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Mittwoch, 9. März 2016

In Blut und Liebe von Constantin Dupien

Klappentext: In Blut geschrieben Herzensblut ist jedes Wort Gedankengut, das mit Liebe wurd gewählt, das mit Liebe uns erzählt. Von Gefahren und von Leid, Von dem was geht, von dem was bleibt. Erzählungen von Constantin Dupien, illustriert von Melanie Stoll und Julia Takagi, mit Einleitungen von Vincent Voss.

Meine Meinung:
Hätte ich nicht vorher gewusst was mich erwartet, ich wäre nach einem Blick auf das Cover erstaunt gewesen nicht nur von Liebe sondern auch von Horror zu lesen, denn das Cover verspricht ja eher Krimis oder Thriller, also lieber Leser sei gewarnt: In Blut und Liebe, erzählt der Autor vom Horror und der Liebe, manchmal auch vom Horror der Liebe und das macht er richtig gut.
 Kurzgeschichten sind schwierig, sie verlangen sowohl dem Autor als auch dem Leser eine Menge ab, der Autor muss die Kunst beherrschen eine komplette Geschichte auf wenige Seiten zu bannen und dabei weder die Logik noch die Spannung aus den Augen zu verlieren und der Leser muss die kurze Reise mitnehmen und mit dem Gedanken leben, das auch die beste Geschichte zu schnell vorbei ist, zum Trost hat man dann nur, das auch schlechte Storys nur kurz sind. Allerdings gab es in Blut und Liebe, keine Geschichte bei der ich sehnsüchtig auf das Ende wartete, sie waren alle durchaus lesenswert.
Meine Lieblingsgeschichte im gesamten Band ist *Meteroitenfeuer*, weil sie so ganz anders endet als man erwartet und weil sie richtig Böse ist. Ich mag böse Geschichten.


Und kurz etwas zum Vorwort, Carmen Weinand schreibt selber und das merkt man hier auch, sie weiß mit Worten umzugehen ebenso wie Vincent Voss, der für die Zwischentexte verantwortlich ist, ich versuche seit Tagen mir ein apokalyptisches Gemälde mit einer Dose Bohnen vorzustellen ;o)
Die Zeichnungen gefallen mir zum größten Teil gut und wenn mir persönlich die eine oder andere nicht so 100% zusagt, passen sie doch zum Text.



Kurzgeschichten aus den Genres Horror, Krimi und Romantik, gepaart mit düsterer Lyrik.
Illustriert von Melanie Stoll und Julia Takagi, mit Einleitungen von Vincent Voss und Gedichten von Merten Mederacke.
Autor: Constantin Dupien
Genre: Horror | Science-Fiction | Lyrik
Taschenbuch 6,90 €
ISBN 978-3-94-472925-1
limitierte Hardcoverausgabe 12,80
ohne ISBN – nur direkt über den Verlag erhältlich

Sonntag, 3. Dezember 2023

8 Fragen 8 Antworten. Constantin Dupien zu Besuch im Buecherhaus



Heute darf ich Constantin Dupien im Bücherhaus begrüßen, Constantin lebt und arbeitet in Leipzig und ist als Autor und Herausgeber tätig, am Ende des Interviews findet ihr eine Liste seiner bisherigen Werke.


Herzlich willkommen im Bücherhaus, Kaffee, Tee und Plätzchen (Wir sind in der Adventszeit, da heißen Kekse Plätzchen) stehen bereit, aber, vorab das obligatorische:


Beschreibe dich bitte in 5 Worten.


Hi Manuela,

herzliche Grüße aus der wunderschönen Buchstadt Leipzig. Ich freue mich auf den Austausch mit dir.

Puh …

Na gut, ich versuche es. Bekomme ich bitte auch Schrift in grün, so wie zuletzt Carolin Gmyrek? (Das krieg ich hin😀)

Herzblutmensch • sanftmütig • reflektiert • Vanillekipferl-Leckermaul • Sportjunkie (geht Vanillekipferl backen)


1. Die Anthologie „Mängelexemplare 5: Hinter den Fenstern“ und „Mängelexemplare 5: Am Ende der Zeit“ wurden von dir herausgegeben. Welche Herausforderungen gab es dabei, eine Anthologie in zwei Teilen herauszugeben?

Die größte Herausforderung bei der fünften Ausgabe der Mängelexemplare war es, die beiden unterschiedliche thematischen Ansätze – Horror trifft Erotik und Horror trifft Dystopie – in einem Gesamtkonzept zusammenzuführen, das in sich stimmig und trotz aller Komplexität leicht zugänglich ist.
Die Bücher können unabhängig voneinander gelesen. Aber durch eine beide Bände umspannende Rahmenhandlung sowie das ein oder andere verbindende Element offenbaren sich alle Geheimnisse erst, wenn man beide gelesen hat. Die Reihenfolge ist dabei übrigens unwichtig.

Dass am Ende wirklich alles so geklappt hat, wie ich es mir zweieinhalb Jahre lang vorgestellt und darauf hingearbeitet habe, ist vor allem auch ein großer Verdienst von Stefan Cernohuby.

Wir haben gemeinsam den Metaplot konzipiert. Außerdem hat er bei Mängelexemplare: Am Ende der Zeit als Co-Herausgeber ganz viele wichtige Impulse beigesteuert und mich auf Augenhöhe unterstützt.

An dieser Stelle:

Vielen Dank, lieber Stefan.



2. Warum hast du die beiden Bücher überhaupt getrennt, eine Anthologie-Dilogie ist ja eher ungewöhnlich?


Die Mängelexemplare-Reihe hebt sich über alle Ausgaben hinweg durch ihre liebevolle und experimentierfreudige Umsetzung von der Masse ab. In den Vorgängerbänden haben wir bereits einige coole Dinge eingebaut, wie zum Beispiel handgeschriebene Einleitungen der Autor*innen zu ihren Geschichten, mit Tusche gemalte Illustrationen, kontextbezogene Fotografien sowie handschriftlich verfasste Lyrik. Und hey, Mängelexemplare: Heimgesucht ist eine Novellen-Anthologie! 


Ich glaube, solche Details und Besonderheiten haben dazu beigetragen, dass die Mängelexemplare in der Phantastik-Szene trotz siebenjähriger Veröffentlichungspause noch immer ein Begriff sind.

Dass Mängelexemplare 5 am Ende eine Dilogie geworden ist – noch dazu mit einer übergreifenden Rahmenhandlung – war zu Beginn (die ersten Überlegungen gab es bereits zur Leipziger Buchmesse 2017) gar nicht geplant gewesen. Ursprünglich stand das übergeordnete Motiv Horror trifft Erotik im Fokus. Der Rest hat sich mit der Zeit entwickelt.


Und: Eine Konzept-Anthologie-Dilogie herauszugeben, finde ich einfach nur cool. Es passt zudem wunderbar zu den Mängelexemplaren, die gängigen Konventionen zu durchbrechen.


Props gehen hier an den Amrûn Verlag, der in jeder Sekunde hinter dem Projekt stand, obwohl wir uns mit der Veröffentlichung so weit weg vom Mainstream bewegen, dass die großen Verkaufszahlen wohl leider ausbleiben werden. Trotz großartiger Geschichten und einem professionellen Herangehen.



3. Wie hast du die Geschichten ausgewählt, die in den Anthologien aufgenommen wurden und was macht für dich eine herausragende Kurzgeschichte im Horrorbereich aus?


Es gab keine offene Ausschreibung. Alle Autorinnen und Autoren, die in den neuen Mängelexemplaren vertreten sind, erhielten eine persönliche Anfrage von mir (und wurden teilweise so lange belagert, bis sie endlich „Ja!“ gesagt haben).

Es sind langjährige Familienmitglieder an Bord, wie etwa Lisanne Surborg, Vincent Voss, Jana Oltersdorff und Stefanie Maucher. Alle vier waren schon in der ersten Mängelexemplare-Anthologie vertreten.
Dazu gekommen sind neue Kolleginnen und Kollegen, deren Werke ich sehr schätze, wie etwa Faye Hell und Sonja Rüther – beides unglaublich wortstarke Autorinnen und sehr liebe Menschen (darf ich das über dich sagen oder killt das dein Image, Faye?)

