Fangen wir mal ganz harmlos an.
Stell dich doch den Leserinnen und Lesern, die dich noch nicht kennen, einmal vor.
Und das soll harmlos sein?
Ja😆
Nichts ist langweiliger als über mich selber zu schreiben *Lach*
Nur für dich, ich finde es interessant.
Mein Name ist Thomas Williams und ich bin als Horrorautor in vielen Anthologien mit Kurzgeschichten vertreten, habe aber auch Kurzromane, ein Hörspiel für die Horrorpunkband The Other und inzwischen ein paar Heftromane für die Serien Gespenster Krimi und John Sinclair von Bastei geschrieben. Meine Geschichten sind für eine Mischung aus überspitzten Charakteren, etwas Splatter und Humor bekannt. Ich bin ein großer Fan von Comics, welche schon sehr früh eine große Inspiration für mich waren. Tatsächlich hatte ich zeichnen wollen, aber ohne Talent dafür begann ich zu schreiben.
Und jetzt geht es los.
Mein Name ist Thomas Williams und ich bin als Horrorautor in vielen Anthologien mit Kurzgeschichten vertreten, habe aber auch Kurzromane, ein Hörspiel für die Horrorpunkband The Other und inzwischen ein paar Heftromane für die Serien Gespenster Krimi und John Sinclair von Bastei geschrieben. Meine Geschichten sind für eine Mischung aus überspitzten Charakteren, etwas Splatter und Humor bekannt. Ich bin ein großer Fan von Comics, welche schon sehr früh eine große Inspiration für mich waren. Tatsächlich hatte ich zeichnen wollen, aber ohne Talent dafür begann ich zu schreiben.
Und jetzt geht es los.
1.Du schreibst im Horrorgenre, wie kommt jemand aus Bielefeld denn darauf, so schlimm ist es da ja nicht?
Dann geh hier mal am Samstagnachmittag in die Innenstadt … Aber es ist tatsächlich nicht der Ort, der mich dazu bringt und Bielefeld ist auch nur meine Wahlheimatstadt. Geboren wurde ich in Bad Oeynhausen. Ein kleiner Kurort, der nicht weit von hier entfernt liegt und wo es nicht viel zu sehen gibt. Wie oben schon erwähnt bin ich früh ein Fan von Comics gewesen. Die sind einfach interessanter als Kurgäste in Badeschlappen. Genau wie Filme über Monster, die ich am Sonntagnachmittag gesuchtet habe, statt in der Sonne zu spielen. Solche von Ray Harryhausen oder über Godzilla. Ich habe mir damals womöglich eine eigene Welt gesucht, in der ich immer wieder versinken und mit all den Dingen spielen kann, die ich mag. Und die zu groß für mein Kinderzimmer waren.
Also ich mochte Bielefeld und es gibt doch bestimmt noch immer genügend Baustellen die man sich auch am Sonntag ansehen kann und in Bad Oeynhausen wurden als ich dort gearbeitet habe die Badelatschen gegen Tanzschuhe getauscht, zieh mal in ein schwäbisches Dorf, dann würde der Ort dich vielleicht doch inspirieren. 😂
2. Welche Schullektüre hast du am meisten geliebt oder gehasst?
Gemocht habe ich keine, wenn ich mich recht erinnere. Aber ich weiß noch, dass meine Mitschülerinnen Stephen King gelesen haben und ich damals schon ein Fan von der Serie John Sinclair war. Damals gab es hierzulande entweder King oder Koontz in den Buchläden. Die waren mir zu langatmig. Ich habe außerdem ungerne gelesen und die John Sinclair Hefte sprachen mich mit ihren wenigen Seiten, den reißerischen Titeln und Titelbildern total an. Mein Taschengeld muss damals komplett für Comics und Romanhefte drauf gegangen sein. Aber ich bereue nichts.
3.Was inspiriert dich am meisten, wenn du an einer neuen Horrorgeschichte arbeitest?
