Donnerstag, 13. Februar 2025

Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste

 

Grisha zieht als frisch gebackener Absolvent der Hochschule für Ökonomie Bruno Leuscher von Gera nach Berlin in eine Neubauwohnung zieht, erwartet er ein aufregendes Berufsleben in der Staatlichen Planungskommission. Er wird der Abteilung Afghanistan zugeteilt, das kleine sozialistische Bruderland hat gerade einen Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit mit der DDR unterzeichnet. Nur hat Afghanistan nichts, was für die DDR von Interesse wäre, dementsprechend wenig gibt es für die Abteilung zu tun. Grisha soll sich laut seinem direkten Vorgesetzten Burg mit dem Kunstvollen Warten vertraut machen, einem wesentlichen Bestandteil seiner zukünftigen Tätigkeit.Allerdings hat Grisha eine geniale Idee, wie man die landwirtschaftlichen Produkte, die es in Afghanistan ja durchaus gibt, zur Zufriedenheit und zum finanziellen Vorteil für beide Länder nutzen kann. Denn die DDR braucht Devisen und die gibt es in Westdeutschland und wie diese nach Ostdeutschland kommen sollen, auch dazu hat Grisha eine zündende Idee.Mehr verrate ich euch nicht. Dies war tatsächlich mein allererstes Buch von Jakob Hein, nach der Lektüre fragte ich mich warum, denn wie es aussieht, habe ich wohl wirklich etwas verpasst. Humorvoll ohne ins Lächerliche abzugleiten erzählt der Autor eine sehr amüsante, wenn auch fiktive Geschichte aus der deutsch-deutschen Geschichte. Sie erzählt wie Grisha es schafft alle davon zu überzeugen, dass Cannabis in der DDR legal ist und wie er dieses landwirtschaftliche Produkt auch legal an die Westberliner bringen kann (Na gut, das habe ich euch jetzt doch verraten).

Er erzählt von Geheimtreffen hochrangiger Politiker im tiefsten Bayern, die genauso hätten ablaufen können und wer weiß, vielleicht hat sich ja auch alles so oder fast so abgespielt.In einer absurd-komischen Wendung der Geschichte führt Grischas Plan tatsächlich zu Verhandlungen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß über einen Milliardenkredit für die DDR - eine surreale Situation, die der Realität erstaunlich nahekommt.

 Die Art und Weise, wie Hein diese historischen Ereignisse in seine fiktive Erzählung einwebt, ist gleichermaßen unterhaltsam wie geistreich.Ich mochte Grisha sehr, fast schien er etwas naiv und introvertiert, dabei ist er der schlauste Kopf der ganzen Abteilung. Er liebt Filme und schafft es in einen Club anderer Filmliebhaber aufgenommen zu werden, gar nicht so einfach, schließlich herrscht Misstrauen gegen Fremde, sie könnten Spitzel sein, seine Liebe zu Filmen liefert ihm auch viele gute Ideen.Auch die anderen Protagonisten sind fast durchweg sympathisch, sie versuchen halt möglichst unbehelligt durchs Leben zu kommen.Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung für alle, die entspanntes Lesevergnügen suchen. Hein verzichtet fast vollständig darauf, ein graues und trübes Bild der DDR zu zeichnen, was mir auch sehr gut gefallen hat. Stattdessen nutzt er die absurden Situationen und skurrilen Charaktere, um eine humorvolle und gleichzeitig nachdenklich stimmende Geschichte zu erzählen, die die Absurditäten des geteilten Deutschlands auf eine ganz eigene, erfrischende Art beleuchtet.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Galiani-Berlin; 1. Edition (13. Februar 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 256 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 386971316X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3869713168

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hier dürft ihr mir eure Kommentare hinterlassen. Bitte beachtet: DATENSCHUTZ: Mit dem Abschicken des Kommentars nehme ich zur Kenntnis und bin einverstanden, dass meine Daten gespeichert und weiterverarbeitet werden!