Dienstag, 14. Juli 2020

Symphonie der Stille von Manuel Hirner

Klappentext: Traurig, heiter, drohend. Schnell und langsam, tragend und fallend. Der taube Junge Luctu erlebt seine Welt im Niedergang, denn der Urzeitmolch Cudu und Anker der Realität ist in tiefen Schlaf versunken. Mit jedem Vollmond vergrößert sich die Traumzone, ein Gebiet um die Höhle des Molches, in dem alles bestehende Leben zu sterben beginnt – und neuen Kreaturen Platz macht. In einer Zeit, in der die bewohnbare Welt auf einen Bruchteil zusammengeschrumpft ist, folgt Luctu einem trügerischen Versprechen und der Hoffnung auf ein Ende der Traumzone.

Symphonie der Stille ist ein Roman über die Schönheit, über die Macht der Musik – betrachtet durch die Augen eines Tauben. Durch einen bildhaften und greifbaren Erzählstil mit melancholischen Zügen taucht der Leser in eine lebendige, traumhafte Welt ein. Ein Muss für jeden Leser anspruchsvoller, ungewöhnlicher Fantasy.


Ausnahmsweise bekommt ihr heute zu meiner Rezension den Klappentext dazu, der eigentlich schon alle meine Gefühle beim Lesen des Buches ausdrückt.

Cudu der Urzeitmolch, war es leid über die Welt zu wachen und beschloss diese Last für immer abzuwerfen, er gab den Menschen und allen anderen Lebewesen eine Frist von drei Jahren

Mit dem Klang seiner Violine versucht Estis den Urzeitmolch Cudu davon abzubringen die Welt und alle ihre Bewohner aufzugeben, der Klang seines Spiels ist allerdings so betörend das Cudu in einen tiefen Schlaf fällt und seine Träume wahr werden. Mit jedem Vollmond vergrößert sich die Traumzone rund um Immerda. Seltsame Pflanzen und gefährliche Kreaturen verdrängen die bekannten und  bevölkern die Traumzone. Die Menschen hören das Lied der Traumzone und können ihm nicht entrinnen und verfallen dem Wahnsinn, eine Flucht schiebt das unvermeidliche nur auf, denn es ist nur eine Frage der Zeit bis die Traumzone alles verschlingt.
Getrieben von der Hoffnung, die ein Gerücht nährt, macht sich der 12jährige, taube Luctu auf den Weg nach Nóruhi, wo ein berühmter Geiger eine Lösung verspricht und Wissenschaftler im Auftrag der Könige versuchen die Geheimnisse der Traumzone zu entschlüsseln.
Auf seinem Weg findet er wahre Freunde und Kampfgefährten.

Mein allererster Gedanke, nachdem ich den Klappentext gelesen hatte war: Ein Urzeitmolch? Wie kommt man denn auf die Idee gerade einen Molch zum Bewahrer der Welt zu machen, sind es nicht normalerweise etwas prachtvollere Wesen, welche die Geschicke der Welt leiten? Drachen oder sogar Bäume? Aber gut, hier ist es eben ein Molch.
Und ich wurde belohnt. 
Symphonie der Stille von Manuel Hirner, 
ist eines der wunderbarsten Fantasybücher, das ich in der letzten Zeit lesen durfte.
Die Charakterbeschreibungen des Autors sind bildhaft und doch lassen sie Raum für die eigene Fantasie, ebenso verhält es sich mit den Beschreibungen der Landschaften und der nicht menschlichen Lebewesen, welche die Welt bevölkern. Nach und nach erfährt man mehr darüber wie die Welt aufgebaut ist und wie die Menschen zu den nicht Menschen ist, wer Freund und wer Feind ist, wobei ich mir da nicht immer ganz im klaren drüber war, einiges wurde noch nicht ganz aufgelöst, denn bei Symphonie der Stille handelt es sich um einen 1. Teil.
Eine Tatsache, die mich am Ende erleichtert aufatmen ließ, denn je näher ich dem Ende kam, desto unruhiger wurde ich: Wenn der Autor auf den wenigen verblieben Seiten eine komplette Auflösung bringt, hätte er das nur in unpassender Hast tun können.
Eine weitere Befürchtung war das jugendliche Alter Luctus, ich habe ja nicht aufgepasst und erst beim Lesen gemerkt, das er noch ein Kind ist, man das Buch also als Jugendbuch bezeichnen kann. Aber, diese Rezension wimmelt nur so von positiven Abers, Luctus ist kein typischer zwölfjähriger, das mag an seiner Taubheit liegen, die ihn vorzeitig erwachsen werden ließ, aber das glaube ich nicht, Luctus ist einfach ein sympathischer, intelligenter, wohlerzogener Junge, ich mag ihn sehr.
Sollte das Buch als Jugendbuch konzipiert worden sein, wovon ich eigentlich ausgehe, zeugt es von tiefem Respekt dem jugendlichen Leser gegenüber, ich habe schon einige Jugendbücher gelesen und viele von ihnen waren eher schlicht und einfach geschrieben, so als würde der Autor seinen Lesern nicht zutrauen komplexere Zusammenhänge zu verstehen. Ein Grund warum ich lange keine Jugend Fantasy las, 
 Manuel Hirner traut seinen Lesern da schon mehr zu, wesentlich mehr und das Ergebnis ist dieses absolut empfehlenswerte Buch.
Ich freue mich schon auf den zweiten Teil.

  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: Fritz, A. Verlag (17. Januar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3944771303
  • ISBN-13: 978-3944771304


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