Freitag, 18. November 2022

Meine Mutter sagt von Stine Pilgaard

 


    Hass ist ein starkes Wort, sagt meine Mutter.
    Meine Mutter nennt mich Schätzchen und findet, ich soll nicht so negativ sein.

    Meine Mutter sagt

    ist das Debüt der in Kopenhagen lebenden Schriftstellerin Stine Pilgaard, deren preisgekrönter Roman Meter pro Sekunde ebenfalls im Kanon Verlag erschienen ist. Ich hatte das Vergnügen dieses Buch vor einiger Zeit zu lesen und war deshalb sehr gespannt auf, 

    Meine Mutter sagt.

    Die Ich-Erzählerin zieht, nachdem ihre Freundin sich von ihr getrennt hat, gezwungenermaßen zu ihrem Vater, verzweifelt und am Boden zerstört versucht sie alles, um ihre Freundin zurückzugewinnen, während ihre Mutter ihr immer wieder ungebetene Ratschläge gibt, die zwar wohlmeinend, im ersten Liebeskummer aber nicht hilfreich sind denn Liebeskummer und der damit verbundene Weltschmerz muss wohl ausgelebt werden, damit man ihn verwinden kann. Und so ergeht es auch der Protagonistin, die die ganze Zeit über namenlos bleibt. Nach und nach überwindet sie ihren Schmerz.

    Aber es geht in diesem Buch nicht nur um Liebeskummer und Weltschmerz, es geht auch um die Beziehung zwischen einer Mutter und ihrer Tochter, da ist diese Liste, die die Mutter ihrer Tochter gibt, damit diese eine Rede zu ihrem 60sten Geburtstag halten kann, auf dieser Liste stehen besondere Lebensereignisse u.a. die Geburt der Tochter, damit wie auch mit all den ungewollten Ratschlägen scheint sie zu versuchen ihrer Tochter all ihre Liebe zu zeigen, ihr zu sagen: Ich bin für dich da, ich will dir helfen, in deinem Kummer und dich aufmuntern, doch die junge Frau ist lange nicht bereit oder noch nicht fähig das zu verstehen, sie kam mir nicht vor wie eine Frau von 25 Jahren, sondern eher wie ein Teenager, intelligent, klug und schlagfertig, aber immer noch auf Konfrontationskurs gegen ihre Mutter.

    Das Buch ist in kurze Kapitel unterteilt, die sich immer wieder mit Seepferdchen-Monologen abwechseln, die uns tiefer in das Gefühlsleben der Protagonistin blicken lassen. Seepferdchen nennt man auch den Hippocampus, ein wie ein Seepferdchen geformtes Hirnareal, das für das bewusste Abspeichern und Abrufen von Erinnerungen zuständig ist, da habe ich wieder etwas gelernt.

    Ich mochte das Buch sehr, der Schreibstil der Autorin hebt sich erfrischend von anderen ab, die das Thema behandeln, die Dialoge mit ihrer Mutter sind oftmals sehr amüsant, die Beziehung ihres Vaters, der sich mit Ratschlägen zurückhält, ist geprägt von Wärme und Zuneigung.

    Ein großes Lob gebührt sicherlich dem Übersetzer aus dem Dänischen, Hinrich Schmidt-Henkel.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Kanon Verlag Berlin; 1. Edition (9. November 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 192 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3985680310
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3985680313
  • Originaltitel ‏ : ‎ Min mor siger





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