Dienstag, 19. Mai 2026

Cor Magis von Michael Siefener


Nach einem Herzinfarkt versucht der namenlosen Erzähler wieder ins Leben zurückzufinden. Dafür erfindet er die Figur des Amon Ruf. Doch mit fortschreitender Handlung vermischt sich das Leben der Kunstfigur mit dem des Erzählers immer mehr. Was ist Realität, was Fiktion?


Mit Cor Magis hat Michael Siefener einen Roman vorgelegt, der mich gleichermaßen fasziniert und verwirrt hat und der sich auf gar keinen Fall nebenbei lesen lässt.

Nach dem Herzinfarkt, den der Erzähler nur knapp überlebt hat, kehrt er nach Hause zurück. Dort fühlt sich plötzlich alles fremd an, nicht nur seine Wohnung, sondern auch er selbst. Gleich zu Beginn des Romans steht ein Satz, der für mich im Laufe der Lektüre immer wichtiger wurde:

„Es sind doch nur Gefühle, Stimmungen, Ängste, Erlebnisse.“

Sich damit auseinanderzusetzen, fällt dem Erzähler schwer, so wie es uns wohl allen ergehen würde. Deshalb erschafft er sein Alter Ego Amon Ruf. Durch ihn kann er von seiner Zeit im Krankenhaus, der anschließenden Reha und dem Versuch erzählen, nach seiner Rückkehr nach Hause ein neues und glücklicheres Leben zu beginnen und an seine vermeintlich glückliche Kindheit in seiner alten Heimat Köln anzuknüpfen.

Im Mittelpunkt stand für mich weniger eine klare Handlung als vielmehr die bedrückende Stimmung, die der Text erzeugt. Vieles blieb offen und rätselhaft, doch genau das hat mich beim Lesen immer tiefer in die Geschichte hineingezogen. Die Bilder, die der Autor in meinem inneren Auge entstehen ließ, haben die Ängste des namenlosen Erzählers für mich sehr greifbar gemacht. Besonders seine Angst vor dem Tod, die nach dem Herzinfarkt immer wieder spürbar wurde, hat mich beeindruckt. Gleichzeitig habe ich seine Einsamkeit und seine vorsichtige Hoffnung auf ein wenig Glück deutlich gespürt, auch wenn er sich dieses Glück selbst kaum erlaubt. Gerade die düsteren und albtraumhaften Bilder haben die beklemmende Atmosphäre für mich besonders intensiv gemacht.

Besonders spannend fand ich die Atmosphäre des Buches. Sie ist dunkel, intensiv und stellenweise fast beklemmend, zugleich aber auch literarisch und eigenwillig. Cor Magis verlangt Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich auf Unsicherheiten einzulassen. Wer eine geradlinige Geschichte erwartet, könnte irritiert sein. Wer sich jedoch gern auf ungewöhnliche Literatur einlässt, wird hier reich belohnt.

Für mich ist das ein Roman, der nicht über einfache Verständlichkeit funktioniert, sondern über seine Wirkung und die Bilder, die er vor meinem inneren Auge hinterlassen hat. Genau das macht den Roman für mich so stark. Er bleibt im Kopf, gerade weil er nicht alles erklärt. Es ist ein Buch, das man nicht einfach liest, sondern das einen noch lange begleitet.



Bei dem Buch handelt es sich um einen Privatdruck ohne ISBN in limitierter Auflage, kaufen kann man es direkt beim Verlag: 

https://dunkelgestirn.jimdofree.com/2026/03/15/erschienen-cor-magis-von-michael-siefener/

Die Illustrationen im Buch sind von Jörg Kleudgen, der am Ende des Buchs noch etwas zu ihrer  erzählt. 

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