Freitag, 15. April 2022

Köstliches und Kostbares: Kulinarische Reisen von Marise Condé

Klappentext: Mit der von ihrer Großmutter Victoire geerbten Leidenschaft für die Kochkunst als rotem Faden setzt Maryse Condé die Reihe ihrer autobiografischen Werke fort und nimmt uns mit auf ihre Reisen nach Indien, Japan, Australien, Kuba und in andere Länder. Kulinarische Entdeckungen und Erinnerungen sind dabei stets Anknüpfungspunkte für Reflexionen über politische, soziale und kulturelle Probleme, bieten Anlass für die kritische Auseinandersetzung mit eigenen Ansichten, Hoffnungen und Enttäuschungen. Wie in Mein Lachen und Weinen oder Victoire erzählt Maryse Condé voll Humor und menschlicher Wärme und bettet das persönliche Erleben in die großen Zusammenhänge ein. Nicht zuletzt ist auch dieses Buch von Maryse Condé die Geschichte einer Rebellion: Dass eine Intellektuelle sich für das Kochen interessiert, erschien vielen als ein Frevel. Maryse Condé zelebriert ihre »Majestätsbeleidigung« umso genüsslicher – ein Vergnügen, an dem dank der kongenialen Übersetzung von Ina Böhme nun auch das deutschsprachige Publikum teilhaben kann.

Mir war die Autorin Marise Condé vollkommen unbekannt, auch die Titel ihrer bisher erschienen Bücher sagten mir nicht, so konnte ich vollkommen unbefangen an dieses Buch gehen, ich hatte keinerlei Erwartungen. Köstliches und Kostbares ist, um es gleich vorweg zu sagen, ein wunderbarer Roman, in dem die Autorin von ihren Reisen erzählt. Ich liebe den Stil, in dem dieses Buch geschrieben ist, die Sprachkunst der Autorin ist bemerkenswert, hier muss auch die Übersetzerin Ina Böhme erwähnt werden, ich hatte nie das Gefühl, das es sich bei dem Roman um eine Übersetzung handelt, so fließend und leicht lies es sich lesen. 

Doch worum geht es eigentlich? Marise Condé erzählt im Vorwort davon wie sehr sie das Kochen liebt und wie schwierig es manchmal ist, den Menschen zu vermitteln das Kochen und Schreiben für sie auf einer Stufe stehen und auch wenn sie im Vorwort nur kurz ihre Großmutter erwähnt, die als Köchin bei weißen Kreolen arbeitete und nie die französische Sprache lernte, spürt man den Stolz den sie auf diese Frau verspürt in den wenigen Worten. 

Dann nimmt sie uns mit auf ihre Reisen, sie berichtet von Kuba, wo sogar der Kaffee schlecht war, vom Essen im Hotel ganz zu schweigen, oft sind ihre kulinarischen Erlebnisse im Vordergrund der einzelnen Kapitel, dann wieder die politischen Gegebenheiten, wie in Kapitel 10. The Land of Milk an Honey. Auf einer Reise nach Israel spürt sie den Konflikt zwischen Palästina und Israel sehr deutlich und sie lässt die Leser teilhaben an ihrem Ärger darüber, dass Amerika Israel immer wieder zu Hilfe eilt, sie vergleicht den Konflikt mit dem Kampf Davids gegen Goliath.
Marise Condé gibt auch viel Privates von sich preis, der Tod ihres Sohnes, der an HIV starb, trifft nicht nur sie bis ins Herz, als Leser leidet man mit ihr.

Ich werde wohl ihre Autobiografie. Das ungeschminkte Leben noch lesen, um mehr über diese außergewöhnliche Frau zu erfahren. 

Zur Autorin:

Maryse Condé, 1937 in Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe geboren, gilt als eine der großen Erzählstimmen unserer Zeit. Mit 16 Jahren ging sie zum Studium nach Paris und lebte später mehrere Jahre in Westafrika. Maryse Condé unterrichtete u.a. an der Sorbonne und war Professorin für französische Sprache und Literatur an der Columbia University in New York. Bekannt wurde Maryse Condé durch die Familiensaga »Segu«, in der sie die Geschichte der westafrikanischen Familie Traoré erzählt. Sie wurde u.a. mit dem Prix de l'Académie Française, dem Prix Marguerite Yourcenar sowie dem Alternativen Literaturnobelpreis ausgezeichnet. 2020 wurde ihr in Frankreich der nationale Verdienstorden verliehen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ litradukt Literatureditionen; 1. Edition (28. März 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 254 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3940435414
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3940435415
  • Originaltitel ‏ : ‎ Mets et merveilles


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