Samstag, 23. August 2025

Und New York blieb dunkel von Benjamin Cohen


Es ist heiß im New Yorker Sommer 1977, und beim Lesen konnte ich die drückende Hitze förmlich spüren. Die Menschen wirken gereizt, alle warten sehnsüchtig auf das angekündigte Gewitter. Als es endlich losbricht, fällt in weiten Teilen der Stadt der Strom aus. Dass dieser Blackout kommt, war mir durch den Klappentext bewusst, trotzdem hat mich die Intensität der geschilderten Situation beeindruckt. Während in manchen Vierteln ausgelassen weitergefeiert wird, kommt es in anderen zu Unruhen und Plünderungen.

Benjamin Cohen erzählt die Geschichte dieses Stromausfalls aus mehreren Perspektiven. Besonders eindrücklich beschrieben fand ich Cynthia Simmons, die als Reinigungskraft arbeitet, und ihren Mann Ellington, der mit einem kleinen Geschäft versucht, seine Familie zu ernähren. In den 70er Jahren waren die Lebensumstände für Schwarze Menschen in den USA besonders schwierig, weil Rassismus allgegenwärtig war und Schwarze Menschen damals häufig auf stereotype Kategorien reduziert wurden, man sprach von „Good Black“ oder „Bad Black“.

Auch ihre Tochter Pamela fand ich sehr interessant. Sie arbeitet als Krankenschwester im heruntergekommenen Krankenhaus Bellevue. Als der Strom ausfällt, ist sie dort allerdings nicht als Angestellte, sondern als Patientin. Sie ist hochschwanger und sollte nur eine Nacht zur Beobachtung bleiben. Trotzdem versucht sie, in dieser Notsituation so gut es geht den anderen Patienten zu helfen.


Eine weitere Perspektive liefert David Berkowitz, der als „Son of Sam“ bekannt wurde. Seine Mordserie versetzte New York damals in Angst und Schrecken. Schon zu Beginn des Buches gewährt Cohen Einblicke in seine gestörte Psyche, die sehr bedrückend sind, da der Autor sie  sehr detailliert beschrieben hat. Seinen Spitznamen bekam er wegen seiner Behauptung, ein Dämon der im Körper des Nachbarhundes hätte ihn zu seinen Taten gezwungen. Später widerrief er diese Behauptung allerdings.

Die Erlebnisse der Familie Simmons in jener Nacht haben mich tief berührt. Ich konnte ihre Angst und Sorge förmlich spüren und habe mit jedem Moment mit ihnen mitgefiebert. Ständig habe ich gehofft, dass sie sicher durch diese unwirkliche und bedrohliche Situationen kommen mögen.

„Mir hat besonders gefallen, wie geschickt historische Fakten mit fiktiven Elementen verwoben wurden, ohne dass es gezwungen wirkt. Die Dialoge klingen natürlich und glaubwürdig, die Beschreibungen sind treffend und detailreich – und trotzdem bleibt genug Freiraum, um eigene Bilder im Kopf entstehen zu lassen.“

Soweit ich es beurteilen kann hat der Autor die historischen Fakten sehr gut recherchiert, alles was ich selbst recherchierte stimmte ziemlich mit dem Gelesenen überein.

Der Schreibstil von Benjamin Cohen ist eingängig und sehr flüssig, ohne dabei jemals banal zu wirken. Er findet eine klare Sprache, die sich leicht lesen lässt, und schafft es gleichzeitig, die Stimmung der Zeit lebendig werden zu lassen. Besonders gefallen hat mir, wie er historische Fakten und fiktive Elemente miteinander verbindet, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Die Dialoge klingen authentisch, die Beschreibungen sind präzise, und trotzdem bleibt genügend Raum für eigene Bilder im Kopf.

 

  • Herausgeber ‏ : ‎ Piper Taschenbuch
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 4. Juli 2025
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 400 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3492066275
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3492066273
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