Das ist wirklich schwer zu sagen. Ich lasse die Inspiration immer auf mich zukommen oder suche danach, wenn mich ein Thema interessiert. Aber genau erklären lässt es sich nicht. Es sind Menschen, die ich flüchtig kennenlerne oder sehe, manchmal Dinge, die ich selber erlebe oder über die ich in den Nachrichten lese. Da fährt mein Gehirn schon mal Achterbahn und stellt sich die Frage: „Was wäre wenn …“
4.Wie sieht dein typischer Schreibprozess aus? Hast du feste Rituale oder Gewohnheiten, wenn du schreibst?
Das einzige Ritual ist, dass ich mir immer einen oder zwei Tage Pause gönne, wenn ich eine Geschichte beende. Wenn ich weiß, dass jetzt der letzte Akt folgt, höre ich auf zu schreiben, fahre den Laptop runter und mache etwas anderes. Es ist wie das letzte Mal tief Luft holen, bevor es nochmal in die Vollen geht. Ich habe es auch mal ohne diese Pause probiert, musste das Finale aber komplett neu schreiben, weil es mir nicht gefallen hat.
5.Wie siehst du die Entwicklung des Horrorgenres in den letzten Jahren? Gibt es Trends, die dir besonders auffallen oder die dich stören?
Extremhorror ist sehr angesagt. Handlungen sind oft unwichtig geworden, Hauptsache es wird sich mit Ekelszenen und Gewalt überboten. Früher hat man noch versucht eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen und solche Autor*innen und Filme gibt es auch heute noch, keine Frage. Aber wenn ein Film nach dem anderen damit wirbt, dass in den ersten paar Minuten mehrere Zuschauer das Kino verlassen haben und Bücher aufgrund ihrer expliziten Gewaltdarstellung Warnungen brauchen, empfinde ich das eher als langweilig. Vielleicht liegt es daran, dass man den Leuten immer wieder was Neues und etwas Größeres bieten muss, als beim letzten Mal. Die Fortsetzung muss den Vorgänger stets übertreffen und so ist wohlmöglich mit Horrorgeschichten geworden. Das Internet gibt uns zudem die Möglichkeit damit zu werben, dass es diesen „schrecklichen“ Film oder das Buch gibt. Die Zuschauer und Leser können posten, dass sie sich fast übergeben oder drüber gelacht haben. Ich glaube dieser ganze Wettkampf um das nächste große Ding dient oft nur der Aufmerksamkeit. Jetzt darf man mir gerne vorwerfen, dass ich mich selber als Splatterpunk bezeichne, ich schreibe jedoch nie blutige Szenen der Gewalt wegen. In meinen eigenen Werken und in solchen, die ich mir ansehe, sollten die Handlung und die Figuren im Vordergrund stehen. Wenn ich es für weniger passend erachte, bleibt die Axt auch schon mal im Schrank. Ich lese gerne harte Geschichten, wenn es nicht nur zehn Seiten einer Folterszene sind. Aber das ist nun mal ein angesagter Trend. Wer ihn mag, soll ihn genießen. Als jemand, der fast pausenlos Horror konsumiert weiß ich, dass nicht jeder nach einem Horrorfilm losrennt und mordet. Horrorfans- und autor*innen gehören meistens zu den nettesten Menschen überhaupt. Aber verrate das keinem. Wir haben einen Ruf zu verlieren.
Du hast meine Gedanken dazu auf den Punkt gebracht. Im besten Fall ist eine sinnlose Aneinanderreihung von Gewalt und Ekel nur langweilig.
6. An welchem Projekt arbeitest du derzeit, und was kannst du uns darüber verraten?
Ich schreibe wieder einen John Sinclair Roman und überarbeite noch ein paar Szenen, bevor er an den Verlag geht. Es hat etwas länger gedauert als geplant, doch lieber nehme ich mir die Zeit und liefere die bestmögliche Geschichte, als eine Geschichte nach der anderen einzureichen, nur der Veröffentlichung wegen. Diese Geschichte ist typisch ich. Sehr düster und sehr verrückt. Es ist eine Thomas Williams Geschichte, in der John Sinclair ermittelt. Jason Dark persönlich war von einer Fangeschichte von mir so begeistert, dass er sich dafür aussprach, ich sollte doch John Sinclair Roman schreiben. Das ist für mich als langjähriger Fan die größte Ehre als Autor gewesen und ich gehe mit sehr viel Respekt an die Sache heran. John handelt wie ich ihn kenne und vergleichsweise sind meine Romane für diese Serie bodenständig. Aber es ist trotzdem meine Geschichte und so soll es sich auch anfühlen.
