Hannes Kobler ist ein Polizist der alten Schule. Seine Methoden wirken manchmal etwas umständlich, doch er arbeitet akribisch und hartnäckig. Seit seiner Scheidung und dem Umzug seiner Tochter Lena-Lisa nach Dresden lebt er größtenteils allein. Sein Alltag besteht aus Arbeit, Tiefkühlpizza und Polizeiserien, bis ihn ein neuer Auftrag nach Pirna führt.
Dort soll Kobler die sächsische Polizei dabei unterstützen, Schleusernetzwerke an der Grenze zu Polen und Tschechien aufzudecken. Der Wechsel vom Einbruchsdezernat in Nürnberg kommt ihm gelegen: Er wäre seiner Tochter näher und könnte in der Sächsischen Schweiz seiner Wanderleidenschaft nachgehen.
Für sein Team wählt er Sophie aus, eine junge Kollegin, die er noch aus ihrer Praktikumszeit kennt. Kobler hält sie für leicht lenkbar, da sie während des Praktikums jede seiner Anweisungen widerspruchslos befolgte, doch Sophie ist alles andere als ein „Mäuschen“. Sie bietet ihm Paroli, hinterfragt seine Entscheidungen und setzt sich kritisch mit den moralischen Grenzen des Einsatzes auseinander.
Schon bald entwickelt sich der Fall zu einer persönlichen Herausforderung. Die Ermittlungen führen Kobler tief in die kriminellen Strukturen der Region und zugleich in eine Vergangenheit, die eng mit der innerdeutschen Fluchtgeschichte verbunden ist. Durch Asal, der Freundin von Koblers Tochter, die ebenfalls eine erschütternde Fluchtgeschichte hat, erhält Sophie einen neuen Blick auf die Unterschiede zwischen heutigen Schleusern und den einst gefeierten Fluchthelfern der DDR.
Maria Braig hat mich mit diesem Krimi vor allem deshalb erreicht, weil sie die eigentliche Ermittlungsarbeit mit den persönlichen Geschichten der Figuren verbindet. Die Schleuserkriminalität bleibt dabei nicht einfach ein Fall, den Kobler lösen muss. Immer wieder geht es auch um die Menschen, die von Flucht betroffen sind, und darum, wie unterschiedlich Fluchthilfe bewertet wird. Besonders interessant fand ich dabei Asals Geschichte und die Erfahrungen von Koblers Eltern, weil dadurch auch die Vergangenheit der innerdeutschen Grenze eine Rolle bekommt.
Gut gefallen hat mir außerdem, dass die Figuren nicht einfach in gut und böse eingeteilt werden. Gerade Kobler macht im Laufe der Geschichte eine Entwicklung durch. Anfangs war er mir mit seiner sturen und teilweise ziemlich altmodischen Art eher unsympathisch. Durch Sophie bekommt er aber immer wieder einen Spiegel vorgehalten und man merkt, dass er durchaus bereit ist, über sich selbst nachzudenken.
Der Schreibstil ist angenehm klar und lässt sich flüssig lesen. Die Ermittlungen nehmen einen großen Raum ein, trotzdem bleiben die Menschen dahinter präsent. Für mich war es vor allem die Mischung aus Kriminalfall, den interessanten Figuren und dem Blick auf die unterschiedlichen Bewertungen von Schleusern und Fluchthelfern, die den Roman lesenswert machen.
- Herausgeber : epubli
- Erscheinungstermin : 26. Juni 2026
- Auflage : 14.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 258 Seiten
- ISBN-10 : 356552863X
- ISBN-13 : 978-3565528639
- Lesealter : Ab 18 Jahren

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