Sonntag, 22. Januar 2017

Elric der Blutrhron von Michael Moorcock

Der erste Band der Neuauflage der Elric Saga ist hier anders als erwartet. Der Mantikore Verlag hat hier nicht nur den ersten Band neu aufgelegt, sondern diesen mit einigen Extras versehen, was ihn zu einem opulenten Werk macht.
Obwohl viele Leser sicherlich die Vorworte und Einleitungen als zu umfassend empfinden werden, sollte man sich die Mühe machen, diese zu lesen, denn sie enthalten viele Zusatzinformationen zu Michael Moorcock, die mir bisher nicht bekannt waren.
Das Buch startet mit einer Einleitung des Verlags, gefolgt von einer Einführung von John Cluse zu Michael Moorcock, bevor dieser dann selbst zu Wort kommt. Danach schreibt Alan Moore über seine Beziehung zu Melnibone, ein Text, der mir persönlich zu abgehoben war, nichtsdestotrotz aber sehr informativ ist und eine eigene Sichtweise auf diese Welt wiederspiegelt.
Wer nun erwartet, dass nun Band eins dieser unvergleichlichen Saga beginnt, hat sich geirrt.
Bevor wir Elric begegnen, wir eröffnet das Buch mit einer Vorgeschichte über Graf Aubec, der im ersten Band der Elric Saga nochmals Erwähnung findet.
Danach folgt das Skript zu einer Graphic Novel und ich muss sagen, diese Skript hat fast dazu geführt, dass ich dieses Buch aufgebe. Ich habe einen Roman erwartet und wollte einen Roman lesen. Der Stil des Graphic Novel eignet sich allerdings nicht für einen Roman. Die Schreibweise war sehr irritierend, man liest hier eher eine Art Drehbuch oder Theaterstück. In Kursiv schreibt der Autor seine Anmerkungen nieder, wie eine Szene später in Bildform auszusehen hat und welche Mienen die handelnden Personen tragen sollen. Das nervt und irritiert. Man sollte aber durchhalten denn die im Skript geschilderten Ereignisse erzählen von dem Kampf um die Nachfolge Sadrics. Kein Kampf mit Schwertern, sondern ein Kampf des Geistes in einer Traumwelt, die der schwächliche Elric mit Bravour (und zum Erstaunen aller) gewinnt. Sein Cousin Yrkoon und ewiger Feind, legt ihm auch in der Traumwelt Steine in den Weg, doch Elric kann allen Fallen entkommen und mächtige Verbündete gewinnen, die ihm in den eigentlichen Roman dann zur Seite stehen. Trotz des nervigen Schreibstil ist es somit doch eine wichtige Ergänzung zu Saga.
Erst dann folgt der eigentliche erste Band der Elric Saga. Verglichen mit der alten Saga bzw. der alten Übersetzung, wurde die Sprache modernisiert, um auch junge Leser für die Serie zu begeistern. Einigen mag das sicherlich gefallen, mir nicht.

Anbei einige Beispiele der kleinen aber feinen Unterscheide in der Sprache.
Zitat neu: Seine Augen öffnen sich ganz
Zitat alt: Er riß die Augen auf
Zitat neu: Und sein Gesichtsausdruck ist immer hämisch, seine Haltung dagegen arrogant
Zitat alt: Und sein Gesichtsausdruck ist immer leicht ironisch, während seine Haltung Arroganz verrät
Zitat neu: Unbedingheit
Zitat alt: Absolutem
Auch die Anrufung Straashas unterscheidet sich sehr in den beiden Fassungen. Da es sich um einen Roman handelt, der in einer epischen Welt spielt, die über viele mittelalterliche Elemente verfügt, passt die alte und poetische Sprache wesentlich besser zu dem Ambiente des Romans. Obwohl Jan Enseling seine Sache gut gemacht hat, erreicht er bei weitem nicht die Eleganz eines Thomas Schlück hier nicht heran.
In der alten und neuen Ausgabe werden die gleichen Illustrationen genutzt, leider wird die Arbeit von J. Cawthorne bei Mantikore nicht gewürdigt, da er im Einband keine Erwähnung findet. Meines Erachtens ein Fauxpas des Verlags.
Alles in allem aber eine durchaus gelungene Neuauflage, die Leser auf die Saga aufmerksam machen wird. Und das ist sicherlich auch Ziel dieses Buches. ich bleibe bei der alten Auflage und werde die schöne, ausdrucksstarke und treffende Sprache genießen. mag sie auch anderen Lesern altmodisch erscheinen.
Das Cover ist sehr gelungen. Man muss ja trotz allem zugeben, dass den Cover der siebziger und achtziger Jahre etwas an Finesse gefehlt hat, die Karten im Inneren sind fast identisch, allerdings wirken sie in der neuen Ausgabe etwas detaillierter.
Das Buch kann direkt beim Verlag bestellt werden.


Titel: Elric, der Blutthron
Reihe: Elric von Melibone
Autor Michael Moorcook
Übersetzung: Jan Enseling
Verlag: Mantikore, TB, 508 Seiten



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