Freitag, 22. November 2019

Zonenrandkind von Tim Boltz



Die 80er Jahre im hessischen Zonenrandgebiet. Hier lebt Frank Breuning. Als Teenager hat man es nicht einfach mitten in der Provinz, die einzige Zerstreuung besteht aus nachmittäglichen Treffen an der örtlichen Tischtennisplatte und Ausfahrten mit dem frisierten Mofa. Und am Samstag ist Kehrwoche.

Wir begleiten Frank, Franky, wie er genannt werden will durch seine Jugendjahre und das ist durchaus unterhaltsam, obwohl ich kaum einen Unterschied zu meiner Jugendzeit in den 80ern erkennen konnte. Hätte der Autor nicht hin und wieder etwas von Zonenrandförderung oder Wochenendausflügen an die nahe innerdeutsche Grenze geschrieben, es wäre mir nicht aufgefallen, dass der Wohnort und die Lebensumstände Frankys sich in irgendeiner Weise von denen Millionen anderer Teenager zu der Zeit unterscheiden.
Aber lasse ich die meiner Meinung nach nicht vorhandenen besonderen Umstände außer acht, habe ich mich  amüsiert.
Tim Boltz gewährt einen recht tiefen Einblick in das Seelenleben eines pubertierenden männlichen Jugendlichen, die haben es schon nicht leicht die armen Jungs. Hormon geplagt flüchten sie in dumme Sprüche und Dosenbier und wundern sich das die Mädchen in ihrem Alter nicht auf sie stehen. Zum erwachsen werden gehört die Erweiterung des Umfelds, ich weiß nicht wie ich das ausdrücken soll. Je älter man wird, desto weitere Kreise zieht man, um Erfahrungen zu sammeln. Ich finde das die Ausflüge der Jungs, die sich im Laufe der Zeit ihren Möglichkeiten entsprechend, immer mehr ausdehnen ein schönes Sinnbild dafür sind.
Bevor ich das Buch begann, hatte ich ein wenig bedenken, das der Autor die Jugendzeit Frankys verklärt oder ob er jammert, was sein Protagonist alles verpasst hat. Nicht von beidem gab es in dem Buch. Tim Boltz hat ein realistisches Bild einer Jugend auf dem Land geschildert, einer Jugend ohne Facebook, dafür mit Klatsch und Tratsch an der Tischtennisplatte und ohne Fast Food aber mit billigem Bier. Und vor allem Rituale an die man sich auf dem Dorf zu halten hat, will man nicht ausgegrenzt werden, also kaum anders als heute nur die Plattform hat sich geändert, vom Dorfplatz zu Facebook.
Ich hätte mir ein wenig mehr Zonenrandgefühl gewünscht, nichtsdestotrotz ist das Buch ein humorvoller Rückblick auf die 80er Jahre.

Und das ist eine weitere Stimme zum Buch:

https://laberladen.com/zonenrandkind-von-tim-boltz/


  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Tinte & Feder (17. September 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 2919805746
  • ISBN-13: 978-2919805747


3 Kommentare:

  1. Hallo Manuela,
    als Zonenrandkind habe ich bei dem Titel natürlich sofort aufgehorcht. Wie schade, dass auf genau diesen Gesichtspunkt für Deinen Geschmack etwas mehr hätte eingegangen werden dürfen. Das ist nämlich auch ein Aspekt, der mich sehr interessiert. Ich hab das ja selbst erlebt und würde gerne vergleichen. Zumal man das heute nicht mehr erleben kann (zum Glück!).
    Ein nostalgischer Rückblick in die Jugend in den 1980ern ist natürlich auch nicht schlecht und schon das macht das Buch für mich interessant.
    LG Gabi

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  2. Hallo Manuela,
    inzwischen habe ich das Buch gelesen und rezensiert und komme zu einem ähnlichen Urteil wie Du. Eine schöne Jugenderinnerung, die mich angenehm nostalgisch gemacht hat und auch ein paar Erinnerungen hervorgeholt hat. Aber der Titel erweckt die Hoffnung, dass es weit mehr um Zonenrand geht, als es dann der Fall ist. Trotzdem - eine schöne Lektüre!
    LG Gabi

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    1. Ich habe deine Rezension gerade gelesen und ich bin froh das mein Empfinden sich mit deinem deckt, du kennst das Leben im Zonenrandgebiet schließlich aus erster Hand, während meine Jugend eher in der Gegend. JA IRGENDWO IST EINE GRENZE stattfand, aber die Erlebnisse glichen sich dann doch :O)

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