Montag, 1. September 2025

Die Bibliothek meines Großvaters


Kaede, eine junge Lehrerin aus Tokio, stößt eines Tages auf seltsame Zeitungsausschnitte, die in einem gebrauchten Buch stecken. Ein Rätsel! Sie muss sofort an ihren Großvater denken, der trotz seiner Demenzerkrankung über eine unglaubliche Kombinationsgabe verfügt. Außerdem weist er ein enormes Wissen auf, wenn es um die großen Klassiker der Kriminalliteratur geht. Gemeinsam lassen die beiden ihrer Fantasie freien Lauf und lösen so meisterhaft allerlei kleine und große Rätsel, auf die Kaede in ihrem Alltag stößt. Doch plötzlich nähert sich Kaede ein bedrohlicher Schatten, der die beiden auf eine harte Probe stellt. Kann ihre gemeinsame Liebe zur Literatur sie retten?


Kaede ist Grundschullehrerin und besucht regelmäßig ihren Großvater, einem ehemaligen Grundschuldirektor, der an einer seltenen Art von Demenz erkrankt ist, der Lewy-Körperchen-Demenz. Diese Krankheit macht es ihm schwer, den Alltag immer zu verstehen. Manche Tage sind klarer, an anderen Tagen wirkt er verwirrt. Manchmal sieht er Dinge, die gar nicht da sind, und auch seine Muskeln sind nicht immer so beweglich wie früher. Sie verbindet die gemeinsame Liebe zur Kriminalliteratur, besonders zu den Klassikern von Ellery Queen, Agatha Christie und John Dickson Carr, die im Buch auch in den Werken von Takeshi Setogawa erwähnt werden. Kaede erwirbt online eines seiner Bücher und findet darin Zeitungsausschnitte mit Nachrufen auf den Autor. Sie rätselt, warum diese ihr mit dem Buch zugeschickt wurden. Gemeinsam mit ihrem Großvater versucht sie, eine Antwort zu finden.
Es folgen weitere Rätsel in Form von Kriminalfällen, die beide gemeinsam lösen. Kaedes Großvater hat in seinen lichten Momenten nichts von seinem brillanten Verstand eingebüßt. Da ist der Mord in einer Kneipe an einem Mann, den vorher niemand dort bemerkt hat und der plötzlich tot auf der Herrentoilette lag. Oder die 33. Person im Klassenzimmer von Kaede, die gar nicht dort sein dürfte. Dann wird Kaedes Kollege Iwata des Mordes bezichtigt, und Kaede hat einen Stalker.
Gefallen hat mir an dem Buch die Art und Weise, wie der Autor mit dem Thema Demenz umgeht. Sensibel und feinfühlig beschreibt er die Verfassung des ehemaligen Grundschuldirektors und die liebevolle Art, wie Kaede mit ihm und seiner Erkrankung umgeht. "Es ist also überaus wichtig, dass Sie Ihren Angehörigen mit Sanftmut und Verständnis begegnen, ...“ (S. 16). Das ist sicherlich sehr schwierig und erfordert sehr viel Geduld und Liebe. Ich mochte auch den Schreibstil des Autors. Da ist sicherlich dem Übersetzer, Peter Aichinger-Fankhauser, ein großer Dank geschuldet. Leider fehlte mir aber über große Teile des Buchs eine Art roter Faden und etwas, das mir die Protagonisten nahebringen konnte. Ich kann das schlecht in Worte fassen. Die Story plätschert von einem Rätsel zum nächsten, bis sie gegen Ende dann doch noch recht spannend wird, nur leider für meinen Geschmack etwas spät.

Fazit:
Das Buch zeigt einfühlsam die Herausforderungen der Lewy-Körperchen-Demenz und die enge Beziehung zwischen Kaede und ihrem Großvater. Die Kriminalfälle sorgen für Abwechslung, doch der Handlungsbogen bleibt lose. Aufgrund des Klappentexts hatte ich mehr Spannung erwartet. Die Geschichte baut Spannung erst spät auf, was sie für mich stellenweise zäh machte. Insgesamt eine interessante Mischung aus Familiengeschichte und Krimi, aber nicht ganz mein Geschmack.


  • Herausgeber ‏ : ‎ KiWi-Paperback
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 14. August 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 336 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462011723
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462011722
  • Originaltitel ‏ : ‎ MEITANTEI NO MAMA DE ITE Vol. 1

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