Wien im Jahr 1923: Marita Hochmeister, eine bekannte Wiener Gesellschaftsdame, wird kurz nach ihrer opulenten Geburtstagsfeier brutal erschlagen in ihrem Schlafzimmer aufgefunden. Kurz nach dem Mord berichtet ein ehemaliger Kommissar von einer Mordserie zehn Jahre zuvor, die Morde ähnelten in ihrer Grausamkeit dem aktuellen Mordfall, die Serie endete erst, als die damaligen Ermittler dem Täter sehr nahe gekommen waren. Schnell stellt sich die Frage, ob es einen Zusammenhang gibt.
Ich habe mit dem 6. Band der Reihe um August Emmerich, zielsicher zu dem bisher letzten Band der Reihe, gegriffen, aber ich hatte dank einiger geschickt eingesetzter Rückblenden keine Probleme, mich zurechtzufinden.
Emmerich und Winter bilden ein hervorragend funktionierendes Ermittlerteam. Ihre Zusammenarbeit ist eingespielt, geprägt von gegenseitigem Respekt und unterschiedlichen Stärken, die sich ideal ergänzen. Gemeinsam nehmen sie die Spur auf und geraten tief in die politischen und gesellschaftlichen Spannungen der Zwischenkriegszeit; die Nationalsozialisten erstarken auch in Österreich, in ein Wien, das von Umbruch, Armut und wachsender Radikalisierung geprägt ist.
August Emmerich überzeugt als Ermittlerfigur mit Ecken und Kanten. Er verfügt über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und schreckt nicht davor zurück, eigene Wege zu gehen – auch jenseits dienstlicher Vorschriften. Seine Kompromisslosigkeit wirkt glaubwürdig und nachvollziehbar. Und seine Sorge um die Familie macht ihn außerordentlich sympathisch.
Ferdinand Winter ist eher zurückhaltend und hält sich im Allgemeinen an die Vorschriften, folgt aber, wenn es der Aufklärung des Falls dient, gern dem Beispiel seines Vorgesetzten in der Abteilung Leib und Leben. Er sorgt so manches Mal für humorvolle Momente, wenn er z. B. von einem Rendezvous erzählt, zu dem ihn seine Großmutter, die ihn unbedingt verheiratet sehen will, gedrängt hat.
Alex Beer gelingt es, das Wien der damaligen Zeit so zu beschreiben, dass ich mir die Örtlichkeiten und die Menschen bildhaft vorstellen konnte. Ich spürte sowohl den Glanz als auch die Armut überall, und für mich war Wien beim Lesen mehr als bloß der Hintergrund. Besonders beeindruckt haben mich die, soweit ich es beurteilen kann, sorgfältige Recherche und die lebendigen, anschaulichen Beschreibungen.
Die Spannung in diesem Buch entsteht nicht so sehr dadurch, dass ich ständig rätselte, wer der Täter ist, wie es bei klassischen Krimis üblich ist, sondern weil der Kriminalfall eng mit der Zeit und den gesellschaftlichen Entwicklungen in Wien 1923 verbunden ist.
Der Schreibstil der Autorin ist klar und präzise, dabei durchweg anschaulich – mit wenigen Strichen entsteht ein lebendiges Bild der Stadt, der Figuren und ihrer Zeit. Die Handlung bleibt bis zuletzt überzeugend und trägt das Geschehen ohne Längen.
Der Cliffhanger am Ende des Buchs ist ein klein wenig gemein,😎 macht aber natürlich sehr neugierig auf das nächste Buch.
Fazit:
Ein atmosphärisch dichter, sorgfältig konstruierter historischer Kriminalroman mit einem glaubwürdigen Ermittlerduo und starkem Zeitkolorit. Für Leser*innen, die Spannung mit historischem Tiefgang schätzen, eine klare Empfehlung.
- Herausgeber : Limes Verlag
- Erscheinungstermin : 25. September 2024
- Auflage : Originalausgabe
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 368 Seiten
- ISBN-10 : 3809027650
- ISBN-13 : 978-3809027652
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