Sonntag, 7. Juli 2019

Der europäische Frühling von Kaspar Colling Nielsen

Inhalt: Da kriegt ihr ausnahmsweise mal wieder den Klappentext zu lesen.

Die Insel Lolland ist zum Hort der Glückseligen geworden. Hier regieren Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Menschlichkeit. Intelligente Drohnen haben viele der alltäglichen Arbeiten übernommen. Doch die Idylle hat ihren Preis, und der Eintritt ist nicht jedem gewährt. In den Städten herrscht Anarchie. Probleme werden nicht gelöst, sondern auslagert. Dänemark pachtet in Mozambique eine riesige Landfläche und baut dort für Flüchtlinge und unliebsame Asylanten eine riesige Containerstadt. Am Ende ist die Zukunft auch nur ein Geschäft.

Meine Meinung: Der Klappentext liest sich richtig gut, oder?
Und er wirft Fragen auf, für die ich auf Antworten gehofft hatte. Wie leben die Menschen, die nicht die Mittel haben sich auf Lolland anzusiedeln? Wie gehen die anderen Länder mit ihren Flüchtlingen um, wie reagieren sie auf das von Dänemark ausgelagerte Flüchtlingslager? Das wurde in einem Nebensatz abgehandelt. 

Ich wollte eine anspruchsvolle Dystopie lesen. Das Buch sollte mich zum Nachdenken anregen. Ich wollte über Drohnen lesen, über ihren Nutzen und über die Gefahren die die Technik birgt.

Jetzt beginne ich mit dem positiven: Das Buch beginnt mit einem Dialog, wie sich herausstellt, dem Dialog zwischen Jack einem Hund und Wilhelm einer Elster, die Tiere wurden mittels eines Chips intelligent, sie leben ebenfalls auf Lolland und kommen im Buch immer wieder vor. Es wird erklärt wie es zu dieser Art Tierversuche kam, wie sich diese weiterentwickelten und worin diese Erfindung gipfelt. Das war durchaus interessant beschrieben und gehörte zu den angenehmen Seiten des Buchs.
Diese Tiere sind auch die einzigen Protagonisten denen meine Sympathie gehörte.
Natürlich spielen auch Menschen eine Rolle.
Stig und Elisabeth, er rutschte irgendwann in die Rolle eines Galeristen, nachdem er die Bilder eines todkranken Freundes aus der Punkszene ausstellt und feststellt, das ihm das liegt. Eigentlich wollte er nur den Freund ehren. Stig erinnerte mich an ein Chamäleon, er passt sich seiner Umgebung an und fällt dann nicht weiter auf.
Seine Frau Elisabeth, ist Wissenschaftlerin die eine Stelle im RAID angeboten bekommt, einem Forschungsinstitut das auf Lolland angesiedelt ist.
Sie blieb mir die ganze Zeit über fremd.
Emma ist die magersüchtige Tochter der Beiden, nicht mehr lange und sie hat sich zu Tode gehungert, eines Abends gerät sie in einen Aufstand, bei dem es Verletzte gibt, als sie erste Hilfe leistet wird ihr bewusst, das sie daraus Stärke zieht, es geht ihr besser wenn sie sich um Menschen kümmern kann. Gemeinsam mit ihr macht der Leser einen Abstecher nach Mozambique in das dänische Flüchtlingslager Frederikstad, in das auch Asylanten aus Dänemark abgeschoben werden, die gegen die Gesetze verstießen.Das Lager bietet alles was man zum Leben braucht, Schulen, Geschäfte, Ärzte, Cafes, sogar eine Universität, man könnte fast meinen der Autor fände die Idee gut, aber ob dem so ist, müsst ihr selber lesen, ich kann das nicht richtig einordnen, dafür ist mein Gespür für Untertöne vielleicht nicht genug ausgeprägt.
Bis hierhin, ist der Roman durchaus lesenswert, der Autor hat interessante Ideen, sein Schreibstil ist angenehm und flüssig, was sicherlich auch der Übersetzung geschuldet ist. 

Ich komme zu den Teilen des Buches, die alles kaputt gemacht haben.
Ich weiß nicht was der Autor mit diesen Abschnitten bezweckte, wollte er massive Kritik an der Kunstszene üben oder schrieb er mit dem Gedanken Sex Sells? 
Letzteres wäre ihm gründlich misslungen, ich habe nichts gegen Sex in Büchern, meistens bringt es die Story zwar nicht voran aber die Szenen stören auch nicht. Anders sieht es bei reiner Pornografie aus, wenn ich einen Porno lesen will, kaufe ich einen Porno und nicht "Das wichtigste literarische Werk für unsere Politik seit vielen, vielen Jahren" wie die Frankfurter Rundschau verkündet.
Ich habe teilweise ganze Seiten nur quergelesen. Der Künstler Christian ist ein Pädophiler,da kommt ihm Mia gerade recht, steckt da doch eine Erwachsene in einem Kinderkörper, was er allerdings nicht weiß, das allzeit gut gelaunte Mädchen steht unter der Vormundschaft ihrer Schwester. Christian schreckt nicht davor zurück, die geistig beeinträchtigte Mia von ihrer Schwester zu kaufen um weiterhin Sex mit ihr zu haben und um dem Ganzen noch einen weiteren Kick hinzuzufügen sucht er sich eine willige asiatische Haushaltshilfe. Die Szenen sind schlicht widerlich.


Ich muss mich für andere Plattformen entscheiden wie viele Sterne ich dem Buch gebe. Es werden wohl zwei werden, für den Schreibstil und den dystopischen Teil des Buch.

Eine Leseempfehlung kann ich leider nicht geben.

  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (13. Mai 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 345327170X
  • ISBN-13: 978-3453271708

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