Sonntag, 15. November 2020

Waypoint Fiftynine eine Anthologie Hrsg. Günter Kienle und Jan Fuchs Alameda



Dass ich Kurzgeschichten liebe ist hinreichend bekannt, ich muss nicht mehr lang und breit erklären was meiner Meinung nach gute Kurzgeschichten ausmacht und was ich von ihnen erwarte, gute Unterhaltung und im besten Fall ist diese kombiniert mit Tiefsinn und bringt mich zum Nachdenken oder machen neugierig auf weitere Geschichten der Autoren und Autorinnen.


Und dann kommen Bücher wie dieses: Waypoint Fiftynine eine Anthologie die Im Weit hergeholten literarische Bauchlachmuskeltrainingseinheiten absurdester Grandiöslichkeit Sektor beheimatet ist?

Schon als ich die unten stehende Ankündigung in den weiten des Internets entdeckte, war mir klar: Tiefsinn und Nachdenken kann ich aller Wahrscheinlichkeit nach vergessen, aber das hat mich nicht abgehalten, nach einem tiefen Blick und vielleicht auch dem ein oder anderen Schluck aus einer Flasche mit obskurem, grünen Inhalt und gestärkt mit Keksen, begab ich mich ins Waypoint Fiftynine.


Begeben wir uns also in eine der übelsten und heruntergekommensten Kneipen des Universums, jetzt rümpft mal nicht die Nase, solche Kneipen gibt es überall auch auf der Erde, wir sind doch alle nicht gemacht für Schickimicki und Chi Chi und die eine oder andere abgeranzte Spelunke ist ein Wohlfühlort.

Nun aber begleiten wir die Herausgeber Kienle und Alameda quer durchs All, ihre Rahmenhandlung verbindet die einzelnen Geschichten auf humorvolle und schräge Weise, sie ist schon für sich lesenswert und diese Idee ist noch relativ neu, mir zumindest ist bisher erst eine Anthologie in die Hände geraten, die etwas Ähnliches bot.
Ebenso wie die eigentlichen Storys, die mich fast alle vollständig überzeugen konnten, enttäuscht hat mich  keine.


Dennis Frey – „McGintleroy trinkt“ Nehmt euch in Acht und passt auf was ihr trinkt, nicht jeder ist mit der Wirkung eines Fiftyniners so zufrieden wie McGintleroy.

Lea Baumgart – „Opferbereitschaft“ Eine feine, böse Geschichte, die mich etwas schadenfroh zurücklies.

Dorothee Stern – „Von Pest und Maden und Wollsocken“

Jasmin Aurel – „Von Maden und Halunken in Spelunken“
Diese beiden Geschichten gehören zusammen und erst, wenn man beide gelesen hat offenbart sich doch so etwas wie Tiefsinn, tatsächlich ich war selber erstaunt aber die Storys zeigen wie wichtig es ist Partner zu haben, sonst spricht man am Ende nur noch mit seiner KI oder mit dem Toaster und Maden sind eklig.

Nele Sickel – „Kleider machen Leute“Ich sag nur "Red Shirt" dann wissen eigentlich alle was den Protagonisten erwartet, oder? 

Jessie Weber – „Die himmlischen Schwestern“ Es ist nicht immer so wie es auf den ersten Blick scheint.

Jacqueline Mayerhofer – „Das Schicksal einer Diebin“Manche Geschichten erfordern etwas Geduld, aber es lohnt sich immer dran zu bleiben.

Wolfgang Schroeder – „Krankheitsvertretung“ Hier erfahren wir die Wahrheit über den Weihnachtsmann.

Sandra Florean – „Die Vergessenen“ Die freundlichen Märchenhelden aus der Nachbarschaft, echt jetzt wie schwer kann es sein einen Hamster zu fangen?

Alvar Borgan – „Kampfstern Rot Weiß“ Mausbiber, ich glaube mehr muss ich nicht sagen, oder? Doch eigentlich schon aber mehr als Nicht immer sind alte Männer so harmlos wie sie auf den ersten Blick scheinen.

Veronika Lackerbauer – „Von Spookies, Spoylent Green und einer interstellaren Kreuzfahrt“ Was soll ich sagen: 5 Sterne für die Kreuzfahrt.

Nob Shepherd – „Edelgard“Ein Tipp, esst nichts im Waypoint Fiftynine, bevor ihr sicher seid das euer Essen nicht doch noch etwas zu sagen hat.

Katja Rocker – „Queerdenker“ Auch im Märchenland wird es Zeit zum umdenken.
Lukas Wesslowski – „Am Ende kommt das Ende“ Ich liebe diese Geschichte, ich verrate aber nicht weshalb, dann müsste ich spoilern.
Tanja Kummer – „Exkursion 0 8 15“ Ich will ein Faultier haben.

Renée Engel – „Alles ist relativ“ außer Mutterliebe ;o)

Isabell Hemmrich – „Die Op(era)tion“ Wenn es schiefgeht dann durchgängig

Florian Krenn – „Der Verräter“ Himbeerbrausepulver und seine Konsequenzen und Nova muss putzen.

Peter Michael Meuer – „Die Bar am Ende des Regenbogens“ Ich bin ja dafür, das es allen Firmen die sich mies verhalten so geht. 

Laurence Horn – „Schildhalla“ Der Supergau: Das Bier ist alle.





Normalerweise ist es kein Problem in einer Anthologie die eine oder andere Geschichte zu überspringen, um sie später zu lesen. Bei dieser Romanthologie ist aber nichts wie gewohnt und so muss die Reihenfolge zwingend eingehalten werden, das ist so ein Raumzeitgefüge Ding, glaube ich, oder die Intermezzi von Günther Kienle und Jörg Fuchs Almaeda verweben sich mit den Kurzgeschichten  und verbinden sich untrennbar miteinander.


Leise, psychedelische Fahrstuhlmusik


»Wenn dir mal wieder die unendlichen Weiten des Weltraumes zu viel werden und dich die Sorgen zu überwältigen drohen: Komm zu uns. Wir servieren dir mit einem Lächeln und einem offenen Ohr den Drink deiner Wahl.«
[Einblendung]
Waypoint FiftyNine
[Slogan erschallt]
»Vergiss deine Sorgen … [Panflötengesäusel] … Waypoint FiftyNine … [Engelschor erschallt] … wir halten uns an die intergalaktische Schweigepflicht und sagen nichts davon deiner Frau, Mann, KI, Versicherungsvertreter, Kopfgeldjäger, Verleger, Mechaniker, Schneider, Einhorn, Diebin, Nonne, Xenomorphen, Geheimagenten, Gevatter, Struwwelpetra, Gebrauchtschiffhändler, Weihnachtsmann, Reiseveranstalter [Alamedisches Triangelinferno] … im Waypoint FiftyNine sind wir für dich da! [Kienlisches Riff der Hölle]«

[Einblendung des Kleingedruckten]
Diese Schweigepflicht gilt nicht für die engagierten Autoren*innen des Leseratten Verlages von der Erde, aber hey, wer würde schon glauben, was diese Freaks so erzählen?

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