Außerdem ist es mir wichtig, noch nicht etablierten Schriftsteller*innen eine Bühne zu bieten.

Die Geschichte Idas Augen von Sanjina Karma ist großartiger psychologischer Body Horror mit queeren Charaktären.
Es ist kaum zu glauben, dass dies eine ihrer ersten Veröffentlichungen ist. Ich wünsche Sanjina, dass sie bald ein größeres Publikum erreicht.

Unsere Lektorin des Vertrauens, Lilly Rautenberger, steuert gleich zwei Kurzgeschichten und ein Gedicht bei. Ihre Story für Mängelexemplare: Hinter den Fenstern ist so tiefgründig emotional, düster und berührend, dass ich nach dem ersten Lesen erst einmal eine Pause benötigt habe, um die Schwere zu  verdauen. 

(Vanillekipferl spendiere, vorsicht heiß. Lillys Geschichte "Fasern" ist eine meine Lieblingsstorys in dem Buch.)


4. Als Autor hast du nicht nur Kurzgeschichten, sondern auch Romane veröffentlicht. Wie unterscheidet sich dein Herangehen beim Schreiben von kürzeren Formaten im Vergleich zu längeren Werken?

Egal ob Kurzgeschichte oder Roman – ich bin leider schrecklich unstrukturiert, sprunghaft und lasse ich vom sanftesten Windhauch ablenken. Ich überarbeite Textstellen bzw. Kapitel schon lange, bevor die Rohfassung fertig ist, und das bis zur (vermeintlichen) Perfektion.
Gerade bei langen Texten ist das tödlich und insgesamt wahrscheinlich der Hauptgrund, weshalb mein Veröffentlichungstempo der Bewegungskraft einer Schnecke gleicht.

Deshalb zwinge ich mich seit diesem Jahr dazu, nach festen Strukturen zu arbeiten:

Schreiben, wenn möglich, vor der Arbeit

Schreiben schlägt Social Media (haha, guter Witz …)

Erst schreiben, dann redigieren

Intensive(re)s Plotten

Pomodoro Timer zum konzentrierten Arbeiten

Tracking all meiner Autoren-Aktivitäten (daher weiß ich, dass ich zu viel auf Social Media rumschleiche)

Wenn ich diese Dinge weiter beherzige, wird noch in diesem Jahr die Rohfassung meines nächsten Romans fertig.


5. "Das Vermächtnis: Ruf der Dunkelheit" ist ein gemeinschaftliches Projekt mit Vincent Voss. Kannst du uns mehr darüber erzählen, wie die Idee für diesen Roman entstanden ist und wie ihr die Charaktere und die Handlung gemeinsam entwickelt habt? Sind da auch mal die Fetzen geflogen?

Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit. Wir thematisieren den historisch verbrieften Weihnachtsfrieden 1914 an der Westfront des 1. Weltkrieges. In diesem Setting wird im Roman eine jahrhundertealte und urböse Macht geweckt, die durch die Schützengräben wabert und ihre langen Finger bis in die Gegenwart ausstreckt.

Wir nutzen hier übernatürlichen Horror, um zu erklären, was rational gar nicht zu fassen ist:

Der Krieg ist etwas Abscheuliches, Grausames. Und wie schlimm muss es sein, sich, nachdem man das Weihnachtsfest zusammen verbracht hat, am Tag darauf wieder mit tödlicher Gewalt begegnen zu müssen?

Wir haben die Protagonisten des Buches strikt aufgeteilt. Die Handlung ist dann ganz organisch entstanden, indem wir uns abwechselnd die Kapitel zugesendet und jeweils auf das Geschriebene des anderen reagiert haben. Anstatt uns zu streiten, haben wir uns einfach immer fiesere und bösartigere Hindernisse in den Weg gelegt, die es zu überwinden galt.

Eigentlich eine ganz witzige Herangehensweise, oder?

Und irgendwie ist daraus tatsächlich ein ganzer Roman entstanden. Das hat uns beiden so viel Freude bereitet, dass wir dieses Experiment wohl ein zweites Mal wagen werden.


(Stellt mehr Kipferl hin. Oh da freue ich mich sehr drauf, aber hoffentlich nicht wieder 8 Jahre bis zum gedruckten Buch 😀)



6. Welche Herausforderungen siehst du derzeit in der Buchbranche?

Die Buchbranche konkurriert zum einen mit den Streaming-Anbietern, die ohne Pause mit neuen aufwendig produzierten Inhalten locken und aufwandslose Abend- und Wochenendunterhaltung bieten.

Zum anderen gibt es so viele Veröffentlichungen, dass es einzelne Autorinnen und Autoren schwer haben, herauszustechen. Im Buchhandel finden in aller Regel vor allem die Großen der Großverlage statt.

Sichtbarkeit zu bekommen und damit letzten Endes auch Verkäufe, ist eine riesige Herausforderung.



Das Thema KI darf ja irgendwie nicht fehlen. ;o)

7. Glaubst du, dass KI die Art und Weise, wie Bücher geschrieben, veröffentlicht und konsumiert werden, verändern wird?

Ja, absolut.

Ich glaube, dass es bereits jetzt sehr viele Veröffentlichungen gibt, die zu großen Teilen mit einer KI erzeugt wurden.
(Furchtbar oder?) Wer gut prompten kann und eine smarte Herangehensweise hat, erzielt bereits jetzt echt gute Ergebnisse. Noch muss der Mensch Hand anlegen, aber es wird nicht mehr lange dauern …

Lektorat, Korrektorat, Übersetzungen und vor allem Illustrationen und Hörbuchproduktionen werden es schwer haben, auf lange Sicht gegen die KI Bestand zu haben.

Hier müssen wir uns als Gesellschaft die Frage stellen, ob wir das alles so wollen. Und Autorinnen und Autoren müssen für sich herausfinden, ob ihnen die Chance auf schnellen Ruhm (und/oder schnelles Geld) wichtiger ist, als sich die Sporen durch harte Arbeit und fleißiges Üben zu verdienen.

Übrigens kann ich mir in unserer schnelllebigen Zeit auch gut vorstellen, dass maßgeschneiderte KI-Zusammenfassungen von Romanen durchaus ihren Platz finden werden. Ein Buch kennen und mitreden können, ohne es gelesen haben zu müssen – ich glaube, dass genug Leute wirklich so ticken.


8) Als Autor hast du vermutlich eine Menge Zeit mit dem Lesen anderer Werke im Horrorbereich verbracht. Gibt es bestimmte Autoren oder Bücher, die einen nachhaltigen Eindruck auf dich hinterlassen haben und vielleicht auch deine eigene Schreibweise beeinflusst haben?

Ganz ehrlich: Ich lese nicht so viel Horror. Ich mag die ganze Bandbreite der Phantastik und darüber hinaus viele andere Genres.

Meine Lieblingsautoren sind Georges Simenon, Edgar Allan Poe und S. S. Van Dine. Im Horrorbereich ist es ganz klar Vincent Voss. Aktuell lese ich zudem sehr gerne Bianca Iosivoni, Anabelle Stehl und Boris Koch.

Wichtig für mein Lesevergnügen sind entweder ein super spannender Plot oder interessante Figurenkonstellationen und fein gezeichnete Charaktere.

Ich danke dir sehr für deinen Besuch und ich hoffe bald wieder etwas von dir lesen zu dürfen. Steht gerade etwas in den Startlöchern?

Ich danke für die Gelegenheit und die wirklich spannenden Fragen. Wir kennen uns nun schon viele Jahre, das erste Mal sind wir uns 2016 auf einer Lesung in der Suppenbar begegnet, oder? Danke für deinen Support über all die Jahre.
 

