Donnerstag, 2. Juni 2016

Verlagsvorstellung die 3. Verlag Torsten Low

Wenn ich früher  in eine Buchhandlung ging, egal wie groß, begegneten mir immer wieder die gleichen Verlage, die *Großen* der Branche füllen ganze Regalwände mit Titeln der unterschiedlichsten Genres. Irgendwann entdeckte ich das Internet und diverse Seiten auf denen Bücher vorgestellt wurden und als ich mich genauer umsah, fiel mir auf: Da gibt es ja noch mehr Verlage, Verlage die besondere Bücher anbieten aus Genre die man lange Zeit im *normalen Buchhandel* gar nicht fand und die vor Allem auch Autoren eine Chance geben, die evtl. nicht aus dem Stand zum Bestseller werden. Ich stelle euch hier nach und nach den einen oder anderen Verlag vor.
Dieses Mal
Torsten Low Verlag



Zuerst möchte ich euch erzählen, wie ich auf diesen Verlag aufmerksam geworden bin, purer Zufall, mir wurde von einer Seite die Rezensenten mit Autoren und Verlagen zusammenbringt eine Graphic Novel angeboten, das heißt ich konnte nachfragen ob ich ein Rezensionsexemplar bekommen könne. Gesagt, getan und nach ein paar Tagen bekam ich eine Mail von Torsten Low, dem Verleger der Graphic Novel, und das obwohl ich den Vor- und Zunamen des Autors vertauscht hatte. ;o) mit der Zusage für das Buch und eigentlich würde sein Verlag ja auch prima in meine kleine Reihe passen und ein Interview würde er mir auch geben *Schluck* so was habe ich ja noch nie gemacht. Egal, mehr als meine doofen Fragen ablehnen könnte er ja nicht.


Bevor ihr nun das Interview lesen, könnt ein paar Fakten zum Verlag und ich verrate euch auch welches Buch ich angefragt hatte.

Der 2005 von Torsten und Tina Low gegründete Verlag hat seinen Sitz in Meitingen (Bayern). Der Verlag hat sich auf phantastische Literatur spezialisiert, zugegebenermaßen habe ich bewusst noch kein Buch gelesen, ich könnte euch jetzt was anderes erzählen aber das wäre gelogen, beim Blättern im aktuellen Verlagskatalog, fällt mir aber das eine oder andere Buch ins Auge ( die Cover sind einfach toll), das sofort nach dem Lesen des Klappentextes auf meiner Wunschliste gelandet ist.
Ungeziefer herausgegeben von Carolin Gmyrek

Aktuell lese ich gerade: Der Karussellkönig von Fabienne Siegmund mit Zeichnungen von Tatjana Kirsten und es scheint zu halten was es verspricht.


Stöbert doch einfach mal im vielfältigen Verlagsprogramm,einfach auf den Link klicken dann kommt ihr direkt dorthin.
 http://www.verlag-torsten-low.de/ 
Hier sollte jeder etwas Passendes finden, sei es nun Horror, Steampunk, Graphic Novel oder Endzeit, ich geh schon mal vor und ihr dürft nun erst mal viel Spaß beim Lesen des Interviews haben. 


1. Wer ist Torsten Low?

 
Torsten Low, biologisches Alter 41, gefühltes Alter seit Verlagsgründung konstant 20, Frau, Kind, Haus, kein Hund, keine Katze.
Von Montag bis Freitag 8-20 Uhr bin ich ein ganz normaler arbeitstätiger Familienvater. Ich bringe jeden Tag meine Tochter in den Kindergarten, gehe danach meinem Brotjob in der IT-Branche nach, komme Abends nach Hause, schaue mit meiner Tochter gemeinsam 2-3 Folgen Wickie oder Bob, der Baumeister (meine Tochter hat einen guten Geschmack), spiele und kuschle mit ihr. Danach geht sie ins Bett – und mein Zweitleben kommt an die Oberfläche.
Nein, ich bin kein Geheimagent, kein Superheld und ich gehe auch nicht auf die Pirsch.
Ich bin einfach nur ein ganz normaler Kleinverleger (wobei das „normal“ von vielen bezweifelt wird).


