Mittwoch, 5. August 2015

Das Biest in dir von Felix Hänisch Band 1-3 Gastrezensionen von Blaustrom


Er hat kein Gewissen. Er hat keine Skrupel. Und das Schlimmste: Er ist wieder da! Seit jeher ist Epsor die Heimat von Menschen, Elfen, Zwergen und Orks, doch obwohl der Große Krieg bereits seit 200 Jahren vorüber ist, verläuft das Zusammenleben der verschiedenen Völker keinesfalls harmonisch. Als dann auch noch die dunkelste aller Rassen neu zu erstarken beginnt, ist das für Skal und die beiden Iatas-Anwärter Darius und Therry der Anfang eines Abenteuers von nie gekanntem Ausmaß. Obwohl die beiden Jugendlichen noch am Anfang ihrer Ausbildung stehen, wird schon bald klar, dass nur sie die Macht in sich tragen, die von Nöten ist, um sich einem längst besiegt geglaubten Feind entgegenzustellen, der die Welt erneut mit Schrecken zu überziehen droht und dessen Macht selbst die Götter fürchten.

Blaustrom meint:
Darius ist ein Waisenjunge. Als Kleinkind wurde er in der Nähe eines kleines Dorfes gefunden. Dieses Dorf ist der Sammelpunkt einer Diebesbande und das Sammelbecken für verlorene Gestalten. Die Einwohner sind eine verschworene Gemeinschaft, in der sich einer um den anderen kümmert und sich alle Bewohner als eine Familie sehen.
Das behütete und zwanglose Leben ist für den Jungen vorbei, als zwei Mitglieder des Ordens der Iatas Darius mit sich nehmen. Ein Schamane habe vorhergesagt, dass dem kleinen Dieb ein großes Schicksal vorherbestimmt sei. Schnell merkt Darius, dass er so gut wie nichts über die Welt weiß und seine Kenntnisse und Fähigkeiten kaum ausreichen, um in der Welt zu bestehen. Wie ein Schwamm saugt er alles Wissen in sich auf, er ist neugierig und offen für alles.
Als er mit seinen Begleitern die Siegburg, den Stammsitz der Iatas erreicht, wird ihm ein Meister zugewiesen, der für seine Ausbildung zuständig ist. Sein Meister ist niemand anderes als Skal, der erst vor kurzem seinen Lehrling verloren hat. Normalerweise bekommt ein menschlicher Iatas während seines Lebens nur einen Zögling aber hier wird eine Ausnahme gemacht.
Schon an ihrem ersten Ausbildungstag erkennt Skal, dass in Darius mehr steckt, als man auf den ersten Blick erkennen kann. Um den Jungen besser kennenzulernen und dessen Grenzen auszuloten, nimmt der Meister ihn mit zu einer Reise in den legendären Albenwald. Dort soll er Darius seine erste Herausforderung bestehen. Doch was eine kurze Prüfung sein sollte, entwickelt sich zu einem Kampf um das nackte Überleben. Zusammen mit Therry, einer anderen Iatas Anwärterin, muss Darius zu einem Kampf gegen Wesen antreten, die längst als ausgestorben galten und die an der Menschheit furchtbare Rache üben wollen. Doch er muss sich nicht nur äußeren, sondern auch inneren Dämonen stellen, genauso wie seine Freundin Therry.

Kommentar:
Schon das Äußere des Buches und die Gestaltung sind ein wahrer Augenschmaus. Der Geschichte eine Liste der dramatis personae voranzustellen, regt die Neugier des Lesers an, man fragt sich sofort, was die Bezeichnungen bedeuten oder was sich dahinter verbirgt. Ein geschickter Schachzug des Autors.

Felix Hänisch beginnt die Geschichte langsam, er lässt den Figuren Raum, sich zu entfalten. Wir lernen Darius zuerst näher kennen, seine Ängste, seine Gedanken und seine Motivation. Er wird aus seinem beschaulichen aber ärmlichen Leben gerissen und lernt eine völlig neue Welt kennen. Bisher erstreckte sich seine Welt auf ein paar Meilen Umkreis, seine Gedanken richteten sich fast ausschließlich auf den nächsten Raubzug oder die nächste Mahlzeit. Eine kleine, beschränkte aber vertraute Umgebung, die keine Überraschungen aber dafür auch kaum Gefahren zu bieten hatte.

