Dass ich Kurzgeschichten liebe ist hinreichend bekannt, ich muss nicht mehr lang und breit erklären was meiner Meinung nach gute Kurzgeschichten ausmacht und was ich von ihnen erwarte, gute Unterhaltung und im besten Fall ist diese kombiniert mit Tiefsinn und bringt mich zum Nachdenken oder machen neugierig auf weitere Geschichten der Autoren und Autorinnen.
Und dann kommen Bücher wie dieses: Waypoint Fiftynine eine Anthologie die Im Weit hergeholten literarische Bauchlachmuskeltrainingseinheiten absurdester Grandiöslichkeit Sektor beheimatet ist?
Schon als ich die unten stehende Ankündigung in den weiten des Internets entdeckte, war mir klar: Tiefsinn und Nachdenken kann ich aller Wahrscheinlichkeit nach vergessen, aber das hat mich nicht abgehalten, nach einem tiefen Blick und vielleicht auch dem ein oder anderen Schluck aus einer Flasche mit obskurem, grünen Inhalt und gestärkt mit Keksen, begab ich mich ins Waypoint Fiftynine.
Begeben wir uns also in eine der übelsten und heruntergekommensten Kneipen des Universums, jetzt rümpft mal nicht die Nase, solche Kneipen gibt es überall auch auf der Erde, wir sind doch alle nicht gemacht für Schickimicki und Chi Chi und die eine oder andere abgeranzte Spelunke ist ein Wohlfühlort.
Ebenso wie die eigentlichen Storys, die mich fast alle vollständig überzeugen konnten, enttäuscht hat mich keine.
Lea Baumgart – „Opferbereitschaft“ Eine feine, böse Geschichte, die mich etwas schadenfroh zurücklies.
Dorothee Stern – „Von Pest und Maden und Wollsocken“
Jasmin Aurel – „Von Maden und Halunken in Spelunken“
Nele Sickel – „Kleider machen Leute“Ich sag nur "Red Shirt" dann wissen eigentlich alle was den Protagonisten erwartet, oder?
Jessie Weber – „Die himmlischen Schwestern“ Es ist nicht immer so wie es auf den ersten Blick scheint.
Jacqueline Mayerhofer – „Das Schicksal einer Diebin“Manche Geschichten erfordern etwas Geduld, aber es lohnt sich immer dran zu bleiben.
Wolfgang Schroeder – „Krankheitsvertretung“ Hier erfahren wir die Wahrheit über den Weihnachtsmann.
Sandra Florean – „Die Vergessenen“ Die freundlichen Märchenhelden aus der Nachbarschaft, echt jetzt wie schwer kann es sein einen Hamster zu fangen?
Alvar Borgan – „Kampfstern Rot Weiß“ Mausbiber, ich glaube mehr muss ich nicht sagen, oder? Doch eigentlich schon aber mehr als Nicht immer sind alte Männer so harmlos wie sie auf den ersten Blick scheinen.
Veronika Lackerbauer – „Von Spookies, Spoylent Green und einer interstellaren Kreuzfahrt“ Was soll ich sagen: 5 Sterne für die Kreuzfahrt.
Nob Shepherd – „Edelgard“Ein Tipp, esst nichts im Waypoint Fiftynine, bevor ihr sicher seid das euer Essen nicht doch noch etwas zu sagen hat.
Katja Rocker – „Queerdenker“ Auch im Märchenland wird es Zeit zum umdenken.
Lukas Wesslowski – „Am Ende kommt das Ende“ Ich liebe diese Geschichte, ich verrate aber nicht weshalb, dann müsste ich spoilern.
Tanja Kummer – „Exkursion 0 8 15“ Ich will ein Faultier haben.
Renée Engel – „Alles ist relativ“ außer Mutterliebe ;o)
Isabell Hemmrich – „Die Op(era)tion“ Wenn es schiefgeht dann durchgängig
Florian Krenn – „Der Verräter“ Himbeerbrausepulver und seine Konsequenzen und Nova muss putzen.
Peter Michael Meuer – „Die Bar am Ende des Regenbogens“ Ich bin ja dafür, das es allen Firmen die sich mies verhalten so geht.
Laurence Horn – „Schildhalla“ Der Supergau: Das Bier ist alle.
»Wenn dir mal wieder die unendlichen Weiten des Weltraumes zu viel werden und dich die Sorgen zu überwältigen drohen: Komm zu uns. Wir servieren dir mit einem Lächeln und einem offenen Ohr den Drink deiner Wahl.«
[Einblendung]
Waypoint FiftyNine
[Slogan erschallt]
»Vergiss deine Sorgen … [Panflötengesäusel] … Waypoint FiftyNine … [Engelschor erschallt] … wir halten uns an die intergalaktische Schweigepflicht und sagen nichts davon deiner Frau, Mann, KI, Versicherungsvertreter, Kopfgeldjäger, Verleger, Mechaniker, Schneider, Einhorn, Diebin, Nonne, Xenomorphen, Geheimagenten, Gevatter, Struwwelpetra, Gebrauchtschiffhändler, Weihnachtsmann, Reiseveranstalter [Alamedisches Triangelinferno] … im Waypoint FiftyNine sind wir für dich da! [Kienlisches Riff der Hölle]«
[Einblendung des Kleingedruckten]
Diese Schweigepflicht gilt nicht für die engagierten Autoren*innen des Leseratten Verlages von der Erde, aber hey, wer würde schon glauben, was diese Freaks so erzählen?



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