Freitag, 3. April 2026

Zombie Zone Germany: Lauf oder stirb Herausgeberin Carolin Gmyrek


In der Stille nach dem Zusammenbruch wird selbst das Flüstern zu einer Herausforderung. Nicht, weil die Untoten uns hören könnten, sondern weil jedes Wort zu einem Balanceakt zwischen Vertrauen, Macht und Zugehörigkeit wird.

Die Zwölf Geschichten erzählen von Begegnungen während der Zombieapokalypse: von Fremden, die zu Gefährten werden, von Freund*innen, die sich als Feinde entpuppen, von Gemeinschaften, die Schutz bieten – und ihren Preis verlangen. Ideale, Moral und Weltanschauungen verschwinden nicht mit dem Ende der Zivilisation. Sie rücken näher. Unausweichlich. Und zwingen zu einer Entscheidung: Lauf oder stirb!

Zwischen Angst, Misstrauen und Gewalt zeigen die zwölf Geschichten aber auch das andere Gesicht der Katastrophe: Solidarität. Zusammenhalt. Menschlichkeit.
Denn selbst am Ende der Welt ist nicht alles verloren.

Mit Geschichten von Sophia Rosenberger, Helge Lange, Antonia Dorah, Manuel Zerwas, Sucy Pretsch, Till Kunze, Janika Rehak, Robert Boehm, Joshua Friedrichs, Oliver & Carolin Gmyrek, Marko Richter-Höfer und Vincent Voss

"Eine Zombieapokalpse ist selten ruhig. Jedenfalls zu Beginn." So beginnt das Vorwort zu "Lauf oder stirb" von der Herausgeberin Carolin Gmyrek. Sie ist laut, Schüsse, Schreie, Helikopter, Explosionen, doch dann wird es ruhig, die Überlebenden verstecken sich, vor den Zombies und anderen Überlebenden.

Berglandschaft vor Blauem Himmel, 2023 von Sophia Rosenberger

Dies ist eine stille Geschichte, sie erzählt von den letzten Tagen einer Malerin oder eines Malers, ich habe mich dafür entschieden das es eine Malerin ist. Sie hat sich in ihre alte Heimat zurückgezogen und sich im Haus verschanzt, versteckt hinter Bücherstapeln sieht sie Berge, Wiesen und den Himmel. Sie erzählt wie sehr sie andere Menschen vermisst, das Leben das sie mit ihren Bildern einfing. Durch ein Fenster sieht sie Wiesen, Berge und den Himmel. Zwischen Farben und Erinnerungen spricht aus ihr die Sehnsucht nach anderen Menschen, nach dem Leben, das sie einst in ihren Bildern festhielt. Sie weiß, das sie auch in ihrer Zuflucht nicht für immer sicher sein wird, der Tod kratzt buchstäblich schon an ihrer Tür. Mit ihren letzten Reserven malt sie in letztes Bild.


Operation Endzeit von Helge Lange

In seiner Kurzgeschichte Operation Endzeit entwirft Helge Lange eine spannende Vision der Apokalypse, die von Zombies, und menschlicher Gier geprägt ist. Bertram Dahlfels hat sich mit einem älteren Ehepaar auf einem abgelegenen Hof nahe des Bodensees ein vergleichsweise sicheres Refugium geschaffen. Die Lage des Hofs scheint ideal, abgelegen genug, um weder den Untoten noch plündernden Menschen zu begegnen, und doch gefährlich nah an der Zone des „Niemandslandes“, in der auf alles geschossen wird, was sich bewegt.

Auf einer seiner Erkundungstouren gerät Bertram in große Gefahr, als er von nicht gekennzeichneten Hubschraubern verfolgt und beschossen wird. Nur mit Glück und der Hilfe einer schwer bewaffneten Gruppe überlebt er. Von ihnen erfährt Bertram, das es im Rest der Welt schon Menschen gibt die nur auf den Moment warten in dem Deutschland entvölkert ist, denn ein Staatsgebiet ohne Bevölkerung kann annektiert werden, und manche beschleunigen diesen Zustand skrupellos.

