Während der ersten wärmeren Tage des Jahres habe ich zu einem Kriminalroman gegriffen, der mich gedanklich direkt an den Gardasee entführt hat – ein stimmungsvoller Start in die Frühlingssaison mit einem ungewöhnlichen Fall und einer ebenso ungewöhnlichen Ermittlerin.
Manchmal reicht schon der erste Satz, um in eine Geschichte hineingezogen zu werden. So ging es mir bei Isabella Archans Die Schlange von Sirmione, vor allem da ich ja schon gespannt auf ihr neustes Buch gewartet habe. Was zunächst wie ein wohlverdienter, wenn auch erzwungener Urlaub am Gardasee beginnt, entwickelt sich schnell zu einem spannenden Kriminalfall, der ganz ohne große Effekthascherei auskommt – dafür aber mit viel Feingefühl für Figuren und Schauplätze punktet.
Im Mittelpunkt steht Edwina Teufel, eine Ermittlerin, die sich selbst nicht schont und auch in der Fremde kein Auge zudrücken kann. Ihre klare, oft schonungslos direkte Art und ihr untrügliches Gespür für das Ungewöhnliche machen sie zu einer interessanten Hauptfigur, die nicht einfach nur „sympathisch“ ist, sondern vielschichtig und eigenständig. Ihre Ermittlungen rund um einen seltsamen Fund – einer Schlange im Fundbüro – führen sie in ein Geflecht aus kleinen Geheimnissen, Eitelkeiten und Schuld. Ich mochte sie nicht immer, so manches Mal war sie mir etwas zu direkt:
„Ich bin nicht hier, um nett zu sein“, sagte Edwina und schenkte ihrem Gegenüber einen Blick, der keine Widerrede duldete."
„Edwina scherte sich nicht um Höflichkeiten, wenn sie eine Spur roch. Dann wurde sie zur Zornnatter, die zupackte, biss und nicht lockerließ.“
Und das passt dann auch zu ihr und zu dem was sie in ihrer bisherigen Laufbahn erlebt hat:
„Edwina hatte gelernt, dass Freundlichkeit oft ein Luxus war, den man sich im Polizeialltag nicht leisten konnte – zu viele hatten versucht, sie mit Nettigkeiten zu täuschen.“
Irgendwie mochte ich sie dann doch.
Was diesen Krimi für mich besonders gemacht hat, ist die Kombination aus leichtem, beinahe sommerlichem Erzählton und einer unterschwelligen Spannung, die sich langsam, aber stetig aufbaut. Der Gardasee ist nicht bloß Kulisse, sondern wird in all seinen Facetten – touristisch, mondän, aber auch alltäglich – eingefangen. Dazu kommt Archans Blick für das Zwischenmenschliche, den ich sehr geschätzt habe.
Ein ruhiger, kluger Krimi, der zeigt, dass Spannung nicht laut sein muss, um Wirkung zu entfalten. Wer Krimis mag, die mehr sind als bloße Kulisse für Mord und Totschlag, wird hier auf seine Kosten kommen.
Erwähnenswert:
Isabella Archan wurde 2025 mit dem renommierten GLAUSER-Krimipreis in
der Kategorie Kurzkrimi ausgezeichnet. Sie erhielt den Preis für ihre
Kurzgeschichte „Fröndenberger Fäden“, erschienen in der Anthologie
„Verbrechen nebenan. Mord am Hellweg XI.“ im Grafit Verlag.

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