Ich habe schon viele Romane von Astrid Korten gelesen und war deshalb besonders gespannt auf „Verlorene Träume“ – nicht zuletzt, weil der Klappentext sofort meine Neugier geweckt hat. Ich kenne ihr Psychothriller und schätze sie sehr und schon nach wenigen Seiten war mir klar: Diese Geschichte hebt sich spürbar von anderen Werken der Autorin ab.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Art, wie Korten auf zwei Zeitebenen erzählt und beide gekonnt miteinander verwebt – mit einer Leichtigkeit, die nie konstruiert wirkt. Im Mittelpunkt steht Lilly Falkenberg, eine Journalistin aus München, deren scheinbar unspektakulärer Museumsbesuch zum Beginn einer sehr persönlichen Spurensuche wird. Ein Ballkleid, eine russische Gräfin und zahlreiche verborgene Lebensfäden: Aus diesen Zutaten entsteht keine reißerische, sondern eine ruhige und dichte Familiengeschichte.
Lilly ist geprägt vom Verlust ihrer Großmutter, bei der sie aufgewachsen ist – sie war ihr Ankerpunkt, ihre Wärmequelle im Leben. Trost findet Lilly zunächst bei Max, der jedoch in einer komplizierten Ehe festhängt und sich nur dem Kind zuliebe nicht trennt, wie er ihr in schönen Worten erklärt. Lillys Freundin und Kollegin Coco begegnet der Affäre mit realistischer Distanz und rät Lilly, aus ihren Träumen aufzuwachen. Als Max eine gemeinsame Verabredung zu einer Zaren-Ausstellung am Sonntag absagt, geht Lilly – nach kurzem Zögern – allein dorthin. Besonders diese Szene ist mir im Gedächtnis geblieben, nicht zuletzt wegen dieser Szene:
„Langsam gehe ich weiter. Nicht mehr auf der Flucht vor der Enttäuschung, sondern auf der Suche nach dem, was bleibt, wenn das Versprechen zerfällt und sich Träume verlieren.“
Die von Astrid Korten gewählten Schauplätze sind eindrucksvoll und atmosphärisch lebendig: Sankt Petersburg hätte ich zur Zarenzeit zu gern besucht, ebenso wie das elegante Paris – beide Städte verleihen dem Roman eine ganz eigene Note. Es gibt keine actiongeladenen Wendungen – und genau das macht für mich den besonderen Reiz des Buches aus. Der Fokus liegt auf Erinnerungen, Andeutungen und den leisen Zwischentönen, die lange nachwirken.
Lillys Beziehung zu Christian, ihrem Begleiter auf dieser Reise, bleibt angenehm subtil und entwickelt Tiefe, ohne jemals ins Klischeehafte abzudriften. Die Figuren sind authentisch gezeichnet, auch wenn mir Lilly zu Beginn etwas naiv vorkam, habe ich sie doch ins Herz geschlossen und auch Coco in ihrer eher nüchternen Art mochte ich sehr. Das Ballkleid als zentrales Symbol ,ein Kleid voller Geheimnisse, das Erinnerungen und Sehnsüchte verkörpert, hat mich sehr beeindruckt.
Der Schreibstil Astrid Kortens passt wunderbar zum Cover, ich war auf der Suche nach den passenden Worten und auch wenn es vielleicht etwas kitschig klingt und so gar nicht nach mir, erinnert er mich an den Flügelschlag eines Schmetterlings, leicht und doch kraftvoll.
Fazit:
„Verlorene Träume“ ist ein leiser, atmosphärischer Roman, der sich Zeit nimmt und trotzdem fesselt. Wer Geschichten über Familiengeheimnisse, präzise gezeichnete Figuren und die Verflechtung von Vergangenheit und Gegenwart liebt, wird in diesem Buch ganz bestimmt etwas Besonderes finden.
- Herausgeber : BoD – Books on Demand
- Erscheinungstermin : 29. Juli 2025
- Auflage : 2.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 304 Seiten
- ISBN-10 : 3819209360
- ISBN-13 : 978-3819209369

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