Nach zahlreichen Rückschlägen hat es Fabian Herzog geschafft und zwei sehr erfolgreiche Bücher veröffentlicht, eines davon *Die aufgesaugte Generation* resultierte aus dem vermeintlich unmöglichen Verhalten seiner Tochter Flora und anderen Teenagern, die wie er meint, viel zu viel Zeit mit dem Smartphone verbringen und sich nicht wirklich für das interessieren, was um sie herum geschieht. Die Fridays für Future Demonstrationen hält er für Schuleschwänzen, schließlich haben er und seine Freunde sich auch für die Politik und Umwelt interessiert, aber in ihrer Freizeit.
Fabian kommt nicht wirklich damit klar das seine Tochter sich abnabelt und er erkennt nicht, das ein Großteil ihres Verhaltens durch ihn direkt verursacht wird, seine spitzen Bemerkungen über ihre Handyaktivitäten sind nicht hilfreich um ihr Verhältnis zueinander zu verbessern. Fabian war mir nicht sonderlich sympathisch, ich hatte schon ziemlich schnell ein recht genaues Bild von ihm, als erfolgloser Schriftsteller stand er immer im Schatten seiner erfolgreichen Frau, die für den Unterhalt der Familie sorgt und berufsbedingt selten zu Hause ist, er kümmerte sich seit ihrer Geburt um die gemeinsame Tochter und diese Rolle, als Bezugsperson Nummer 1 ist es, die ihm die Anerkennung und Bestätigung bringt, die ihm beruflich zunächst versagt bleibt. Als das Mädchen langsam in die Pubertät kommt und zu seinem Verdruss von ihrer Mutter ein Handy geschenkt bekommt, schließt sie sich enger an die Mutter, die mehr Verständnis für das pubertierendes Mädchen aufbringt. Nur Fabian fühlt sich unbewusst seiner Lebensaufgabe wohl beraubt.
Die zweite Hauptperson ist Flora, sie schafft es, wie es nur Teenager schaffen ihren Vater immer und immer wieder auf die Palme zu bringen, das gehört zum Erwachsen werden wohl dazu und ich werde nie verstehen was sich die Evolution dabei gedacht hat, diese Zeit für alle Beteiligten so schwierig zu gestalten. Aber so ist es nun mal und als Erwachsene sollte man dem gelassen gegenüberstehen. *Sollte* ist hier das Zauberwort, denn das funktioniert nicht, eine Aktion Floras ließ mich das Kind gedanklich in den Keller sperren und erst wieder herauslassen, wenn sie wirklich erwachsen ist. ;o)
Fabians Reise nach Schilksee ins Jahr 1990 ist ein sehr interessanter Einblick in seine Jugend, dadurch das er sich an die alten Zeiten erinnert, an seine Freunde die er nach dem Abitur aus den Augen verlor und an seine erste große Liebe Juli, bringt er mehr Verständnis für seine Tochter auf, er erkennt, dass sich ihre Ziele und Wünsche gar nicht so sehr voneinander unterscheiden, nur ihre Mittel und ihre Kommunikationsmöglichkeiten sind anders. Sie waren und sind Kinder ihrer Zeit.
Schilksee 1990 hat mir gut gefallen, Arne Ulbricht schreibt authentisch und er weiß, wovon er spricht.
- ISBN-10 : 3948887039
- ISBN-13 : 978-3948887032
- Herausgeber : Edition Outbird (31. August 2020)
- Sprache: : Deutsch

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