Samstag, 24. Oktober 2026

Rezension: Kapitulation auf Kommando von Nadia de Vries (Autorin) Lisa Mensing (Übersetzerin)

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Vorab eine kurze Anmerkung: Ich habe versucht, dem non-binären Charakter Schellfisch im folgenden Text das richtige Neopronomen zuzuordnen, und hoffe, dass mir das auch gelungen ist.


Ein Roman über die Lücken im System

 Mir hat „Kapitulation auf Kommando“ gut gefallen. Die Sprache ist großartig ,ein großes Lob gebührt hier sicherlich auch der Übersetzerin Lisa Mensing. Es hat allerdings eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, was Nadia de Vries mir eigentlich sagen möchte.

Worum geht es in „Kapitulation auf Kommando“?

Sie erzählt von Schellfisch, den Geburtsnamen erfahren wir nie, dey in einem kleinen, verschlafenen Dorf an der niederländischen Küste lebt. Zweitausend Einwohner zählt der Ort, im Sommer kommen ein paar Hundert Touristinnen und Touristen dazu. Die Zukunftsaussichten sind düster: Arbeit gibt es kaum, erst recht nicht für jemanden wie Schellfisch dey die Förderschule besucht hat. Unterstützung gibt es ebenfalls nicht. Von den Lehrkräften schlagen demm nur Häme und Spott entgegen, und die Mutter versucht, ihre eigenen Probleme mit unzähligen Männerbekanntschaften zu kompensieren. Diese füllen zwar den Kühlschrank, sind an einer stabilen Beziehung  jedoch nicht interessiert.
Schellfisch möchte eigentlich unsichtbar sein, sucht aber zugleich nach Gemeinschaft. Diese scheint dey zunächst bei Duncan, Céline und Jeremy gefunden zu haben. Doch auch die drei tragen schwere Päckchen: Duncan vertickt geklaute Medikamente, Céline nutzt ihren Pelzmantel wie eine Rüstung und Jeremy, der durch einen Unfall seinen Bruder verloren hat, sinnt auf Rache.
Als Jeremys Rachepläne außer Kontrolle geraten, wendet sich das Blatt: Plötzlich stehen alle gegen Schellfisch. Verletzt und mit einer tiefen Narbe im Gesicht flieht dey in die Großstadt. Doch statt Rettung wartet dort ein fataler Strudel aus Ausbeutung und Missbrauch.

Fazit zu „Kapitulation auf Kommando“

Nadia de Vries schafft es auf gerade einmal 166 Seiten, Schellfischs Leben vor den Augen der Leser:innen auszubreiten. Dabei benennt de Vries die düsteren Zukunftsaussichten am Ende der Geschichte nicht explizit, und doch werden sie für mich deutlich. Man spürt, wie eng die Möglichkeiten für dey bereits zu Beginn der Geschichte sind und wie wenig Raum Schellfisch zwischen Armut, Ausgrenzung und Gewalt bleibt.
Am Ende bleibt nur die Kapitulation.
„Kapitulation auf Kommando“ ist kein leichtes Buch, aber ein sprachlich sehr beeindruckender Roman.



  • Herausgeber ‏ : ‎ DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 6. Oktober 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 160 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3755800977
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3755800972
  • Originaltitel ‏ : ‎ Overgave op commando

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