(2017 war es, wenn ich nicht irre, mein erster Messebesuch, aber Suppenbar stimmt, du hast gemeinsam mit Vincent Voss gelesen. Ich habe zu danken für all die tollen Geschichten von dir und deinen Autoren Kolleginnen und Kollegen)

Meine Novelle "Der Spuk auf Lakewood Manor"steht in den Startlöchern für den Handel. Eine erste kleine Auflage, die der Verlag für eine Lesung produziert hat, ist bereits ausverkauft.

Noch in diesem Jahr erscheint ein weiteres Buch im Mängelexemplare-Kosmos. Mängelexemplare: Das Familienvermächtnis bringt die besten Geschichten aus den ersten vier Bänden in komplett überarbeiteter Form zusammen, ergänzt um vier neue Erzählungen. Unter anderem ist eine Kurzgeschichte von mir dabei und erstmals alle drei Teile von Ein Schattenmärchen von Michael Marrak.
(Das muss ich ja auch wieder haben😂)

Für 2024 habe ich mindestens einen Roman und eine Novelle auf der Uhr.

(Ich fange dann schon mal Büchergeld zu sparen, aber ich weiß das es sich lohnen wird)

Hier ist die versprochene Liste mit Büchern von und mit Constantin, zu vielen davon findet ihr eine Rezension hier auf dem Blog.

Werke von Constantin Dupien:

Eigene Veröffentlichungen:
Der Spuk auf Lakewood Manor (2023, KOVD Verlag)
Das Vermächtnis: Ruf der Dunkelheit (2023, Nectu Verlag)
In Blut und Liebe (2013, Amrûn Verlag)

Zwischen 2013 und 2017 einige Beiträge in Anthologien

Als Herausgeber:

Mängelexemplare 5: Hinter den Fenstern (2023, Amrûn Verlag)
Mängelexemplare 5: Am Ende der Zeit (2023, Amrûn Verlag)
Mängelexemplare 4: Heimgesucht (2016, Amrûn Verlag)
Mängelexemplare 3: Haunted (2015, Amrûn Verlag)
Mängelexemplare 2: Dystopia (2014, Amrûn Verlag)
Mängelexemplare und andere makabre Geschichten (2013, Edition Lepidoptera)

Montag, 1. April 2024

Zombie Zone Germany: Elegie 2: Der letzte Pianist von Janika Rehak

 


2015 begegnete ich zum ersten Mal den Zombies, die Deutschland heimsuchten. Infiziert von Maden verwandeln sich die Menschen in Fressmaschinen und ihre Lieblingsspeisen sind Menschen.
Im abgeriegelten Land kämpfen die Menschen ums Überleben. 

Zombies? Ist der Hype nicht schon vorbei?
Für Storys, die fast ausschließlich, von Ekelszenen leben, mag das zutreffen. Nicht aber für die:


Zombie Zone Germany


Mit Elegie hat die Autorin Janika Rehak schon im Jahr 2021 den ersten Zombie Zone Germany Roman veröffentlicht. 


Der Starpianist Yosh ist mitten in den Vorbereitungen für eine Sommerparty in seinem Herrenhaus auf dem Land und sein größtes Problem ist, das eine Lichterkette zu kurz für die Bäume ist, an denen er sie anbringen will, denn seine Frau Fenia, liebt Lichter und Yosh hofft inständig, dass sie zur Party kommt und zu ihm zurück. Doch bevor es so weit kommen kann, bricht die Zombie-Apokalypse über Deutschland herein.

Elegie 2: Der letzte Pianist

Die Gerüchte, dass es einen Weg aus Deutschland gäbe, erwiesen sich als falsch, und die Flüchtlinge stranden in einem Lager nahe der tschechischen Grenze. Das Leben ist hart, aber jeder gibt, was er geben kann. Bei Yosh ist das nicht viel; als Pianist sind seine handwerklichen Fähigkeiten eher begrenzt, und so muss er sich auf Kartoffelschälen und gelegentliche Ausflüge zur Nahrungsbeschaffung beschränken. Yosh wird von Erinnerungen geplagt: Erinnerungen an Kiyomi, seine Stiefschwester. Und da ist auch noch Seok-Jung, ebenfalls Pianist und immer ein klein wenig besser als Yosh, und sein größter Fan. Auch er ist im Lager, immer freundlich, immer lächelnd. Sein einziger Lichtblick ist, dass Fenia, seine Ex-Frau, es ebenfalls ins Lager geschafft hat, und sie auf einem guten Weg sind, sich dauerhaft zu versöhnen.

Auf einem gemeinsamen Streifzug mit Seok-Jung, nach Nahrung und nützlichen Alltagsgegenständen, geraten die beiden in eine ausweglose Situation. Eingeschlossen in einem Seniorenheim mit nur begrenzten Lebensmitteln, verbringen sie die Nacht im Gemeinschaftsraum der Residenz, in dem ein altes, verstimmtes Klavier steht. Gemeinsam vollenden sie die Elegie für Fenia, mit der Yosh seine Gefühle für sie ausdrücken will, dafür fehlen ihm die Worte. Damit aus "Ich liebe dich, aber..." ein einfaches "Ich liebe dich" wird.

Es wäre einfacher, eine Rezension zu einer Geschichte zu schreiben, die von Blut und Ekel lebt, aber so einfach macht es die Autorin Janika Rehak ihren Leserinnen und Lesern nicht. Und das ist gut so. Sie lässt die Lesenden spüren, unter welchem Ausnahmezustand sich Yosh befindet. Nicht nur körperlich, auch psychisch leidet er. Der Verlust seiner Musik, die letzten Tage mit seiner Stiefschwester und die Erinnerungen an die Party, auf der er seine neue Platte vorstellte, quälen ihn. Die Autorin wirft die Frage auf, wie wir mit den Schwächsten in unserer Gesellschaft umgehen, und sie schenkt uns einen winzigen Hoffnungsschimmer. Apropos Blut und Ekel, natürlich kommen auch Horrorszenen nicht zu kurz schließlich sind wir in der:

Zombie Zone Germany



  • Herausgeber ‏ : ‎ Amrûn Verlag; 1. Edition (6. März 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 254 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3958695310
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958695313

 

Freitag, 24. Juli 2020

Graues Land von Michael Dissieux



Klappentext: Harvey und Sarah führen ein glückliches, ruhiges Leben in den Bergen. Als Sarah erkrankt, kümmert sich der alte Harv liebevoll um seine Ehefrau. Doch eines Tages hat sich etwas geändert – in der Welt da draussen. Es beginnt damit, dass die Fernsehsender kein Programm mehr ausstrahlen, dann fällt die Stromversorgung aus, auch das Telefon verstummt. Ein grauer Schleier umhüllt das Land. Eine trügerische Stille liegt über den Feldern, über dem Haus. Des Nachts glaubt Harvey, Kreaturen ums Haus schleichen zu hören. Und die kurze Begegnung mit einer jener Kreaturen im Garten bringt die schreckliche Gewissheit, keiner Einbildung erlegen zu sein. Harvey beschließt, in Erfahrung zu bringen, was zum Teufel mit der Welt geschen ist. Und so steigt er in seinen rostigen Van und fährt hinüber zu seinem alten Freund Murphy, der ein paar Meilen die Straße hinab ein kleines Lebensmittelgeschäft betreibt. Doch dieser scheint bereits dem Wahnsinn anheim gefallen zu sein ...


Meine Meinung: Es gibt Bücher, die leben von Action, auf jeder Seite geschieht etwas, das den Leser zwingt immer und immer weiterzulesen. Im Horrorgenre wird dies meist noch mit einer gehörigen Portion, Blut, Gewalt und Ekel begleitet, die Protagonisten kämpfen gegen einen gnadenlosen Feind ums Überleben.
Diese Geschichten haben für mich einen recht hohen Unterhaltungswert, wenn die Handlung nicht nur aus Blut und Gewalt besteht.

Dann gibt es aber auch noch Autoren, die können auf Action, fast vollständig verzichten und fesseln ihre Leser doch von der ersten bis zur letzten Seite ans Buch.

