Mittwoch, 22. April 2026

Spielverderberin von Marie Menke

 


Der Roman beginnt an einem Sommertag im Süthland, wo sich die Jugendfreundinnen Sophie und Lotte, die sich seit Kindertagen kennen, mit Romy treffen. Mit ihr sind sie seit der Oberstufe befreundet. Romy, die aus der Großstadt ins Dorf kam, ist ganz anders als Sophie und Lotte. Sie wirkt freier und unabhängiger, vielleicht auch rebellischer. Vor allem aber langweilt sie sich, im Gegensatz zu ihren Freundinnen, die kaum etwas anderes kennen als das Leben in der Bauerschaft.

Nach dem Abitur gehen die drei unterschiedliche Wege: Sophie studiert Lehramt in Köln und möchte mit Romy eine WG gründen, während Lotte im Dorf bleibt. Schon früh wird deutlich, dass es in der gemeinsamen Vergangenheit ein einschneidendes Erlebnis gegeben haben muss.

Bei dieser Dreierkonstellation hatte ich immer das Gefühl: Drei sind eine zu viel, auch wenn Marie Menke das nicht ausdrücklich sagt. Besonders zwischen Romy und Lotte scheint es eine Nähe zu geben, die Sophie manchmal ausschließt. Das zeigt sich in kleinen Szenen, etwa wenn Romy und Lotte im Unterricht nebeneinandersitzen und Sophie hinter ihnen.

Die Autorin erzählt die Geschichte abwechselnd aus der Gegenwart und aus früheren Zeiten. Ich mag solche Erzählweisen sehr, auch wenn die Wechsel hier stellenweise recht schnell erfolgen. In der Gegenwart lebt Sophie in Köln, studiert und ist mit Milan aus Berlin zusammen. Von Romy fehlt jede Spur, nur im Internet taucht sie noch auf und berichtet von ihren Reisen. Gleichzeitig gibt es immer wieder Hinweise darauf, dass zwischen den Freundinnen etwas zerbrochen ist. Auch Lotte wirkt verändert. Die Schrauben in ihrem Kopf zeichnen sich wie kleine Hörner unter ihrer Stirn ab.

In den Rückblicken wird die Entwicklung der Freundschaft deutlicher. Man merkt, wie sehr sich die Beziehungen verschieben, sobald eine der drei fehlt. Lotte wirkt schon früh instabil und ist noch vor dem Abitur in einer Klinik. Eigentlich möchte sie Psychologie studieren, bleibt dann aber doch im Dorf. Sophie steht zwischen zwei Möglichkeiten: einer Ausbildung in der örtlichen Nussfabrik oder einem Studium. Das eine verspricht Sicherheit, vielleicht ein späteres Leben mit Familie und Haus im Dorf, das andere ein offeneres Leben.

Ich mochte die Art, wie die Autorin schreibt. Schon auf den ersten Seiten hatte ich die Gerüche in der Nase, die Bilder im Kopf und das Gefühl, dass der Sommer scheinbar nie zu Ende geht. Die Geschichte führt langsam zu dem Ereignis hin, das unausgesprochen zwischen den Frauen steht.

Trotzdem blieb ich als Leserin auf Distanz, ich konnte mich mit keiner der Frauen identifizieren, sie blieben mir fremd. Vielleicht gehöre ich einfach nicht zur Zielgruppe. 



  • Herausgeber ‏ : ‎ Kiepenheuer&Witsch
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 12. Februar 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 224 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462008730
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462008739

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