Nach einem Fahrradunfall glaubt Frau Löffler, noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Doch als sie nach Hause zurückkehrt, wirkt ihr Viertel merkwürdig verändert. Sie begegnet Menschen, die ihren längst verstorbenen Nachbarn ähneln. Diese sind wieder in ihren Gärten zu finden, sitzen dort, grüßen über den Zaun und halten an ihren gewohnten Ritualen fest.
Ihre Großmutter nimmt sie liebevoll in Empfang und erklärt ihr behutsam, dass Frau Löffler gestorben ist. Diese Erkenntnis fällt Frau Löffler zunächst schwer zu fassen, doch die Großmutter verspricht ihr, sie auf diesem neuen Weg zu begleiten und ihr Halt zu geben.
In der Wohnung der Großmutter, die ganz genauso aussieht wie zu deren Lebzeiten, findet Frau Löffler einen Zufluchtsort. Der vertraute Duft von Kaffee und frisch gebackenem Kuchen, die bekannten Möbelstücke all das gibt ihr einen kleinen, aber wichtigen Anker in dieser fremd gewordenen Welt.
Große Sorgen macht sich Frau Löffler um ihre an Demenz erkrankte Mutter um die sie sich bisher kümmerte und die sie nun nicht mehr wahrnimmt.
Die Idee, dass das Leben der Verstorbenen sich kaum von dem der Lebenden unterscheidet, hat mir besonders gut gefallen. Auch im Tod sind die Menschen nicht frei von Gefühlen, Liebe, Freundschaft aber auch Neid, Missgunst und sogar Rassismus bestimmen das Zusammenleben der Toten. Sie führen ihre Routinen fort und bringen dabei dieselben Konflikte und Schwächen mit wie zu Lebzeiten. Gerade diese Parallelen verleihen dem Roman seine besondere Kraft, indem sie unsere eigene Gesellschaft spiegeln.
In dieses fragile Gefüge tritt Herr Tobler, der es versteht, den Toten genau das Gesicht zu zeigen, das sie sehen wollen. Für viele ist er ein Idealmann, für andere die verkörperte Autorität, die sonst fehlt. Seine Versprechen eines Paradieses auf Erden animieren viele Bewohner der Siedlung, sich gegen die noch lebenden Nachbarn aufzulehnen.
Die Autorin zeigt , wie leicht Sehnsüchte, Ängste und Unzufriedenheit von charismatischen Persönlichkeiten genutzt werden können, um Menschen zu beeinflussen und zu manipulieren. Herr Tobler erscheint den Toten nicht zufällig so, wie sie ihn sehen wollen als Retter, als Lösung für ihre unerfüllten Wünsche und verdrängten Konflikte. Das Buch hält den Lesenden einen Spiegel vor, der unsere eigene Gesellschaft zeigt: Wie schnell Menschen sich von Verlockungen blenden lassen, wie tief verwurzelte Konflikte, Neid oder Vorurteile immer wieder neue Bühne finden und wie gefährlich es sein kann, wenn man verfügbare Sehnsüchte für eigennützige Zwecke missbraucht.
Herausgeber : novum Verlag
Erscheinungstermin : 31. Juli 2025
Sprache : Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe : 296 Seiten
ISBN-10 : 3991309068
ISBN-13 : 978-3991309062

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