Michael Dissieux gehört zu diesen Autoren.

Wenn das Leben wie man es kennt plötzlich nicht mehr existiert, wenn alles um einen herum grau, still und einsam wird, wie reagiert man?
Harv erlebt genau das, zunächst fallen die Fernsehsender aus, das Telefon und der Strom, der Junge, der die Tageszeitung bringt, bleibt weg.

Die Menschheit ist verschwunden.

Und in der Dunkelheit der Nacht schleicht etwas ums Haus.

Das beschreibt Michael Dissieux so eindringlich das jedes Geräusch, das die nächtliche Stille, die mich beim Lesen umgab, eine der Kreaturen sein konnte, ich habe tatsächlich, dass eine oder andere Mal die Luft angehalten bis ich mir bewusst machen konnte, das das Knarren das ich gerade hörte, kein Monster ist das ins Haus will.

Eine solche Atmosphäre zu schaffen ist sicher nicht einfach, aber hier ist es dem Autor auf jeden Fall gelungen.
Harvs Verzweiflung ist in jeder Zeile zu spüren und sicher würde er aufgeben, er ist schließlich nicht mehr der jüngste, seine Vorräte gehen zur Neige und die Hoffnung das sich alles noch zum Guten wendet und alles wieder wird wie vorher, hat er schnell verloren. Doch da ist Sarah, die Liebe seines Lebens, sein Licht und sein Sinn des Lebens, die hilflos und sterbend in ihrem Bett liegt und vollständig auf ihn angewiesen ist. Für sie lebt er weiter.

Vergesst alle Liebesschnulzen, die ihr bisher gelesen habt, streicht alle Liebesbeteuerungen aus eurem Gedächtnis. Harv erinnert sich an ihre gemeinsame Zeit und diese Erinnerungen sind so intensiv, das man als Leser teil hat an der Wärme und Liebe, die die Beiden umgibt.
Und das Ganze ist vollkommen kitschfrei, ein Umstand der diesen Part der Story so authentisch macht.

Bei Büchern wie diesem stellt sich während man es liest automatisch die Frage nach einem Happy End, man wünscht es den Protagonisten so sehr.
So recht erfährt man nicht was genau geschehen ist, nur eine vage Vermutung steht im Raum und die Tatsache, dass Menschen, die nicht von den Kreaturen getötet, sondern nur verletzt werden, sich in Zombies verwandeln.

Das Buch bekommt natürlich eine absolute Lesempfehlung von mir.


Graues Land ist als Privatdruck beim KOVD-Verlag erschienen, für das Artwork zeichnet Timo Kümmel verantwortlich, die Illustrationen und der Buchschmuck sind von Sascha Lubenow.

Mittwoch, 19. April 2023

New Dodge von Torsten Scheib (Herausgeber, Autor), Marc Hamacher (Herausgeber)

 



Der Autor und nun auch Herausgeber Torsten Scheib war es, der schon seit einigen Jahren mit der Idee schwanger ging, endlich das Genre des Space-Western wiederaufleben zu lassen. Als Hommage, aber auch im sehnsüchtigen Rückblick an die grandiose TV Serie "Firefly", aber auch anderen Sachen in diesem Bereich. Zusammen mit dem Verleger Marc Hamacher machte er sich auf die Suche nach geeigneten Autorinnen und Autoren, denen es auch so ging. Und die Sehnsucht in der Szene nach Space-Western ist gigantisch. So entstand als Einladungs-Anthologie dieses Buch. Wir sind erfreut und auch sehr stolz, eine Riege gefunden zu haben, die schon ein bisschen nach dem Who Is Who der Fantastikszene klingt. Mit Kurzgeschichten von Thomas Heidemann, Günther Kienle, Lisanne Surborg, Stefan Cernohuby, Wolfgang Schroeder, Jacqueline Mayerhofer, Hanna Nolden, Jacqueline Montemurri, Faye Hell & Mario Steinmetz, Torsten Scheib, T.S. Orgel, Bernd Perplies, Stefan Barth und Ju Honisch.

Aber was sind eigentlich Space-Western? Space Western sind Science-Fiction-Geschichten mit Western-Elementen wie Pferden, Saloons und Revolverhelden auf fremden Planeten. Dazu gehört die im Klappentext erwähnte Serie »Firefly« und meine hohen Erwartungen an das Buch waren geweckt. 

Nach einem Vorwort von Torsten Scheib, der es bis zu einem gewissen Punkt mochte Vorworte zu schreiben, wird uns Leserinnen und Lesern einiges über New Dodge erzählt, die Aussprache zum Beispiel Nju Dottsch und wie er so aussieht, wie ein Klumpen Katzenstreu, nicht sehr einladend also. 

Aber nun zu den einzelnen Geschichten.


Thomas Heidemann
High Noon am Outlook Rock
Der Pilot Colonel Charleston kommt bei einem Einsatz ums Leben, sein Ghostjet und alles, was darin war, wurde bei einem Absturz völlig zerstört.
Fünf Jahre nach den Vorkommnissen in Salty Virginia und vier Jahre nachdem ein Fremder ein sehr unwirtliches Gelände am Rand des Asteroiden erwirbt, also ein richtig ungemütliches Gelände, das laut Makler mit dem Poppes halb im Weltraum hängt, das er nur mit der Hilfe eines Agribots bewirtschaften will, das einzige, was dort wächst, ist Tumbleweed. 
Taucht eine Frau dort auf. Sie ist auf der Suche nach der Bluebox des Raumschiffs.

Eine Geschichte über Ehre und Gewissen und über künstliche Intelligenz, ein sehr guter Einstieg in das Buch.

Günther Kienle
Sein letzter Wille
Der Space Marshall ist tot, laut seiner Witwe wollte er nichts lieber als auf diesem einen Fleckchen Erde begraben werden, weit ab von allem auf Pandora IV. Richter Merryweather der beste Freund des Marshalls allerdings weiß es besser und so setzt er alles daran, die Urne mit der Asche des Verstorbenen an den Platz zu bringen, an dem er wirklich seine letzte Ruhe finden wollte. Nach New Dodge, heimlich natürlich und ohne dass die Witwe davon erfährt.

Ein Prost auf die Freundschaft.

Lisanne Surborg
Der Visionär
Joy will nichts lieber als den Asteroiden verlassen, das Leben als Android ist gefährlich geworden, seit der Visionär immer mehr an Einfluss gewinnt, sie muss nur noch genügend Geld zusammen bekommen, dafür repariert sie einen Schulandroiden, den sie verkaufen will, Arthur der Android bringt ihr dabei viel über menschliche Gefühle bei. Als zufällig ein Kind in ihre Obhut gerät, kommen ihr diese Informationen zugute. 

Eine sehr traurige Geschichte, die aber auch einen Funken Hoffnung in sich birgt.

Stefan Cernohuby
Der große Western-Detektiv
Es herrschen harte Sitten in New Dodge City und die Gesetze sind noch härter.
Das muss auch Gridlock Jonas, der Western-Detektiv mit dem rasiermesserscharfen Verstand, dem Hut und dem Anzug, den irgendwie niemand zu kennen scheint, im Gegensatz zu seiner Begleitung der Scharfschützin Dr. Hamisha Watkins. Gemeinsam suchen sie den berüchtigten Mort Jamesons, dessen Tochter als Geisel Gold Creek festgehalten wird, um Jameson dorthin zu locken.

Die Story nimmt eine sehr gemeine Wendung. 

Wolfgang Schröder
Der Spieler
Nach einem Tête-à-Tête mit der Außerirdischen Vircea hört der Spieler eine Stimme in seinem Kopf und hat Visionen von einer pulverisierten Erde. Er ahnt, dass Vircea etwas damit zu tun hat und setzt alles daran, sie zu finden. 
Awwwww, ich liebe diese Geschichte, ich hatte zwar schon recht bald eine Ahnung davon, dass die Liaison zwischen dem Spieler und Vircea nicht ganz folgenlos geblieben ist, aber das tat dem Vergnügen daran, sie zu lesen keinen Abbruch.