2. Wie kamen Sie dazu Verleger zu werden und ist das Ihr Hauptberuf?
Ach, das war eigentlich ein Versehen.
Ich habe seit meinem 5. Lebensjahr geschrieben. Haufenweise Kurzgeschichten, haufenweise Romananfänge. Als mir 2002 mein damaliger, langjähriger Arbeitgeber mit einem Tritt in den A…llerwertesten zu verstehen gegeben hat, dass ich überflüssig bin und mein nächster Job ein 600-km-Pendeljob wurde, schrieb ich meinen ersten Roman. Als dann der 1. Teil von „Dunkel über Daingistan“ fertig war, hörte ich mich um, redete mit anderen unveröffentlichten Autoren und las einen Pseudoratgeber für neue Autoren. Das alles brachte mich zu der Annahme, dass ich eh keine Chance hätte. Ich schickte also das Manuskript nicht an einen Verlag. Und weil wir im Jahre 2000 das Buchbinden in einem Kurs gelernt haben, wollte ich 2 Exemplare produzieren – eines für mich, eines für eine gute Freundin. Bei meinen Recherchen zum Thema Veröffentlichen bin ich dann über die ISBN gestolpert. Für unter 100 Euro bekam man eine Nummer, die man auf sein Druckwerk draufpappen durfte und womit man sich die Berechtigung und Pflicht zur Abgabe der Bibliotheksexemplare erwarb. Für unter 100 Euro zum deutschen Kulturerbe zu gehören – das klang stark, das wollte ich. Gesagt, getan.
Dummerweise oder zum Glück kam dann die erste Bestellung rein. Zu einem in echt gar nicht existierenden Buch!
Wir wollten natürlich alles richtig machen, es uns mit Gewerbeamt und Finanzamt nicht verscherzen. Wir fragten nach, bekamen erklärt, dass wir ein Gewerbe anlegen müssten und schwupps, schon gab es den Verlag Torsten Low.


Hauptberuflich mache ich etwas komplett anders. Ich bin ja ein zutiefst kritischer (und oftmals auch destruktiver) Mensch – mit einer leicht sadistischen Ader (das können meine Autoren übrigens bezeugen). Mit diesen Voraussetzungen bin ich natürlich absolut geeignet als Softwaretester in der Luftfahrtbranche.
Ich habe natürlich auch schon öfters mit dem Gedanken gespielt, vom Verlegen leben zu wollen. 2008 hatte ich ja auch großmäulig geäußert: „In 10 Jahren kann ich vom Verlag leben!“
Das war allerdings, bevor ich ein Haus gebaut habe und eine Tochter bekommen habe (also wenn man es ganz genau nimmt, hat ja meine Frau eine Tochter bekommen …). Vom Verlegen leben zu wollen, ist ähnlich kompliziert, wie vom Schreiben leben zu wollen. Und wenn man eigene Kinder hat, hat man gerne ein Sicherungsseil mehr.
Außerdem habe ich gerade auch in den letzten Jahren erleben müssen, was mancher Verleger auf sich nehmen muss, um wirklich über die Runden zu kommen. Bei einigen Sachen dachte ich mir nur noch: Nee, das würde ich nicht wollen.
Ganz vom Tisch ist das Thema trotzdem noch nicht. Unsere Umsätze steigen, unsere Gewinne steigen und irgendwann kann ich definitiv davon leben. Auch mit meinem mittlerweile erhöhten Sicherheitsbedürfnis.


3. Der Name Ihres Verlages ist ja etwas unspektakulär, wenn man ihn mit Anderen vergleicht, wie spontan kam Ihnen die Idee ihren eigenen Namen zu verwenden?
Nun, eigentlich war das eine rein rechtliche Frage. Als ich den Verlag gegründet habe und ich mich für die Rechtsform „Einzelunternehmen“ entschieden habe, durfte man noch keinen anderen Firmennamen außer „Vorname Name“ plus einem erklärenden Zusatz wie beispielsweise „Verlag“ nehmen. Nicht für Einzelunternehmen.
Das scheint mittlerweile anders zu sein. Aber jetzt ist es eh egal, mittlerweile ist unser Name – auch wenn er nicht sonderlich kreativ ist – eine Marke.


4. Wie schwierig ist es einen eigenen Verlag zu gründen und wie geht das überhaupt, wacht man eines Morgens auf und denkt sich *Jetzt bin ich
Verleger?*
Für mich war es schwierig – denn ich hatte von nichts eine Ahnung.
Für mich war es leicht – denn ich hatte von nichts eine Ahnung.
Es war wirklich beides – es war schwer und leicht zugleicht.
Schwer, weil ich mir alles Stück für Stück selber beibringen musste. Gerade in den ersten Jahren, meinen Lehrjahren, in denen ich tatsächlich noch jedes einzelne Buch von Hand gebunden hatte. Wir hatten keine Ahnung von Korrektorat, von Lektorat, von Cover, von Satz, von den üblichen Tools, von Gestaltungsregeln, von dem, was Druckereien erwarten, von dem, was Buchhändler erwarten, von dem, was Leser erwarten.
Leicht, weil ich den Weg Schritt für Schritt gehen konnte, sich mir das große Ganze nur ganz langsam erschloss. Ich wusste nicht, was vor mir lag. Hätte ich es gewusst, hätte ich wohl manches Mal vorher aufgegeben. Aber da ich nicht wusste, was als nächstes kam, bin ich immer weitergegangen.

