Samstag, 4. November 2023

Himmelfahrt: Mission in den Tod von Michael Binge ( übersetzt von Katharina Naumann und Silke Jellinghaus )

 

Klappentext: Ein Berg gigantischer Ausmaße, der plötzlich mitten im Pazifik auftaucht: Der brillante Wissenschaftler Harold Tunmore steht vor dem größten Rätsel seiner Karriere. Nur zwei Personen kehrten von der ersten Expedition zurück, einer davon nimmt sich im Anschluss vor Harolds Augen das Leben. Die andere ist seine Exfrau, die Harold vor vielen Jahren im Stich ließ, als sie ihn am dringendsten brauchte. Um sie zu retten, unternimmt er mit anderen nicht weniger brillanten Geistern einen neuen Versuch, dem Geheimnis des Berges auf die Spur zu kommen. Was er erlebt, erschüttert jedoch die Grundfesten der Welt, und dem Aufstieg auf dem Gipfel folgt ein Absturz ins Bodenlose.

Im Vorwort erfahren wir, dass der Physiker Harold Tunmore  1990 verschwand, sein Bruder beschreibt dieses Verschwinden als vorhersehbar, denn Harold hatte nie eine große Bindung zu seiner Familie, sah man einmal von seiner Nichte Harriet ab, die er sehr liebte und von der er eben sosehr geliebt wurde. Für sie änderte er sein Verhalten und stieg aus seinem Elfenbeiturm herab, wie sein Bruder es nannte. Harold bleibt verschwunden, bis Benjamin 20 Jahre später einen Anruf erhält, der ihn zu einem Pflegeheim führt, in dem Harold sei Jahren lebt.

Harold hat viele Briefe an Harriet geschrieben, von denen diese allerdings nur drei erhalten hat, den Rest händigt er an Benjamin aus und wir erfahren gemeinsam mit ihm, was Harold zugestoßen ist.

Romane, die in Briefform verfasst sind, bergen für mich persönlich immer Schwierigkeiten, ich mag sie nicht wirklich, allerdings trieb mich die Neugier dazu, immer weiterzulesen und bald war mir klar, dass gerade diese Form ein wichtiges Stilmittel ist, um Harolds Gemütszustand zu beschreiben.


Der Autor Michael Binge lässt sich Zeit, damit die Handlung voranzutreiben, und steigert damit die Neugier seiner Leserinnen und Leser.  Ich weiß nicht, wie oft ich bei Sätzen wie »Das darf ich ihnen nicht sagen. Sie haben nicht die Sicherheitsfreigabe dafür«, mit den Zähnen geknirscht habe, denn warum zieht man einen Experten zurate, wenn man ihm nicht sagen will, was er wissen muss, um überhaupt einen Einblick in das Geschehen zu bekommen und damit eventuell zur Lösung des Geheimnisses beitragen kann? Das Geheimnis, dessen Lösung auf dem Gipfel eines Berges liegt, der unvermittelt aus dem Meer herausragt.

Ich könnte euch jetzt noch seitenweise von Harolds Reise auf den Berg erzählen, von seinen Beweggründen diese überhaupt anzutreten, von dem Horror, der ihn erwartet. Aber vielleicht liegt Harolds Horror gar nicht in der Reise zum Gipfel, vielleicht liegt er in seinem Inneren, in seinem Wesen, innerhalb Mauern, die er um sich errichtet hat, weil sein Verstand so anders als der anderer funktionierte und damit Angriffspunkte für Mobbing und Ausgrenzung bot, die Mauern, die erst Risse bekamen, als er seine Frau Naoko kennenlernte und gemeinsam mit ihr ein Kind adoptierte. Und vielleicht ist dieser Verstand nach einem grausamen Schicksalsschlag zersplittert?

Wer kann beurteilen, was Realität ist und was sich nur in Harolds Kopf abspielt?

Das zu entscheiden, liegt an den jeweiligen Leserinnen und Lesern. 

Ich vergebe für »Himmelfahrt« eine Leseempfehlung für alle, die etwas Besonderes suchen.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die ich mit der Briefform hatte, habe ich mich darauf eingelassen und für mich beschlossen, das Buch einfach großartig zu finden, es ist ungewöhnlich und lässt viele Interpretationen zu. 


  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Paperback; 1. Edition (19. Oktober 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 416 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3864931991
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3864931994
  • Originaltitel ‏ : ‎ Ascension





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