Freitag, 9. Januar 2026

Hände des Todes von Algernon Blackwood (Herausgeber: Michael Schmidt und Achim Hildebrand) eine Anthologie


Algernon Blackwood war mir, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, nicht bekannt. Gut, vielleicht habe ich die eine oder andere Story von ihm schon gelesen, aber beschwören kann ich es nicht. Und dann kam ich in Kontakt mit Michael Schmidt, einem der Herausgeber der Anthologie „Hände des Todes“, und da ich Kurzgeschichten liebe und ein Faible für Gruselgeschichten habe, ist dieses Buch natürlich genau das Richtige für mich.

Mit „Hände des Todes“ liegt nun bereits der dritte Sammelband in der sorgfältigen Übersetzung und Zusammenstellung von Achim Hildebrand vor.

Die 22 hier versammelten Geschichten, entstanden zwischen 1910 und 1935, verzichten auf Schockmomente. Das Grauen, von dem er berichtet, ist subtil, und manchmal zauberte mir eine Geschichte sogar ein Lächeln ins Gesicht. Da ist z. B. Die Sammlung des Kobolds / The Goblin's Collection von 1912, in der ein Gast eines Landhauses immer wieder funkelnde Gegenstände vermisst, die genauso plötzlich wieder auftauchen, wie sie verschwanden. Oder eine, wie ich finde, wunderschöne Liebesgeschichte: „Ruf aus dem Jenseits / The Call“ von 1921. Eifersüchtig beobachtet ein Mann, wie sein bester Freund sich des Nachts mit einer Frau trifft, auf die er sich selbst Hoffnung macht. Dabei hört er immer einen unbekannten Vogelruf. Am Ende ist nichts so, wie es scheint.

Das seltsame Verschwinden eines Baronets / Strange Disappearance of a Baronet (1914) wiederum ist komplett anders. Schaut man hinter das Offensichtliche, lernt man als Leser, dass es Wichtigeres gibt als Geld und die Wertschätzung, die man von anderen erwartet, verdient sein will.

Der Zugang ist nicht immer ganz einfach, was hauptsächlich an der Sprache liegt: Ausdruck und Erzählhaltung stammen aus einer anderen Zeit und wurden in der Übersetzung erfreulicherweise so weit wie möglich bewahrt. Für mich ist das ein großer Pluspunkt, denn gerade diese altmodische Wortwahl trägt entscheidend zum Flair der Geschichten bei und erzeugt jene klassische Gänsehautstimmung, die ich an Gruselgeschichten aus dieser Zeit so mag.

Besonders beeindruckt haben mich die Vielfalt der Themen und die ruhige, oft nachdenkliche Art, mit der Blackwood über das Übernatürliche schreibt. Fast jede Story hatte ihren Reiz, einige bleiben besonders im Gedächtnis, wie gleich die erste und titelgebende Geschichte: Hände des Todes / Hands of Death (1935). Mike Kelly ist stellvertretender Vorarbeiter auf einer bolivianischen Baustelle, der sich in eine junge Frau verliebt, die eine besondere Stellung in ihrem Dorf zu haben scheint, ebenso wie ihre Mutter. Als er von ihrem Geheimnis erfährt, ist es schon fast zu spät.

Erwähnenswert sind zudem die stimmungsvollen Illustrationen von Adrian van Schwamen und das  Cover von Björn Ian Craig, die beide wunderbar zur Atmosphäre der Sammlung passen.

„Hände des Todes“ ist damit weit mehr als nur ein weiterer Gruselband. Die Anthologie ist eine echte Empfehlung für Leserinnen und Leser, die das Unheimliche lieber in feinen Zwischentönen erleben als in großen Schockmomenten.


  • ASIN ‏ : ‎ B0G33JV7CN
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 19. November 2025
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 398 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8265897183

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