Lange gelingt es eindrucksvoll, Spannung mit Gesellschaftskritik zu verbinden. Die Geschichte zeigt, dass selbst in einer Welt, die von Zombies verwüstet wurde, die menschliche Gier das wahre Übel bleibt. Besonders positiv fiel mir auf, dass die Geschichte nicht ausschließlich düster ist: Die Gruppe, der Bertram begegnet, ist tatsächlich nett, ein wohltuender Gegensatz zu vielen anderen Endzeitgeschichten, in denen Misstrauen und Verrat dominieren.

Operation Endzeit ist eine kurze, aber wirkungsvolle Erzählung, die neben Action und Atmosphäre auch zum Nachdenken über Macht, Moral und Menschlichkeit anregt.

Pandora von Antonia Dorah

Clara hat es geschafft: Sie befindet sich in einem Flüchtlingslager und wartet auf einen Transport, weg von der Apokalypse, weg von den Zombies. Doch sie hat alle verloren, die ihr jemals etwas bedeutet haben. Aus diesem Grund greift Clara zu drastischen Mitteln, um den Rest der Welt auf die Zustände und das Leid der Überlebenden in Deutschland aufmerksam zu machen, denn Hilfe von denen, die in Sicherheit leben, ist kaum zu erwarten. Der Titel der Geschichte verrät bereits, worum es geht, doch die entscheidende Frage bleibt: Zieht Clara ihren Plan wirklich durch?

Das untote Theater von Manuel Zerwas

Eine meiner Lieblingsgeschichten, ganz einfach deshalb, weil der Protagonist im Laufe der Handlung seine Liebe zum Lesen entdeckt. Aber von vorn: Zu Beginn der Apokalypse verschanzt sich der namenlose Mann in seiner Wohnung. Er hat sich ganz gut eingerichtet, Lebensmittel und Wasser reichen für die erste Zeit. Doch irgendwann regiert die Langeweile. Als der Strom ausfällt und Internet sowie Streamingdienste die Zeit nicht mehr füllen, greift er zu einem der wenigen Bücher und damit ist sein Hunger geweckt. Um an neue „Nahrung“ zu kommen, nimmt er sogar Risiken auf sich. Und ich verstehe ihn so gut, sage ich doch immer, dass ich im Fall einer Apokalypse wenigstens gegen Langeweile gut gerüstet bin.

Lauf oder stirb von Lucy Pretsch


Die titelgebende Story führt uns in die dunkle Welt der Superreichen, die selbst in der Apokalypse nicht auf ihre Belustigung verzichten wollen. Die Grundidee ist nicht ganz neu: Wehrlose Menschen werden gefangengenommen und müssen um ihr Leben laufen. Hier trifft es Wanda, sie wird entführt und findet sich plötzlich in einem Wettlauf wieder, der nur der Unterhaltung einiger Reicher dient. Ihr Ziel ist einfach "Lauf oder stirb",  denn hinter ihr lauert eine Horde Zombies.

In dieser verzweifelten Lage trifft sie Ruby, die einst zu den Reichen gehörte, aber verstoßen wurde, weil sie die Annäherungen eines mächtigen Mannes ablehnte. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine unerwartete Verbindung. Gemeinsam kämpfen sie ums Überleben und schmieden einen Plan, um sich an denen zu rächen, die sie in dieses grausame Spiel gezwungen haben.




