Dienstag, 15. Juli 2025

Das Beste sind die Augen von Monika Kim


Manchmal beginnt eine Geschichte ,wie so viele andere. Eine Familie, ein Vater, der geht, zwei Töchter, die zurückbleiben. Und eine Mutter, die sich in ihre eigene Welt aus Hoffnung, Aberglauben und Verzweiflung flüchtet. Das Beste sind die Augen von Monika Kim ist eine dieser Geschichten, die sich langsam entfalten, aber mit jeder Seite eindringlicher werden. Eine kleine Warnung vorweg, manche Szenen sind wirklich eklig.

Im Mittelpunkt steht Ji-won, eine junge Frau, die gemeinsam mit ihrer Schwester 

Ji-hyun versucht, den Verlust des Vaters zu verarbeiten. Die Mutter ist den beiden keine Hilfe sie ist wie gelähmt und wartet voller Verzweiflung, Tag für Tag, auf seine Rückkehr. „In ihrer Verzweiflung klammert sie sich an etwas, das sie von früher kennt: Fischaugen zu essen bringe Glück, hieß es von ihren Eltern. Auch wenn diese sie eigentlich nur dazu bringen wollten, alles zu essen, was essbar ist, denn die Familie lebte in bitterer Armut. Und so beginnt sie, sich an diesem seltsamen Ritual festzuhalten. Als Ji-won eines Abends aus Liebe zu ihrer Mutter ebenfalls ein Fischauge isst, scheint sich tatsächlich etwas zu verändern. Die Mutter wird lebendiger, beginnt wieder zu lächeln – und bringt bald einen neuen Mann in ihr Leben: George. 

George ist Amerikaner, weiß, selbstbewusst, laut – und von Anfang an eine Figur, die mir zutiefst unsympathisch ist. Er spricht ein paar Brocken Koreanisch, auch wenn diese kaum verständlich sind, gibt sich interessiert und charmant, doch hinter seiner Fassade lauert etwas anderes. Ji-won und Ji-hyun spüren es sofort: Dieser Mann bringt nichts Gutes. Seine Kommentare sind herablassend, seine Gesten übergriffig, sein Lächeln falsch, schon beim ersten Treffen in einem Restaurant wird klar: George hält sich für ein Gottesgeschenk an die Menschen, er gibt sich nicht einmal ansatzweise Mühe, die Namen der jungen Frau richtig auszusprechen und nennt sie JW und JH, spätestens dann wäre ich als Mutter aufgestanden und gegangen. Für die Mutter aber ist er ein Hoffnungsschimmer – oder vielleicht nur ein letzter Strohhalm in ihrer Einsamkeit.

Was Monika Kim in diesem Roman so eindrucksvoll gelingt, ist die Darstellung subtiler Gewalt. George ist kein klassischer Bösewicht – und gerade das macht ihn so erschreckend real. Er ist der Typ Mann, der sich überlegen fühlt, der andere kleinmacht, ohne laut zu werden. Der mit Geld, Sprache und kultureller Arroganz Macht ausübt – und dabei stets den Anschein von Freundlichkeit wahrt. Ji-wons Ohnmacht, ihre stille Wut, ihr wachsendes Misstrauen – all das ist spürbar und erschütternd authentisch erzählt.

Ein zentrales Motiv des Romans sind die Augen. Ji-won träumt von ihnen, sie beobachtet, wird beobachtet. Sie stehen meiner Meinung nach für Kontrolle, für Macht, für das Gesehenwerden und

 Ji-won entwickelt einen Heißhunger auf Augen. 

Ji-won beginnt zu handeln, sie will kein Opfer sein und so haben wir hier nicht nur einen Roman über Feminismus, Rassismus sondern auch einen Thriller, der zeigt wozu Menschen fähig sein können, um ihre Familien zu schützen und sei es mit brutaler Gewalt. 

Das Beste sind die Augen ist  trotz allem für mich ein stilles, aber kraftvolles Buch. Es erzählt von Rassismus, nicht nur von dem offenen Rassismus, von dem wir uns wohl alle aus tiefstem Herzen distanzieren, es erzählt auch von Alltagsrassismus, den kleinen unbedachten Worten, mit denen wir unbeabsichtigt andere verletzen. Die Geschichte erzählt von kulturellen Brüchen, aber auch von Mut, Widerstand und der Suche nach dem eigenen Platz in einer Welt, die oft ungerecht ist. Mich hat die Geschichte tief bewegt und lange beschäftigt. Sie ist unbequem, ehrlich und wichtig.




  • Herausgeber ‏ : ‎ kiwi sphere
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 3. Juli 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 352 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462009982
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462009989
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Eyes Are The Best Part

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