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| Werbung-Rezension |
Ein ungewöhnlicher Fall im Wien der 70er Jahre.
Ihre Spur führt sie in die Otto-Muehl-Kommune, eine reale Künstlergemeinschaft, die damals für freie Liebe, kollektives Eigentum und radikale Selbstdarstellung stand. Otto Muehl wurde später wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt.
Zwischen Freiheit und neuen Zwängen
Dort findet einer der jungen Detektive tatsächlich Liza, die sich inzwischen Judith nennt und innerhalb der Kommune eine recht hohe Position einnimmt. Er freundet sich mit ihr an. Judith ist mit einer Regel der Kommune allerdings überhaupt nicht mehr einverstanden: „Keine monogamen Beziehungen: jeder mit jedem, immer und überall.“ Was als Befreiung gedacht ist, erzeugt bei ihr genau den Druck, den Muehl eigentlich ablehnt. Als sie Muehl öffentlich widerspricht, zieht sie das Misstrauen seiner fanatischsten Anhänger auf sich. Schließlich beschließen sie, die Kommune zu verlassen. Damit endet der erste Teil des Buches.
Wir haben zu diesem Zeitpunkt den namenlosen Erzähler kennengelernt, Liza/Judith und einen Einblick in das Leben innerhalb der Kommune bekommen. Zurück blieb bei mir vor allem das Verständnis dafür, warum Menschen aus der Enge einer Normgesellschaft ausbrechen wollen, um sich selbst zu verwirklichen und wie schnell auch ein solcher Ausbruch wieder zu neuen Zwängen führen kann.
Im zweiten Teil spielen die Figuren ein Spiel, bei dem Liza/Judith eine Frage stellt: „Immer allein oder niemals allein?“ Wäre die Option „Niemals allein“ mit einem Leben in einer Kommune wie Muehls verbunden, wäre meine Antwort auf jeden Fall „Immer allein“.
Nun arbeiten die beiden Detektive und Liza/Judith, die auf keinen Fall zurück nach Hause will, zusammen. Ihr Leben scheint geprägt von Freundschaft und Leichtigkeit bis zu dem Moment, als sie einen Auftrag annehmen, den Matti eigentlich ablehnen will, weil er seinen moralischen Standards mehr als widerspricht, der tragisch endet. Auch wenn dieser Fall zunächst wie ein klassischer Kriminalfall daherkommt, bleibt am Ende eigentlich eine ganz andere Frage: Wie gut kennen wir uns selbst und wie gut kennen wir die Menschen, mit denen wir uns umgeben?
Schwab erzählt lakonisch, aber mit vielen geistigen Anspielungen, etwa auf Wittgenstein oder finnische Literatur. Der Roman ist kein typischer Krimi, bei dem am Ende alle Fragen beantwortet und alle Rätsel gelöst werden. Stattdessen zeigt er, wie jemand, der eigentlich Antworten finden soll, immer tiefer in die Unsicherheit gerät.
Am Ende war ich mir nicht mehr sicher, ob ich die Figuren eigentlich verstanden hatte oder ob ich mich genauso verloren fühlte wie sie.
Wer einen klaren Krimi mit einer eindeutigen Lösung erwartet, wird hier vermutlich nicht fündig. Wer dagegen Lust auf einen atmosphärischen, nachdenklichen Roman hat, der mit den Erwartungen an das Genre spielt, könnte bei Schwab genau richtig sein.

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