Donnerstag, 10. März 2016

Rotwein für drei alte Damen

Klappentext:Die aufgeweckten, sehr agilen Witwen Siiri, Irma und Anna-Liisa sind Nachbarinnen in der Senioren­residenz »Abendhain«. Die rüstigen Damen, alle Mitte 90, verbringen den Tag mit Kartenspielen und zu viel Rotwein. Um keine Osterhäschen basteln zu müssen, lassen sie sich gerne von der Straßenbahn kreuz und quer durch Helsinki fahren. Die fröhliche Routine endet mit einem Todesfall, doch hat es nicht etwa einen der greisen Mitbewohner dahingerafft, sondern Tero, den jungen Koch. Mit diesem Unglück beginnt eine ganze Reihe zwielichtiger Vorfälle, die das Leben der drei Freundinnen kräftig durchschütteln und alles, was als sicher galt, über den Haufen werfen. Welches böse Spiel treibt die Oberschwester, und hat die Heimleiterin tatsächlich keine Ahnung, was in »Abendhain« vor sich geht?
Ein Buch über beste Freundinnen, die trotz ihres hohen Alters weder ihren Humor noch ihren Sinn für das, was im Leben zählt, verlieren und einfach nur wollen, dass man sie für voll nimmt.



Meine Meinung:

Das Cover ist wirklich wunderschön gestaltet und zwingt den Krimiliebhaber förmlich dazu, das Buch zu ergreifen. Dich leider hält der Inhalt nicht, was das Cover verspricht. Die Sprache wirkt sehr trocken und fade, es fehlt Schwung, Wortwitz und Emotionalität. Wer bei dem Titel, der Illustration oder dem Klappentext an Mrs Marple denkt und ähnliches erwartet, wird bitter enttäuscht. Sehr langatmig sind die sich wiederholenden Beschreibungen der S-Bahn Linien, mit denen Siiri so gerne durch ihre Stadt fährt.

Dennoch sind die drei Damen durchaus liebreizend und man schließt sie sofort ins Herz. Das eigentliche Verbrechen hier ist nicht der Tod des jungen Mannes oder die Brandstiftung. Es ist der Umgang mit den alten Menschen, die aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden, derer man sich schämt und die man in einem Heim vor der Öffentlichkeit versteckt.

Die Ohnmacht der alten Menschen, wie sie als unmündig abgestempelt werden, ist erschütternd. Ihr Verstand wird durch eine Vielzahl von Medikamenten systematisch zerstört. Aus der resoluten, energischen und lebenslustigen Irma wird ein geistiges Wrack.

Der sozialkritische Aspekt über das System ist für mich das eigentlich spannende an diesem Roman. Die Autorin nimmt kein Blatt vor der Mund und prangert die Missstände in ihrem Land scharf an. Menschen jenseits 70 haben anscheinend in der europäischen Gesellschaft keine Existenzberechtigung mehr, sie haben keine Stimme oder finden kein Gehör. Minna Lindgren spricht für sie.

Das Buch kann direkt beim Verlag bestellt werden

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