Sonntag, 12. April 2026

Zu Gast im Bücherhaus: Tanja Kummer und Detlef Klewer

                             



Heute freue ich mich über ein wirklich außergewöhnliches Interview: Zum ersten Mal spreche ich gleichzeitig mit zwei Kunstschaffenden, der Texterin Tanja Kummer und dem Illustrator Detlef Klewer des Comics Goldizilla aus dem Leseratten Verlag. Gemeinsam haben sie Goldizilla zum Leben erweckt.

Tanja und Detlef – herzlich willkommen!


Tanja: Was hat dich ursprünglich zu „Goldizilla“ inspiriert, und was ist der Unterschied zur Arbeit an einem Roman oder einer Kurzgeschichte?

Uff. Gute Frage. Ich habe ja schon mal mit Detlef gearbeitet und aus meinen zwei Kurzgeschichten den Comic „Nachtwächter“ gemacht. Zu wissen, wie Detlef arbeitet hat mir sehr geholfen den Text gleich mehr als Bild für den Comic zu verfassen – also was kommt auf welche Seite, was ist darauf zu sehen und wie viel Text ist nötig. Natürlich musste Detlef noch hier und da das Storyboard nachbessern und hat selbst tolle Ideen für die Umsetzung eingebracht - er hat da eben deutlich mehr Erfahrung.

Inspiriert haben mich viele Dinge. Eine ehemalige Arbeitskollegin die Hamster liebt. Eine Fahrt durch Stuttgart die mich an das Riesenrad erinnerte. Meine DAMN Teammitglieder, die ich für die Anthologie „German Kaiju verdamnt!“ entwickelt habe und die einfach mehr Rampenlicht gebraucht haben. Und Preisverleihungen, bei der man Anwesend sein muss, obwohl man gar nicht nominiert ist … da hat man viel Zeit. :)


Detlef: Wie hast du die monströsen Elemente von Goldizilla visuell eingefangen?


Nun, wie meinem Vorwort zu Goldizilla zu entnehmen ist, bin ich mit Kaijus wie Godzilla und Co. im Kino aufgewachsen. Ich musste in meiner Vorstellung also nur meine monströsen Kindheitserinnerungen mit einem knuddeligen Goldhamster verschmelzen und schon sprudelten die Ideen.


Tanja: Welche Momente der Zusammenarbeit mit Detlef waren für dich besonders bereichernd, z. B. bei der Figurenentwicklung?


Wenn das Storyboard fertig ist, kann ich nichts mehr tun außer zu warten, was Detlef als fertige Seite schickt. Und ja, das Storyboard zu entwickeln ist immer bereichernd weil es ein intensiver Austausch an künstlerischen Ideen ist.

Tatsächlich war klar, wie eine Figur aussehen muss, die sich Daniel C. Raig nennt und seinen Martini geschüttelt und nicht gerührt trinkt. Bei Mina hingegen hatte Detlef etwas mehr Spielraum.




Detlef: Für diejenigen unter uns (also für mich) die ihn nicht wirklich kennen, erkläre mir doch bitte den Unterschied zwischen einem Comic und einer Graphic Novel?


Das ist gar nicht so einfach, denn inzwischen sind die Grenzen fließender geworden. Ursprünglich sind Graphic Novels in sich abgeschlossene, gezeichnete Geschichten in Buchform, die oft experimenteller, komplexer und politischer waren als Comics, die ja im Heftformat als Fortsetzungsgeschichten erscheinen und eher unterhaltsamere Mainstreamstories erzählen.

Es gibt aber inzwischen auch viele Comics, die sich eben nur noch durch Format und Erscheinungsweise unterscheiden.Und natürlich dadurch, dass Graphic Novels den Weg in unsere Buchhandlungen finden, während Comics überwiegend dem Zeitschriftenhandel vorbehalten sind.


Tanja: Welcher Charakter ist dir besonders ans Herz gewachsen?

*lol*
Goldizilla natürlich. Eine tragische Figur.


Detlef: Welche Illustration war die größte Herausforderung, und wie hast du Tanjas Textvisionen umgesetzt?


Herausfordernd ist es immer, Figuren zu zeichnen, die bereits in den Köpfen der Autor*innen existieren. Wenn ich also einen Text lese, den ich zeichnerisch umsetzen soll, kann es durchaus passieren, das ich die handelnden Personen visuell anders wahrnehme, als ihre Erfinder*innen. Zum Glück hatte Tanja genauere Vorstellungen vom männlichen Part und hat mir bei der weiblichen Hauptrolle freie Hand gelassen. Und für die DAMN-Regulars gab es Orientierungshilfen vom German Kaiju- Initiator Markus Heitkamp.

