Mittwoch, 16. Oktober 2024

Die Schatten von Prag: Kischs erster Fall von Martin Becker (Autor), Tabea Soergel (Autorin)

 

Klappentext:Prag 1910. Kisch ermittelt in seinem ersten Fall

Prag ist in Aufruhr. Der Weltuntergang steht bevor. Im Mai 1910 soll die Erde den Schweif des Halley‘schen Kometen kreuzen – ein jeder blickt zum Himmel, und die Verbrecher auf Erden haben leichtes Spiel. Egon Erwin Kisch, berühmt-berüchtigter Reporter der »Bohemia«, ermittelt auf eigene Faust in seinem ersten Fall. Er lässt sich sogar als Schwerverbrecher ins Gefängnis sperren, um mit dem Kopf der Prager Unterwelt Portwein zu trinken. Zum Glück bekommt Kisch Hilfe: Vom tschechischen Zöllner Novák, der sich mit Panikattacken herumschlägt, dem schüchternen Sonderling Brodesser und natürlich von seiner kongenialen Partnerin Lenka Weißbach, eigentlich Medizinstudentin, die sich fürs Böse interessiert und wie ihr Kumpel Kisch in den engen Gassen von Prag zu Hause ist. – Der furiose Auftakt einer neuen Krimi-Serie um Egon Erwin Kisch und Lenka Weißbach als Ermittlerduo.

Rezension: Eine Serie von Selbstmorden erschüttert Prag. Alle Opfer haben Gift getrunken. Doch Kisch, Journalist bei der Bohemia, glaubt nicht an eine einfache Erklärung. Kisch, der seine Nächte in den Kneipen und Cafés der Stadt verbringt und stets auf der Jagd nach der nächsten großen Story ist, beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei bekommt er Unterstützung von seiner Freundin Lenka, die nach einem Aufenthalt in Berlin widerwillig nach Prag zurückgekehrt ist, um ihre demenzkranke Mutter zu pflegen. Die ehemalige Medizinstudentin, die für eine Frauenzeitung arbeitet und psychologische Profile von Leserbriefschreibern erstellt, vermisst die Freiheiten der Großstadt, steht Kisch jedoch treu zur Seite.

Als Kischs väterlicher Freund Graeff einem Mordanschlag zum Opfer fällt kurz bevor er Kisch wichtige Informationen zu den Hintergründen der jüngsten Ereignisse geben kann, überschlagen sich die Ereignisse, und die beiden geraten immer tiefer in das Netz der Prager Unterwelt.

"Die Schatten von Prag", der erste Band einer geplanten Krimireihe, führt uns auf spannende Weise in das Prag des Jahres 1910. Die Protagonisten, allen voran der charismatische Reporter Kisch und die entschlossene Lenka, werden stimmungsvoll eingeführt. Dabei gelingt es den Autoren Tabea Soergel und Martin Becker , die Stadt und ihre Bewohner lebendig darzustellen. Besonders faszinierend sind die historischen Konflikte zwischen den tschechischen und deutschen Bevölkerungsgruppen, die in den Straßen Prags spürbar sind. Allerdings hätte eine detailliertere Ausführung zu diesen Spannungen dem Buch noch mehr Tiefgang verleihen können, besonders für Leser, die sich intensiver mit der Geschichte der Region beschäftigen möchten.

Auch der Halley'sche Komet, der über der Stadt schwebt und die Menschen in Aufruhr versetzt, trägt zur besonderen Atmosphäre bei. Während einige Bürger ausgelassene Weltuntergangspartys feiern, bereiten sich andere auf das Schlimmste vor – wie der Zöllner Novák, der ein tiefes Loch in seinem Keller gräbt, um das Ende der Welt entweder zu überleben oder ihm zu entgehen. Diese apokalyptische Stimmung passt perfekt zu der düsteren Krimihandlung.

Zwischen den Kapiteln streuen die Autoren kurze Schlagzeilen zum damaligen Weltgeschehen ein, die das Gefühl für die Zeit verstärken und interessante historische Randnotizen liefern.

Insgesamt ist "Die Schatten von Prag" ein gelungener Auftakt der neuen Krimi-Serie, der nicht nur durch Spannung, sondern auch durch seine lebendige historische Kulisse besticht. Die Kombination aus Krimi und Zeitgeschichte machten das Buch für mich zu einem interessanten Leseerlebnis, auch wenn einige Themen für meinen Geschmack  noch ausführlicher hätten behandelt werden können.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Kanon Verlag Berlin; 1. Edition (16. Oktober 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 312 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3985681244
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3985681242

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