Jaqueline Mayerhofer
Ein abgekartetes Spiel
Der Kopfgeldjäger Aark bekommt von der Gilde den Auftrag, Doktor Clarice Shelby zu finden. Bald schon erfährt er, dass vor ihm schon einige Kopfgeldjäger auf Nimmerwiedersehen verschwunden sind und das eine unheilbare Krankheit in New Dodge wütet. Dass es einen Zusammenhang geben muss, erfährt er schnell am eigenen Leib.

Hanna Nolden
Der Kaktusgarten
Reuben sucht seine kleine Schwester Shirley, einst hatte er seiner Mutter versprochen auf sie aufzupassen, doch erst hat er sie an die Drogen verloren und als er sie in eine Klinik bringen wollte, ist das junge Mädchen weggelaufen, einzig eine Schneekugel ist ihm von ihr geblieben. Seitdem vergeht kein Aufenthalt auf dem Asteroiden, bei dem er sie nicht sucht. 
Hanna Nolden hat eine der traurigeren Geschichten geschrieben, ich mag ihren Schreibstil sehr und freue mich jedes Mal, wenn ich etwas von ihr lesen darf.

Jaqueline Montemurri
Der Todesflug der Yuma
Nach dem Absturz ihres Raumschiffes der Yuma, kommt die Crew um Jackson in Bedrängnis, sie werden beschuldigt Humanoide Spezies geschmuggelt zu haben und ohne Prozess wird Jackson von der Sheriff von New Dodge zum Tode verurteilt. In dieser Geschichte geht es was das Personal betrifft richtig rund, wir treffen auf Barbie, die aus Naniten besteht und sich in ihre Bestandteile auflösen kann, auf Johnny dessen Bewusstsein in einem künstlichen Körper lebt und auf Skip dem Karetanier, dessen Erscheinungsbild, dem einer Ratte ähnelt, das er dazu noch gern liest, lässt nicht nur die Sheriff an eine Leseratte denken. Die Story hält die eine oder andere Überraschung bereit.

Faye Hell und Mario Steinmetz
Katzenjammer
Wenn sich eine meiner bevorzugten Autorinnen und einer meiner bevorzugten Autoren zusammen tun, um eine Story zu schreiben, die im Vorfeld auch noch als Liebesgeschichte betitelt wird, ist meine Neugier natürlich geweckt. Als Kind der frühen früheren Fernsehjahre bin ich mit Western groß geworden und oft kam in diesen Western eine Bardame die Saloontreppe herunter in einem atemberaubenden Kleid und es gibt diese eine Szene in der Story, da sitzt unser Held an der Bar und die Heldin kommt die Treppe runter, ich kann ja jetzt nichts dafür das ich Faye und Mario in diesen Rollen sah. 
Frank kommt nicht gern nach New Dodge City, denn dort trifft er unweigerlich auf Tiger Lilli, die seine Gedanken beherrscht und ihn wieder und wieder anmacht. Aber irgendwie finden sie keinen Weg zueinander und Frank nimmt mit Freuden den Auftrag Tiger Lilli zu entführen und seinem Auftraggeber zu übergeben, damit er sie endlich ein für alle Mal loswird. Lasst euch überraschen, ob es nicht doch ein Happy End gibt für die Zwei.

Torsten Scheib
Nichts als Ärger
Kopfgeldjäger spielen in vielen Geschichten dieser Anthologie eine Rolle, so auch in dieser. Roy Northpine hat einen Auftrag des unpässlichen Norton übernommen (achtet darauf, wo ihr euer Chili esst) und ist auf der Suche nach Casey, die er schließlich in der Missionsstation Trinity aufspürt. Doch Casey ist ihm einen Schritt voraus und entkommt mit einem unbezahlbaren Kreuz. Die Mönche der Station halten nicht all Zuviel von christlicher Nächstenliebe und schubsen Roy in die Kanalisation. Ich war so froh das Bücher nicht mit Geruchspartikeln ausgestattet sind. Eine rasante Story, die mir viel Lesevergnügen bereitet hat.

T.S.Orgel
Das Fett von Booker Bob
"Hm"
OK, ihr braucht wohl eine Übersetzung. 
Bob ist ein Booker, er vermittelt zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer, er weiß, wer was kann und auf wen er und damit die Auftraggeber sich verlassen können. Bis zu dem Tag an dem die erste Beschwerde kommt, Cambri hat nicht geliefert und ist nicht mehr zu erreichen. Widerwillig macht sich Bob mit seiner Mechanikerin auf den Weg, um die Sache zu klären, denn eigentlich mischt er sich nach der Vermittlung nicht mehr ein, aber jetzt steht sein guter Ruf auf dem Spiel.
Ich mag Bob und zwischendurch hatte ich tatsächlich ein wenig Sorgen um ihn, warum und wieso erzähle ich euch jetzt
"Hmmmmmmm" 


Bernd Perplies
Der Mandelohr-Ian 
Oh schwupps, sind wir schon in der nächsten Story, da fehlte dem Übersetzter in der vorigen die Zeit, denn nun wird er auch hier ab und an gebraucht. Ian ist der Bäcker gegenüber von Bobs Laden, nachdem die beiden sich gründlich abgecheckt hatten, sind sie fast so etwas wie Freunde geworden, jeden Morgen holt sich Bob sein Frühstück bei dem leidenschaftlichen Bäcker. Ian ist eine Seele von Mensch, der schon viel mitgemacht hat und dem seine Passion quasi das Leben rettete. Als er in der Gasse hinter der Bäckerei auf Grego trifft, nimmt er den verwahrlosten Jungen mit zu sich nach Hause und schließt ihn in sein Herz. Die Schwierigkeiten, in denen der Junge steckt, ahnt er zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Stefan Barth
Bis aufs Blut
Raze Nokona ist auf Rache aus, Rache an dem Tod ihrer Eltern und sie geht über Leichen um ihr Ziel zu erreichen, den skrupellosen Noob Killfucker zu töten.
Dies ist eine der Storys, bei der es von Vorteil wäre, wenn die Protagonisten beide Seiten der Geschichte kennen würden. So erwartet die Leserinnen und Leser eine unerwartete Wendung.

Ju Honisch
Kein Anlass zur Besorgnis

Früher  zogen Meteroitenherden über den Himmel aber die Zeiten sind lang vorbei und Metreoitenfänger- und Jäger werden schon lange nicht mehr gebraucht, so wurden sie alle entlassen. Doch das All ist groß und hält so manche Überraschung bereit.
"Spare in der Zeit. Dann hast du irgendwann die Not"
Dieses Zitat trifft die Botschaft in der Story wie die Faust aufs Auge. 

Das war es schon mit den Geschichten aus New Dodge, die mich alle unterhalten haben, aber nicht nur die Storys waren lesenswert, auch die Autorenvorstellung die jeder Story vorangestellt sind, sind durchaus lesenswert, problematisch wurde das nur für mich wenn Bilder in meinen Kopf projeziert wurden, die ich eigentlich nicht sehen will, an der Stange tanzende Autoren zum Beispiel. Oft in Bildern zu denken hat nicht immer nur Vorteile.😅
Innerhalb der Geschichten liebe ich es aber wenn die Autorinnen und Autoren es schaffen so bildhaft zu schreiben das meiner Fantasie keine Grenzen gesetzt werden.

Auffällig ist das Cover das sich von den anderen des Verlags abhebt, es ist absolut passend zum Buch gewählt und ein absoluter Hingucker.
Gestaltet wurde es von Arndt Drechsler, den Namen werde ich mir merken, wie ich erfahren habe ist Arndt Drechsler nicht nur mir aufgefallen, so das er der Hauptzeichner der wohl bekanntesten Sciene Fiction Reihe aller Zeiten ist: Perry Rhodan. 

