Freitag, 6. November 2026

Rezension: „Als die Würfel fielen“ von Ana Pawlik

 


Ana Pawlik eröffnet „Als die Würfel fielen“ mit Lena, die ihren Sohn auf einem Hof in Frankenburg nur wenige Tage im Jahr besuchen kann. Bei ihrem Besuch eskaliert die Lage: Belastet durch extreme Abgaben und Fronarbeiten, die Adam Graf von Herberstorff für den Kaiser durchsetzt, begehren Bauern und Handwerker auf. Als auch noch ein evangelischer Pfarrer vertrieben wird, belagern sie das Schloss. Der Aufstand führt zum historischen Frankenburger Würfelspiel: 36 Männer müssen auf Befehl des Grafen um ihr Leben würfeln, die Verlierer werden hingerichtet.

Von diesem Schlüsselmoment aus springt die Erzählung zurück und wir erfahren, was genau geschehen ist. Ana Pawlik verknüpft in ihrem neuen Roman gekonnt historische Fakten mit Fiktion.

Liebe, Glaube und die Flucht vor der Willkür

Lena, die Tochter einer katholischen Bauernfamilie, liebt Martin, der ebenfalls von einem Bauernhof stammt, aber evangelisch ist. Ihr unterschiedlicher Glaube wird zum Hindernis, denn ihre Eltern würden einer solchen Verbindung niemals zustimmen. Lena fasst deshalb einen Plan. Wäre sie schwanger, wäre für ihren strengen Vater die Schmach einer sogenannten Mischehe eher zu verkraften als ein uneheliches Kind auf dem Hof. Der Plan gelingt, doch kurz nach der Hochzeit erreicht Lena die Nachricht, dass Martin tödlich verunglückt ist.

Für Lena und ihren Sohn Casper beginnt daraufhin eine Zeit voller Demütigungen. Schließlich entschließt sie sich, mit ihrem Kind zu gehen und nach Steyr zu fliehen. Über ihre Geschichte wird deutlich, was religiöse und politische Konflikte für Menschen bedeuten, die selbst kaum Einfluss auf die Ereignisse haben. Lena muss Schutz suchen, ihr Kind beschützen und mit der ständigen Unsicherheit leben. In Steyr begegnet sie dem Stadtrichter Wolf Madlseder, der versucht, in einer Zeit wachsender Willkür wenigstens einen Rest an Recht und Menschlichkeit zu bewahren.

Das Frankenburger Würfelspiel als Wendepunkt

Das Würfelspiel ist der Wendepunkt des Romans. Herberstorffs Willkür entzündet den bereits schwelenden Zorn der Bevölkerung, und aus Unterdrückung wird offener Aufstand. Die verschiedenen Handlungsstränge laufen zunehmend zusammen, ohne dass die einzelnen Figuren dabei zu bloßen Funktionen der Geschichte werden. Gerade Lena ist eine Figur, die ich sehr mochte, weil sie sehr menschlich gezeichnet wird.

Auch wenn eine Liebesgeschichte in „Als die Würfel fielen“ ihren Platz hat, ist mir vor allem das menschliche Schicksal dahinter nahegegangen. Es geht um Menschen, die unterdrückt werden, um Macht, die rücksichtslos ausgenutzt wird, und darum, wie viel Menschlichkeit in einer so grausamen Zeit überhaupt noch möglich ist. Lenas Geschichte ist alles andere als leicht, und gerade deshalb wirkt sie auf mich so echt. Ana Pawlik macht es sich nicht einfach, sondern zeigt, wie hart das Leben damals war und wie wenig Spielraum den Menschen oft blieb.

Mein Fazit zur Buchrezension

Besonders gut gefallen hat mir, wie die Geschichte aufgebaut ist. Zwar wusste ich, dass es auf das Würfelspiel hinausläuft, und trotzdem blieb die Spannung immer erhalten, ich wollte natürlich wissen, wie es so weit kommen konnte. Ich erlebte mit, wie sich die Wut und Verzweiflung immer weiter aufbauten, bis es schließlich keinen Weg mehr zurück zu geben schien. Für mich ist der Roman deshalb viel mehr als eine Geschichte über einen historischen Aufstand. Er erzählt von Menschen, die irgendwann nicht mehr bereit sind, alles hinzunehmen und davon, wie viel Mut, aber auch wie viel Leid damit verbunden sein kann.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Gmeiner-Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 9. September 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1. Auflage 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 448 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3839281431
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3839281437

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