Tanja und ich haben außerdem ja schon einmal erfolgreich bei der Graphic Novel „Nachtwächter“ zusammengearbeitet, sodass wir ein eingespieltes Team waren. Ihr Storyboard war daher sehr visuell, sodass ich eigentlich nur noch Finetuning einsetzen musste, um ihre Visionen umzusetzen.


Tanja: Was macht die Zusammenarbeit mit dem Leseratten Verlag für dich als Autorin so besonders?


Kreative Ideen sind hier immer willkommen. Egal wie verrückt ober absurd sie einen erscheinen mögen.
Und es hilft, wenn man gut Kekse backen kann mit dem man dann den Verleger besticht.


Detlef: Wie arbeitest du grundsätzlich als Illustrator an einem Comic-Projekt wie „Goldizilla“, vom ersten Skizzenentwurf bis zum fertigen Bild?


Das hängt ganz davon ab, mit wem und wie ich zusammenarbeite.

Ist es eine Autorin wie Tanja, die ihr Storyboard bereits visuell schreibt, kann ich gleich mit Panelaufteilung und Zeichnungen beginnen. Das ist dann easy.

Manche Autor*innen gehen die ganze Sache zu literarisch an. Ein Satz wie „seine Augen glitzerten trügerisch“ – um es mal ein wenig zu übertreiben – lässt sich zeichnerisch nun einmal nur schwer umsetzen. Da muss ich dann viel im Storyboard verändern oder vereinfachen, Panelfolgen umstellen oder ganz streichen, ehe ich mit den Zeichnungen beginnen kann.

Und zuletzt Projekte, in denen ich Kurzgeschichten umsetzen soll. Da muss ich dann zu Beginn die Einteilungen selbst vornehmen, kürzen oder dramaturgisch verändern, was bei Autor*innen nicht immer gut ankommt. Daran ist auch schon einmal ein Projekt gescheitert.

Aber geschriebene Geschichten in visuelle Medien umzusetzen erfordert immer Veränderung bzw. Anpassung. Buchverfilmungen etwa kämpfen ja mit den gleichen Problemen.

Ansonsten geht alles seinen klassischen Weg. Skizze, Bleistiftvorzeichnung, Tusche. Anschließend Farbgebung oder Grautöne am Computer.


Tanja: Gibt es Pläne für eine Fortsetzung von „Goldizilla“, und welche neuen Ideen hast du dafür?

Der Verlag hat gesagt: „Schauen wir mal, wie sich Goldizilla verkauft.“
Und danach ist German Kaiju ja ein Projekt, an dem viele Autoren:innen beteiligt sind. Vielleicht darf den nächsten Comic ja jemand anderes schreiben!?
Falls nicht, ich habe immer Ideen.


Also dann "KAUFT DEN COMIC, oder heißt es das Comic? Die Frage hätte ich ja noch stellen können.

Detlef: Welche Szene in „Goldizilla“ ist dir als Illustrator am liebsten, und warum?

Als Kind hatte ich – wie schon erwähnt – viel Spaß im Kino, wenn die Kaiju-Stuntmen in ihren Gummianzügen marodierend durch die detailreiche Modelllandschaft stapften. Natürlich sind mir jene Szenen, in denen Goldizilla Stuttgart zerlegt und die Bewohner terrorisiert, daher die liebsten. Also gefallen mir das Covermotiv und die Splashpage, in der Goldizilla im Ausrastemodus ein Auto durch die Luft wirft und die Menschen panisch davon rennen, am besten.



Und die Abschlussfrage an euch beide: Gab es auch mal Momente, in denen ihr euch nicht einig wart und am liebsten alles hinschmeißen wolltet?


Tanja: Nö.

Detlef: Nö.

Bei der Antwort habt ihr euch doch abgesprochen.😅



Vielen Dank euch beiden, Tanja und Detlef, für dieses spannende und aufschlussreiche Gespräch über „Goldizilla“! Es war eine Freude, eure Perspektiven als Autorin und Illustrator so nah dran zu erleben. Im echten Leben gäbe es jetzt Kaffee, Bienenstich und Kekse, das muss aber leider warten bis wir uns mal treffen können.


Tanja: Ich danke Dir – und mögen Dir die Bücher und der Bienenstich niemals ausgehen. :-)

Detlef: Ich danke Dir – und mögen Dir die Bücher und der Kaffee niemals ausgehen. :-)

Da bin ich sehr zuversichtlich ohne Bücher, Kaffee und Kuchen ist ein Leben zwar möglich aber nicht sinnvoll. 

Den Comic könnt ihr direkt beim Leseratten Verlag erwerben oder im Buchhandel eures Vertrauens. 



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hier dürft ihr mir eure Kommentare hinterlassen. Bitte beachtet: DATENSCHUTZ: Mit dem Abschicken des Kommentars nehme ich zur Kenntnis und bin einverstanden, dass meine Daten gespeichert und weiterverarbeitet werden!