1965 wird die junge Pearl zur Entbindung nach Lichen Hall geschickt, einem gotischen Herrenhaus, das in Schottland inmitten eines Waldes steht. Unverheiratete Frauen kommen hierher, um heimlich ihre Kinder zur Welt zu bringen.
Doch in Lichen Hall lauert Gefahr. Seltsame Schimmelpilze überwuchern die Wände und gespenstische Geheimnisse kriechen aus dem dunklen Wald heran.
Dieses Buch ist durch einen reinen Zufall zu mir gekommen. Im Urlaub ging mir der Lesestoff aus, am einzigen Ort, an dem deutschsprachige Bücher verkauft wurden, fiel mir dieses Buch in die Hände: „Der Geisterwald“ von C.J. Cooke (Festa Verlag).
Mabel ist 17 Jahre alt, als sie schwanger wird – dabei schwört das junge Mädchen Stein und Bein, dass sie noch nie mit einem Mann geschlafen hat. Natürlich glaubt ihr niemand, und bevor jemand sieht, dass sie „Schande“ über die Familie gebracht hat, wird sie von ihrer Mutter und dem Stiefvater Richard nach Lichen Hall geschickt. Dort werden Mädchen und Frauen, die ein uneheliches Kind erwarten, aufgenommen. Sie bekommen ihr Kind, das dann an kinderlose Ehepaare vermittelt wird. Danach können die Frauen ihr Leben fortsetzen, als wäre nichts geschehen. Dass das nicht so einfach ist, zeigt sich natürlich später.
Einige Jahre später kommt Pearl nach Lichen Hall, ungewollt schwanger von einem One-Night-Stand. Lichen Hall hat sich von einem prächtigen Herrenhaus in einen Ort des Verfalls verwandelt – und nicht nur das Haus: auch die Besitzer Mr. und Mrs. Whitlock sind längst nicht mehr so freundlich und zugewandt wie einst. Und dann ist da noch Wulfric, das Kind des verstorbenen Sohnes der Whitlocks: ein seltsames Kind, das von Pearl unterrichtet werden soll,als Gegenleistung für ihren Aufenthalt in Lichen Hall. Pearl trifft auf einen weiteren kleinen Jungen, der allerdings angeblich nicht existiert, das stellt sich als Lüge heraus und wir lernen Sylvan kennen ein Kind mit besonderen Fähigkeiten. Nach und nach kommt Pearl dem Geheimnis von Lichen Hall auf die Spur.
Mrs. Whitlock regiert mit eiserner Hand, ihr kranker Ehemann vegetiert dahin, und die Frauen leiden unter sklavereiähnlicher Ausbeutung. „Der Geisterwald“ ist eine unheimliche Verschmelzung aus realer Grausamkeit und übernatürlichen Schauern. Der umliegende Wald ist ein Ort für unheimliche Geschichten und schottische Legenden, wo die Hexe Nicnevin auf Rache für einen lang zurückliegenden Mord sinnt.
Ich mochte den Perspektivwechsel zwischen 1959 und 1965 und dass die beiden Schicksale aufeinander zulaufen. Die Geschichte, die C.J. Cooke erzählt, ist weit mehr als eine Gruselgeschichte. Sie thematisiert die Scham von unverheirateten Müttern und ihre Hilflosigkeit gegenüber der Kontrolle, die andere über sie ausüben, und es geht um Missbrauch und die daraus resultierenden Schutzmechanismen des menschlichen Geistes.
„Der Geisterwald“ fängt perfekt ein, wie gesellschaftliche Unterdrückung und übernatürlicher Horror sich in Lichen Hall zu einem bleibenden Schauer weben. C.J. Cooke verbindet die Schmach unverheirateter Mütter mit schottischen Legenden und macht aus einem Gothic-Thriller eine eindringliche Kritik an Kontrolle und Missbrauch. Eine Geschichte, die unter die Haut geht und lange nachhallt – absolut lesenswert für Fans von Tiefe im Grusel.
- Herausgeber : Festa Verlag
- Erscheinungstermin : 30. Juli 2025
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 496 Seiten
- ISBN-10 : 3986762264
- ISBN-13 : 978-3986762261

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