Auf den vierten Band von „Die Erste Tochter“ hatte ich mich schon lange gefreut und wurde keine Sekunde enttäuscht. Schon nach wenigen Seiten fühlte es sich wieder an wie ein Wiedersehen mit guten Freunden, das war schon ab dem 2. Band so und wird sich wohl auch nicht mehr ändern: vertraute Stimmen, vertraute Konflikte, aber spürbar gewachsen und noch schärfer gezeichnet.
Myn hadert weiterhin mit ihrem Schicksal mit der erzwungenen, unglücklichen Ehe, den rigiden Regeln ihrer Gesellschaft und den Einschränkungen, denen sie als Frau ausgesetzt ist. Gerade diese Zerrissenheit macht sie so greifbar. Sie ist wütend, verletzlich, trotzig und zugleich bereit, einen hohen Preis für ihre Überzeugungen zu zahlen auf gar keinen Fall will sie das alles so bleibt wie es ist. Heimlich schließt sie sich den Töchtern der Lchandra an, einer Organisation, die für Gleichberechtigung kämpft, und setzt damit einen Schritt, von dem es kein Zurück mehr gibt.
Emotional bleibt natürlich auch ihre Liebe zu Vairryn im Zentrum. Während Myn im Inneren gegen Fesseln und Verbote anrennt, macht er Karriere als Raumfahrer. Sein Kontakt zum Drachenvolk, den Dracas, sein Talent, mit ihnen zu verhandeln, und die undurchsichtigen Pläne Ktorram Asnuor, des Diktators, der für den Tod von Myns Mutter verantwortlich ist, verknüpfen persönliche Gefühle mit großer Politik. Diese Ebenen greifen elegant ineinander: intime Beziehungsmomente, politische Intrigen, Fragen nach Verantwortung und Schuld.
Die Dracas wollen die Lebensspenderin der Singisen kennenlernen, also die Frauen. Diese nomadischen, telepathisch begabten Drachenfrauen leben frei im Weltraum, ohne feste Planeten oder patriarchale Zwänge: mächtig mit Schuppenhaut und Flugfähigkeit, weise und unabhängig in einer matriarchalen Kultur, ihre Lebensweise steht im krassen Gegensatz zu der singisischen. Als eine von ihnen auf dem Gut auftaucht wo sich Vairryn und Ftonim aufhalten, ruft Vairryn Myn zur Unterstützung zu sich, die sich in Begleitung von Pektay als Anstandsdame, ausgerechnet Pektay, sofort auf den Weg macht.
Jetzt habe ich euch aber genug erzählt.😊
Was dieses Buch für mich besonders macht, ist die Mischung aus Spannung und Tiefgang. Es bleibt durchgehend außerordentlich spannend, aber nie auf Kosten der Figuren. Die Auseinandersetzung mit Machtstrukturen, Frauenrollen, Loyalität und Rebellion verleiht der Geschichte eine inhaltliche Tiefe, die sich nicht immer leicht lesen lässt, man muss schon konzentriert sein und doch ist der Stil lebendig, emotional und bildhaft.
Für mich ist „Ketzersbuhle“ ein weiterer, sehr starker Band dieser Reihe, der die Welt und ihre Figuren konsequent weiterentwickelt. Wer komplexe Charaktere, politisch aufgeladene Fantasy und Geschichten liebt, mit Drachen, Raumfahrt und Revolution, sollte sich diese Reihe nicht entgehen lassen.
Am Anfang des Buchs gibt es einen kurzen Rückblick auf Band 3, das hat mir tatsächlich geholfen sofort wieder in die Geschichte hineinzufinden und am Ende werden die wichtigen Personen, Begriffe und Orte nochmals genauer beschrieben, für mich die sich keine Namen merken kann war das außerordentlich hilfreich.

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