Donnerstag, 31. Juli 2025

Kollateralschaden von Willi Vögeli


Kollateralschaden
ist der zweite Band um den Ermittler Wilhelm Beck und hat mich vor allem durch das stimmige Setting in den 1980er-Jahren überzeugt. Die deutsch-deutsche Teilung, das Fehlen moderner Technik und die allgegenwärtige Überwachung durch Staatssicherheit und Verfassungsschutz machen das Buch glaubwürdig und atmosphärisch dicht. Gerade diese Verankerung in der Zeit macht den Roman für mich besonders interessant.

Beck hat sich nach einem Einschnitt aus dem Polizeidienst zurückgezogen und betreibt inzwischen eine Buch- und Weinhandlung – ein glaubwürdiger Neustart, der gut zu seiner Figur passt. Der neue Fall beginnt, als seine frühere Kollegin Senta Fischer ihn bittet, mit der Mutter der verschwundenen Studentin Anna Lorenz zu sprechen. Anna ist in Heidelberg spurlos verschwunden, die Polizei sieht zunächst keinen Grund zur Sorge. Doch Beck beginnt zu ermitteln und stößt bald auf Hinweise, dass hinter Annas Verschwinden mehr steckt – und dass weitere ähnliche Fälle nicht zufällig sind.

Die Spur führt Beck und Senta von Heidelberg über das Mannheimer Drogenmilieu bis nach Halle in der DDR. Beide geraten zunehmend unter Druck, als sich auch der Verfassungsschutz einmischt und weitere Nachforschungen unterbinden will. Dass Beck sich davon nicht abschrecken lässt, passt zu seiner beharrlichen, aber auch verletzlichen Figur.

Der Fall entwickelt sich langsam, wird dann aber immer spannender und komplexer. Besonders gelungen finde ich, dass die Geschichte immer wieder neue Wendungen nimmt, ohne dabei überladen zu wirken. Die Ermittlungen führen in unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche – etwa zu einer Heidelberger Burschenschaft und zu oppositionellen Gruppen in der DDR. Diese Vielseitigkeit macht den Roman abwechslungsreich und fesselnd.

Wilhelm Beck ist eine überzeugende Hauptfigur, dessen persönliche Entwicklung gut eingebunden ist. Unterstützt wird er von einer kleinen Gruppe enger Vertrauter, was dem Roman eine menschliche und glaubwürdige Seite verleiht. Auch die Nebenfiguren sind gut gezeichnet und wirken nicht bloß als Hintergrund.

Die Atmosphäre der 1980er-Jahre ist durch viele Details sehr gut eingefangen – sowohl im Westen als auch im Osten, soweit ich das beurteilen kann, damals war ich gerade mal 15. Dass die Ermittlungen ohne Handys und Internet auskommen, macht sie glaubwürdig und sorgt für ein ruhigeres, aber durchaus spannendes Erzähltempo.

Fazit
Kollateralschaden ist ein spannender Kriminalroman mit einem starken Zeitbezug. Die Geschichte ist gut erzählt, die Figuren wirken lebendig, und das historische Umfeld ist überzeugend dargestellt. Wer Krimis mit etwas Tiefgang und einem Blick auf die gesellschaftlichen Umstände der Zeit mag, wird hier fündig.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Bookmundo
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 12. Mai 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 352 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 9403804548
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-9403804545

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