gruselelement; er steht auch für Verdrängung, Schuld und die Schatten einer kolonialen Vergangenheit zwischen Dänemark und Grönland. Diese Ebene verleiht dem Roman zusätzliche Spannung und hebt ihn von vielen anderen Nordic-Noir-Thrillern ab. Nach und nach verknüpft die Autorin politische Hintergründe mit der grönländischen und dänischen Geschichte sowie klassischer Polizeiarbeit. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild, das sehr spannend ist.

Besonders gelungen fand ich die Atmosphäre des Romans. Anne Nordby schafft es, eine stetig wachsende Bedrohung aufzubauen, die sich durch die gesamte Handlung zieht. der Thriller punktet mit Misstrauen, Unsicherheit und einer zunehmend beklemmenden Dynamik ohne sich in den zahlreichen Themen zu verlieren.Die Story bleibt jederzeit nachvollziehbar.

Die Einblicke in die grönländische Kultur und Mythologie haben mir sehr gefallen. Sie sind keine bloße Kulisse, sondern eng mit der Handlung verknüpft und tragen dazu bei, dass der Roman eine ganz eigene Identität entwickelt. Gerade diese Mischung macht den besonderen Reiz des Buches aus. Die Mischung aus spannender Ermittlungsarbeit, grönländischer Mythologie und den historischen Hintergründen verleiht dem Roman eine Eigenständigkeit, die mir besonders gut gefallen hat.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Gmeiner-Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 13. Mai 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1. Auflage 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 496 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3839280303
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3839280300

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