Mittwoch, 9. Oktober 2024

Die vergessenen Kinder von Emily Gunnis

 

Klappentext: Sussex 1985: Holly Moore führt ein trostloses Leben im düsteren Waisenhaus Morgate. Für ein wenig Zuneigung würde die einsame Teenagerin alles tun. Als sie einem jungen Mann begegnet, der sich aufrichtig um sie zu sorgen scheint, keimt Hoffnung in ihr auf.

2015: Jo Hamilton blickt auf eine lange Karriere bei der Polizei zurück. Als die Leiche eines jungen Mädchens entdeckt wird, holt sie ein Cold Case wieder ein, der sie nie losgelassen hat: Handelt es sich bei dem Fund um Holly Moore, die damals spurlos verschwunden ist? Und was ist mit dem anderen Mädchen aus dem Waisenhaus, dessen Tod ebenfalls nicht aufgeklärt wurde? Im Zuge der Ermittlungen wird Jo klar, dass sie sich der furchtbaren Schuld stellen muss, die sie damals auf sich geladen hat.


Ich hatte zwar schon von Emily Gunnis gehört, aber bisher noch nichts von ihr gelesen. "Die vergessenen Kinder" hat mich jedoch sofort durch sein ansprechendes Cover und den vielversprechenden Klappentext angesprochen. Die Geschichte dreht sich um Jo Hamilton, eine Polizistin, die kurz vor ihrer Pensionierung nach 40 Jahren im Dienst steht. Nur noch fünf Tage bleiben ihr, bis sie in den wohlverdienten Ruhestand geht, als ein Leichenfund sie an den Beginn ihrer Laufbahn zurückführt.Jo hat all die Jahre nie vergessen, dass sie Holly und Daisy damals ins Waisenhaus gebracht hat, und sie ist nie darüber hinweggekommen, dass Holly spurlos verschwand. Jo beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, gegen den Widerstand ihre direkten Vorgesetzten Carl, der sie aus dem Fall und aus dem Revier drängen will.


Jo wird als Anfängerin zu einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt gerufen, der in einer Katastrophe endet. In diesem Vorfall kommen die Eltern von Holly und Daisy Moore ums Leben, und Jo bringt die beiden Mädchen ins Morgate House, ein Waisenhaus, in dem die Kinder unter der strengen Hand der Betreiber leiden.


Nach Holly verschwinden schien es, als würde niemand ernsthaft ermitteln, ebenso wenig wie in Gemmas Fall, die ebenfalls in Morgate House lebte , deren Tod als Selbstmord abgetan wurde. Emily Gunnis erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und spannt einen Bogen bis ins Jahr 1944, als Jos Mutter Olive als Meldefahrerin für das Militär tätig war und sich in den Kanadier Samuel verliebte. Auch Olives Geschichte wird erzählt, ebenso wie die von Holly und ihrer Schwester Daisy sowie Jo und Gemma. Durch Rückblenden fügen sich die Ereignisse allmählich zu einem klareren Bild zusammen.


Leider hatte ich recht schnell einen Verdacht, wer hinter Hollys Mord und dem vermeintlichen Selbstmord steckt. Die Autorin vermittelt eindrucksvoll die Verhältnisse bei der Polizei zu einer Zeit, als es noch ungewöhnlich war, dass Frauen im Polizeidienst theoretisch die gleichen Rechte und Pflichten hatten. Auch das Leben der Kinder in Waisenhäusern wird eindringlich dargestellt; sie wurden oft abgeschoben und vergessen und waren Erwachsenen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.


Fazit:Emily Gunnis’ „Die vergessenen Kinder“ überzeugt mit einer vielschichtigen Handlung und einer eindringlichen Darstellung von Missständen in Waisenhäusern und der damaligen Polizeiarbeit. Die verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven fügen sich gekonnt zu einem Gesamtbild zusammen, auch wenn sich die Auflösung des Falls teilweise früh erahnen lässt. Die emotional packende Geschichte bleibt durchweg spannend und berührt mit ihren starken Charakteren und der Auseinandersetzung mit vergangenen Schuldgefühlen.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag (11. September 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 448 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453274962
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453274969
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Girls Left Behind

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