Der blutrote Baron von Till Kunze

Wieder einmal eine etwas längere Story. Der Maler Landor lebt zurückgezogen und malt auch während der Apokalypse. Seine Bilder sollen ein Licht in der Dunkelheit sein, und manchmal kommen andere Überlebende, um sie anzusehen oder eines gegen Vorräte zu tauschen. Eines Tages taucht ein Mann auf, der ihn einlädt, seinen Boss zu besuchen. Entgegen seines Bauchgefühls stimmt Landor zu und trifft auf einen Mann, der mit einem perfiden Plan die Elite der Menschheit ausfiltern will, um nach der Apokalypse eine neue Weltordnung zu schaffen. Was genau auf dem Anwesen des „blutroten Barons“ geschieht, verrate ich euch natürlich nicht. Nur so viel: Landor gelingt die Flucht,und er schafft es wieder zu seinem Zuhause, dort kann er eine Warnung an nachfolgende verfassen.

Der Galerist oder Ein ganz normaler Tag in der Apokalypse von Janika Rehak

Der Beginn dieser Geschichte beschreibt eine idyllische Landschaft in der Heide, Birken, Eiben, sandige Böden und den Sonnenaufgang. Doch die Idylle trügt, denn selbst hier trifft man auf Zombies. Der Erzähler blickt auf sein früheres Leben zurück, erinnert sich an Ausflüge mit seiner Familie, an eine Kutschfahrt zu den Heidschnucken, die seine Nichte Leonie stets einfach „Schafe“ nannte. Diese Erinnerung berührt ihn tief, denn nun ist es still geworden in der Heide, die Heidschnucken sind verstummt und Leonies Schicksal ist ungewiss.
So lebt er mit seiner Frau Jule allein im abgelegenen Haus und denkt an die leichteren Tage zurück, an den Pianisten Josh Maibach, dem er beim Joggen begegnet war (Tipp: In den Novellen Elegie und Elegie 2 erfahrt ihr mehr über Maibachs Schicksal in der Apokalypse). Der Protagonist ist Maler, und erst als sein eigenes Ende absehbar wird, findet er die Kraft, wieder zu seiner Kunst zurückzukehren.
Mich hat diese Geschichte sehr bewegt sie ist still, poetisch und traurig zugleich. Sie erzählt weniger vom Überleben als vom Erinnern, von dem, was bleibt, wenn alles andere verloren ist.

Kuckuck und Küken von Robert Boehm


Mit dieser Geschichte hatte ich wirklich ein Problem, und das im besten Sinne. Wotan, der Hauptprotagonist, ist alles andere als sympathisch: skrupellos, brutal und ohne Gewissen. Das Zwillingspaar Adrian und Ulrika wirkt dagegen hoffnungsvoll und optimistisch, hat sich im Moor in einem Museum eingerichtet, mit Solarstrom und Vorräten, doch ganz unschuldig sind auch sie nicht.

Ich mochte keine der Figuren und fand die Geschichte trotzdem stark. Sie regt zum Nachdenken über Moral und Menschlichkeit an und endet offen, genau richtig für eine Story, die mich bis zum Schluss innerlich hin- und herriss.

Mama von Joshua Friedrichs


Diese Story war für mich anfangs wirklich schwer zu greifen. Wer erzählt hier eigentlich, und was ist zuvor passiert? Im Mittelpunkt steht Wilhelm, scheinbar ein Kind, das schon mehrere „Mamas“ hatte, die sein Vater ihm gebracht hat, um sich um ihn zu kümmern. Im Verlauf stellt sich jedoch heraus, dass Wilhelm ein Erwachsener im Körper eines Kindes ist.

Abwechselnd lesen wir aus seiner Sicht und aus der Perspektive von Mama Nr. 4, die Wilhelm über die Zeit immer mehr ins Herz schließt und alles tun würde, um ihn zu beschützen. Die ganze Geschichte hat sich mir erst am Schluss wirklich erschlossen  und im Rückblick finde ich sie interessant und sie ist auf jeden Fall ungewöhnlich erzählt.