7. Du bist auf dem BuCon und hast da auch eine Lesung, wie wichtig sind Messen für dich?
Ich liebe den BuCon und die Marburg Con. Die sind sehr klein und familiär. Man kennt so viele Leute mit der gleichen Leidenschaft, kann tolle Lesungen und Panels besuchen. Es ist immer wieder ein Riesenspaß. Oft helfen Messen, um Kontakte zu knüpfen. Das passiert manchmal ganz unerwartet. Du kommst mit wem ins Gespräch und plötzlich bist du in der nächsten Anthologie dabei oder kannst ein Exposé beim Verlag einreichen. Die großen Messen in Frankfurt oder Leipzig meide ich inzwischen lieber, weil es mir zu voll ist. So gerne ich die Stände der kleineren Verlage besuchen und manche Menschen mal persönlich treffen möchte, das ist mir dann doch zu voll. Bei den beiden genannten Veranstaltungen hat man genug Zeit zum Quatschen, ob nun mit Verlagsleuten, Autor*innen oder Leser*innen. Man trifft sich am Stand, beim Essen, bei Lesungen, im Getümmel. Es wird einfach nie langweilig.
Thomas liest um 13 Uhr für den Leseratten Verlag im Basement
8.Wie unterscheidet sich der Schreibprozess für Heftromane im Vergleich zu anderen Werken, und welche Herausforderungen siehst du dabei?
Es kommt drauf an, wofür ich schreibe. Ein John Sinclair Roman muss natürlich in diese Serie passen. Da kann ich nicht ein Monster London in Schutt und Asche legen lassen und dann zum nächsten Autor sagen: „Viel Spaß beim Aufräumen.“ Man muss sich an dem Kanon orientieren, was bei über 2000 Heften natürlich oft schwer ist. Irgendein Fan weiß immer was in Nummer 577 oder 34 passiert ist und weswegen ich mich als Autor vertan habe. Das ist nicht böse gemeint, aber bei einer Serie, die seit über 50 Jahren passiert, kann ich nicht alles nachforschen. Beim Gespenster Krimi ist es ähnlich wie bei Kleinverlagen. Ich habe sehr viel Freiheit. Das merkt man meinen bisherigen drei Geschichten in der Reihe sicher an. Um ehrlich zu sein hatte ich jedes Mal mit einer Absage vom Verlag gerechnet. Aber das ist das Tolle an dieser Serie. Die Abwechslung. Es geht düster, mystisch, lustig oder wie in einem Krimi mit Horrorelementen zu. Inzwischen arbeite ich an meinem sechsten Heftroman und es fühlt sich immer wieder total unwirklich an, weil ich seit meiner Kindheit davon geträumt habe.
Und noch eine Bonusfrage, für deren Beantwortung es vielleicht einen Keks auf dem BuCon gibt.
Wenn du eine deiner Horrorkreaturen als Nachbarn hättest, wie würdest du versuchen, mit ihm auszukommen?
Ich könnte mir vorstellen, dass wir wegen meiner Leidenschaft für Horror gute Freunde werden oder die Kreatur gerade deswegen genervt von mir ist und mir lieber aus dem Weg geht. Stell dir vor, du bist der Schrecken vom Amazonas, hast in mehreren Filmen Menschen Angst eingejagt, willst das alles nun endlich hinter dir lassen und ein ruhiges Leben in Bielefeld verbringen. So als Fischmensch mit Hemd und Krawatte, damit dich niemand erkennt, aber dann steht da dieser Nerd vor dir, mit heruntergeklappter Kinnlade und diesem Leuchten in den Augen. Ich bin kein aufdringlicher Mensch und wenn es mit einer Person nicht funktioniert, ist das für mich auch okay … Aber verdammte Hacke, der Schrecken vom Amazonas oder Dracula als Nachbar? Das wäre schon extrem cool.
Da werde ich wohl Kekse backen. Ich freue mich sehr das du meine Fragen so ausführlich beantwortet hast und freue mich sehr darauf dich auf dem BuCon zu treffen.

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