Ihr könnt das Buch direkt beim Verlag erwerben ebenso wie diesen tollen Aufnäher, dazu müsst ihr einfach nur diesem Link folgen: Leseratten Verlag
















  • Herausgeber ‏ : ‎ Leseratten Verlag; 1. Edition (14. April 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 350 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3945230667
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3945230664
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 12 Jahren



















Eine Hommage an die "Firefly", da werden ja mal so richtig hohe Erwartungen geweckt, denn dass die Serie genial ist, bleibt sicher unwidersprochen und ich erwartete viel



Freitag, 4. April 2025

Was einmal war Zombie Zone Germany Anthologie (Hrsg. Carolin Gmyrek) Rezension Teil 1


Ich werde versuchen euch zu jeder Story ein klein wenig zu erzählen und dabei nicht zu viel zu verraten um euch die Spannung nicht zu verderben.

Familie Bollmann richtet sich ein - Christian Günther

Jürgen zieht mit seiner Familie in ein neues Haus, ein Neubaugebiet, den Beschreibungen des Autors zufolge nach eine ziemlich spießige Siedlung mit Doppelhaushälften und Plastikgartenteichen.  Christian Günther schafft es in seiner Kurzgeschichte, eine Atmosphäre zu erzeugen, die trotz des apokalyptischen Hintergrunds von Normalität und Alltäglichkeit geprägt ist. Durch die detaillierte Schilderung des Familienlebens inmitten einer Zombie-Apokalypse entsteht eine surreale Stimmung, die mich gleichermaßen faszinierte und beunruhigte.

Für Lexi - Janika Rehak

Der namenlose Protagonist erinnert sich an den letzten Tag mit seiner Familie. Seiner kleinen Tochter Lexi zuliebe besuchen sie ein Kleinkunstfest – Puppenspieler, Kinderschminken und Poffertjes ohne Zimt, darauf freut sich die Kleine seit Wochen. Eine mehr als schwierige Situation für ihren Vater, der unter Panikattacken leidet und unter der Angst, seine Familie zu verlieren.

Janika Rehak zeigt hier etwas Besonderes: Während Lexi lacht, kämpft ihr Vater gegen ganz normale Dinge – das Gedränge, laute Geräusche. Doch als die echte Gefahr (die Zombies) kommt, bleibt sein Warnsystem stumm. Die Geschichte stellt die Frage: Was ist schlimmer – die Angst vor dem Leben oder der Tod selbst?

Osterglocken - Marie Erikson

Ihr Mann wünscht sich Osterglocken an seinem Krankenbett und so gräbt unsere Protagonistin für ihn welche aus, wohl wissend, dass sich an ihnen Maden befinden könnten, die die Seuche verbreiten und die Menschen in Zombies verwandeln.

Warum tut sie das? Warum bringt sie sich und ihn Gefahr?

Die Antwort darauf folgt bald mit dem Satz:

Seine Mundwinkel zuckten.Näher kam er einem Lächeln schon lange nicht mehr. Aber das brauchte er auch nicht. Dieser Moment war all das Risiko wert.

Ich hatte tatsächlich einen Kloß im Hals als ich diese Story beendete, dies sind die Lovestorys, die ich 

lesen will, die über die Liebe, die allem was von außen kommt zu trotzen weiß.

7 Tage - Carolin Gmyrek

Kurz nach dem Ausbruch der Zombie-Apokalypse strandet Nina in einer Szenekneipe. Die Anwohner des Viertels wurden bereits evakuiert, doch diejenigen, die nicht hier wohnen, müssen auf einen weiteren Transport warten. Aber wird der überhaupt kommen?

Sieben Tage lang lässt Carolin Gmyrek uns mit den Menschen in der Kneipe bangen und hoffen. Es gibt kurze Momente der Zuversicht, wenn das Internet funktioniert und neue Informationen auftauchen – und Momente der Verzweiflung nach Telefonaten mit der Familie. Immer wieder steht die große Frage im Raum: Gehen oder bleiben?

Dies ist eine dieser Geschichten, die die ZZG so besonders machen. Die Autorin erlaubt uns einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt der Gestrandeten und schafft es, ihre Ängste und Hoffnungen greifbar zu machen.

Ultravox bitte kommen - Claudia Rapp

CB Funk, das Relikt aus einer lang vergangenen Zeit wird zu Susis Mittel zur Kommunikation mit der Außenwelt, sie konnte sich ins Haus ihrer Großeltern flüchten und findet dort das Funkgerät ihres Großvaters. Sie kommt in Kontakt mit Survivor82, lange Gespräche, in denen sie sich immer mehr annähern folgen, langsam bauen sie eine Vertrauensbasis auf, die sich von Freundschaft in eine Art Liebesbeziehung. Ihre Gespräche helfen ihnen über die Einsamkeit hinweg, bis sie erfahren, dass die Armee das Gebiet, in dem Susi lebt, mit Senfgas bombardieren will, um die Untoten auszulöschen. Und dann fasst Survivor82 einen Plan.
Ich lese zwar selten LIebesgeschichten aber manchmal, tauchen sie überraschend auf.  Hinter dem Grauen der Apokalypse verbirgt sich  hier eine Romantik, der ich mich nicht entziehen konnte. Rapp inszeniert diese Beziehung mit subtiler Intensität: Jedes Funkgeräusch, jede Pause zwischen den Worten wird zum emotionalen Katalysator. Die Angst vor dem Senfgasangriff schärft dabei die Zerbrechlichkeit der Verbindung – und macht den finalen Akt umso bewegender.

Bibi - Monika Loerchner

Eine Gruppe Jugendlicher findet ein kleines Mädchen, einen blutigen Hammer in der Hand zu ihren Füßen zwei Tote. Die Jugendlichen nehmen das sechsjährige Mädchen bei sich auf und tun alles dafür, sie zu schützen und sie starkzumachen im Kampf gegen die Zombies. So nimmt Finn sie mit auf eine Tour, damit sie seine Tricks und Kniffe lernt.
Ich kann euch hier absolut nicht mehr über diese Story erzählen außer dass ich sie wirklich mochte, Bibi ist wirklich liebenswert, so ein süßes kleines Mädchen mit einer unschuldigen und direkten Sicht auf die Dinge.



Was für ein packender Auftakt! Die ersten sechs Geschichten dieser Anthologie haben mich von der ersten bis zur letzten Zeile gefesselt – mit genau der Mischung aus Herzschmerz, Überlebenskampf und unerwarteten Funken Hoffnung, die ich von Zombie Zone Germany liebe. Jede Story ist ein eigenes kleines Universum: mal surreale Alltäglichkeit (Familie Bollmann), mal zerbrechliche Romantik (Ultravox), dann wieder purer kindliche Naivität (Bibi). Besonders beeindruckt hat mich, wie die Autor:innen es schaffen, inmitten von Chaos und Verwesung diese zutiefst menschlichen Momente einzufangen – ob es nun ein Lächeln im Krankenbett (Osterglocken) oder die nagende Frage „Gehen oder bleiben?“ (7 Tage) ist.

Aber das ist erst der Anfang! Die Anthologie umfasst zwölf Geschichten – die restlichen sechs folgen in meiner nächsten Rezension. Wenn ihr dystopische Storys mögt, die mehr sind als nur Blut und Monster: Hier werdet ihr fündig.



Bleibt dran – der zweite Teil kommt bald!

Herausgeber: Carolin Gmyrek
374 Seiten Taschenbuch oder E-Book
ISBN 9783958694361


Klappentext: Was hält uns am Leben, wenn wir alles verloren haben? Was einmal war, ist nicht mehr. Deutschland hat sich verändert. Tod und Verwesung haben die Straßen erobert, der Kampf ums Überleben ist erbarmungslos.

Mai 2020 markiert den Zeitpunkt, an dem es begann–die Toten erhoben sich, getrieben von unstillbarem Hunger nach lebendigem Fleisch. Die Epidemie überrollte das Land wie eine allesverschlingende Flut, bis im Frühjahr 2021 die letzte Grenze gezogen wurde: Deutschland unter Quarantäne.
Zwölf Geschichten erzählen von Menschen, die sich gegen die Leere stemmen. Was hält sie am Leben, wenn die Welt um sie zerfällt? Ein Funken Liebe, die Erinnerung an ein Lachen des eigenen Kindes, die Aussicht auf einen weiteren Sonnenaufgang? Oder ist das, wofür man kämpft, nur noch eine Illusion?