Wie andere das machen, weiß ich nicht. Ich dachte definitiv nicht: „Jetzt bin ich Verleger“
Ich dachte anfangs nur: „Ich hab ein Buch geschrieben. Was mach ich jetzt damit.“
Und es hat sehr lange gedauert, bis ich mich überhaupt als Verleger gesehen habe. Noch bei „Lichtbringer“, unserer ersten Anthologie, habe ich mich mehr als Herausgeber denn als Verleger gesehen.


5. Würden Sie den selben Weg noch einmal gehen?
Ja, auf jeden Fall.
Der Verlag hat uns als Familie etwas Großartiges gegeben.
Wir sind im Jahr auf gut 30 bis 35 Veranstaltungen. Unsere Saison startet am letzten Februarwochenende und geht bis zum letzten Novemberwochenende. Gerade jetzt aktuell stehen wir kurz vor unserer diesjährigen Lesereise mit Veranstaltungen und Lesungen in Pösneck, Magdeburg, Bad Segeberg und Hamburg.
Da treten wir dann auch als Familie auf. Ich als der „bissige Verleger“, meine Frau als mein Terminator und meine Tochter als Maskottchen und Dauerpraktikantin (die Kleine wird 6).
Und auf diesen Veranstaltungen treffen wir dann unsere „Großfamile“, unsere Autoren. Ich liebe es, wenn wir nach einer Convention mal mit 2 oder 3 Autoren oder manchmal sogar mit 1-2 Dutzend Autoren in ein Restaurant einfallen und einen »Verlagstisch« aufmachen. Ich liebe es, wenn an diesen Tisch Menschen miteinander reden, die sich vorher nie gesehen haben und die nur eines eint: dass sie mit einer Geschichte in meinem Verlag veröffentlicht wurden. Ich liebe die Herausgebertreffen mit meinen Führungskräften, meinen Herausgebern. Und es ist mir ein besonderes Bedürfnis, an diesen Treffen für meine Autoren da zu sein, mit ihnen über unsere gemeinsame Zukunft zu sprechen und für sie zu kochen. Ich liebe es, wenn Autoren auf einer Messe oder einer Con an unseren Stand kommen, uns umarmen, hinter unseren Tisch kommen und einen Plausch beginnen. Ich freue mich, wenn es abends gegen 21 Uhr klingelt und ein Autor telefoniert dann eine oder auch mal 2 Stunden mit uns – und in dieser Zeit kommt dann auch alles aufs Tablett, was den Autor gerade bewegt, sei es Bedenken wegen einem anstehenden neuen Projekt oder auch wegen privater Probleme.
Wir brauchen den Verlag. Er gehört einfach zu unserem Leben dazu, ist nicht mehr daraus wegzudenken.


6. Das Lieblingsbuch aus Ihrem eigenen Verlag?
Ist immer das, bei welchem ich gerade in dem Moment an der Veröffentlichung arbeite.
Wenn ich gerade ein neues Buch-Baby in die Welt entlasse, dann ist es mein absolutes Lieblingsbuch – bis zum nächsten Buch-Projekt.


Standardfragen:
Haben sie schon immer gern gelesen?

Solange ich denken kann.
Ich bekam mit 6 Jahren meinen Büchereiausweis und meine Eltern mussten, wenn es in den Urlaub ging, für mich immer eine Extra-Tasche alleine für Bücher einpacken. Ich hatte oftmals 6, 7, 8 Bücher mit im Urlaub.

Das ist die einzige Sache, die mir heute fehlt.
Wenn man Bücher verlegt, verlernt man das entspannte Lesen. Der Rotstift ist immer mit dabei. Ich hatte zwischenzeitlich sogar schon in gekauften Büchern „nachlektoriert“ – bis ich dran gedacht habe, dass ich eigentlich Freizeit habe.
Und man hat keine Zeit mehr zum Lesen … falsch, man nimmt sich keine Zeit mehr zum Lesen.
Früher hab ich im Jahr knapp 100 Heftromane und 40 Bücher gelesen. Mittlerweile bin ich froh, wenn ich jeden Monat ein Buch eines Kollegen durchbekomme …


Die schlechteste Deutschnote in Ihrer Schulzeit?

