Montag, 26. Oktober 2026

Rezension: „Immerkalt“ von Roman Klementovic – Das Finale der Marchfeld-Trilogie

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  Nach Immerstill und Immerschuld kehren wir nach Grundendorf zurück, zehn Jahre nach den früheren Geschehnissen. Und ich war gleich wieder gefangen von der düsteren und abschreckenden Atmosphäre des kleinen Ortes.

Der pensionierte Kriminalpolizist Schulz wird ins Marchfeld gerufen, als die kleine Tochter Patrick Raabs und deren 22-jährige Babysitterin Lena spurlos verschwinden. Ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen alle Widerstände beginnt, und nicht jeder im Ort ist davon begeistert, dass Patrick Schulz um Hilfe gebeten hat.
Schulz ist kein unbeschwerter Held. Nach einem Schlaganfall, der vorzeitigen Pensionierung und dem Scheitern seiner Ehe, von dem er nicht einmal weiß, was zu deren Ende geführt hat, ist er körperlich wie seelisch angeschlagen. Gerade das macht ihn glaubwürdig. Er kehrt nicht als fitter Ermittler zurück, sondern als jemand, der mit seiner eigenen Geschichte und seinen Grenzen kämpfen muss. Dass ausgerechnet er wieder nach Grundendorf muss, verleiht dem Fall eine zusätzliche Brisanz.
Die Atmosphäre: Das Dorf als eigener Charakter
Klementovic beschreibt den Ort mit einer beklemmenden Genauigkeit. Grundendorf wirkt abgeschlossen, verschwiegen und feindselig, ohne dabei überzeichnet zu sein. Man spürt schnell, dass hier niemand gerne über die Vergangenheit spricht und dass das Verschwinden des Kindes alte Wunden wieder aufreißt. Die Enge des Dorfes wird zum Teil der Handlung: Jeder kennt jeden, doch gerade deshalb weiß niemand etwas.
Mein Fazit zum Schreibstil und der Spannung
Der Roman entwickelt sich ruhig, aber stetig. Klementovic baut die Spannung nicht über lautstarke Actionszenen oder unnötige Gewalt auf, sondern über Andeutungen, Widersprüche und das wachsende Misstrauen zwischen den Figuren. Seine Stärke liegt im subtilen Grauen und in der Frage, was Menschen bereit sind zu verbergen, um ihre Fassade zu wahren. Die Auflösung hat mich überrascht und passt in ihrer Konsequenz zu der beklemmenden Stimmung des Romans.
Die kurzen Kapitel sorgen für einen zügigen Lesefluss. Trotzdem bekommt jede Figur genug Raum, um über die Funktion im Kriminalfall hinauszutreten. Patrick als verzweifelter Vater, Schulz als gebrochener Ermittler und die Bewohnerinnen und Bewohner von Grundendorf bilden ein glaubwürdiges, wenn auch nicht immer sympathisches Gefüge.
 Am Ende erfahren wir  nicht nur, was in Grundendorf vor sich gegangen ist. Zusätzlich erfahren wir, warum Schulz‘ Frau Inge ihn verlassen hat. Diese Auflösung wirkt keineswegs wie ein beiläufig angehängter Erklärteil, sondern greift Schulz‘ persönliche Geschichte auf und verleiht ihr eine neue, sehr emotionale Dimension. 
Ist „Immerkalt“ ein gelungener Abschluss der Trilogie?
Immerkalt ist kein Krimi, der mit unnötiger  Gewalt Spannung aufbauen muss. 
Für mich ist Immerkalt ein stimmiger Abschluss der Trilogie. Wer die beiden Vorgänger mochte, wird hier wieder in diese besondere, unangenehm nahbare Atmosphäre eintauchen. 

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