Mit Geschichten von: Christian Günther, Janika Rehak, Marie Erikson, Claudia Rapp, Carolin Gmyrek, Antonia Dorah, Monika Loerchner, Marko Richter-Höfer, Emily Tara Todd, Melanie Kissel, Oliver Bayer und Thomas Williams. 





Donnerstag, 11. Januar 2024

Von Geistern und Schatten: Stories von von Roxane Gay (Autor), Eva Bonné (Übersetzer)




Klappentext: Kurze, herbe Storys der New-York-Times-Bestsellerautorin: Ein aufregendes und radikal neues Kapitel in der haitianisch-amerikanischen Literatur.

Voll emotionaler Wucht und in feinfühliger Sprache ergründen diese Storys die Komplexität haitianischer Identität. Sie erzählen von Erschütterndem und Schönem, von Humor und Härte, von Illusion und Realität.



Ein Ehepaar, das mit dem Schiff in die USA entkommen will, bereitet sich darauf vor, Haiti für immer zu verlassen. Eine junge Frau umgarnt mithilfe eines Voodoo-Liebestranks einen Klassenkameraden aus Kindertagen. Eine Mutter nimmt einen Soldaten als Untermieter in ihrem Haus und in ihrem Bett auf. Und eine Frau wird auf der Flucht vor einem schrecklichen Massaker schwanger, mit einer Tochter, die ihr Leben lang den Geruch von Blut in der Nase tragen soll.


»Mein Wissen über meine Familiengeschichte ist lückenhaft. Wir sind die Hüterinnen von Geheimnissen. Wir sind selbst ein Geheimnis.«




Kurzgeschichten erzählen auf ganz kleinem Raum ganze Welten, anders kann ich es kaum ausdrücken und deshalb liebe ich sie. Die haitianisch stämmige US-Amerikanerin Roxane Gay beherrscht diese Kunst wie kaum eine zweite. Schon die erste Geschichte in dieser Sammlung fesselte mich ans Buch und dann ließ es mich nicht mehr los. Ich habe dieses schmale Büchlein, leider umfasst es nur 192 Seiten, in einer Nacht durchgelesen. Mit extrem leichter Hand bringt die Autorin ihren Leserinnen und Lesern ein unbekanntes Land nah, von Haiti wusste ich bisher nur, dass es sich um ein Nachbarland der Dominikanischen Republik handelt, das politisch instabil und von Armut geprägt ist. Dies thematisiert natürlich auch die Autorin. Sie bringt ihren Leserinnen und Leser aber auch die Liebe der Haitianer zu ihrem Land nahe, denen oftmals nichts anderes übrig bleibt als ihre geliebte Heimat zu verlassen, um der Armut und der Gefahr die an vielen Orten und in vielen Situationen lauert, zu entkommen.

Roxane Gay schafft es mit wenigen Worten, die komplette Leidensgeschichte des 14-jährigen Gerald zu erzählen. Der Junge muss in einem fremden Land mit Vorurteilen und Rassismus kämpfen, »Motherfucker« ist der Einstieg in die Anthologie.

Für andere Storys wieder lässt sie sich mehr Zeit, es bedarf mehr Worte und mehr Zeit um die Geschichte ihrer Protagonistin Theresa, die in »Zucker« ein traumatisches, lebenzerstörendes Erlebnis verarbeiten muss zu erzählen. Weil die Geschichte, die sie erzählt, auch von ihrer Protagonistin verarbeitet werden muss und Gay ermöglicht es den Lesern, diese Geschichte ebenso intensiv zu erleben.

Aber natürlich sind nicht alle Storys geprägt von Leid und Verzweiflung, manche sind auch hoffnungsvoll und sogar heiter.

»Was man über haitianische Frauen wissen muss.« ist eine Story, die nicht einmal eine Seite füllt. Und doch erzählt sie die Geschichte aller Mütter dieser Welt, die ihre Kinder lieben und sie hat mich zum Lachen gebracht.

»Wir fressen keinen Dreck« Ich sprach schon von Vorurteilen und dass ich nichts über Haiti weiß, es scheint aber auch Exil-Haitianern so zu gehen, die das Land nur noch aus den Nachrichten kennen, die nur Bilder von Not und Elend sehen, wie man aus dem Briefwechsel zwischen Elsa und Sara, die in den USA entnehmen kann.

Diese Anthologie hat meine Erwartungen voll erfüllt und in großen Teil sogar übertroffen. Roxane Gay versteht es meisterhaft, mit ihren Geschichten die Vielschichtigkeit von Haiti und seiner Menschen zu präsentieren, und dabei verschiedene Emotionen der Leserschaft zu wecken.



  • Herausgeber ‏ : ‎ btb Verlag (11. Januar 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 192 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3442774144
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442774142
  • Originaltitel ‏ : ‎ Ayiti

Dienstag, 27. November 2018

Blogtour Tag 3 Rigor Mortis



Interview mit Faye Hell
Liebe Faye,
vielen Dank, dass du dich meinen Fragen stellst, im realen Leben würde ich dir jetzt Kaffee und Kekse anbieten, hier geht das leider nicht, also fangen wir am besten gleich an.
Und damit ihr wisst, mit wem ich mich unterhalten habe.


1. Magst du dich meinen Lesern die dich vielleicht noch nicht kennen kurz vorstellen?
Wer ist Faye Hell?

Mhhmmm … keine Kekse. *seufz*
Faye Hell? Nun, das bin ich!
Mag jetzt banal und dämlich klingen, ist es aber nicht. Als ich begonnen habe zu schreiben, habe ich mir ein Pseudonym gesucht. Unter anderem auch deshalb, weil ich ja Lehrerin bin und es in diesem Zusammenhang nicht immer gut ankommt, wenn man ein Horror-Nerd ist. Ich habe mir überlegt, wie diese Faye zu sein hätte … nur um draufzukommen, dass Faye vielmehr die Person ist, die ich eigentlich bin, als zum Beispiel mein Lehrer-Ich. Fast so, als hätte ich Faye erschaffen, um mich wahrhaftig ausleben zu können. Ein blödes Beispiel: Ich war knappe zwanzig Jahre alt, als mir mal jemand gesagt hat, ich könne nicht mehr lange so ein Gothic-Outfit tragen, ohne lächerlich zu sein. Faye kann!
Also, Faye ist Horrorautorin, Horrorfan und Horrorliebhaberin. Ein Leben ohne Horror – egal ob als Buch, Film oder Serie – ist für mich seit meinem elften Lebensjahr undenkbar.

                          

2. Wissen deine Kollegen und vor allem deine Schüler, dass du schreibst und vor allem was du schreibst und wenn ja, was sagen sie dazu?

Die meisten Kollegen wissen es. Vor den jüngeren Schülern versuche ich es (soweit wie möglich) geheimzuhalten. Das ist nicht (nur) meine eigene Entscheidung. Die äußeren Umstände haben das mit sich gebracht und eine gewisse Art von Geheimhaltung notwendig gemacht. Denn nein, es ist nicht selbstverständlich, dass eine Lehrerin eben nicht nur eine Lehrerin ist, sondern sogar ein Privatleben hat. Und sich darüber hinaus vielleicht sogar noch für Horror begeistert! Gott behüte! Eine Horrorautorin als Lehrerin ist für einige Eltern undenkbar. Diese Erfahrung habe ich leider machen müssen.

3. Deine Bücher. Keine Menschenseele und Tote Götter wurden mit Preisen ausgezeichnet, kannst du den Moment beschreiben als du erfahren hast, das du tatsächlich gewonnen hast?