Oh – da gibt es eine schöne Anekdote. Haben wir noch Zeit dafür? Egal, ich erzähl sie einfach.
Ich wäre fast durchs Deutsch-Abitur gefallen!
Als ich mein Abitur gemacht habe, gab es tatsächlich noch Formnoten. Ich hatte schon immer eine „Sauklaue“, wie meine Lehrer sehr häufig klagten. Aber ich konnte gute Aufsätze schreiben.
Zwei der drei Lehrer, die meinen Abi-Aufsatz bewerten sollten, wollten knallhart und ungelesen eine Form-6 geben. Damit wäre ich durchgefallen gewesen.
Meine Deutschlehrerin hat dann die beiden bekniet, dass sie mir wenigstens nur eine Form-5 geben und sie den Aufsatz lesen sollten, da sich meine Aufsätze lohnen würden. Sie konnte sie glücklicherweise überzeugen.
Ich bekam die 5 für die Form, für die 3 anderen Noten (Ausdruck, Rechtschreibung, Grammatik/Orthografie) gabs dafür jeweils Einser. Gesamtnote unabhängig vom Durchschnitt nur eine 3, da die Gesamtnote nicht mehr als 2 Noten besser sein durfte, als die schlechteste Teilnote … und das war nun einmal die blöde Formnote.
2 Jahre später wurde die Form-Note abgeschafft …


Die verhassteste Schullektüre?

Ganz ehrlich?
So etwas gab es nicht.
Ich war eine absolute Leseratte. Ich hab wirklich alles gelesen und wirklich alles, was uns angeboten wurde, habe ich auch gern gelesen.


Haben sie ein Lieblingsbuch?

Das kann ich so gar nicht sagen. Ich liebe das Lesen und habe irrsinnig viel Favoriten. Zumindest im Bereich der Phantastik, mein präferiertes Lesegebiet.
Ob nun Klassiker wie Poe, Verne und Lovecraft oder aktuelle Autoren wie Heitz und George R. R. Martin oder Autoren, die so schräges Zeug machen wie Carlton Mellick III. Da möchte ich mich wirklich nicht festlegen.


Von welchem Autor würden sie auch den Einkaufszettel kaufen?

Von keinem.
Es gab früher zwar Autoren, von denen ich jedes Buch gekauft habe … aber das war mal.
Seitdem ich den Verlag habe, ist das vorbei.


Lesen sie lieber gedruckte Bücher oder bevorzugen sie digitale Medien?
Für mich muss etwas Geschriebenes immer noch vorne und hinten einen Deckel haben. E-Books sind für mich nach wie vor keine echte Alternative. Das mag sich vielleicht ändern, wenn meine Augen schlechter werden – bei Printbüchern lässt sich so schlecht die Schriftgröße ändern. Aber bislang lese ich nach wie vor analog ;)
Für den Verlag, explizit für die Auswahl von Geschichten, setze ich aber schon einen E-Reader ein. 150 Geschichten a 20 Seiten zu drucken, nur um am Ende alles wegzuwerfen und zu sagen „Die 20 kommen ins Buch“ ist mir einfach zu unwirtschaftlich. Da geht es mir noch nicht einmal um Umweltschutz – das ist pure wirtschaftliche Kalkulation.

Letzte Worte:
Unabhängige Studien haben festgestellt, dass Vielleser im Durchschnitt oftmals über ein höheres Nettoeinkommen verfügen, als Nichtleser oder Wenigleser. Und da die meisten Menschen ja gerne mehr Geld in der Tasche hätten, möchte ich einfach einen Rat in die Runde werfen: Lest mehr Bücher!
Vielen Dank für das Interview.


Viele Grüße,
Torsten Low

NEUERSCHEINUNG: Ungeziefer (div.)
NEUERSCHEINUNG: Protektor (Andre Wiesler)
IN VORBEREITUNG: Frischfleisch (Vincent Voss)

Phantastik vom Feinsten
www.verlag-torsten-low.de
Ich habe natürlich zu Danken, das hat mir wirklich Spaß gemacht ich hoffe Torsten Low auch, allerdings muss ich anmerken: Vielleser sein und mehr Geld in der Tasche haben, stimmt leider nicht, oder ich habe das einfach noch nicht lange genug probiert. Lesen gehe.

Kommentare:

  1. Tolles Interview, sehr interessant zu lesen.
    Wer viele Bücher liest braucht auch viel Geld, die zu kaufen :)

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  2. Schönes Interview und auch sehr schöne Antworten!

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  3. Da bin ich doch glatt deinem Block hängengeblieben. - Wollte ja nur mal kurz gucken. Hat richtig spaß gemacht, das Interview zu lesen.

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  4. Danke für eurer nettes Feedback

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