Der Prozess von einem jungen, unbedarften Dieb zu einem Lehrling der Iatas vollzieht sich langsam und nachvollziehbar. Durch seine jugendliche Neugier und sein etwas tölpelhaften Charme gewinnt Darius die Sympathien des Lesers. Zusammen mit seinem Lehrer Skal, der durch den Jungen eine neue Chance erhält, bilden sie ein gutes Team. Als Therry zu ihnen stößt, kommt etwas Schwung in die Geschichte. Sie ist, anders als Darius, keineswegs behütet aufgewachsen und musste sich dem Ernst des Lebens schon viel früher Stellen. Sie ist schon seit zwei Jahren in der Ausbildung und lässt den Jungen spüren, dass sie der Meinung ist, sie sei bei weitem besser zu einer Iatas geeignet als er. Doch schon bald muss sie ihre Ansichten grundlegend ändern.

Die beiden jungen Menschen haben Lasten zu tragen, die fast zu schwer für ihre unschuldigen Gemüter sind. Sie lernen das Leben in all seiner Grausamkeit kennen, Mord, Vergewaltigung, Verrat und brutale Kämpfe. Hier handelt es sich um keine heile Welt Geschichte, der Autor lässt seine Protagonisten leiden, er schenkt ihnen nichts. Niemand kommt ungeschoren davon. Doch dies stählt sie und schweißt sie zusammen. Obwohl man als Leser zu Beginn denkt, es handele sich wieder nur um eine Geschichte in der die guten Elfen, Menschen Zwerge gegen die bösen Orks und Trolle kämpfen, wird man positiv überrascht.

Aufgrund einiger Grammatik- oder Rechtschreibfehler und des fehlenden Genitiv, stockt das Auge des Lesers widerholt. Doch Schreiben ist ein Lernprozess und schon dieses Debut zeigt, dass der erst zwanzigjährige Autor über eine meisterhafte Erzählkunst verfügt. Wie ein Rohdiamant, der erst noch geschliffen werden muss, um seine wahre Pracht zu entfalten, so wird der Autor sicher noch an seinem Schreibstil feilen und ihn verfeinern. Lobenswert ist auch die Kürze des ersten Bandes. Während sich viele Autoren in Wörtern verlieren und ihre Geschichte unendlich in die Länge ziehen, kommt Herr Hänisch kurz und knapp auf den Punkt, schweift nicht ab und fesselt die Aufmerksamkeit des Lesers von Anfang bis Ende. Alleine dafür und auf Grund seines jungen Alters bekommt er einen halben Punkt mehr als die üblichen vier Punkte, die ich für ein gutes Buch vergebe. Für fünf Punkte reicht es noch nicht, die vergebe ich an wahre Meister wie Steven Erikson oder Brandon Sanderson. Aber Felix Hänisch ist auf dem besten Weg und ich wünsche ihm mit seiner Geschichte viel Erfolg.

Fazit:
Ich bin neugierig, wie die Geschichte von Darius und Therry weiter geht. Und Neugier muss ein Autor erzeugen, um den Leser in seinen Bann zu ziehen. Hier wurde inhaltlich alles richtig gemacht, an dem Genitiv kann man sicherlich zukünftig arbeiten.
Sie gibt dafür 4,5 Sterne

Band2

Nachdem Loës, der grausame Gott der Alben, wiedererweckt worden ist, brauchen Skal, Darius, Therry und ihre Freunde rasch Hilfe, wenn sie den Untergang von Epsor noch verhindern wollen. Denn das Böse wird mit jedem Tag mächtiger. Doch wenn die Reiche der Menschen uneins sind und das Volk der Zwerge eigenen Interessen nachjagt, können sie nur noch auf die Unterstützung der albischen Urfeinde hoffen.
Allerdings hat das Volk der Waldelfen in den langen Jahren des Friedens das Kämpfen verlernt und der junge König Esnator ist mit der ihm unbekannten Kriegssituation weit überfordert. Als sich schließlich der Kreis der Feinde immer enger zieht und es zur alles entscheidenden Schlacht kommt, ist Freundschaft das Einzige, was den Gefährten noch bleibt. Aber erst im Angesicht des Todes wird sich zeigen, wem man bedingungslos vertrauen kann.Klappentext: 

Blaustroms Meinung:

Nur knapp entkommen die Gefährten aus dem Tempel der Alben und ihre Verluste sind hoch. Niemand kommt ohne Blessuren davon, vor allem Therry hat im Tempel viel erlitten, zu den körperlichen Strapazen kommen noch die seelischen Erschütterungen. Allen ist klar, dass sie im Kampf gegen die Alben dringend Hilfe benötigen. Doch wohin und an wen sollen sie sich wenden? Die einst mächtigen und stolzen Elfen sind zu einem Schatten ihrer selbst geworden. Die Zwerge von Mittelberg dienen den Alben, ihr Hass auf die Elfen eint sie. Die Menschen sind untereinander zerstritten, der Orden der Iatas besteht nur noch aus wenigen alten Männern. An wen sollen sich die Freunde wenden, wenn das Ende der Welt bevorsteht? Die Alben schaffen es, immer mehr Verbündete auf ihre Seite zu ziehen, durch Einflüsterungen, Gedankenmanipulation und Täuschungen wiegelt Saparin auch viele Menschen gegen die Elfen auf.
Doch immerhin besitzt Therry nun zwei der legendären "Außergewöhnlichen Achtundsechzig". Schwerter, die in ferner Vergangenheit geschmiedet wurden und ihre Besitzer fast unbesiegbar machen. Mit diesen Schwertern und ihrer Fähigkeit, sich zu verwandeln, besteht sogar eine geringe Chance, dass Therry und Darius einen Gott töten können. Und nicht nur der grausame Gott Loes greift in die Geschicke Epors ein. Wer führt die Freunde zu dem jungen Elfenkönig Esnator und welche Rolle spielt der Elf Killer Kid bei den zukünftigen Ereignissen?
Kommentar:
Natürlich könnte ich mehr über den Inhalt schreiben, doch jedes Wort wäre schon fast ein Spoiler. Schlag auf Schlag folgen die Ereignisse und im Verlauf der Geschichte gibt es viele überraschende Wendungen, welche die Spannung ins unermessliche treiben.
Das zu Beginn aufgeführte Personenregister beinhaltet die Namen vieler Verstorbener. Schon das macht klar, dass der Autor keine Hemmungen hat, seine Protagonisten sterben zu lassen. Wer hier ein heile Welt Geschichte mit Liebe und Happy End erwartet, der wird enttäuscht sein. Das Buch ist gnadenlos, so wie die Welt in der Therry und Darius leben.
Felix Hänisch sieht von langatmigen Wiederholungen ab. Die Brücke ins Jenseits beginnt dort, wo das Urteil der Götter endet und schon der Prolog zeigt, dass der Leser nicht mit Samthandschuhen angefasst wird. Er beschreibt drastisch, ungeschönt und schonungslos die Auswirkungen eines Krieges. Wer den ersten Band der spannenden Geschichte nicht kennt, sollte das umgehend nachholen, denn zum Verständnis einiger Szenarien sollte man das "Urteil der Götter" unbedingt kennen.
Darius und Therry, sind geprägt durch die Ereignisse im Albenwald, härter geworden. Der junge Iatas hat seine Naivität und seinen jugendlich Schwung verloren, er ist zu einem gnadenlosen Krieger gereift. Sein altes Leben im Dorf wirkt wie ein ferner Traum, jetzt bestimmt der Kampf ums Überleben sein Denken und Handeln. Therry, die schon zu Beginn kompromissloser und härter als der junge Mann war, wird von dem Gedanken an Rache angetrieben. Ihr Hass auf die Alben kennt keine Grenzen, doch er blendet sie teilweise auch.
Neben den überlebenden Gefährten aus Band eins: Therry, Darius, Skal, Nubrax und Paro, betreten einige neue Darsteller die Bühne. Ich persönlich finde den Namen Killer Kid absolut unpassend für einen Fantasyroman dieser Art , nichtsdestotrotz drückt der Name genau das aus, was die Figur darstellt. Einen gnadenloser Mörder, der eine blutige Spur durch die gesamte Geschichte zieht. Seine Motive bleiben uns verborgen, seine Taten sind unbegreiflich und bis zum Ende dieses Bandes erschließen sich dem Leser seine Beweggründe nicht. Dem Autor gelingt es dadurch, den Spannungsbogen hoch zu halten und den Leser nahtlos zu Band drei zu führen.
Meines Erachtens legt der junge Autor hier ein sprachlich versierteres Buch ab, als Band eins. Man bekommt das Gefühl, dass Felix Hänisch, wie seine beiden jungen Protagonisten, reifer und erfahrener wird und die Schreibfeder schwungvoller führt. So, als hätte er sich Anregungen und Vorschläge seiner Leser zu Herzen genommen. Wenn dieser Prozess sich fortführt, bin ich gespannt auf Band drei dieser spannenden Serie.
Das Cover ist dezent , macht jedoch neugierig. Diesmal ist es in einem satten blau, alle vier Bände zusammen ergeben eine Einheit, man kann sich diese Bände durchaus in einem Schmuckschuber vorstellen. Vielleicht kommt auch der Verlag, der diesem jungen Autor eine Chance gegeben hat, auf die Idee, Fans würden es sicherlich begrüßen. Im inneren findet der Leser eine Karte von Epsor und ein Personenregister, was dem ganzen noch eine besondere Note verleiht.
Fazit: was soll man noch sagen? Her mit" der Wahnsinn kehrt zurück".

