Freitag, 3. Oktober 2025

Kastanienallee: Roman von Louise K.

Das Setting von „Kastanienallee“ wirkt auf den ersten Blick fast idyllisch: stattliche Häuser, gepflegte Nachbarn, ein gewisser Hang zur Exklusivität. Hier möchte jeder wohnen, der etwas auf sich hält, solche Wohngegenden gibt es wohl in jeder Stadt und jedem Dorf auf der Welt. Doch der Roman von Louise K. zeigt, dass hinter der Fassade vieles brodelt und manchmal ist alles mehr Schein als Sein, und genau das macht die Lektüre so interessant.

Im Mittelpunkt stehen Menschen, die alle auf unterschiedliche Weise versuchen, ihren Platz in diesem exklusiven Wohnviertel zu behaupten. Der Kioskbesitzer Hermann Hartl ist so etwas wie der Mittelpunkt der Nachbarschaft: Er wirkt hilfsbereit, doch eigentlich ist er immer auf der Suche nach einer Gelegenheit Geld zu machen, selten auf legale Weise.  Besonders auffällig ist auch Hans, ein Mann, der sich auf Kosten seiner Frau Julie ein schönes Leben macht. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein, während Julie nichts in die Öffentlichkeit zieht, ist Hans ein Hans Dampf in allen Gassen (OK, das ging jetzt nicht anders) der am liebsten noch mehr Zugriff auf das Vermögen seiner Frau hätte. Oder auch der Erbe Rudolph Staller, der den Geist eines Kindes im Körper eines Erwachsenen hat und sich am liebsten mit seiner Eisenbahn beschäftigt. Seine Eltern haben theoretisch gut dafür gesorgt, dass es ihm auch nach ihrem Tod an nichts fehlt. 

Erwähnenswert finde ich auch die arbeitslose Historikerin Elinor Pächter, die fieberhaft nach einem Thema für einen Artikel sucht, um endlich Anerkennung und damit mehr Aufträge zu bekommen und nicht mehr nur von der Hand im Mund leben zu müssen, weil sie sich mit einem Miniauftrag zum nächsten hangelt. 

Jeder Bewohner der Kastanienallee verfolgt eigene Pläne, manche bleiben verborgen, andere treten offen zu Tage. Was alle verbindet, sind Schwächen, Träume und Geheimnisse. Gerade dieses Zusammenspiel ganz unterschiedlicher Persönlichkeiten macht Louise K.s Roman zu einer entwaffnend echten Momentaufnahme des Zusammenlebens.

Mit viel Feingefühl und einem kritischen, oft augenzwinkernden Blick schildert Louise K. den Alltag in der Straße. Die „Kastanienallee“ wird so zu einem Spiegelbild unserer Gesellschaft:  Wer Freude an klugen, warmherzigen Gesellschaftsporträts hat, dürfte sich hier schnell wiederfinden und mit Staunen und ein wenig Schmunzeln auf das bunte Treiben zwischen den Villen blicken.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Kremayr & Scheriau
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 10. September 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 264 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3218014816
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3218014816


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