Nahezu alle Menschen werden von Zweifeln geplagt. Im Autorenumfeld bekomme ich häufig den Eindruck, dass sich Autoren dieses Quäntchen mehr quälen als andere. Der Zweifel ist ein fieses Vieh, das nur darauf wartet, dir ins Ohr zu flüstern, dass deine Arbeit nichts wert ist, sich sowieso niemand dafür interessiert und du am besten alles hinwerfen solltest. Ich denke nicht, dass mich irgendeiner der Preise objektiv wirklich weitergebracht hat in meiner (nennen wir es halt mal so …) Karriere. Aber Preise sind richtig gut darin, dem Zweifelsuntier fest in den Arsch zu treten. Und ja, ich habe mich jedes Mal höllisch gefreut. Es ist eine Form der Anerkennung und ich weiß es total zu schätzen, dass mich meine Leser immer so grandios unterstützen.

4. Im November erscheint dein neuestes Buch: Rigor Mortis, kannst du uns schon ein bisschen was verraten?

Ich glaube, Rigor Mortis könnte mein bisher bestes Buch sein. Aber mein Freund und Autorenpartner M. H. Steinmetz hat mir mal gesagt, dass das so sein muss. Wenn dem nämlich nicht so wäre, dann könnte man aufhören zu schreiben. Da hat er sicher recht!
Ich habe vor allem sehr viel Recherchearbeit in diesen Roman investiert, da ja einer der Handlungsstränge im Yukon Territory/in Alaska zur Zeit des Goldrausches spielt und es war mir sehr wichtig, dass ich die Geschichte zwar zu meiner eigenen mache, in den zentralen Punkten aber historisch korrekt bleibe. Dazu habe ich auch direkt vor Ort recherchiert und Sekundärliteratur besorgt. Diese Reise hat den Roman ungemein beeinflusst, nicht nur, was die Fakten angeht. Zum Glück ist es mir gelungen, die Magie dieser besonderen Region treffend zu Papier zu bringen. Und alle Orte, die in Rigor Mortis erwähnt werden, habe ich tatsächlich selbst besucht!
Auch musste ich das erste Mal in meiner Autorenlaufbahn ein Vorwort schreiben, da ich einen Ich-Erzähler erschaffen habe, vor dem mir wahrhaft selbst graut. Er ist meine wahrscheinlich abstoßendste, aber auch vielschichtigste und durchdachteste Figur. Richard Darius ist ein modernes Monster, ein Zerrspiegel unserer Zeit.



Zum Klappentext und zum Cover und zu einer Überraschung, klickt mal auf das Coverbild.

(Das Buch erscheint als E-Book am 02.12.2018, Printliebhaber wie ich müssen noch etwas länger warten)

5. Nach dem Buch ist vor dem Buch: Woran arbeitest du gerade?

Gerade arbeite ich gemeinsam mit M. H. Steinmetz an einem Old-School-Hardcore Roman, der Sommer nächsten Jahres bei Redurm erscheinen wird. Das ist für mich ein neues Genre, auch wenn in all meinen Büchern auch bisher schon Hardcoreszenen zu finden sind. Es ist eine Herausforderung, aber auch saugeil! Mal so richtig auf den Putz klopfen, bis Scheiße und Blut spritzen. Mal etwas weniger literarisch. Und es macht unfassbar viel Spaß, mit einem Kollegen und Freund an einem Roman zu arbeiten. Steinmetz und Hell, das harmoniert. Wie bereits die Anthologie Ghost Stories of Flesh and Blood beweist. Klar gibt es jetzt schon Stimmen, die behaupten, ich würde für ein derartiges Buch meinen guten Namen verkaufen. Aber ich vertraue auf die Mündigkeit meiner Leser und darauf, dass diese selbst erkennen werden, dass dieses Buch wohl von meiner üblichen Schiene abweicht. Steinmetz/Hell ist ja auch so etwas wie eine Marke innerhalb der Marke.
Nebenbei feile ich an meinem zweiten Infotainment Buch. Und an der Idee zu einer Novelle, die ich auch demnächst umsetzen werde. Einen vierten, eigenständigen Roman habe ich auch schon im Sinne und recherchiere eifrig.

6. Hattest du schon mal den Wunsch alles hinzuschmeißen und das Schreiben aufzugeben und was hat dich motiviert weiterzumachen?

Ja, hatte ich. Mehrfach sogar. Niemand ahnt, wie viel Zeit und Herzblut in diese Arbeit fließen und wie wenig oft zurückkommt. Ganz im Gegenteil, oftmals kommt sehr viel Ablehnung auf einen zu. Schnell mal wird man als Horrorautorin als pervers oder abartig abgestempelt. Und ich bin noch nicht so abgebrüht, dass ich das als Adelsprädikat anerkennen könnte. (grins) Es kann hart sein, einem Traum hinterherzujagen und teilweise erschreckend ernüchternd. Was mich grundlegend motiviert, ist die Liebe zur Sache. Der Horror, die Schreiberei. Vincent Voss hat mir in einer Situation des Zweifelns mal gesagt: „Du wirst nicht aufhören. Du wirst schreiben. Du kannst gar nicht anders.“ Besser könnte ich es nicht sagen. Der Drang zu schreiben steckt in mir, seit ich schreiben kann. Wenn ich zweifle, habe ich mein schreibendes Umfeld, das mich aufbaut. Und Mister Hell und Mama Hell. Kein Mensch ist eine Insel, auch Autoren nicht.

7. Diese Frage passt vielleicht zur vorigen. Was rätst du Menschen die davon träumen zu schreiben und vor allem auch zu veröffentlichen?

Genau das, was man mir ganz am Anfang geraten hat: Du brauchst einen langen Atem! Weiterführend: Wer beim ersten Hindernis umdreht, beim ersten Gegenwind die Ohren anlegt und abtaucht, der wird es nicht schaffen. Und tritt die verdammte Eitelkeit in die Tonne! Ich weiß, du bist überzeugt von deiner Arbeit. Das ist die Grundvoraussetzung und schwer genug! Das heißt aber nicht, dass es alle anderen auch sofort sein werden. Absagen sind kein Grund weinend im Selbstmitleid zu versinken und aufzugeben oder (das andere Extrem) aufs Hohe Ross zu steigen und diejenigen schlechtzumachen, die einen abgelehnt haben. Nein, genau dann heißt es sich schütteln wie ein nasser Hund und einfach weitermachen. Und wenn du damit fertig bist, dann machst du weiter. Und weiter. Und weiter. Bis du ein Ziel nach dem anderen erreicht hast. Und übrigens: He Leute, wenn ich das hingebracht habe, dann schafft ihr das auch!

8. Welchen Liebesroman hast du gelesen und geliebt? (Irgendeine Leiche hat doch jeder im Keller).

Hihihi. Das fragst du doch nur, weil du das bereits weißt! (grins) Ja, ich lese auch mal Liebeskram. Sehr selten. So gut wie nie. Weil ich einfach schrecklich unrund werde, wenn Klischees plattgetreten werden. Etwas, dass die Liebe und der Horror übrigens gemein haben, wenn es um die kommerzielle Nutzung geht. Weil die Rezipienten teilweise auf Klischees bestehen! Wenn ich Rezensionen lese, in denen sich ernsthaft Frauen darüber beschweren, dass das „dicke Mädchen“ aus dem Roman wohl niemals so einen klasse Kerl abbekommen würde und dass die Autorin da gewiss nur ihre eigenen Sehnsüchte verarbeitet hat … dann werde ich so aggressiv, dass ich gleich wieder ein paar schöne Hardcoreszenen schreiben muss.
Mein liebster Liebesroman ist von Phoebe Ann Miller „Auf die andere Art“. Kein Klischee, echte Gefühle, viele Tränen!

Danke für das Interview und wehe, du bringst mir in Leipzig keine Kekse ….
(Schnurrrrrrrrrr from Hell)



Ich habe zu Danken, für Deine Zeit und dieses tolle Interview, ich freue mich schon auf ein Wiedersehen in Leipzig, mit Keksen.

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