Band 3

Wieder beginnt Felix Hänisch mit einem Prolog. Er lässt Skal zu Wort kommen. Reflexionen seines Lebens zeigen dem Leser, wie der einstmals loyale Krieger zu einem Verräter werden konnte. Er wirbt um Verständnis für seinen Verrat, doch seine Argumente finden kein Gehör. Doch zumindest weiß der Leser nun, was Skal zu seinen Handlungen bewogen hat. Während er mit Loes den Ort der blutigen Schlacht verlässt, schmoren die beiden jungen Schüler im Kerker vor sich hin. So sind sie der Rache Saparins und Nemestas hilflos ausgeliefert. Ohne Unterstützung oder einen Freund an ihrer Seite. Die Zwerge Nubrax und Paro entkommen dem Gemetzel, doch beide sind schwer verletzt und am Ende ihrer Kräfte. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie ihren Verletzungen erliegen. Nubrax kann Ephialtes nicht verzeihen, dass er an der Seite des Feindes gekämpft hat, doch er ist in seiner Hilflosigkeit auf die Hilfe des Verräters angewiesen.

Die Verwandlung von Therry und Darius lässt sich immer noch nicht kontrollieren. In dieser schlimmen Zeit brauchen beide angehenden Iatas die Kräfte der Biester, doch das Biest verweigert sich. Im Kerker begegnen die beiden Schwerverletzen dem Ork Drug. Therry tötete einst im Kampf dessen Bruder. So hat sie nicht nur die Rache Nemestas sondern auch die Mordlust des Ork zu fürchten. Doch im Kerker sitzt noch ein weiterer Gefangener. Dieser wird das Schicksal der beiden jungen Krieger und ganz Epsors verändern.

Kommentar:
Ich schlage mit Freuden jeden weiteren Band aus dieser gelungenen Serie auf und schaue immer zuerst in das Personenregister, wer als neuer Protagonist zu erwarten ist. Die Landkarte und die dramatis personae sind ein wahrhaft gelungener Einstieg. Da haben sich Verlag und Autor in der Darstellung wirklich etwas einfallen lassen.

Man weiß als Leser nicht, ob dies der schlimmste oder beste Band der Serie ist. Das Schicksal der Gefährten wird bis ins kleinste Detail geschildert und dieses Schicksal ist grausam. Eine endlose Folge von Gewalt wird uns zugemutet. Es ist nicht die Gewalt des Krieges, sondern die Folge dessen. Folter, Schmerz, Verrat, Selbstzweifel bis hin zur fast völligen Selbstaufgabe. Niemand kommt ungeschoren davon. In anderen Geschichten erheben sich die gemarterten Protagonisten wie Phönix aus der Asche und man glaubt kaum, was sie erlitten haben. Hier findet sich kein unglaubwürdiger Wandel, keine heldenhafte Rettung. Die Helden sind gebrochene und jammernde Gestalten, die sich dem Feind beugen müssen, um Verstümmelung und Tod zu entgehen. Gerade der stolzen und aufbrausenden Therry fällt dieses unwürdige Verhalten schwer. Doch um Darius zu retten, muss sie ihren Stolz aufgeben und sich der demütigenden Situation stellen. Der Leser begegnet zwei jungen Menschen die verzweifeln und kein Licht am Ende des Horizonts erkennen können. Und einem alternden Kämpfer, der an den Erfordernissen des Leben scheitert. Der bewusst einen falschen Weg beschreitet und in seiner Selbstüberschätzung meint, den Verlauf dieses eingeschlagenen Weges ändern zu können. Er verstrickt sich in einer endlosen Spirale der Torheit und Irrtümer.

In dieser Rezension kann man eigentlich nur zu viel verraten. Die Geschichte ist aus einem Guss und gerade beim Wechsel von Band drei zu Band vier geht es nahtlos, ohne Übergang und ohne Pause weiter. Der Leser kommt nicht zum Atem holen, gierig saugt er jedes weitere Wort ein.
Der Autor ist deutlich erwachsener geworden. Man erkennt hier eine erhebliche Steigerung zu Band eins. Die Sprache ist klar, flüssig, ausdrucksstark und sehr bilderreich. Teilweise meint man, einen Film zu sehen, statt ein Buch zu lesen. Ich habe auf der Website des Autors gelesen, dass sein erstes Interesse wohl dem Filme machen galt, er dies aber, Mangels Möglichkeiten, zu Gunsten der Schriftstellerei aufgegeben hat. Ein Glück für die Leser und ein Verlust für Cineasten.

Das Cover ist diesmal in der Farbe Grün gehalten. Grün ist die Farbe der Hoffnung. Ist dies ein Hinweis, dass es in dieser verzweifelten Lage doch noch Hoffnung für unsere Kämpfer gegen das Böse gibt? Das werden wir aber leider erst in Band vier erfahren.

Fazit:
Keine Zeit, ich muss sofort weiterlesen........

Alle Bände können direkt beim Verlag bestellt werden

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