Hugo von Carolin  und Oliver Gmyrek

Hugo verlässt eines Tages ohne ein Wort sein Büro, keine Erklärung, kein Abschied, nur der entschlossene Schritt aus einer Welt, die ihm längst fremd geworden scheint. Er flieht aus einem Alltag, der wohl nur noch aus Routinen, Erwartungen und unausgesprochenem Druck besteht. Zuflucht findet er auf dem Hof von Otto, der ihm eine einfache Hütte überlässt und ihm den Namen Hugo gibt, denn dieser spricht nicht und irgendwie muss er ihn ansprechen. Dort führt Hugo ein einfaches Leben und versorgt im Gegenzug Ottos Ziegen.

Besuch erhält er selten, nur Otto kommt manchmal vorbei um nach dem Rechten zu sehen, als sein Besuch ausbleibt macht sich Hugo auf dem Weg zu seinem Hof und findet dort eine vollkommen veränderte Welt vor. Eine von Zombies verseuchte Welt.

Diese Story hat für mich eine klare Botschaft und die versuche ich mal in Worte zu fassen.

Hugo muss erkennen das sich grundsätzlich nichts geändert hat, in den 20 Jahren in denen er sich aus der Welt zurück gezogen hat.

Zombies funktionieren wie die Lebenden vor der Apokalypse, sie jagen nur anderen Dingen hinterher als früher. Was einst Anerkennung, Karriere oder Besitz war, ist nun zur „Jagd nach Fleisch“ geworden ein treffendes Bild für eine Gesellschaft, die ständig konsumiert, ohne innezuhalten und zu fragen, wozu das alles eigentlich gut ist.

Friedland von Marko Richter-Höfer

Diese Geschichte hat mich wütend gemacht, keine Angst nicht wegen der Geschichte an sich sondern weil das was in ihr  geschieht so nah an unserer Realität ist, in der religiöser Fanatismus Menschen dazu treibt im Namen Gottes die schrecklichsten Verbrechen zu begehen und sie sind so verblendet das sie tatsächlich davon überzeugt sind das richtige zu tun. Aber jetzt erst mal kurz zur Story. FRIEDLAND ist ein Ort an dem sich Überlebende der Apokalypse sammeln, hier leben sie in einer friedlichen Gemeinschaft, angeführt vom charismatischen Henrik. Hier darf leben wer sich einbringt in die Gesellschaft. Tim und Vanessa haben den Wunsch auch dort zu leben und das Beste für die Menschheit zu tun, dessen sie fähig sind. 
Lasst euch von dieser Story überraschen, ich habe sie geliebt trotz meiner einleitenden Worte.

Eine Weihnachtsgeschichte von Vincent Voss

Die Story fängt harmlos an, Sabine und Tina, backen Weihnachtsplätzchen, die Kinder naschen Teig und toben auf dem Hof, ein Vogel mit einem Kaninchen im Schnabel ist am Himmel zu sehen, die Männer sorgen für die Sicherheit ihrer Frauen, die sich um Haus und Kinder kümmern. Und sie stellen sicher das nur die "richtigen" Menschen vielleicht später die HEIMAT wieder aufbauen. Und auch hier sind wir wieder erschreckend nah an der Realität, was die Gesinnung dieser Überlebenden angeht. Ob die Weihnachtstage aber wirklich so besinnlich werden?
Das Ende ist ein bisschen gemein.

Alle Geschichten eint, das sie mich sehr gut unterhalten haben sie zeigen die Zombieapokalypse nicht nur als Horror , sondern als Spiegel unserer Gesellschaft.
Die Autor*innen zeigen eindrucksvoll, wie Gier, Fanatismus und Konsum auch nach dem Zusammenbruch weiterwirken-
Gleichzeitig leuchten Momente von Solidarität, Kunst und Menschlichkeit auf, wie in den poetischen Erinnerungen oder der neu entdeckten Liebe zum Lesen.

Ein starker Band für Fans von Endzeitgeschichten mit Tiefgang: Er unterhält, regt zum Nachdenken an und lässt manchmal hoffen, dass nicht alles verloren ist.


Herausgeberin: Carolin Gmyrek
264 Seiten Taschenbuch oder E-Book
ISBN 9783958694545

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