Montag, 9. Februar 2015

Weissglut von Jesper Stein



Klappentext:
Brütende Hitze liegt über Nørrebro, und mit Vizekriminalkommissar Axel Steen geht es immer weiter bergab. Sein Haschischkonsum steigt, seine Todesängste fressen ihn auf und dann wird auch noch sein Intimfeind Jens Jessen, der neue Mann an der Seite seiner Exfrau Cecilie, in den Rang eines Polizeichefinspektors befördert und ist somit sein Chef. Erst ein neuer Fall, der ihn bis ins Mark trifft, reißt Axel aus seiner Lethargie: Nach einer Vergewaltigung werden DNA-Spuren gefunden, die zu dem Mord an Marie Schmidt vor vier Jahren passen; dem Mord, der Axels Ehe mit Cecilie ruinierte und beinahe das Leben seiner damals zweijährigen Tochter Emma gekostet hätte. Und den er nie aufklären konnte. Der Bluthund in Axel erwacht und nimmt die Fährte auf.
Jesper Stein, dessen Erstling es gleich auf die Krimibestenliste der Zeit geschafft hat, ist mit diesem Roman wieder ein großer Wurf gelungen: Er kennt Nørrebro bis in den letzten schmutzigen Winkel und hält die Spannung bis zur letzten Seite.

Meine Meinung:
Der zweite Fall des  Kriminalkommissars Axel Steens, führt den Leser in einen tiefen Sumpf, aus Verbrechen, Drogenkonsum und schlechter Polizeiarbeit, er begleitet Steen auf seinen Weg in seinen persönlichen Abgrund, an dessen Ende er sich unweigerlich selbst zerstören würde, käme da nicht die Nachricht, das ein neuer Vergewaltigungsfall, Parallelen zu dem Mord an einem jungen Mädchen aufweist, der den Beginn seines Abstiegs einleitete. Der Autor führt nicht nur seinen Ermittler auf viele falsche Spuren, auch seine Leser tappen lange im Dunkeln, gehen mit Axel Steen immer einen Schritt vor und zwei zurück, verzweifeln mit ihm an seiner persönlichen und beruflichen Situation und geben doch nicht auf gemeinsam mit ihm nach dem Mörder zu suchen. Jesper Stein, vermittelt ein Bild von der alltäglichen Polizeiarbeit, das realistischer scheint, als das welches man im Allgemeinen von Autoren bekommt, keine kumpelhaften Kollegenfreunde, von denen jeder sein Bestes gibt um den Fall zu lösen, sondern einfach nur Menschen die mal mehr mal weniger gewissenhaft ihre Arbeit zu tun, eine erfrischende Abwechslung zu den üblichen Ermittlerteams, auch der Hauptprotagonist ist eher unsympathisch, dazu noch drogensüchtig, eigentlich niemand dem man zutraut sich intensiv und ausschließlich mit dem Mord zu befassen, sondern eher damit an die nächste Haschischration zu kommen und doch ist er  der Einzige, der jeder noch so kleinen Spur nachgeht, nach Zusammenhängen sucht und am Ende auch findet, doch nichts ist, wie es scheint und der Täter den Ermittlern zunächst immer einen Schritt voraus.
Der Schreibstil, die Wortwahl, die Beschreibung der Protagonisten und der Orte, der Fall, all das prädestiniert den Krimi für volle 5 Sterne. Er gibt seinen Lesern einen klassischen Skandinavien Krimi, er vermittelt, trotz brütender Hitze, eine düstere und etwas schwermütige Atmosphäre.

 http://www.kiwi-verlag.de/buch/weissglut/978-3-462-04696-0/

Titel der Originalausgabe: Bye-Bye Blackbird
Aus dem Dänischen von Patrick Zöller
ISBN: 978-3-462-04696-0
Erschienen am: 08.01.2015
416 Seiten, Taschenbuch
Kiwi 1406


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