Montag, 11. März 2024

Das Lächeln der Königin von Stefanie Gerhold

 

Ihre Schönheit ist zeitlos, ihre Entdeckung eine Sensation – die Büste der Nofretete. 1913 gelangt sie nach Berlin und wird für den Mäzen der Grabungen, James Simon, zum Triumph. Doch bald werden Rückgabeforderungen laut. Stefanie Gerhold erzählt vom kolonialen Grabungsrausch in Tell el-Amarna, jüdischem Bürgertum in Berlin und den flirrenden Hoffnungen der Zwanzigerjahre.




Wer Berlin besucht, besucht wahrscheinlich auch das »Neue Museum«, um die Büste der »Nofretete« zu sehen. Doch wie kam die 3000 Jahre Büste eigentlich nach Berlin? Diese Frage beantwortet Stefanie Gerhold in ihrem Roman »Das Lächeln der Königin« Sie erzählt uns von einem der größten Kunstmäzene und Wohltäter des 20. Jahrhunderts, dem Textilunternehmer James Simon, dessen große Leidenschaft die Kunst. Waren die Menschen schon lange von ägyptischer Kunst begeistert, löste der Fund der Nofretete in Tell el-Amarna einen, wie man heute sagen würde, einen wahren Hype aus, der bis heute anhält. Ohne James Simon, der die Ausgrabungen des Archäologen Ludwig Borchardt finanzierte, stünde die weltberühmte Büste wohl nicht schon seit 100 Jahren (mit Unterbrechungen) in Berlin. Ich konnte nicht anders und habe noch etwas mehr recherchiert, ich liebe es, wenn Romane mich dazu anregen. Dabei stieß ich unter anderem auf diese Information, die mich wieder einmal an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte erinnerten. Unter dem auch James Simon, wie Millionen anderer, als Jude zu leiden hatte.

»Ab 1938 trugen die Objektschilder aller von jüdischen Mäzenen gestifteten Exponate nur noch den Vermerk „Geschenk“ und die Werke Simons wurden im August 1939 aus ihrem angestammten Kabinett entfernt. Nach 35 Jahren war die Würdigung des großen Berliner Mäzens der NS-Rassenpolitik zum Opfer gefallen, und der Name James Simon blieb auch nach 1945 für Jahrzehnte weithin vergessen. Erst ab 1973 wurden Werke der Sammlung in einem Raum der Museen Dahlem gezeigt."*

Vieles von dem, was wir in den Museen bewundern können, wäre ohne Menschen wie James Simon nicht möglich gewesen. Simon gründete 1889 die „Deutsche Orientgesellschaft“ und nutzte seine Stellung als stellvertretender Schatzmeister, um Ausgrabungen in Ägypten und im Vorderen Orient zu organisieren und zu finanzieren.

Die Autorin verwebt historische Fakten mit einer erdachten Geschichte, wer also ein Sachbuch erwartet, das nur harte Fakten liegt mit diesem Buch falsch. Wer allerdings einen unterhaltsamen Roman lesen will, der auch von Simons schwieriger Ehe mit Agnes Reichenheim erzählt und von seiner Freundlichkeit seinen Angestellten gegenüber, der hat mit diesem Roman genau das richtige Buch gefunden. 

Im Epilog finden sich noch viele wichtige Informationen zu James Simon und sie sind genauso lesenswert wie der Roman »Das Lächeln der Königin«

*https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/james-simon-galerie/ueber-uns/james-simon/

  • Herausgeber ‏ : ‎ Galiani-Berlin; 1. Edition (8. Februar 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 288 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3869712988
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3869712987

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